Updates am laufenden Band. Mutterrolle 6.0

Maxi hatte gestern ein Spielplatzdate mit seinem liebsten, besten „Kackpups-Freund“ (fragt nicht!).

Wir Mamis hatten es uns auf einem sonnigen Plätzchen am Rande des Sandkastens gemütlich gemacht. Nun, gemütlich ist wohl nicht ganz richtig, aber sonnig war es und gesessen haben wir auch, und da die Kinder friedlich spielten, kam uns dieses 20 cm schmale Stückchen Sandkastenbegrenzung doch sehr gemütlich vor.

Ins Gespräch vertieft schoben wir uns den Inhalt der mitgebrachten Tupperdosen in den Mund und hatten es also sehr nett.

Dann war da plötzlich diese andere Mutter. Ihr Sohn wollte wohl nicht so, wie sie wollte und da hat sie mit ihm geschimpft und als er zurückschimpfte hat sie ihn einfach gepackt und hinter sich her gezogen.

„Warum schimpft die denn so?“, fragte ich absichtlich ein bißchen laut, denn ich fand ihr Verhalten ziemlich übertrieben.  Es war doch gerade alles so schön. Das Wetter war schön, die Kinder spielten schön, wir unterhielten uns schön- kein Grund so ungeduldig zu werden. Warum spricht die Frau nicht mit ihrem Kind? Sie muss es ihm doch nur erklären! Was´n das für eine?!

Krchps, machte der Keks in meinem Mund. Dabei wollte ich doch eigentlich nie auf einem Spielplatz rumkrchpseln. Und mit dem nächsten Krchps musste ich zugeben, dass ich wohl auch nicht ganz die Mutter war, die ich mir vorgestellt hatte zu sein.

Ich wollte eine Mutter von netten, wohlerzogenen Kindern werden. Das gedachte ich dadurch zu erreichen, dass ich meinerseits immer sehr nett und freundlich zu meinen Kindern sein wollte. Auf diese Weise gewertschätzt und verstanden würden meine Kinder mir ein einziger Quell der Freude sein. Nichts gegen meine Jungs, aber der Plan ist nicht ganz aufgegangen.

Ich wollte außerdem immer cool bleiben. Über eine zerbrochene Scheibe muss man sich ja nicht gleich aufregen und  so einen Teller kann man doch ersetzen. Nachdem in diesem Hause vom Waschbecken über die Türklinken bis zum Glasschrank fast nichts mehr unversehrt ist, hat meine Coolness ein bißchen gelitten.

Nie wollte ich so eine Mutter werden, die auf dem Spielplatz immer etwas zu Essen dabei hat. Die Kinder verhungern wohl nicht, wenn sie in den 3 Stunden zwischen Kaffeeklatsch und Abendessen mal nichts zu essen bekommen, dachte ich, aber da ahnte ich ja auch noch nichts von Minis Appetit.

Und da saß ich nun mit meiner Tupperdose. Irgendwo zwischen den anderen Müttern, die das belächeln und denjenigen, die einen gesünderen Inhalt bevorzugen würden, hatte ich mich eingereiht.

Es ist nämlich so, dass meine Mutterrolle im Laufe der Jahre doch einige Updates erfahren hat.

Erst war der Sohn so klein und niedlich und alle größeren Kinder schienen mir so schlecht erzogen. Heute lebe ich in einer Welt voller Trotzanfälle und Liebeserklärungen, die mit „Kack-“ beginnen.

Andere Mütter schienen mir manchmal so kopflos- heute habe ich zwei Kinder und bin froh, wenn wir alle vollständig bekleidet aus dem Haus gehen (nur vollständig, nicht sauber).

Als ich nur ein Kind hatte, hatte ich alle Zeit der Welt, dem Maxi Dinge zu erklären. Heute muss es manchmal einfach schnell gehen.

Neben meiner eigenen Mutterrolle hat auch die Sicht auf andere Mütter in den letzten Jahren ein paar Updates bekommen. Das liegt daran, dass ich im Laufe von Elternzeiten, Berufstätigkeiten, steigender Kinderzahl, wachsendem Argumentationsvermögen des Maxi und schwindendem eigenen Nervenkostüm viel mehr Einsichten in all die Zwänge erhalten habe, in die Mütter im Alltag so geraten können.

Ich weiß ja nicht, was diese Mutter, die so ungeduldig mit ihrem Sohn war, an diesem Tag schon alles hinter und vielleicht noch vor sich hatte.  Wahrscheinlich war ich unfair zu ihr. Am liebsten hätte ich ihr einen Keks aus meiner Tupperdose angeboten. Aber wer weiß, was sie dann von mir gedacht hätte!

