Morgens bei uns

Ich habe  in diesem Artikel auf Stern.de sehr gute Tipps gefunden, wie man seinem Kind einen schönen ersten Schultag bescheren kann.

Besonders süß fand ich die Idee, dass Mama etwas früher aufsteht, und ein besonderes Frühstück macht. Zum Beispiel Pancakes.

Es mag an diesem ganzen Hormondings liegen, das bei mir nach den Schwangerschaften nie mehr verschwunden ist, dass ich für solche Artikel sehr empfänglich bin. Ich fühle sofort die aufgeregte Stimmung, die in der Luft liegt, wenn ein Kind eingeschult wird. Vor meinem geistigen Auge erscheint ein wunderschönes Bild von mir, in weißer Schürze mit Spitzenrand, wie ich im noch ganz ruhigen Haus in der Küche stehe und Pancakes backe, bevor die Kinder im Schlafanzug und mit einem Kuscheltier in der Hand in der Küche erscheinen und sich mit leuchtenden Augen, aus denen die Liebe zu ihrer wundervollen Mutter spricht, über die Pancakes hermachen. Friede! Freude! Eierkuchen! Pancakes!

Inzwischen weiß mein Gehirn, dass es sich gerne eine Weile diesen Tagträumen hingeben darf. Wir beide sind hinterher auch nicht mehr enttäuscht, wenn die Realität etwas, nun, turbulenter ist.

Ein ganz normaler Morgen bei uns ist nämlich sehr chaotisch:

Mein Mann und ich haben nie so ganz unsere alten Gewohnheiten am Morgen abgelegt. Als wir noch keine Kinder hatten, hatten wir jeder einen eigenen Wecker. Die beiden Wecker klingelten abwechselnd alle Nachbarn wach, während wir eine halbe Stunde lang immer wieder die Snooze Taste drückten und zwischen zwei Klingeln zurück in den Tiefschlaf fielen. Irgendwann hievte sich der Mann aus dem Bett, machte mir einen Kaffee und ging duschen. Nachdem ich den Kaffee intus hatte, war auch ich in der Lage zu duschen. Ich frühstückte meist allein, der Mann kam nur dazu, wenn er Lust hatte, und zu sehr unterschiedlichen Zeiten verließen wir mal früher, mal später, mal gemeinsam, mal alleine das Haus.

Viele Menschen organisieren sich morgens deutlich besser, sobald sie Kinder haben. Wir nicht.

Es gibt ein paar feste Eckpunkte, der Rest ist Chaos.

Die Familie schläft im ganzen Haus verteilt: Maxi in seinem Zimmer, der Mann im Gästezimmer und der Mini mit mir in dem Möbel, das eigentlich gemeinhin als „Elternbett“ bezeichnet wird.

Maxi hat ein Nachtlicht, bei dem morgens um 7:10 eine Sonne erscheint. Vorher darf er nicht aufstehen- funktioniert tatsächlich. Dann brüllt er „Sonne! Sooonne! Sooooooonneeee!“ Das ist unser Wecker. Oft genug schläft Maxi aber auch mal bis 8:00. Dann bricht hier aber auf der Stelle Panik aus. Einen Grund, sich besser jedenTag einen richtigen Wecker zu stellen, haben wir darin bislang nicht gesehen.

Alles, was danach geschieht, ist absolut unvorhersehbar. Brotdosen müssen bepackt werden. Mal macht das der Mann, mal ich. Mal macht auch jeder eine- selbstverständlich ohne jede Kommunikation mit dem jeweils anderen. Es ist schon vorgekommen, dass einer den frischen Inhalt einer Brotdose weggeschmissen hat, weil er dachte, das wäre noch vom Vortag.

Die Kinder müssen angezogen werden. Meistens legen wir dem Maxi etwas raus, das er sich selber anziehen soll. Fast immer zieht ihn am Ende einer von uns an, weil Maxi Wichtigeres zu tun hatte und unseren Aufruf überhaupt nicht registriert hat. Wenn er ihn registriert hat, hat er in der Regel einfach keine Lust. Manchmal ziehe ich den Maxi an, manchmal der Mann. Manchmal wickelt der Mann den Mini schonmal und ich ziehe ihn später an. Manchmal mache ich beides. Manchmal macht der Mann beides. Nur weil Windeln so teuer sind, schaffen wir es wohl uns zumindest diesbezüglich kurz abzusprechen: „Ist der schon gewickelt?“

Maxi frühstückt manchmal zu Hause, manchmal nicht. Hin und wieder frühstückt er Müsli, gelegentlich lieber Brot. An dieser Stelle bin ich die einzige Konstante: Ich brauche mindestens einen Kaffee und meine Haferflocken mit Naturjoghurt.

