Zurück ins Büro

Ich genieße noch einen letzten Kaffee in der Vormittagssonne. Ich gehe noch einmal mit meiner Freundin an einem Wochentag frühstücken. Ich nutze noch einmal die Gelegenheit, Vormittags durch die Stadt zu schlendern. Noch einmal genießen. Noch 14 Tage. Dann fängt ein anderes Leben an.

Am 3. November gehe ich zurück ins Büro.

Ich war mal sehr glücklich dort. Ich habe einen großartigen Arbeitsplatz mit netten Kollegen und dem besten Chef, den ich mir vorstellen kann. Als ich als Rechtsreferendarin in das Unternehmen kam, war ich überwältig und bis heute ist viel von der Faszination für den Konzern geblieben. Aber wo hab ich nur den ganzen Elan hingelegt, als ich am letzten Tag vor dem Mutterschutz nach Hause kam? Der muss doch irgendwo sein…

Nach jedem Urlaub fällt der Wiedereinstieg schwer, aber das hier ist noch ein bißchen schwieriger. Ich muss nämlich schon wieder meine Rolle ändern und mich neu definieren. Die Miez hat vor einiger Zeit einen sehr schönen Post zum Thema verfasst, in dem sie schreibt, wie absurd es ist, dass man immer in irgendeine Schublade gesteckt wird, und egal in welcher Schublade dieser Kommode namens Mutter man steckt, es nie jemandem recht machen kann. Ich ziehe nun also aus der Elternzeit-Mama-Schublade aus und suche mir meinen Platz in der Working-Mom-Schublade.

Ich kenne die Working-Mom Schublade noch gut. Ganz hübsch ist es da. Es liegen allerdings auch eine Menge Streß, Unzufriedenheit, Zeitmangel, Gewissensbisse und ähnliche Störfaktoren herum, und an manchen Abenden werde ich mich auf den Mann stürzen und ihn stellvertretend für alle Kollegen dafür beschimpfen, dass es viel zu wenig Verständnis für Vereinbarkeitsprobleme gibt. Dann wird er mich ein bißchen coachen und plötzlich sind die Probleme alle wieder lösbar und ich gehe am nächsten morgen wieder wie immer ins Büro. Bis das nächste spannende Projekt an den viel flexibleren Kollegen geht.

Ich habe übrigens das Glück, einen Arbeitgeber zu haben, der die handelsüblichen Voraussetzungen für Vereinbarkeit alle erfüllt: Gleitende Arbeitszeiten, die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten (und das funktioniert bei meinem super-Chef auf Zuruf: „Kind krank, kann ich heute von zu Hause arbeiten?“). Meine Kinder gehen beide in eine betriebseigene Kita, die von 7-19 Uhr geöffnet hat und keine Ferien kennt, mit Ausnahme von Heiligabend und Silvester. Für Menschen in Elternzeit gibt es ein System von Mentoren, Calls und Veranstaltungen, durch das man auch während der Elternzeit mit dem Unternehmen in Kontakt bleibt- kurz: Es wird mir so einfach gemacht, wie es geht!

Nur gegen die innere Zerrissenheit nützt das alles nix:

Das Meeting dauert länger, als geplant: Gehe ich vor dem Ende oder lasse ich die Kinder ein bißchen länger in der Kita?

Ein Kind ist schon wieder krank: Lasse ich mir einen Betreuungsschein geben oder tausche ich den Tag lieber mit meinem freien Tag, damit mein Image nicht so schrecklich „muttimäßig“ wird?

Und dann sind da noch all diese Bedenken, die sich jetzt, kurz vor dem Wiedereinstieg auftürmen:

Habe ich die Aufteilung gut gewählt, oder sollte ich mehr oder weniger Stunden pro Woche arbeiten, um sowohl eine gute Mutter, als auch eine gute Arbeitnehmerin zu sein? Wenn ich im Büro bin, will ich mich dort zu 100% einbringen, aber am frühen Nachmittag muss ich gehen. Kaum nehme ich meine Kinder in den Arm, brechen die vollen 100% Mutter durch und ich wünsche mir, ich hätte mehr Zeit, um diese nie wiederkehrenden Jahre mit den Jungs zu genießen.

