Die perfekte Mutter

Es gibt sie, die perfekte Mutter! Ihr Kind geht in dieselbe Kita wie meine Kinder.

Wenn ich ihr Auto auf dem Parkplatz vor der Kita sehe, warte ich immer so lange im Auto, bis sie mit ihrem Kind hinauskommt. Dann winke ich freundlich und tue so, als würde ich telefonieren, bis sie wieder im Auto sitzt.

Manchmal geht es nicht anders, dann muss ich mit ihr sprechen.  Das ist eigentlich immer sehr erhellend, denn es gibt ja so viele Dinge, die ich nicht weiß. Sie weiß alles.

Sie weiß alles über die richtige Ernährung. Sie weiß alles über Krankheiten und alternative Heilmethoden. Sie weiß sogar alles über Erziehung.

Ihre Sätze beginnen fast immer mit: „Man soll die Kinder ja…“, oder „Man soll ja nicht…“ Sie weiß es einfach.

Ihr Kind ist dementsprechend wunderbar. Oft erzählt sie, was ihr Kind schon kann oder was ihr Kind tolles gesagt hat. Kein anderes Kind ist so toll wie ihres und wenn sie mir stolz davon erzählt, schiele ich traurig auf meine Brut und bin von ihrem Kind schwer beeindruckt.

Warum schlagen denn nur meine Kinder dauernd über die Stränge? Maxi hat zum Beispiel gerade eine sehr ausgeprägte „Kack-Pups-Phase“.  Er und sein bester Kita-Freund begrüßen sich morgens schon liebevoll mit „Du Kacker! Du Pupser!“ und dann wälzen sie sich glücklich miteinander über den Fußboden.

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„Naja, diese Phase machen ja alle Kinder irgendwann mal durch“, murmelte ich entschuldigend und mit rotem Kopf, als sie vor ein paar Tagen so eine Szene beobachtete und offensichtlich etwas angewidert von so viel schlechtem Benehmen war. „Nein, mein Kind nicht“, antwortete sie. „Aber es spielt im Moment total gerne mit Mini LÜK! Ist das nicht toll?!“

Lange habe ich mich gefragt, wie sie das macht. Wie kann man so überzeugt davon sein, alles richtig zu machen und damit sogar andere Mütter, die sich sonst auch nicht für so schlecht halten, verunsichern?

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Als wir gestern unsere Kinder aus der Kita holten, hat mein Telefonier-Trick leider nicht funktioniert, denn sie kam erst kurz nach mir, als ich meine Deckung also schon aufgegeben hatte. „Na, was macht Ihr heute Schönes“, fragte sie, nur um mir unter die Nase reiben zu können: „Wir gehen ins Museum, das machen wir ja so gerne!“

Da kamen uns unsere Kinder entgegengerannt. Man hörte schon von weitem ein Getrampel wie von einer Elefantenherde. Maxi rannte voraus, gefolgt von dem perfekten Kind: „Du Kacker!“, schrie das perfekte Kind dem Maxi hinterher und beide Kinder lachten wahnsinnig. Ich sah in das entsetzte Gesicht der Mutter  und für einen Moment dachte ich, ich höre nie wieder auf zu lachen.

Ganz kurz, aber wirklich nur ganz kurz schien sie zu taumeln. Dann fasste sie sich und sagte entrüstet und voller Überzeugung: „DAS hat der MAXI ihr beigebracht!“ Ja genau! Und der Maxi hat´s erfunden, oder was?

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Es war nicht das erste Mal, dass sie mir das Gefühl gab, meine Kinder seien einfach schlecht erzogen und hätten auch auf ihr Kind einen schlechten Einfluss. Erst sehr viel später an diesem Abend hatte sich meine Wut auf die Frau gelegt. Und nachdem sich auch die Wut auf mich selber und meine Unfähigkeit gelegt hatte, dieser Frau im richtigen Moment die richtige Antwort zu geben, fing ich an, sie ein kleines bißchen zu bewundern.

Eigentlich macht sie ja nichts anderes als alle anderen Mütter dieser Welt: Sie tut das, was sie für richtig hält. Der Unterschied ist nur, das sie alles andere ausblendet. Sie sieht keine anderen Eltern und keine anderen Kinder. Alles, was sich außerhalb ihres eigenen Kopfes abspielt ist interessiert sie nicht. Und wenn sie etwas gar nicht mehr verleugnen kann, dann sind es eben einfach die anderen schuld. So geht sie dauerlächelnd zufrieden mit sich und der Welt durchs Leben.

Eigentlich sollte man sich eine Scheibe davon abschneiden. Ein bißchen mehr Selbstbewusstsein in Bezug auf den eigenen Umgang mit Erziehungsfragen kann nicht schaden. Ihre klugen Sprüche nerven allerdings as hell! Und wenn man sich nicht gerade hinterm Telefon im Auto verstecken kann, ist das echt einfach- man kann es nicht anders sagen- KACKE!

