Hallo Mr. Gott, hier spricht Maxi

Es ist schon eine Weil her, da hat der Maxi das erste Mal nach seinem verstorbenen Opa gefragt, den er nicht mehr kennengelernt hat. Seitdem hat er immer mal wieder Fragen zum Tod gestellt.

Dass man sterben kann, wenn man von den Beeren isst, die an dem Strauch auf dem Weg zum Spielplatz hängen, das wußte er. „Hat der Opa rote Beeren gegessen?“, hat er uns deshalb gefragt.

Ob wir eigentlich alle sterben wollte er wissen: „Du aber nicht, oder Papa?“

Schritt für Schritt nähert er sich dem Thema- auf eine ganz ungezwungene, offene Kinderart. Dass der Tod etwas Bedeutsames, irgendwie Großes ist, das spürt er, aber Angst hat er keine.

Ich finde, Maxi hat Antworten auf alle seine Fragen verdient. „Ein Kind, das alt genug ist, zu fragen, ist auch alt genug für eine Antwort“, hat meine Mutter immer gesagt, und so hat sie mich und meine Schwestern an jedes Thema altersgerecht herangeführt. Manche Erwachsene haben Angst vor dem Tod, weil sie dabei an Krankheit, Leid und Schicksalsschläge denken. Der Maxi will einfach nur wissen, was das ist, das da wohl irgendwie zum Leben dazu gehört.

Vor einiger Zeit haben sie in der Kita ein Philosophie-Projekt gehabt und waren (nach erfolgtem Einverständnis der Eltern) auch auf einem Friedhof gewesen. Maxi hat (na klar) nichts davon erzählt, aber als wir letzte Woche an dem Friedhof vorbei fuhren, sagte er: „Mama, da waren wir schonmal. Da sind ganz viele Vergrabene!“

Wir plauderten ein bißchen über den Tod, das Leben und ich war hin und weg von dem, was sich in diesem kleinen Köpfchen meines Sohnes so abspielt.

„Was ist eine Seele?“, fragte er mich nun, und da wußte ich erstmal auch nicht weiter.

Ich gebe ja zu: Manche Fragen meines Dreijährigen wische ich gelegentlich einfach schnell weg, weil mir parallel das Essen anbrennt, oder der Mini mal wieder auf den Tisch geklettert ist, aber diese Frage, die da vom Rücksitz meines Autos kam, die verlangte nach einer überlegten Antwort.

Kleiner Philosoph auf der Suche nach Antworten- mit Mamas Brille

Kleiner Philosoph auf der Suche nach Antworten- mit Mamas Brille

Plötzlich war ich wieder mitten drin in einer Mama-Challenge. Denn die Frage, was eine Seele ist und was mit ihr und uns nach unserem Tod passiert ist untrennbar mit unserem Glauben (auch Nicht-Glauben) verbunden.   Und der wiederum ist in meinen Augen ein elementarer Bestandteil dessen, wie wir die Welt sehen- mehr noch: Wer wir sind.

Meine Eltern gehören zwei unterschiedlichen Weltreligionen an, mein Mann und ich unterschiedlichen Konfessionen. Das hat dazu geführt, dass mir der Glaube zwar wichtig ist, ich mir aber bewusst bin, dass man auch anders glauben kann. Glauben ist eben nicht Wissen. Was der Papst zu meiner sehr offenen Auslegung sagen würde, weiß ich nicht, aber ich bin ganz glücklich in diesem Geflecht von Glaubensrichtungen in unserer Familie.

Und meine Söhne? Soll Gott in ihrem Leben eine Rolle spielen? Welche? Da mein Mann und ich verschiedenen Konfessionen angehören: Welchem Verein sollen sich unsere Kinder anschließen? Kann man sie das selber entscheiden lassen? Wann? Und was sagt überhaupt mein Mann dazu?

Über Gott haben wir schon oft gesprochen und auch darüber, dass der Opa bei ihm im Himmel ist. „Weil unsere Seele nicht stirbt, die lebt immer weiter“, erkläre ich dem Maxi nun, und er ist mit der Antwort erstmal zufrieden.