Der Mann unternimmt nur Frühstücksversuche: Er nimmt einen Joghurt aus dem Kühlschrank und wenn er aus dem Haus ist, stelle ich den Joghurt wieder zurück.

Zwischen 8:15 und 8:50 verlassen alle das Haus. Momentan fahren wir die Kinder tatsächlich noch mit zwei Autos in die Kita. Das liegt daran, dass wir nur drei Autositze haben und dringend mal einen neuen Sitz für Maxi kaufen müssen, damit jeder von uns zu jeder Zeit zwei Kinder transportieren kann.

Bis alle das Haus verlassen, werden CDs gehört, Ritterspiele veranstaltet, Badezimmer unter Wasser gesetzt, Brüderkämpfe ausgefochten, es wird fast immer geheult und geknatscht, über die richtigen Schuhe diskutiert, Jacken verweigert- es ist der pure Wahnsinn.

Wir könnten es uns bestimmt leichter machen. Wir könnten die Aufgaben definieren. Wir könnten Zuständigkeiten fest zuordnen und zumindest einen groben Zeitplan beachten.

Aber so sind wir eben nicht.

Und Ihr?

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18 Kommentare

  1. Anna Philippa

    Es beruhigt mich zu lesen, dass man auch noch mit Kind ein chaotischer Morgenmuffel bleiben kann & es trotzdem irgendwie funktioniert. Frage mich seit Beginn der Schwangerschaft, wie ich das nur machen soll – bin nämlich…nun ja… wahrscheinlich so viel Chaos wie dein Mann & du zusammen ;P

    Wobei ich das Glück habe einen super strukturierten Mann zu haben, der beim ersten Klingeln aufsteht. Schätze mal er wird sich künftig am Morgen nicht mehr nur um ein Kind (mich :D) kümmern, sondern „einfach“ um zwei ~g~

    LG,
    Anna Philippa

  2. Hallo Mia!
    Und auch hier wieder,WIE BEI UNS!!! 😀 ich werde nicht müde zu wiederholen,wie toll ich den Blog,deinen Schreibstil und einfach deinen Blick auf das Leben mit drei Männern finde!! Wundervoll! 🙂
    Ganz liebe Grüße!

  3. Liebe Mia,
    bei uns läuft es ohne Kind so ab, dass um 6 der Radiowecker angeht, um kurz nach 6 der Handywecker von meinem Freund und meiner dann um 6:25 Uhr. Meistens bin ich es, die um zehn nach 6 aufsteht und ins Bad geht. Mein Freund dann wenn ich fertig bin. Ich frühstücke (Haferflocken mit Natur- oder Sojajoghurt ;-)), mein Freund verläßt ohne gegen sieben das Haus. Ich dann gegen halb acht. Darüber, wie das mit einem Kind werden würde, hab ich mir auch schon meine Gedanken gemacht…
    Wir haben ja nur jedes zweite Wochenende ein Kind da. Und wenn wir dann einen Termin haben, bricht das Chaos aus. Genau dann schläft der Kleine bis acht oder länger – sonst ist er auch gerne mal um sechs wach. Frühstücken kann man dann natürlich auch unnötig verlängern und es gibt auch viel Wichtigeres als sich anzuziehen etc. Das ist dann auch immer der Punkt, an dem ich berufstätige Mütter bewundere, denn die haben ja jeden Tag einen festen „Termin“. Aber wahrscheinlich wächst man da auch irgendwann rein… hoffe ich!
    LG Stephi

    • Liebe Stephi, ja, irgendwie wächst man immer in alles rein. Bislang haben wir es noch zu jedem Termin geschafft. Schade ist nur, dass dabei oft in den letzten Minuten doch ein bißchen von Elternseite gemotzt wird, denn die Kinder könne nja nichts dafür, dass wir so unorganisiert sind. LG Mia

  4. hallo mia,
    du schaffst es immer wieder, dass ich mich in deinen artikeln wiederfinde. großartig. das morgen(ritual)chaos könnte eins zu eins unseres sein – nur dass es bei uns nur ein kind, dafür halt noch hund und katze sind, die ebenfalls versorgt werden wollen.
    nächste woche versuchen wir, uns an einen neuen schultagesrhythmus zu gewöhnen, bevors dann eine woche später losgeht. komplett neu: mit wecker aufstehen nach beinahe sieben jahren. unser wecker war bisher der wirbelwind, manchmal die katze, ausnahmen können wir an einer hand abzählen. wie fein es war, irgendwann zwischen 8 und 9 im kindergarten aufzutauchen! nun heißt es, den wirbelwind pünktlich vor acht uhr abzuliefern und erst mal eine lösung zu finden, wie der mann trotzdem rechtzeitig und ohne großen zeitverlust für mich zum bahnhof in die andere richtung kommt, da wir nur ein auto haben.
    zum glück besitzen wir genug humor, sodass wir das neue heiter sehen und uns sicherlich schnell an eine neue chaosroutine gewöhnen werden, snoozetaste inbegriffen 😉
    liebe grüße
    dania