Bin ich als arbeitende Mutter zufriedener?
Oder bin ich gestresster?
Kann ich die Zeit mit meinen Kindern mehr genießen, oder werde ich es kaum erwarten können, dass sie in ihren Betten sind, damit ich endlich ein bißchen Zeit für mich habe?
Werde ich weiterhin gerne bloggen? Oder falle ich abends nur noch todmüde vor den Fernseher?
Komme ich mit meiner Arbeitszeit aus? Oder sitze ich abends noch an Präsentationen, die ich nicht fertig bekommen habe, bis ich die Kinder aus der Kita holen musste?

Diese Bedenken vergiften mir ein wenig die letzten Tage meiner Elternzeit, weil ich sie Tag und Nacht in meinem Kopf hin und her schiebe. Dabei weiß ich eigentlich, dass alles nicht ganz so dramatisch wird. Hab´ich schließlich schonmal geschafft.

Ich freue mich darauf, mich der Welt meines Mannes wieder mehr zugehörig zu fühlen und ich freue mich darauf, den Kindern vorzuleben, dass Geld verdienen nicht Männersache ist. Und ich freue mich darauf, wieder eigenes Geld verprassen zu können.

Um die Vorfreude zu steigern, fange ich am besten mit dem Geldausgeben sofort an. Ich brauche ja schließlich etwas zum Anziehen an meinem ersten Tag. Das erste Gehalt auf den Kopf hauen, bevor es auf dem Konto ist? Kann ich!

Und jetzt will ich Tipps von den arbeitenden Müttern unter Euch: Was muss ich vorher unbedingt noch erledigen? Wofür hättet Ihr gerne mehr Zeit?

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13 Gedanken zu “Zurück ins Büro

  1. „Und jedem Abschied wohnt ein Zauber inne.“

    Die vielen Fragen kann ich sehr nachvollziehen und freue mich, dass ich sie hier lesen kann. Das mit dem Einkaufen machst du schon ganz richtig. Ich an deiner Stelle würde wahrscheinlich noch einmal in aller Ruhe schwimmen gehen. Und noch 20 Texte bloggen, die deinen Lesern über die ersten paar Wochen hinweghelfen. 🙂
    Viel Spaß beim Wiedereinstieg. Die Bedingungen, die du da hast, klingen übrigens tatsächlich toll.
    Alles Gute
    Heike

  2. Liebe Mia,
    das hast Du mal wieder einfach wunderbar ge- und beschrieben.
    Was ich ja klasse finde: Die Möglichkeiten, die Dein Konzern so bietet, WOW, WOW und nochmal WOW! Selbstverständlich ist das ja (leider) nicht.
    Natürlich bleibt die innere Zerrissenheit und das Gefühl, in allen Bereichen 100% geben zu wollen, aber zumindest macht es den Einstieg organisatorisch ein wenig leichter, wenn man weiß, dass die Kinder gut versorgt sind.
    Ich muss gestehen, all diese Gedanken hab ich mir damals beim Wiedereinstieg gar nicht gemacht. Nach 2 Jahren freute ich mich einfach, endlich etwas anderes zu sehen. Dafür kamen die ganzen Bedenken nach und nach und mit voller Wucht. Klar.

    Ich wünsche Dir jedenfalls, dass Dir der Einstieg gut gelingt und alles so gemanagt bekommst, wie Du es Dir wünscht.

