Anpfiff!

Als der Maxi noch in meinem Bauch war, konnte ich mir noch gar nicht so richtig vorstellen, dass da wirklich mein Baby drin sein sollte. Es hätte ja auch ein Fußball sein können. Das klingt albern, aber bevor man sein erstes Baby in den Händen hält, kann man es einfach nicht glauben- ungefähr so, wie man sich hinterher kaum noch vorstellen kann, dass dieses Kind tatsächlich mal im Bauch gewesen sein soll.

Heute ist der Maxi knapp vier Jahre alt und das mit dem Fußball war rückblickend gar keine so fernliegende Idee.

Maxi interessiert sich seit der WM nur noch für Fußball. Und wie die meisten kleinen Jungs möchte er gerne Manuel Neuer sein. Oder um es mit seinen Worten zu sagen: „Maroel Neuer!“ Er kann Manuel nicht aussprechen, aber was spielt das schon für eine Rolle? Wichtig ist nur, dass man beim Spiel mit anderen Jungs als erster und am lautesten schreit: „Ich bin Maroel Neuer!“ Die anderen müssen dann „Ssssweinsssteiger“ oder „Lukas Rodolski“ sein. Das ist in der Regel okay, wenn sie danach auch mal „Maroel Neuer“ sein dürfen. Manchmal gibt es auch Tränen.

Einer von Maxis besten Kita Freunden hat ein Neuer Trikot. Das trägt er seit ungefähr zwei Monaten täglich! Die Hose inzwischen aufgrund der kühleren Temperaturen über der Jeans, dazu das Trikot- tagein, tagaus. Ich stelle mir seine Mutter vor, wie sie ihn jeden Morgen anfleht, auch mal die schönen anderen Klamotten aus seinem Schrank auszuprobieren, während sie heimlich sowieso nicht mehr an dieses Wunder glaubt und aus diesem Grund in der Nacht wieder das Trikot gewaschen hat.

Natürlich möchte der Maxi auch so ein Trikot haben. Da der Mann und ich uns bislang geweigert haben, den Wucherpreis dafür zu zahlen, begnügt sich der Maxi mit Torwarthandschuhen. Dazu nimmt er seine kleinen Gartenhandschuhe.

Was liegt also näher, als den kleinen Nachwuchs-Nationalkeeper im Fußballverein anzumelden?

Ich dachte, das Kind will Fußballspielen. Ich dachte, das wird dem Kind Spaß machen. Ich dachte, es wird ihm gut tun, sich mal so richtig auszupowern. Ich dachte, er würde mächtig stolz sein, als richtiger Vereinsspieler. Und ein bißchen habe ich wohl auch an mich gedacht, und daran, dass wir dann im Winter immerhin ein bis zwei Nachmittage pro Woche einen guten Programmpunkt haben, aber das war mir am ersten Trainingstag noch nicht klar.

„Ich will mir das aber nur angucken“, sagte der Maxi, als wir uns auf den Weg zum Fußball machten. Ich hatte einen Verein ausgesucht, der ganz neu einen Fußballkindergarten eröffnete, in dem nach eigenen Angaben ein bißchen Freude am Bälletreten gelebt werden sollte. „Ich spiele da nicht mit, ich möchte nur gucken!“

Damit hatte ich gerechnet. Maxi muss immer erstmal nur gucken. „Klar, mein Schatz, wenn Du willst, guckst Du Dir erstmal nur alles an!“ Aber wieder einmal wurde ich von meinem Sohn überrascht: Als der Trainer die Kinder zu sich rief, lief er los, ohne sich noch einmal nach mir umzublicken. 90 Minuten lang hat er trainiert und riesigen Spaß gehabt. Bei jeder Trinkpause dachte ich: „Jetzt geht er nicht mehr zurück auf den Platz“, aber er lief mit Begeisterung immer wieder los. Stolz wie Oskar hat er abends dem Papa die Fotos präsentiert, die ich von ihm gemacht habe. Alles war gut.

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Bis zum zweiten Trainingstag. „Ich will nicht zum Fußball!“ hieß es da plötzlich. „Aber es hat doch beim letzten Mal solchen Spaß gemacht!“ „Das hat ÜBERHAUPT keinen Spaß gemacht!“

Was für eine tolle Gelegenheit, als Mutter mal wieder alles falsch zu machen. Bringe ich das Kind gegen seinen Willen zum Fußball? Bestimmt stecken in dieser Handlung mindestens 5 drohende Traumata. Warte ich allerdings darauf, dass der Maxi zufälligerweise mal wieder Lust auf Fußballtraining hat, wird das vielleicht nie etwas. Denn selbst wenn er sagt, dass heute ein guter Tag für Fußball ist, heißt das nicht, dass wir nicht kurz vor Abfahrt ein verloren geglaubtes Spielzeug wiederfinden, das für mindestens 1 Stunde die ganze Aufmerksamkeit fordert. Was tun?

Ich entschied mich, es so zu handhaben, wie damals mit dem Spinat. Erst nach dem sechsten Mal vergeblichen Vorsetzen, hat er ihn probiert und liebt ihn seitdem. Sechsmal Fußball. So machen wir das!

