Mädchenjagd. Die Entstehungsgeschichte des männlichen Balzverhaltens

Eltern sind für die Wissenschaft sehr wertvoll. Sie haben Zugang zu Geheimwissen!

Ich als Mutter eines Dreijährigen darf zum Beispiel gerade das männliche Balzverhalten in seiner Entstehung beobachten.

Einige Erkenntnisse konnte ich bereits sammeln, das Thema scheint nicht allzu komplex zu sein. Für meinen wissenschaftlichen Durchbruch wird es vermutlich nicht reichen.

Aber der Reihe nach: Der Sohn pirscht sich mit knapp vier Jahren langsam aber sicher an das weibliche Geschlecht heran. Wer jetzt an putzige Annäherungsversuche denkt, wie wir sie von niedlichen schwarzweiß Postern kennen, der wird herb enttäuscht. Die Realität ist brutal. Der Sohn macht „Mädchenjagd!“

Wer auf Mädchenjagd geht, braucht eigentlich nicht viel: Eine Schaufel und mindestens einen Freund. Gemeinsam gräbt man ein Loch, eine sogenannte „Mädchenfalle“ und wartet, bis ein Mädchen einem in die Falle geht.

Von den Erzieherinnen habe ich mir sagen lassen, dass es auch eine offensivere Variante der Mädchenjagd gibt, bei der ein Rudel Jungs in den Garten stürmt und laut brüllt: „Mädchenjaaagd angesaaagt!“ Die Mädchen finden das allerdings nicht so toll und dann schreiben sie in die Freundebücher „Das mag ich gar nicht: Mädchenjagd“.

Maxi hat sich jedenfalls auf den Bau von Mädchenfallen spezialisiert.

Er sitzt täglich in der Kita im Sandkasten und schaufelt Löcher.

„Und dann?“, wollte ich von ihm wissen. „Was macht Ihr, wenn ein Mädchen in die Falle hineinfällt?“

„Dann machen wir die Falle zu!“

Aha. Gut, Männer sind häufig sehr ergebnisorientiert. Man will ein Mädchen fangen, man baut eine Falle, man macht die Falle zu. Leuchtet ein. Im Sinne der Wissenschaft versuchte ich, der Sache weiter auf den Grund zu gehen:

„Aber was macht Ihr dann?!“, wollte ich vom Sohn wissen.

Er guckte mich etwas irritiert an und antwortete: „Ja, nichts mehr!“ Tja, darin liegt vermutlich ein Faktor für die ansteigenden Scheidungsraten.

Das männliche Balzverhalten ist ein langweiliges Forschungsthema. Vermutlich wird sich im Vorgehen meines Sohnes in den nächsten 25 Jahren nicht viel ändern. Er wird mit Freunden Mädchen fangen. Die Freunde heißen dann Kumpels und sie werden (hoffentlich) keine Schaufel mitnehmen, aber in Erinnerung an die Mädchenfallenzwit von „angraben“ sprechen.  Und wenn sie eines Tages die Richtige gefunden haben, machen sie den Sack zu.

So weit, so bekannt. Aber jetzt, da ich Mutter zweier Söhne bin, könnte ich doch vielleicht etwas daraus machen. Ich könnte die Welt verändern. Angenommen, ich würde es schaffen, meinem Sohn beizubringen, dass der interessante Teil erst beginnt, wenn die Dame in die Falle gegangen ist  – das wäre revolutionär, oder? Ich sehe noch eine klitzekleine Chance auf  eine wissenschaftliche Karriere.

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P.S. Interessant ist übrigens, dass der Maxi die Falle meistens für ein bestimmtes Mädchen baut. Noch interessanter finde ich , dass dieses Mädchen tatsächlich meistens um den Sandkasten herumscharwenzelt…

 

6 Gedanken zu “Mädchenjagd. Die Entstehungsgeschichte des männlichen Balzverhaltens

  1. Ich mache mit beim Weltverändern…mal schauen ob es uns gelingt aus unseren Söhnen Männer zu machen, die die Frauen so verstehen, wie wir verstanden werden wollen. Da wir aber das manchmal selbst nicht wirklich wissen, wird das wohl ein schwieriges Unterfangen.
    Herrlicher Post! Ich musste sehr lachen und freue mich schon auf MiniFlos Mädchenjagdzeit.

    LG Verena

  2. Unglaublich lustig geschrieben! Du hast völlig Recht, das Balzverhalten der männlichen Bevölkerung bleibt auch im hohen Alter angelehnt an das „Mädchenfalle Bauen“. Solltest du es schaffen, es zu revolitionieren, berichte uns davon 🙂

    Beste Grüße,
    das HEBA-Germany Team

  3. Ach wie humorvoll geschrieben und spannend. Ich hab eher den Part, der dann „in die Falle geht“ und mein Beitrag dazu heißt eher, nicht zu schnell zuzulassen, die Falle zuzumachen. Denn es heißt ja Mädchenjagd und wenn die Falle zugeht, ist die Jagd zu Ende und es ist uninteressant. Ihr das beizubringen, dauert zum Glück noch etwas, aber der Gedanke daran weckt bei mir gemischte Gefühle. Danke für den tollen Beitrag. Ich hab oft geschmunzelt.

  4. Bei uns im Kindergarten gibt es auch noch das weibliche Pendant: „Kuss-Alarm“ Da rennen dann die Mädchen den Jungs hinterher, die aber natürlich keine Lust auf Küssen haben (die Mädchen sicherlich auch nicht)und sich dann auf Bäume rettten ;-)Von dort haben sie dann wahrscheimlich eine prima Aussicht und gucken sich schon mal die nächste Stelle für die Mädchenfalle aus…

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