Mama im Bikini

Das Kofferpacken hat ewig gedauert. Eigentlich wäre alles ganz schnell gegangen, aber das letzte Teil auf meiner Pack-Liste konnte ich einfach nicht finden: Meinen Bikini.

Ich war von Donnerstag bis Samstag mit dem Mann in einem Wellnesshotel. Meine Eltern hüteten die Kinder und der Mann und ich wollten mal so richtig entspannen. Die Vorfreude war riesig. Aber wo war mein Bikini?

„Wahrscheinlich versteckt der sich vor mir“, dachte ich. Der wäre bestimmt lieber von einer Frau mit Knackpo und Waschbrettbauch gekauft worden und würde jetzt gerne mit den anderen Bikinis stolz am Pool Angeber-Parade machen, anstatt meine Reiterhosen und Schwangerschaftsstreifen präsentieren zu müssen.

Ich fand ihn schließlich in der hintersten Ecke meiner Sockenschublade und versprach ihm, die meiste Zeit ein Handtuch um uns beide zu wickeln. Dann fuhren wir los.

Schon im Auto hatte ich den Eindruck, dass die Stimmung zwischen mir und dem Mann anders war als sonst. Als wäre ein Schalter umgelegt worden, waren Mama und Papa plötzlich wieder ein Paar (der Schalter wurde inzwischen wieder zurückgelegt, so viel kann ich schon verraten, das geht nämlich sehr schnell, wenn ein Kind nachts Fieber bekommt).

Der Urlaub war toll. Es ist so erfrischend, mal eine Mahlzeit einzunehmen, ohne dass jemand ein Glas umwirft. Es tut so gut, mal einen Kaffee zu trinken, ohne dass nach dem ersten Schluck jemand ruft: „Mama! Po abwischeeeen!“ Und die InStyle ist tatsächlich mal eine tolle Abwechslung zu „Pettersson und Findus“! Das Format ist ja ganz ähnlich, Frauenzeitschriften liegen Müttern daher auch nach langer Abstinenz noch gut in der Hand. Wirklich!


Wellness

Wir waren in der Sauna, wir sind geschwommen, wir haben geschlemmt und geschlafen. Ich hätte Monate in diesem Hotel verbringen können. Das dachte ich jedenfalls nach dem ersten Tag. An Tag 2 fielen mir plötzlich die Familien mit Kindern auf.

Zuerst begegneten sie uns in der Sauna. Da saß ein Paar mit zwei kleinen Mädchen, die brabbelten und kicherten und irgendwie hatte die Familie sehr viel Spaß. Der Mann und ich hatten nur Ruhe. Mit der war es natürlich dank der beiden Mädchen vorbei, aber mich hat das gar nicht gestört. Das hätte ich den Eltern auch gerne gesagt, aber die haben leider nicht gefragt.

Im Restaurant am Abend saß eine Familie mit einem kleinen Jungen. Den hat das Essen anscheinend nicht so beeindruckt wie mich, denn er lief nach ein paar Minuten durch den ganzen Raum, blieb an einzelnen Tischen stehen und beobachtete die Leute. Am Nachbartisch stand er ein paar Minuten wie versteinert, bis seine Mutter kam und meinte, er solle die Leute nicht stören. „Nein, nein, lassen Sie ihn, der stört doch nicht. Unsere Kinder bleiben auch nie am Tisch sitzen.“ Ich hätte gerne gehabt, dass der Junge mal zu uns an den Tisch kommt. Dann hätte seine Mutter sich auch bei uns entschuldigt und ich hätte sagen können, dass wir auch zwei kleine Jungs haben. Leider blieb der Junge dann doch bei seinen Eltern sitzen und ich konnte seiner Mutter nicht von unseren Söhnen erzählen.

Am Nachmittag planschten ein Mädchen und ein Junge im Pool. Die Eltern mahnten zwischendurch immer mal wieder zur Ruhe und ich hätte ihnen so gerne gesagt, dass meine Söhne viel lauter sind als ihre Kinder und dass mich ihre Kinder überhaupt nicht stören!

Ich hatte das dringende Bedürfnis allen anderen Eltern mitzuteilen, dass ich auch eine Mutter bin. Das geht mir oft so, wenn ich mit dem Mann ohne Kinder unterwegs bin. Es fühlt sich etwa so an, als wäre ich stolzes Mitglied eines Clubs, hätte aber meinen Mitgliedsausweis nicht dabei.