  5. Herrlich… ich stoße auf so viel Unmut, dass ich nicht um fünf aufstehe, um wie die sorgsame 50er Jahre Kittelschürzen Mutti alles vorzubereiten, damit der Rest noch in die Matratze horchen darf. Bitte wer hat erfunden, dass Schule und Kindergarten um halb acht los gehen? Das kann nur einer dieser Vorzeige Ikonen sein, die offiziell jeder bewundert, inoffiziell aber jeder belächelt, denn wer Zeit für den perfekt strukturierten Haushalt hat, dem muss einfach langweilig sein 😉 Oder er hört zu viel auf die gut gemeinten Ratschläge von Menschen, die noch keine Kinder haben 😉

    • Halb acht ist in der Tat eine Zumutung! Wir müssen zum Glück selten vor 9:00 arbeiten und haben hier in Bonn (wo alle 500m ein neuer Stadtteil beginnt) sehr kurze Wege. Meine Cousinen in London müssen auch erst um 9:00 in der Schule sein. Sollten wir hier auch einführen! LG Mia

  6. Ach wie schön zu lesen, dass es woanders auch ein wenig chaotisch zu geht. Bei uns ist auch kein Morgen wie der andere. Zudem habe ich noch ein großes Langschläferkind, das ich nur mit Mühe und Not aus dem Bett bekomme.
    Das ist nochmal eine extra Herausforderung! ;D

    LG Nessa

  7. Hallo,

    Dein Blog und dein Schreibstill sind einfach so toll!! ich koennte ein Buch von dir lesen.
    Bei uns ist es auch sehr chaotisch aber solange wir Schule, Kita und beide auf die Arbeit pünklich schaffen wird sich wahrscheinlich nichts aendern! und ist auch gut so 🙂
    Virginie

  8. Kristina H.

    Hallo Mia,

    es ist einfach wunderbar, dass du dieses Thema gewählt hast. Bei uns sieht es morgens nämlich auch nicht besser aus und wir haben nur ein Kind. Und eigentlich halte ich mich noch für einigermaßen organisiert (so im täglichen Leben).

    Leider ist unser Kind etwas unberechenbar, was das morgentliche Aufstehen aufgeht. Daran, dass es meistens sehr früh ist, haben wir uns bereits gewöhnt, jedoch ist es fast jeden Tag eine andere Uhrzeit. Die Tendenz geht zu 6 Uhr, manchmal sogar zu 7 Uhr. Wenn wir alle arbeiten und sie in den Kindergarten muss, geht das ja noch, am Wochenende ist es nicht mehr so lustig. Aber das ist ja nicht das Thema.

    Wir haben früher auch ewig unsere Wecker weitergestellt. Mittlerweile habe ich mir angewöhnt, meinen etwas früher (5:54 Uhr) zu stellen, um noch mal auf die Snooze-Taste drücken zu können, aber dann versuche ich auch wirklich aufzustehen. Ich gehe dann erst mal kruz eine Runde hier im (Mehrfamilien-)Haus schwimmen, damit der Kreislauf in Schwung kommt und mache mich anschließend in der Wohnung soweit fertig, wie ich komme. Frag mich nicht, aber irgendwie brauche ich für Nichts schon gefühlte Stunden im Bad. Dann kommt es noch darauf an, wann das Töchterlein wach wird. Muss man die schon nebenbei bespaßen, dauert alles noch mal länger. Parallel wird versucht, den Mann irgendwie aus dem Bett zu bekommen, der scheint da über Nacht immer anzuwachsen.

    Was wir schaffen, ist, dass wir morgens alle zusammen frühstücken. Das finde ich einfach wichtig, auch schon im Hinblick auf die Schule. Das dauert dann aber auch seine Zeit. Danach mache ich mich zu Ende fertig, beauftragte die 3-jährige Tochter, ebenfalls schon mal anzufangen (klappt natürlich quasi nie) und mein Ehemann geht dann kurz planschen. Brote müssen natürlich geschmiert werden, entschieden werden, welches Kuscheltier mit den Kindergarten darf, Zähne putzen, Betten machen, die Sachen vom Frühstück wegräumen. Da kommt morgens einiges zusammen. Auf die Meinungsverschiedenheiten am Morgen will ich gar nicht eingehen. Aber ich frage mich oft, warum das beim Aufstehen noch strahlende Kind von jetzt auf gleich wegen jeder Kleinigkeit ausrasten und rumheulen muss…

    Wir stehen also morgens quasi alle zusammen gegen 6 Uhr oder geringspäter auf und sind meistens erst um 8 Uhr fertig. Oft denke ich, das müsste auch in der Hälfte der Zeit zu schaffen sein, aber irgendwie habe ich kein Packende. Wir haben schon alles mögliche probiert, aber nichts hat für uns einen wirklichen Zeitgewinn bedeutet. Das Erstaundliche ist, dass es auch egal ist, ob die Kurze um 6 oder 7 Uhr wach wird, wir sind immer gegen 8 Uhr abfahrbereit.

