Einfach stressfrei mit der U3 Methode

Ich habe eine super Idee! Wenn die umgesetzt wird, gehören gestresste Eltern der Vergangenheit an. Ich könnte das Konzept  deutschlandw weltweit als Seminar umsetzen und mit der Methode berühmt werden…

Wenn man mich eines Tages fragen wird, wie ich auf diese bahnbrechende Idee gekommen bin, werde ich folgende Geschichte erzählen:

Es war während der Kita-Einführung meines kleinen Sohnes.  An unserem ersten Tag in der Gruppe der kleinen Wichtel setzte ich mich gemeinsam mit meinem Sohn auf einen Teppich in der Mitte des Raumes und wir beide beobachteten die Szene.

Neun Kinder im Alter von null bis drei Jahren spielten um uns herum. Jedes Kind war mit irgendetwas beschäftigt. Hier betrachtete jemand sein Spiegelbild, dort schob einer einen Spielzeug-Staubsauger durch die Gegend und in der Puppenküche wurde hingebungsvoll die Waschmaschine befüllt.

Anfangs war ich ganz aufgekratzt: der erste Kitatag- so aufregend! Und diese Kinder! Eines süßer als das andere und so niedlich in ihrer Art, ganz ins Spiel zu versinken. Ich schaute vom einen zum anderen und war entzückt.

Nach etwa 20 Minuten merkte ich es: Ich war komplett tiefenentspannt.

In der Ü3-Gruppe vom Maxi wäre mir das garantiert nicht passiert. Da ist schon morgens Kindergeburtstagsstimmung.  Es wird gebrüllt, gerauft, gerannt.

Bei den ganz Kleinen  dagegen fühlt man sich, wie in Watte verpackt. Zeit spielt überhaupt keine Rolle. Anders als Eltern, die das Spiel ihrer Kinder ständig unterbrechen, weil sie noch zum Bäcker müssen/es gleich anfängt zu regnen/…(hier beliebigen Grund einsetzen), haben die Erzieherinnen keine anderen Pläne. Warum also nicht einfach mal mit einem Kind drei Stunden lang eine Kiste mit Bauklötzen ein- und ausräumen?

Kitatiefenents

Die Kinder spielten einfach vor sich hin, vollkommen zufrieden. Alles, was uns so stresst, existiert dort nicht. Keine Telefone, kein klingelndes und sonstige Geräusche machendes Handy, keine E-Mails, keine Termine (höchstens das Mittagessen). Wie könnte diese Stimmung nicht abfärben?

Ich beschloss, mich von nun an einfach jeden Morgen erstmal bei den kleinen Wichteln auf den Teppich zu setzen und mich erst wieder zu erheben, wenn mein Puls gaaanz weit unten ist und ich fast vergessen habe, was ich eigentlich alles auf meiner ToDo Liste habe. Okay, vielleicht nicht jeden Tag, aber immer dann, wenn ich mich gestresst oder gehetzt fühle, dann nehme ich eine Dosis U3 zu mir.

Und was mir gut tut, kann ja auch anderen helfen. Die U3-Wellness- und-Entspannungskur für alle. Mindestens ein Tag im Monat sollte es zur Entschleunigung schon sein.

In besonders schlimmen Fällen könnte eine Besuchsphase von mindestens sieben Tagen sinnvoll sein. Spätestens aber in Woche zwei, wenn die Streßgeplagten die  ruhige Regelmäßigkeit des Tagesablaufes verinnerlicht haben, dürfte die Entspannung einsetzen.

Das ist doch eine super Gesundheitsvorsorge! Ärzte sollten gestressten Eltern das verschreiben können und Arbeitgeber sollten Eltern dafür freistellen!

Ja, die U3-Wellness und Entspannungskur gehört ganz groß herausgebracht!

Warum ich nicht längst für eine Verbreitung gesorgt habe? Nun, die Methode ist noch nicht ganz ausgegoren. Es gibt nämlich einen Haken:

Die Kinder spielen so hingebungsvoll, so zufrieden, so ausdauernd, wie es Eltern nur selten zu Hause erleben dürfen. Sie sitzen am Tisch, bis alle fertig sind und helfen anschließend sogar beim Aufräumen. Und spätestens wenn gestresste Eltern während ihrer Besuchszeit erleben, wie zehn Kinder im Schlafraum wie auf Knopfdruck einschlafen- ohne Händchenhalten, ohne Herumtragen- könnte das die durch Erziehungsratgeber und Spielplatzgespräche verunsicherte Eltern erschüttern. Sie könnten sich fragen, warum das alles zu Hause so ganz anders läuft (sonst wären sie schließlich nicht zur Anti-Stress-Kur erschienen) und sie könnten sich unter Druck gesetzt fühlen. Im schlimmsten Fall droht dann eine Verschlechterung der Stresssymptome.

Vielleicht ist die Methode doch nicht so gut, wie ich anfangs dachte… Jedenfalls nicht für Eltern…

Aber für andere Personen bestimmt! Für Manager zum Beispiel! Ja, Manager, das ist gut!

Ihr hört von mir!