Das passende T-Shirt vom Maxi habe ich übrigens bei la fraise rouge entdeckt und man kann es HIER bestellen. Die Kakaoflecken müsstet Ihr dann noch selber hinzufügen…

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23 Gedanken zu “Die perfekte Mutter

  1. Bewundernswert, wieviel Verständniß du hier aufbringen kannst. Für mich leidet diese Sorte von Menschen unter herbem Realitätsverlust. Kinder sind Kinder. (Punkt!)
    Ich habe gerade Horrorvisonen von 4 jährigen die in Uniform durchs Museum ziehen und die Evolutionstheorie lernen. AAAAAH! Hilfe! Zum Glück hab ich „nur“ eine Kackerin und eine Pupserin 😉

  2. Sehr sympathisch deine Kinder. So sollten Kinder auch sein. Wann kann man sich schon legal daneben benehmen? Genau, in der Kindheit! Meine Kinder begrüßen ihre Kumpels auch mit kreativen Wortschöpfungen rund um Fäkalien. Und lachen sich darüber kaputt. So muss das sein 🙂

    Viele Grüße,
    Marisa

  3. Ich hätte am Boden gelegen vor Lachen!
    Man, man, man ich kann so’ne Mütter garnicht ab und bewundere dich, das du dir eine andere Sichtweise angeeignet hast.

  4. Welches Kind macht das denn bitte nicht! Ich finde das ja sogar irre komisch und sage selbst zu meinem Sohn, wenn er mir grad mal auf den Keks geht. „Weißte was? Du bist grad ein echter Kakapups!“ Es gib wirklich Dinge, die ich niemals von meinen Kindern hören möchte, aber dazu gehört sicherlich nicht das. Außerdem „soll man ja seine Kinder“ 😉 die anale Phase durchleben lassen….hehe. Liebe Grüße Lulu

  5. Ach herrlich.. mein Kind wird wahrscheinlich auch zur Kack-Pups-Fraktion gehören.. denn ich bringe ihr das selber bei: SO 🙂

    Ich glaub, die deine Antwort hätte lauten können: Ja, weil ich ihm das aufgetragen habe.

    Ich geh relativ selbstbewußt damit um, provoziere damit auch gerne mal und es ist mir relativ egal, was die anderen sagen. Natürlich schleicht sich der Gedanke immer mal ein, den erschlage ich aber meist mit nem Knüppel und denke Scheiß drauf 🙂

    Dein Beitrag hätte übrigens super zur MommyWar-Blpogparade gepasst 🙂

    LG Grüße
    Nicola

    P.s. Das Shirt ist super.. hatte er das schon im KiGa an?

  6. Ich finde solche Übermutter einfach lächerlich! Bei uns in der Krippe ist auch so eine wohlerzogene 2-jährige, die ein perfektes Elternhaus aufweist. Die Kleine zieht auch alleine ihr Ding durch, sie ist sehr ernst und ist kein Kind sondern eine halbe Erwachsene. Ne das geht gar nicht. Aber ich will hier nicht urteilen, ob das an der Erziehung liegt oder einfach am Charakter.

    Das was du hier schreibst geht mir jedenfalls gegen den Strich, die Mutter ist bäh 🙂

  7. Lustig! Die kenn ich auch 😉
    Aber ganz ehrlich? Die Hälfte deren Stories sind doch eh gelogen bzw schöngeredet und auch wir freuen uns doch ab und an mal ne superschöngeredete Geschichte zu erzählen, wenn das Kind nun endlich mal was besser kann als die anderen. Zumindest ich tue es 😉

  8. Hier ist es grade Scheisskackscheiss, gehört wohl zur gleichen Wortfamilie – vermute ich. ;o)

    Im Übrigen kann ich für solche Menschen keine Wut empfinden, eher Mitleid. Das permanente Leugnen von Normalität ist in meinen Augen nicht gesund. Oder, um es mit ihren Worten zu sagen: Man sollte sich nicht dauerhaft selber belügen, sondern einfach Spaß haben am Leben mit Kindern. Auch wenn das eine Kack-pups-Phase bedeutet. Ich bin gespannt, was auf diese Phase folgen wird. Und ich bin froh, dass ich das jetzt noch nicht weiß. *g*

    Liebe Grüße
    Sarah

  9. Herrlich! So schön auf den Punkt gebracht! Meine Kinder sind auch grundsätzlich die schlecht erzogenen und ich hab mich gestern über die Nachbarsoma geärgert, die mich knapp mit nemabwertenden Blick gegrüßt hat und für die es scheinbar unverständlich war wie ich die Kinder mit Anlauf in jede Pfütze springen lassen konnte (IHRE Tochter würde so etwas niemals bei ihrer Enkelin zulassen…).

    Ich wünsche Dir und Deinen Lieben ein schönes Wochenende.

    Liebe Grüße

  10. hahaha… *lach*

    Ja, es geht total früh los, dass unsere Kinder im Umgang mit anderen manchmal ein uns unbekanntes Gesicht zeigen! Daran muss sich auch ’ne Super-Mama gewöhnen…

    Neulich ging mein Sohn zusammen mit seinem Freund auf einen „Kleinen“ los, der allerdings eher jünger als wirklich kleiner ist (der Jüngere hatte sich durch verbales ‚Halt-fass-uns-mit-deinen-Schmutzfingern-nicht-an!!‘ zum wiederholten Male nicht abschrecken lassen).