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Maxi war natürlich nicht dazu zu bewegen, das Fußballfeld zu betreten. Ich konnte sehen, dass er liebend gerne losgelaufen wäre, aber etwas hat ihn gehemmt. Er traute sich nicht. Nach 30 Minuten fuhren wir wieder nach Hause. Am nächsten Trainingstag versuchte ich es wieder. Maxi wollte nicht.

Ich spürte, dass ich ein bißchen ärgerlich wurde. Meine Laune sank in den Keller. Der will doch Fußball spielen. Warum tut er es dann nicht?! Ich motzte ein bisschen: „Du wolltest doch unbedingt Fußball spielen. Ich kann nicht jeden Tag mit dir im Garten Fußball spielen, aber beim Training kannst Du mit den anderen spielen. Und wozu haben wir dir eigentlich die Fußballschuhe gekauft…“ Maxi sah mich nur an und sagte: „Kann ich einen Apfel haben?“

Da wurde mir klar, dass diese ganze Fußballvereinsache doch sehr auf meinem Mist gewachsen war. Maxi will Fußball spielen, aber so, wie es ihm gerade passt. Dass man zu festen Terminen etwas tut, auch wenn es einem grundsätzlich Spaß macht, das ist noch nichts für ihn. Es war wohl eher so, dass mir das Bild vom Fußball spielenden Maxi sehr gut gefallen hat und ich es dann auch richtig machen wollte.

Maxi kickt jetzt wieder auf dem Spielplatz mit seinen Freunden. Das macht ihm Spaß. Es sei denn, er darf nicht Maroel Neuer sein.

Abpfiff!

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6 Kommentare

  1. Toller Post, vielen Dank. Ich kenne das genauso mit Kind1. Sie wollte unbedingt zum „Spooot“. Ich meldete sie bei der Kindergymnastik an. Ähnlich wie bei Euch, fand sie es beim 1. Mal großartig. Danach machte sie nie wieder mit. Ich wurde ebenfalls sauer, denn jedesmal wenn ich sie von der Kita abholte, erzählte sie ihren Erziehern stolz, dass sie jetzt zum Sport ginge. Also will sie doch?
    Ich glaube, meiner Tochter war die Halle zu groß und die Gruppe ebenfalls. Jetzt macht sie Gymnastik-Tanzen mit insg. 4 Kindern (Zufall, dass es so klein ist) inkl. ihrer besten Freundin. Da hat sie jedes Mal mitgemacht und ich mußte noch nichtmal im Raum bleiben. 😉

  2. Liebe Mia, EXAKT dieselbe Situation hatten wir hier mit meinem Zweiten! Also EXAKT. Mit Gartenhandschuhen als Torwart etc. Mit vier hat er bei drei Trainings völlig begeistert mitgemacht, hatte riiiiiesigen Spaß. Dann hat er mit einem Schuss ein Kind getroffen, das dann weinte und er wollte NIE NIE NIE wieder zum Fußball. Zuhause hatte er nichts anderes als Fußball im Kopf aber dahin wollte er nicht mehr. Wir waren noch dreimal zuschauen, aber er blieb hartnäckig. Durch die WM kam das Fußballfieber wieder. Nun sogar auch beim dritten Kind. Sie wollten beide zusammen dringend wieder in diesen Verein und jetzt, anderthalb Jahre nach dem Ersttraining mit bald sechs Jahren machen beide das, als hätten sie nie etwas anderes getan. Mit Turnieren am Wochenende und allem Drum und dran. Vier ist einfach noch sehr früh. Du musst Deinen Traum von der Fußballermama-Karriere also noch nicht für immer aufgeben!!! 😉

    • Liebe Lisa, eigentlich träume ich ja eher von einem Tennisclub- da kann ich auf der Terrasse sitzen und Milchkaffee trinken, während das Kind trainiert… Ja, er ist wohl einfach noch zu klein. Unser Fußballverein hier hat eine lange Warteliste, d.h. Du steigst entweder im Fußballkindergarten ein oder gar nicht mehr- verrückt, oder?

      • Liebe Mia,
        als mein Kleiner aus dem Fußball ausgetreten ist, weil er festgestellt hat, dass Mannschaftssport so gar nicht sein Ding ist, hat er sich auch für Tennis entschieden. Und ich kann dir sagen: Das mit dem Milchkaffee und vor allem leckerem Kuchen hat echt was. Außerdem ist es auf dem Tennisplatz doch viel ruhiger. Die Eltern sind hier angenehm unauffällig.
        Und zum Fußball: Die Erfahrung zeigt, dass für einen guten Kicker immer ein Platz ist, auch wenn 10 andere vorher weggeschickt wurden. Die Trainer wollen schließlich gewinnen 😉

        • Siehste, das dachte ich mir doch! Wir bräuchten dann dieses Jahr nochmal einen Boris Becker, damit der Tennis Hype den Fußball WM Hype übertrumpfen kann, sonst gibt das nix!

  3. Wie schön geschrieben!

    Noch finde ich mich am Anfang der Geschichte wieder und glaube, es könnte doch eher ein Fussball sein, für den wir einfach ein schönes Zimmer einrichten… dass da ein Baby drinstecken kann (und ich habe gerade auf dem Hausflur das 2 Wochen alte Nachbarsbaby getroffen) – kann ich mir immer noch nicht vorstellen.

    Sooo verrückt alles 🙂 Und irgendwann kaufe ich für den „Fussball“ dann vielleicht auch Fussballschuhe…

    Liebe Grüße!!!
    Jana

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