    Was die „Vorher-erledigen-Liste“ angeht, so bist Du doch auf einem super Weg: Shoppen, Kaffee trinken, Freunde treffen und die Zeit noch genießen, bevor es ernst wird. 😉

    Liebe Grüße,
    die Alltagsheldin

  3. Ich kann zwar keine Wieder-Einstiegs-Tips geben da ich von einer Elternzeit in die nächste rutsche, aber ich würde nochmal richtig schön Mittagsschlaf machen 😀 😉
    Und deine Arbeitsbedingungen als Mami mit Betriebskita etc klingen ja echt total genial! Trotzdem kann ich die Bedenken gut nachvollziehen 😉

  4. ich kann dich sehr gut verstehen. ich arbeite seit august wieder, allerdings nicht wie vor meiner Schwangerschaft vollzeit sondern halbtags und ich muss sagen das reicht völlig aus. oft schaffe ich es zum Mittagsschlaf zuhause zu sein und dann können wir uns gemeinsam ein bissel ausruhen, alles andere wäre mir noch zu viel. ich würde die Bestzeit auch nochmal in vollen Zügen genießen, lass es dir so richtig gut gehen. seit ich wieder arbeiten gehe kommt mir die zeit mit meinem kind so unendlich kurz vor <3

  5. Mein Wieder-Einstieg war weniger „gleitend“ als deiner, da ich direkt von der (durch einen schönen Sommer-Urlaub unterbrochenen) Kita-Eingewöhnung direkt wieder auf 40h-Job verteilt auf 2 Arbeitsplätze eingestiegen bin (hört sich schlimmer an als es ist, da ich in der Wissenschaft arbeite und damit zeitlich sehr flexibel ). Den Wechsel „100% Arbeitnehmerin“ (bzw. als Wissenschaftlerin nicht nur meinen Chefs, sondern auch meiner eigenen Karriere verflichteten Wissenschaftlerin) und „100% Mutter“ mache ich nun auch jeden Tag wieder mit und dies hat mich vor allen in den ersten Wochen sehr gestresst (mittlweile bin ich aber wieder gut im „Arbeitsmodus“). Nun hat sich aber die für mich wunderbare Lösung ergeben, dass ich im Frühjahr bei einem meiner Arbeitgeber auf eine 30h-Stelle wechseln kann und dies auch noch verbunden mit dem nächsten Karriereschrit. Dies scheint für mich die perfekte Lösung in der Work-Life-Balance zu sein, denn damit habe ich nicht nur mehr Zeit für meine beiden Jungs, sondern – so zumindest die Hoffnung – auch für mich.

    Beim Tipp für die nächsten Wochen, schließe ich mich Anja an: Mittagsschlaf oder einfach so auf dem Sofa mit Buch und Kaffee entspannen.

    1. Wow, das ist ja wirklich ein ordentliches Pensum!Mit dem nächsten Karriereschritt und dem Wechsel auf eine 30 h Stelle fährst Du dann wohl Deine verdienten Früchte ein! Das klingt wirklich toll! Viel Spaß dabei!!

  6. Ach Mia, dieser Beitrag war heute genau das, was ich gebraucht habe! Ich hatte nämlich heute meinen ersten Tag zurück im Job nach acht Monaten Babypause. Und was soll ich sagen: Es hat Spaß gemacht! Jedenfalls bis etwas Unvorhergesehenes dazwischen gekommen ist. Das gehört zu meinem Job und ist keine Seltenheit. Aber es war klar, dass ich eben nicht um 17 Uhr zu Hause sein würde, um noch eine Stunde Quality-Zeit mit meinem Sohn zu verbringen und ihn dann ganz entspannt und liebevoll ins Bett zu bringen. Egal, mein Schätzchen und ich haben noch Zeit gefunden zum Flirten und Rumkaspern und ich habe ihn mit viel Liebe einfach etwas später als sonst ins Bett gebracht. Und morgen gehe ich wieder ins Büro – mit Zerrissenheit, aber auch mit viel Spaß. Und mit dem Gefühl, dass mir mein Kind schrecklich fehlt. Genieße noch die letzten Tage. Und übrigens: Danke für deinen schönen Blog!