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11 Kommentare

  1. Ich fand bei der Eingewöhnung die Atmosphäre, die Kinder, Erzieher und den ganzen Tagesablauf so toll, dass ich echt ernsthaft in Erwägung zog eine Umschulung zur Erzieherin zu machen…ganz ad acta habe ich das noch nicht gelegt, aber noch mal 3 Jahre kein/kaum Geld, das hält mich davon ab, obwohl ich glaube ich eine super Erzieherin wäre (manchmal aber vielleicht zu emphatisch).

    • Als Erzieherin kann ich dir dazu nur das sagen:

      Während der Eingewöhnung wird dir die Einrichtung verkauft. – Du sollst das Gefühl haben, dass alles perfekt ist, auch wenn der Alltag ganz anders ausschaut.

      Hast du schon mal versucht, eine Gruppe mit 15 Kindern zu schaukeln, wenn deine zweite Betreuungsperson eine den Kindern unbekannte Krankenstandsvertretung ist? Du gehst im Minutentakt mit den schon sauberen Kindern auf die Toilette und nebenbei läutet etwa tausendmal das Telefon, weil Eltern vergessen haben, zu melden, dass heute Oma/Tante/Babysitter das Kind abholt…. Außerdem weint meistens mindestens ein Kind nach der Mama.
      Da is nix mit 3 Stunden Bauklötze spielen.

      Außerdem ist ein Großteil mittlerweile Büroarbeit. – Jeder Entwicklungsschritt muss dokumentiert werden, dicke Formulare mit den Entwicklungsphasen abgeglichen und jeden Tag ein A4-Blatt ausgefüllt, warum du denn Bauklötze (oder was auch immer) spielst und was deine Kinder davon lernen sollen.
      Und das am besten noch in deiner Freizeit, weil kein Geld da ist, um mal eine Stunde ins Büro zu gehen.

      Nicht falsch verstehen, ich liebe meinen Job und freue mich jeden Tag, dass ich nicht den ganzen Tag in einem Büro sitzen muss. – Und noch mehr freue ich mich, wenn wirklich mal ein Tag so entspannt ist, dass er Zen-Momente hat. Leider ist das nur in den seltensten Fällen Alltag.

      Liebe Grüße
      Carmen

      • Liebe Carmen, das war ja auch nicht so ganz ernst gemeint. Allerdings haben wir 3 Erzieher auf 10 Kinder und das ist schon etw anderes als 2 auf 15. Ich glaube Dir sofort, dass die Arbeit Mega stressig sein kann. Der Papierkram ist in der Tat viel Arbeit. Wir bekommen so viele Mails und Entwicklungsberichte und und und. Als Mutter bin ich darüber aber schon froh. Daher an dieser Stelle einfach mal danke an alle, die sich wie Du liebevoll um unsere Kinder kümmern! Liebe Grüße, Mia

        • Ich freue mich, dass es für deine Kids so toll läuft. Ich wollte euch zwei auch nicht kritisieren. Aber gerade dieses Bild macht es verdammt schwer, Forderungen nach mehr Professionalität, besserer Ausbildung und gerechter Bezahlung durchzusetzen. Weil für ein bisschen Bauklötze spielen braucht man das ja nicht.

          • Oh nee, so war das aber gar nicht gemeint! Ich kann nur für meine Kita sprechen, aber ich bin den Erzieherinnen jeden Tag dankbar für das was sie leisten. Oft gibt es ja auch Situationen, die für alle nicht so einfach sind. Spätestens da zeigt sich dann immer, dass die Erzieherinnen Profis sind. Es gibt Eltern, die müssen immer motzen, klar, aber ich erlebe bei uns wirklich viel Begeisterung, Anerkennung und Dankbarkeit gegenüber den Erzieherinnen. Leider steht die Bezahlung in keinen Verhältnis zur Verantwortung.

  2. Ja, das ist mir bei der Tagesmutter (die so ’ne Art Mini-Kindergarten in extra Räumen hatte) auch aufgefallen.

    Die Entspannung wirkt gut, weil die Umgebung 100% kindersicher ist, man sich einfach hinsetzen und zuschauen kann.

    „Mein Sohn = beste Hilfe für Work-Life-Balance“ – kann ich 95% der Zeit so unterschreiben. Denn dieses Sich-Vertiefen-in-etwas, dieser „Flow“, von dem ich mich anstecken lasse, tut mir persönlich wahnsinnig gut.

  3. Hihi. Das ist eine wirklich gute Idee: kinderlose Manager, das ist doch eine gute Zielgruppe.
    Ich hatte übrigens letztens auch festgestellt, wie entspannend es sein kan einem Kind beim Seifenblasenhaschen zuzusehen. Hat den selben Effekt. Man lernt die innere Mitte zu finden, weil alles andere plötzlich unwichtig wird.
    Ganz lieben Gruß, Wiebke

  4. Ich wurde im Urlaub in den Bergen einmal Zeuge, wie ein Haufen Männer auf einer Schafweide „Blinde Kuh“ spielten. Die Pensions-Besitzerin erklärte uns später, dass das wahrscheinlich die „Spinner“ vom Manager-Seminar waren, die im benachbarten Hotel untergebracht waren.
    Also wenn die dafür schon viel Geld ausgeben, dann für deine Idee auf jeden Fall. 😉
    LG, Tina

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