    Instinktiv hatte ich erst mal total Angst, die Mutter könne mir/uns die Schuld in die Schuhe schieben, dass ihr Kleiner von unserem zu solch einer ‚bösen‘ Tat angestachelt wurde.

    Zum Glück hat sie noch nicht mal ansatzweise ein ‚Wer-bringt-ihn-nur-auf-so-Ideen?‘ in den Raum gestellt.

    Ich glaube am Ende waren wir einfach beide ein klitzekleines bisschen froh, dass unsere eigentlich ziemlich braven Jungs sich nicht alles gefallen lassen 😉

  11. Schon wieder so ein wunderbarer Artikel von dir! Von diesen Müttern laufen in unserer Kita auch einige herum…
    Außer „scheiße“, was ich mir selber auch nicht immer vor meinen Kindern verkneifen kann, gibt es bei uns seit der Dreijährige in die Ü3-Gruppe geht im Moment vor allem viel „Mama, du bist nicht mehr mein Freund“. Darüber kann ich immer sehr schmunzeln. Letztens steigerte sich dies dann aber in „Mama, ich mach dich tot, wenn du mich weiter anärgerst.“ Da ist mir kurz das Herz stehen geblieben! Ich frag mich nun aber, wie die perfekte Mutter mit so einem Satz in der Öffentlichkeit umgehen würde?

  12. Auch hier gab es die Pups-Kack-Phase – und das definitiv ohne entsprechenden Einfluss von außen, denn die Kinder haben nur sehr wenig Kontakt mit deutschsprachigen Kindern. Es scheint also wirklich absolut normal zu sein. Ich hab merkwürdigerweise wirklich keine einzige Mutter im Bekanntenkreis die so ist – zum Glück! Allerdings hab ich im Moment das Gefühl, dass man als Mutter in den Augen anderer (Groß-)Mütter nie was richtig machen kann.

  13. Liebe Mia,

    dein Beitrag ist mal wieder sehr treffend geschrieben. Ich musste beim Lesen lachen.
    Ich finde es gut, dass es weder perfekte Mütter noch perfekte Kinder gibt. Alles andere wäre doch langweilig.

  14. Ich lache Tränen!
    Und nein, wie diese Mutter will ich nicht sein. Aber mit dem Mehr an Selbstsicherheit stimme ich überein: Das könnte ich oft brauchen und eigne es mir gerade auch gehörig an.
    Du solltest auf jeden Fall überhaupt nicht durch so eine Frau verunsichert sein. Deine Kinder sind doch große Klasse UND dürfen Kinder sein. Genau so soll´s sein.
    Liebe Grüße
    Julia

  15. Schade, ich hab so eine Übermutter bislang noch nicht kennen gelernt. Sonst hätte ich ihr gesagt, dass ich ins Museum gehen selber kotzlangweilig finde 😉 Ich würde dir empfehlen, dem Maxi mal aus dem Olchi-Buch vorzulesen. Da sind herrliche Schimpfwort Kreationen drin. Meine Mädels lachen sich jedesmal kaputt darüber!
    Und was du brauchst, ist ein bisschen mehr Selbstbewusstsein ihr gegenüber! Ich würde mich da gar nicht von einschüchtern lassen, weil ich so eine Art mit seinen Kindern umzugehen für absolut nicht erstrebenswert halte!

  16. Liebe Mia,

    ganz hab ich das jetzt nicht verstanden. Wer ist jetzt die perfekte Mutter? Du oder Sie? 😉
    Mal im Ernst: nur weil jemand keine andere Meinung zulässt und andere Mütter diffamiert, ist er doch noch lange keine gute Mutter. Ich finde gute Mütter zeigen sich gerade darin Toleranz zu zeigen, nicht nur gegenüber den eigenen Kindern, sondern natürlich auch gegenüber den Mitmenschen.
    Also: „scheiß drauf“ (hihihi), Kopf hoch und zeig der „Perfekten Mutter“, wie „perfekte Kinder“ auszusehen haben: nämlich wie Kinder, die auch Kinder sein dürfen.

    Ganz lieben Gruß, Wiebke

  17. Mein Kleiner ist 4,5 Jahre und er findest es extrem lustig hintereinander diese 3 Wörter zu sagen: „Kacka, Piepi, Popooo“ . Dabei lacht er sehr und vom Herzen.Ich fand es am Anfang gar nicht lustig,aktuell macht mir das nichts mehr aus. Es ist befreiend zu hören, das andere Mamas auch „perfekte Mamas“ kennengelernt haben… Ich bin nicht Schadenfroh, bitte nicht falsch verstehen. Ich bin nur erleichtert weil ich weiß, daß ich nicht alleine bin…

  18. Deine Texte sind wirklich der Oberhammer, Mia. Ich lese sie sehr gerne, sie erinnern mich immer wieder an meinen Alltag, auch mit zwei Jungs. Und so eine perfekte Mutter habe ich leider in der Nachbarschaft, du hast es so treffend geschrieben, ich habe so lachen müssen, obwohl ich mich des öftern über diese Person aufregen muss.

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