  7. Hallo Mia,

    ich habe gerade deinen Beitrag gelesen. So ging es mir auch mit meinem Sohn. Der ist in der Kita, seit er eins ist, und seitdem gehe ich auch wieder arbeiten. Nun sind fast zwei Jahre vergangen, in denen ich Bilanz ziehen kann. Ich muss sagen, bis auf die Betriebskita habe ich bei meinem Arbeitgeber die gleichen Voraussetzungen wie du, also lebe ich relativ flexibel. Das ändert nichts daran, dass es auch gerne mal stressig wird (die neue Krankheitswelle hat gerade erst begonnen, und so fehle ich, wenn Sohnemann und ich krank sind). Trotzdem möchte ich nicht tauschen. Die Arbeit gibt mir ein Umfeld, in dem ich mich auskenne, schließlich bin ich schon viele Jahre mehr Arbeitnehmerin als Mama. Und das gibt einem an den Tagen, an denen es mit dem Kind mal nicht so gut läuft, viel Selbstbewusstsein zurück. Gute Arbeitsergebnisse, nette Kollegen und Zeit, mal einen kreativen Gedankengang in Ruhe auszuführen, motivieren mich, diesen Spagat zu stemmen. Und der Nachmittag gehört ganz exklusiv meinem Kind. Wir spielen, basteln, toben und treffen Freunde. Ich genieße es, auch mal wieder „Erwachsenengespräche“ zu führen, in denen es nicht um Windeln, Trotzänfalle und Schlafenszeiten geht. Das ist „meine“ Zeit. Und ich bin seitdem viel zufriedener, auch wenn es oft stressig ist. Aber mal ehrlich: stressig ist es „nur“ Zuhause auch. Man muss halt ein paar Abstriche machen, was das Chaoslevel der Wohnung beträgt, denn irgendwo muss die Zeit zum Arbeiten ja herkommen 😉

    Ich bin froh zu lesen, dass es nicht nur mir so ging. Aber nach der ganzen Zeit muss ich sagen, dass ich stolz bin, das alles koordiniert zu bekommen und trotzdem zu sehen, wie sehr mein Kind mich liebt. Und die Kita ist keine Strafe für Kinder berufstätiger Mütter, sondern eine tolle Chance, neue Freunde zu finden und Dinge zu erleben, die ich ihm gar nicht zeigen kann, weil ich weder Pädagoge noch anderes Kind bin. Und ja, so lernt er auch, dass nicht nur die Papas das Geld nach Hause bringen.

    Freu dich auf deinen Job. Auch wenn du manchmal die Mamikarte ziehen musst, weil dein Krümmel hustet und zu seiner Mama will.

    1. Danke für Deinen aufmunternden Kommentar! Es macht Spaß, von so einem positiven Beispiel zu lesen! Ich gehe auch gerne arbeiten und freue mich drauf, auch wenn im Moment eher so „nach-dem-Urlaub-Katerstimmung“ herrscht. LG Mia

  8. Hallo Mia…Du sprichst mir aus der Seele. Ich hatte am 1.10. meinen ersten Tag nach einem Jahr Elternzeit mit meinem zweiten Sohn. Ich bin auch RA in einem Unternehmen. Es ist ein mittelständisches Unternehmen, kein Konzern und der Job ist total vereinbar mit den Jungs. Ich arbeite 20 Stunden, würde aber sagen, dass ich fast so effizient bin wie bei 40 Stunden;-) nachdem der erste Schock des Wiedereinstiegs vergangen war und ich mein Zaudern ablegen konnte, fühlte ich mich eigentlich wieder ganz wohl…mal wieder in der Erwachsenenwelt angekommen, sich vernünftig artikulieren, eben nicht Nur- Mama sein, mal in Ruhe einen Kaffee trinken und sich was ordentliches anziehen. Ich habe in meinem beiden Elternzeiten nun festgestellt, dass sich so gut wie nie was großartig ändert. Ein paar neue Gesichter, neue Akten und Projekte, aber die gleichen altbekannten Abläufe, Mechanismen etc pp. Ich komme jetzt noch viel lieber nach Hause zu meinen Jungs und sie beiden Mäuse fühlen sich in ihrer jeweiligen Betreuung sehr sehr wohl! Also, Du packst das! Wer zwei Jungs handlen kann, kriegt den Job locker hin! Ich gehe auch Morgen weiter gern ins Büro, auch wenn ich un Gedanken schon wieder die nächste Elternzeit plane;-) genieß die restliche Zeit umd mach doch nochmal was nur für Dich!!!

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