    Das Kindersitzproblem haben wir ebenfalls, da nur ich einen in meinem Auto habe. Wir haben für unsere Tochter einen Reboarder angeschafft und da die Kosten dafür ziemlich hoch sind, wollten wir nicht zwei kaufen. In letzter Zeit verlangt die Kurze aber des Öfteren, dass sie vom Papa zum Kindergarten gefahren wird. Das funktioniert dann nur, wenn mein Mann mein Auto nimmt, sie hinbringt und ich mit seinem Auto hinterherfahre und wir dann bei der Kita tauschen. Da wir morgens aber immer so spät losfahren, machen wir das nur, wenn mein Mann erst später auf der Arbeit sein muss, was relativ selten vorkommt. Wir haben zwar schon beschlossen, demnächst auch für sein Auto einen zu kaufen, aber der, den ich im Sinn habe, ist erst ab 15 kg und da fehlen uns noch 1,5 kg…

    Viele Grüße!
    Kristina H.

    PS: Was ist das für ein Nachtlicht? Die Idee ist super.

  9. Liebe Mia,
    nun bin ich noch gespannter wie sich ab Januar das Leben von meinem Mann und mir verändert wird. Noch läuft alles einigermaßen geregelt und wir haben uns feste Abläufe angewöhnt und es läuft meist Hand in Hand, wie das dann mit Baby wird, ich bin nach deinen Erzählungen immer aufs neue mehr als gespannt. Wo der Mann und ich doch beide eine chaotische Neigung haben, die wir in der Kürze der Zeit bestimmt nicht mehr in den Griff bekommen.
    Danke für deine immer so unterhaltsamen und tollen Beiträge!!

    • Am einfachsten wird es sein, wenn Ihr einfach Ihr selbst bleibt 🙂 Euer Baby wird sowieso ganz vieles auf den Kopf stellen, aber ich glaube, dass jede Familie ihren eigenen Weg findet. Also bloß nicht die chaotische Neigung in den Griff bekommen!! 😉 Viel Spaß!

  10. Großartig Mia. Ich würde gern mal mit nem Latte Macchiato in der Hand still in einer Ecke dieses wundersame und rege Treiben beobachten. Zwischendurch könnte ick große Pappschilder hochhalten mit kleinen Randnotizen wie „Mini gewickelt?Check!“ oder „Obst in Dose frisch? Ja!“ oder „Haben alle zwei Schuhe an? Check!“

  11. Jungsmama

    Uns weckt morgens der Kleine (1 Jahr) gegen sechs. Er scheint der Einzige „Morgenmensch“ in unserer Familie zu sein, da er im Gegensatz zu allen anderen morgens auf Knopfdruck gut gelaunt ist. Ich bin erst nach dem ersten Kaffee ansprechbar und der Große (3) kann sich morgens über alles aufregen („mama, du hast mich gerade angeärgert. wieso steht der Kakao nicht auf dem Kakaoplatz?“). bis zur Kitaabfahrt dauert es dann meistens auch 2 Stunden ohne dass ich merke, wo die Zeit bleibt. Ich habe selten früh Termine bei der Arbeit, sodass mir das meistens auch egal sein kann. Nur wenn ich es mal eilig habe, habe ich mir fest vorgenommen, das Wort „beeilen“ aus meinem Wortschatz zu streichen, da der Große darunter das Gegenteil zu verstehen scheint wie ich. Und mein Mann: für den ist Aufstehen müssen so das Schlimmste was ein neuer Tag so mit sich bringen kann und wird daher so lange wie es eben geht herausgezögert.

  12. Liebe Mia,
    du bist nicht allein, auch bei uns geht es chaotisch zu. Dein Beitrag hat mich herzlich zu lachen gebracht, weil bei uns viele Situationen ähnlich sind.
    Ich habe einen ganz normalen Morgen in unserer Familie soeben verbloggt.
    Liebe Grüße
    Paula

  13. Marina Zsivkovits

    Danke dass du mich immer wieder zum Lachen bringst! Ich bin auch eine 2 Buben-Mama und kenne dieses Chaos…es tut gut zu lesen, dass es auch bei anderen so chaotisch zugeht. ;-D
    Marina

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