Nachdem ich alle Kinder betont wohlwollend und alle Eltern übertrieben aufmunternd angesehen hatte, aber niemand mir die Chance gegeben hatte, von meinen Kindern zu erzählen, suchte ich verzweifelt nach einer Möglichkeit, meine Clubzugehörigkeit unter Beweis zu stellen.

Plötzlich fiel es mir ein!

Ich sah auf die Uhr: Zeit für den nächsten Saunagang. Ich erhob mich von meiner Liege und lief am Pool entlang zur Sauna. Ich lief ganz, ganz langsam und dabei schob ich die Hose meines Bikinis  so weit hinunter, wie man es  gerade noch als anständig bezeichnen konnte und hoffte, dass es alle sehen konnten:

Meine Schwangerschaftsstreifen!

In diesem Moment war ich tatsächlich froh, dieses unverkennbare, mütterliche Erkennungszeichen zu haben. Ich hoffe, alle haben es gesehen!

Und mein Bikini? Der hat´s überlebt. Ich bin sicher, Eure werden das auch!

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9 Kommentare

  1. Ganz und gar wunderbar geschrieben. Ich mußte sehr schmunzeln, ich kenne das so gut. So geht es, das Vermissen. Erst ist die Ruhe schön und dann rühren einen die lärmenden Kinder der Anderen. Und wehe, keiner weiß, dass Du auch eine Mutter bist. Was für ein Glück, dass Du es schöne Erkennungszeichen gibt! <3

  2. Was für ein toller Post!! Auch wir fahren nächste Woche in ein Wellnesshotel und auch ich werde übergebliebene Schwangerschaftspfunde und -zeichen mit Stolz tragen. Dein Post hat Mut dazu gemacht. Wir sind Frauen und Mütter und diese Zeichen, dass wir Mütter sind gehören zu einer Frau dazu.

    LG Verena

  3. Hahaha! Ich bin ja normalerweise wirklich dankbar, daß ich keine Schwangerschaftsstreifen habe. Aber im Sommerurlaub habe ich mir ernsthaft gewünscht, daß man mir ansähe, was ich hinter mir habe (und warum ich so weich um die Hüften bin), wenn ich meine zwei Stunden alleine am Strand war – nämlich eine Geburt drei Monate zuvor.

  4. Herrlich! Ich denke auch immer, wenn ich alleine durch die Stadt laufe und einer anderen Mutter begegne: „Hach, wenn Du wüsstest, was ich weiß!“. Manchmal genieße ich es auch so zu tun, als gehöre ich nicht zum Club. Doch spätestens die Windelpäckchen im Einkaufswagen verraten mich dann doch 😉

  5. Liebe Mia, ich habe beim Lesen deines Artikels herzlich gelacht! Mir geht es ähnlich. Bin ich allein unterwegs, habe ich nach einiger Zeit ganz oft das Bedürfnis anderen mit zu teilen, dass ich ebenfalls Kinder habe. Scheint wohl ein Instinkt zu sein 😉

  6. Noch trage ich meinen „Baby an Bord Ausweis“ ja nicht mehr übersehbar mit mir herum 🙂 Musste auch sehr schmunzeln beim Lesen & bin gespannt, welche Gedanken mich dann begleiten werden!

    Danke für den schönen Beitrag!!! 🙂
    Jana

  7. *lach … so suess der Artikel 🙂 Und mir geht es genauso – jedesmal wenn ich alleine durch die Stadt ziehe (auch wenn es ohne den „Anhang“ selten passiert ;)) und anderen Muettern mit Kindern begegne, denke ich „hey, ich hab auch solche Zwerge“ oder „hey, ich bin auch so eine Mama“ 😉 Und das Gefuehl, dass die Leute es nicht wissen koennen, ist mir unangenehm 😉
    Oder…wenn ich nur mit 1 Stueck 😉 unterwegs bin, spreche ich ganz schoen laut von dem Zwerg Nr.2, damit alle wissen, dass ich Mama von 2 Jungs bin.
    Ooooder wenn ich grad Auto ohne die Kindersitze hinten fahre… 😉

    Ja, ja, so ist es aber, wenn man stolz auf das Wichtigste, Schoenste und Erfolgreichste im Leben ist ..

    lg
    anja

  8. Hi Mia, ein lustig geschriebener Artikel. Ich kann mir vorstellen das du Allen stolz von deinen Kids erzählen wolltest. Aber keiner hat dich gelassen. Das ist echt gemein.
    Ich bin nach langem auch wieder zufrieden mit mir und meiner Figur und bin stolz Mutter einer so süssen Tochter zu sein. Bis bald. Lissy

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