Irgendwo auf der Welt hat vielleicht gerade ein kleiner Junge seiner Mama ganz ähnliche Fragen gestellt und sie wird ihm fast die gleiche Antwort gegeben haben,  schießt es mir durch den Kopf, als ich in unsere Einfahrt einbiege. Und wir könnten an ihrer Antwort nicht ablesen, welcher Religion sie angehören. Den Gedanken finde ich wunderschön.

Ich nehme mir vor, mit dem Mann die Eckpfeiler unserer Ansichten zum Thema Religion abzustimmen. Ich will nämlich ganz bald mit dem Maxi weiter philosophieren.

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5 Kommentare

  1. Wunderbar!

    Ich liebe diese Gespräche und Gedanken. Unser grosser Sohn (4,5 Jahre) erzählt und fragt uns auch immer wieder die Unglaublichsten Sachen.
    Kürzlich fragte er: „Mama, wo war ich, als ich noch nicht bei euch war?“, und antwortete sich selbst kurz darauf (da ich noch am Überlegen war, was ich darauf sagen sollte…) „Gell, da war ich noch gestorben und im Himmel und hab euch gesucht von da oben!“ HACHZ! Da schmelze ich einfach dahin. Und wer weiss? Wie du so schön sagst, glauben ist nicht wissen. Und das gefällt mir eigentlich ganz gut.

    Liebe Grüsse von Sabine

  2. MaWi1337

    „…glauben ist nicht wissen!“ Mit diesem so unglaublich einfachen Satz ließen sich soooo viele überflüssige Probleme in unserer Welt lösen *seufz*.

    Grüße, Marcus

  3. Dangerine

    Das Thema Tod hatten wir auch schon öfter. Mia ( so heisst meine Tochter übrigens) hat schon sehr früh angefangen uns Löcher in den Bauch zu fragen über das Thema Tod, da sie wissen wollte , warum sie nur einen Opa aber zwei Omas hat ( mein Vater ist bereits vor 11 Jahren gestorben). Mein Mann und ich gehören auch unterschiedlichen Konfessionen an wobei wir versuchen da einen Konsens zu finden, was uns ganz gut glückt. Mia hört sich auch unheimlich gerne Geschichten von ihrem verstorbenen Opa und Uropa an und meint, die beiden würden als Engel auf einer Wolke sitzen und auf sie aufpassen 🙂

  4. Hallo Mia,

    meine Tochter hat mich mit 2,5Jahren gefragt, ob ich gestorben bin und seitdem (nun fast schon 1,5 Jahre) ist das Thema „Tod“ immer wieder ein Gesprächsthema bei uns (obwohl kein Bekannter gestorben ist). Wie du, sage ich auch, dass keiner genau weiß, wie es ist, wenn man Tod ist, weil wir diese Menschen nicht mehr sehen und sie es uns somit nicht sagen können. Und auch ich glaube, dass die Seele weiterlebt und vermittle das auch. Wenn wir nun tote Tiere am Wegesrand sehen, sagt meine Tochter „Mama, jetzt ist die Seele im Himmel oben, stimmt´s?“ Auch das „wo war ich, als ich noch nicht bei Euch war“ kenne ich und es wird von meiner Tochter genauso beantwortet 🙂

    LG
    Petra

  5. „glauben ist nicht wissen…“ trifft eine Definition von glauben. Aber wenn es um den Glaube an einen Gott geht dann meint glauben „für wahr halten“. Und das ist meiner Ansicht nach nochmals was ganz anderes.
    Ich mag daran glauben, dass morgen die Sonne scheint und ich einen schoenen Sommertag erleben darft. Und das ist dann dieses „glauben ist nicht wissen“.
    Aber wenn ich an eine unsterbliche Seele glaube, an ein Leben nach dem Tod und vielleicht sogar an einen Gott dann halte ich Dinge für wahr, wofür es im Augenblick keine logische Erklärung gibt und die ich nicht mit meinen Augen sehen kann.
    Ist der glaube an die Liebe in diesem Sinne „glauben und nicht wissen“, oder ein „für wahr halten“ auch wenn ich keine logische Erklärung dafür habe?

    Ich wünsche Dir weiterhin viel Freude beim Philosophieren mit deinem Grossen und bin gespannt, wo Euch die Reise hin bringt 🙂
    Kinderfragen und ihre Erklärungsmodelle sind durch nichts und Niemande zu übertreffen!

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