Ein kinderfreies Wochenende

Samstag, 9:00
Es ist so weit: Unser erstes kinderfreies Wochenende seit Minis Geburt steht bevor. Die Jungs werden eine Nacht bei ihren Großeltern verbringen und der Mann und ich werden schlafen, schlafen, schlafen und mit Freunden essen gehen.
Vorausgesetzt, wir werden irgendwann alle fertig angezogen sein und mit gepackten Koffern im Auto sitzen. Im Moment sieht es nicht so aus…

Samstag, 10:30
Wir sind tatsächlich unterwegs! Etwa 100 km Fahrt liegen vor uns. Das Auto ist bis unters Dach voll mit Kinderwagen, Windeln, Schlafsack, Reisebetten, Babyphonen, Matschsachen…Wenn meine Eltern das sehen, werden sie denken, dass wir die Kinder für immer bei ihnen lassen wollen und die Haustür gar nicht erst öffnen.

Samstag 12:00
Keines Blickes haben die Kinder uns bei unserer Abfahrt gewürdigt. Egal: Unser kinderfreies Wochenende beginnt JETZT!

Samstag, 14 Uhr
Wir essen in der Stadt eine Kleinigkeit. Niemand unterbricht uns dabei. Weil uns das so unheimlich ist, fallen wir uns gegenseitig ins Wort während wir uns Fotos der Kinder auf den Handys zeigen.

Samstag, 15:30
Beim Einkaufen sind wir verunsichert, weil keiner quengelt und an unseren Beinen hängt oder sich in den Gang schmeißt und schreit. Wir wissen nicht, wie wir uns verhalten sollen und packen besser mal alle ungesunden Dinge in den Wagen, die wir den Kindern normalerweise ausreden. An der Kasse sagt der Mann gewohnheitsmäßig: „Und wir hatten eine Brezel.“

Samstag 17:00
Huch, so spät schon. Beim Aufräumen wundern wir uns darüber, wie schnell das geht, wenn keiner da ist, der hinter einem alles wieder unordentlich macht. Eigentlich hatte ich noch ein ausgiebiges Beautyprogramm geplant, aber dafür reicht die Zeit plötzlich nicht mehr. Sind es am Ende gar nicht die Kinder schuld, dass ich immer erst kurz vor knapp fertig bin und für´s Nägellackieren dann keine Zeit mehr bleibt…?

Samstag 19:00
Vor unserer Haustür steigen unsere Gäste von ihrer Harley Davidson. Die Nachbarn stehen am Fenster. Wir freuen uns auf einen lustigen Abend.

Sonntag, 1:45
Fünf Flaschen Wein, eine Flasche Sekt und ein paar Flaschen Bier. Party machen ist wie Fahrrad fahren. Verlernste nich!

In der Nacht haben wir Die Nacht und der nächste Morgen waren sehr schön.

Sonntag, 9:00
Ausschlafen ist nicht wie Fahrrad fahren. Schon verlernt.

Sonntag, 10:00
Marmelade oder Nutella aufs Brötchen? Ohne dass zwei Kinder mit Bobyycars um den Tisch heizen und gegen jedes im Weg stehende Möbel fahren, kann ich mich nicht konzentrieren. Die Ruhe ist gespenstisch. Der Mann macht Maxis Ritter Rost CD an. Besser.

Sonntag, 11:30
Die Harley steht noch vor unserer Haustür. Wir bringen unseren Freunden noch kurz die Helme vorbei, die sie bei uns liegen gelassen haben und verlassen mit den Helmen in der Hand das Haus. Jetzt einfach aufs Motorrad steigen und irgendwo hin fahren, wäre auch schön. Für einen Moment bin ich mir nicht sicher, ob die Sehnsucht nach ein bißchen mehr Freiheit oder die Sehnsucht nach meinen Kindern gerade stärker ist.

Sonntag, 12:30
Gleich sind wir da. Jetzt kann es uns nicht schnell genug gehen. Wir schließen Wetten ab, wie die Kinder reagieren, wenn sie uns wiedersehen.

Sonntag, 13:00

Falls sie uns vermisst haben, lassen sie es sich jedenfalls nicht anmerken. Wir merken erst jetzt, wie sehr sie uns gefehlt haben und knutschen die Kinder abwechselnd ab.

Sonntagabend:

Das Haus ist bereits wieder unaufgeräumt, voller Sand und Krümel und herumfliegenden Spielsachen. Wir finden es schön.

Die Kinder machen unfassbaren Krach beim Badefest und wir sind die Ruhe selbst.

24 Stunden ohne die Kinder waren ein schöner Ausflug in ein anderes Leben und haben uns gut getan. Das sollten wir öfter machen. Aber wir sind froh, dass wir nach so einem Ausflug immer zurück  in unser lautes, unaufgeräumtes, buntes Leben als Eltern zurückkehren dürfen.

 

 

 

7 Gedanken zu “Ein kinderfreies Wochenende

  1. „Wir merken erst jetzt wie sehr wir sie vermisst haben..“ Oh ja, wie wahr. ich hatte heute meinen ersten Arbeitstag nach der Elternzeit. Wie ich die Ruhe im Büro genossen habe… Und mich dann auf dem Rückweg die beiden Kleinen gefreut habe…

  2. Da habt ihr die 24 Stunden aber richtig toll ausgenutzt! Wir machen dann meistens noch so was doofes wie Keller ausmisten 😉 Aber jetzt, mit Baby (4 1/2 Monate), gibt es für uns vorerst keine kinderfreien Tage mehr. Dafür geht die Grosse regelmässig zu den Grosseltern, das bringt auch viel Ruhe ins Getriebe. Harley fahren…. hach wäre das jetzt schön!

  3. Ein sehr schönes Wochenende hast du beschrieben. Freut mich für euch.
    Wir hatten mal eines, als unsere Jungs 16 Monate alt waren. Das ist nun fast schon eineinhalb Jahre her. Wenn ich deinen Post lese, bekomme ich wieder Sehnsucht nach einem kinderfreien Wochenende.
    LG Paula

  4. Ach wie schön 🙂

    Wir hatten einen spontan kinderfreien Abend. Der Große hatte sich bei der Oma angemeldet. Als es dann soweit war, wir waren mit der Oma vorher noch im Freibad, und der Große ins Auto kletterte war auf einmal das Geschrei ganz groß. Unser Kleiner wollte unbedingt mit, die Oma zweifelte noch kurz da sie kein Reisebett hat, aber das störte den Kleinen gar nicht. Schon ging es los.
    Ganz plötzlich standen wir also auf nen Freitag abend ohne Kinder da. Ungewohnt, irgendwie schön aber vermisst haben wir sie trotzdem. Nach 24 Stunden hatten wir uns dann ja auch wieder… und wir ganz viel geschafft.

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