Die Aufgaben wachsen mit ihren Eltern

Man wächst ja bekanntlich mit seinen Aufgaben.

Eltern wissen das, die haben schließlich ihre wandelnden Aufgaben um sich herum, und gar nicht so selten das Gefühl, ihnen nicht gewachsen zu sein. Und egal wie sehr man über sich hinauswächst: Diese spezielle Sorte Aufgaben wächst mit!

Ich zum Beispiel. Ich hatte ein Baby. Klitzeklein. Dann drehte ich mich einmal um und plötzlich bin ich Mutter eines Dreieinhalbjährigen. Kaum habe ich mich daran gewöhnt, dass mein Baby kein Baby mehr ist, warten neue Aufgaben. Genau genommen ist es immer dieselbe Aufgabe, die allerdings aus vielen, vielen Leveln besteht: Loslassen.

Neulich habe ich ein neues Level erreicht. Zum Abschluss des Kindergartenjahres fuhr Maxis Gruppe in den Kölner Zoo. Kurz zu den Details: Sie fuhren mit einem Reisebus und der Kölner Zoo ist 30 Kilometer von meinem Küchentisch entfernt. Mein erster Gedanke: Ich brauch ´n Schnaps!

„Sie können mich gerne auf die Liste der Eltern setzen“, sagte ich nur 30 Minuten nachdem die Ankündigungsmail in meinem Postfach gelandet war zur Leiterin der Kita. Schließlich ist der Maxi das jüngste Kind in der Gruppe und dann ist es ja nur fair, wenn ich mich freiwillig bereit erkläre, die für diesen Ausflug erforderliche zusätzliche Anzahl an Aufsichtspersonen zu unterstützen.

Die Kitaleiterin fand das sehr nett von mir. Sie hat mich trotzdem ausgelacht und mitgenommen haben sie mich auch nicht. Die Kinder sind tatsächlich ganz alleine und nur mit ihren Erzieherinnen gefahren.

Am Morgen der Abfahrt unterdrückte ich jeden Impuls, der mich schreien lassen wollte: „Der Maxi ist aber erst 3, ne?! Der muss an die Hand, das wisst Ihr, ne?!“

Seeeehr tapfer ließ ich den Maxi ziehen, als wäre es ein ganz normaler Kita Tag. Bilder von Busunglücken und Kindern, die über irgendwelche Zäune von Tigerkäfigen klettern kann man ja mit Schokolade betäuben.

Ausflug1

Dieser Ausflug war für mich mindestens so aufregend, wie für den Maxi. Die Kita ist Maxis eigene kleine Welt, über die ich viel zu wenig weiß. Nur hier und da lässt er mal ein paar Informationen raus, und gelegentlich rede ich mit den Erzieherinnen, aber der Großteil seiner Zeit in der Kita bleibt für mich ein großes Fragezeichen. In der Kita ist er ohne Mama, ohne Papa, ohne Familie unterwegs, das ist sein erster kleiner Schritt in die Selbständigkeit. Wenn er nun mit dieser Welt, die ich nicht betreten kann, einen Ausflug macht, dann ist die gefühlte Entfernung deutlich größer als 30 Kilometer.

Ausflug

Am Nachmittag wartete ich mit den anderen Eltern vor der Kita auf die Ankunft des Reisebusses (und war nicht alleine aufgeregt!) Der Bus bog hupend in die Straße vor der Kita ein und als alle Eltern ihre Kameras zückten, war ich mir kurz nicht ganz sicher, ob da nun wirklich unsere Kinder aus dem Bus aussteigen würden, oder doch die Fußball- Nationalmannschaft. Mit größerer Begeisterung sind Müller, Schweinsteiger und Co jedenfalls auch noch nicht empfangen worden.

„Und, welches Kind ist auf dem Rückweg im Bus eingeschlafen?“, fragte ich den Maxi, der mir weniger abgekämpft als erwartet erschien. „Alle, die wir haben!“, war die Antwort.

Viel hat der Maxi natürlich nicht erzählt, aber als ich ihn abends ins Bett brachte, sagte er: „Mama, können wir da nochmal hinfahren? Mit Dir und dem Papa und dem Mini? Ich zeige Euch dann alles, ihr kennt Euch da ja nicht aus!“

„Klar, mein Schatz“, antwortete ich und staunte über mein großes Kind, das mir jetzt schon die Welt zeigt.

„Aber Mama, man muss Geld bezahlen, wenn man da rein möchte. DAS müsst IHR dann machen!“ So ganz aus dem Haus ist er wohl doch noch nicht…

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7 Gedanken zu “Die Aufgaben wachsen mit ihren Eltern

  1. Hallo Mia,

    oh ja, das kenne ich! Unsere, erst seit ein paar Tagen junge, 3-jährige ist heute mit ihrer Kita in den Zoo nach Dortmund gefahren – allerdings mit dem Zug („nur“ 10 km entfernt). Ist echt spannend so eine Aktion. Besonders für die Eltern. Das Töchterlein hat das ganz cool mitgemacht. Und ganz besonders stolz auf sie bin ich, weil sie erst seit einer Woche keine Windel mehr benötigt und das auch heute den ganzen Tag ohne „Unfall“ funktioniert hat.

    Viele Grüße
    Kristina H.

  2. Respekt, dass du nicht heimlich ‚privat‘ hinterhergefahren bist! 🙂 Aber überlegt, ob du das tun sollst, hast du schon, oder??

    1. Aber hallo!! Der Mini war ja schließlich noch nicht im Kölner Zoo, und das Wetter war auch gut, also da könnte ich doch, vielleicht, im Grunde genommen…Ich hätte mich auch dezent im Hintergrund gehalten, aber der Mann hat mich gerade noch davon abgehalten 🙂

  3. Oh man, wenn ich das so lese, muss ich wohl ein Schokoladenabo abschließen! Mich erschreckt schon die zunehmende Selbstständigkeit mit 9 Monaten…

  4. Wirklich schön geschrieben. Wahrscheinlich hätte ich in Deiner Situation genauso gefühlt wie Du (auch wenn ich es nicht so gut hätte beschreiben können). Lachen musste ich, als ich mir vorgestellt habe, wie alle Mütter ihre Kinder wie Fußballer empfangen haben 😀 Genial!
    LG Wiebke

  5. Ohhh das kenne ich, bei jedem Meilenstein war es dasselbe. Wobei der Vater des Tochterkindes (mittlerweile 7,5 Jahre alt) da noch nervöser war als ich 🙂 Glaub mir, das wird noch schlimmer je älter unsere kleinen werden … Lass Maxi mal in die Schule kommen…da fällst du von einer Ohnmacht in die andere 🙂
    Manchmal meine ich, unsere Tochter ist erwachsener als wir 🙂

  6. Eine wahre Geschichte aus dem Leben einer Mutter! Als ich sie gelesen habe, fielen mir gleich zwei Begebenheiten aus dem Leben mit meiner Tochter ein: Der erste Tag in der Kita und die erste Klassenfahrt in der 3. Klasse. Mama total nervös zuhause bzw. beim Abholen am Bahnhof und Kind ganz cool und schon ganz schön groß.

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