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Spielplatz

 

 

16 Kommentare

  1. Meine Vorstellung darüber und wie es jetzt, mit 2 Kindern ist, das sind verschiedene Welten. Obwohl ich doch noch immer sehr an meiner Vorstellung festhalte und versuche es so hinzubiegen,bin ich jetzt eine von den Mamas die ich nie sein wollte *gg* (ein TupperdosenTrinkflaschenFeuchttuchWindelKeksMitschlepper). Und trotzdem ist es perfekt so wie es ist, für mich und meine Kinder. Ich verstehe auch andere Mütter jetzt besser in ihrem tun und handeln, auch wenn mir manches noch nicht so einläuchtet 😉

  2. ich musste so kichern :-). eigentlich hätte ich geschockt sein müssen. so hatte ich doch einen plan, wie ich als mutter sein wollte. und du sagst mir jetzt schon, dass ich das alles vergessen kann, weil eh alles anders kommt? och menno

    können wir bitte noch mal auf das kack-pups zurück kommen? 😀

    • Nee, behalt mal Deinen Plan, man muss schließlich die Ziele hoch stecken 🙂 Und hör mir auf mit Kack-Pups. Das ist momentan die schlimmste Beschimpfung und größte Liebeserklärung zugleich. Ich werde nicht wahnsinnig! 🙂
      LG Mia

  3. Liebe Mia,
    wäre ich die Mutter gewesen, die gerade diese heftige Auseinandersetzung mit ihrem Sohn hatte, hätte ich mich über den Keks SEHR gefreut.
    Dein Post hat mich nachdenklich gemacht. Wir Mütter sollten uns gegenseitig viel mehr helfen. Gerade in solch einer Situation.
    LG Paula

      • Ich will auch Kack-Pups-Kekse! Jetzt. Sofort.

        Meine Kinder werden übrigens immer brav und wohlerzogen mit ihrer total entspannten Mutter auf den Spielplatz gehen. Ganz bestimmt.

        Und jetzt will ich einen Keks.

  4. So ging es mir auch oft. Ich habe immer gesagt, ich werde das und das nicht so machen, wie manche sich in der Öffentlichkeit zeigen! Und es ist genauso wie du sagst. Ganz schnell ändern sich die Sichtweisen und auch mit „nur“ einem Kind bin ich öfters zerstreut und vergesse Dinge oder aber habe irgendwann auch mal die Schnauze einfach voll. Tja, wir sind eben alle nur Menschen und Mütter! 😀 LG Bianca

  5. Hi Mia!
    Ich erwische mich auch öfter, wie ich über die Methoden anderer Mütter innerlich die Nase rümpfe. Allerdings geschieht das in den wenigen Momenten, in denen ich entspannt auf friedlich spielende, vor sich hin singende eigene Kinder gucken kann. Man vergisst in diesen 2 Sekunden Schonzeit vor dem nächsten Wutanfall sehr schnell, wie es sich anfühlt, nicht unbedingt Herr der Lage zu sein. Aber zum Glück sorgen die Kinder schon dafür, dass dieser arrogante Glückszustand nicht allzu lange anhält 🙂
    Stinker, Kacki und Pipi sind auch bei uns seit Wochen die absoluten Lieblingswörter. Ich kämpfe gerade hart, die wenigstens bei Tisch zu verhindern. Ob ich den Kampf wohl gewinne?? Hihi, aber man sagte mir, diese Phase ginge vorbei. Irgendwann. Danke für deinen Post!

  6. wie herrlich beruhigend es doch ist, zu hören, dass es anderen auch so geht. Meine Mäuse sind im gleichen Alter wie deine Kleinen und ich hatte mir das auch anders vorgestellt. Aber was solls, die Kinder sind glücklich, ews geht ihnen gut und sie haben Spaß, wen störts, ob sie immer piekfein aus dem haus gehen… Vielen Dank für deine ehrlichen Worte, das hat mir sehr geholfen.

  7. Mensch bin ich froh,dass du im letzten Absatz es dir noch selbst beanzwortet hast. Mein (christlicher) Freund wies mich schon desöfteren darauf hin,dass man nicht urteilen kann bzw. soll,weil nur die mutter ihr kind am besten kennt…und wer weiss,welches schicksal sie erst gestern getroffen hat. Wir menschen,egal welcher „gruppe“ zugegörig, müssen uns eben immer vergleichen.was bringts?wir gleichen unsere eigenen wahrheiten ab u.a.
    Am liebsten wollte ich deinen post als impuls für einen tagebuch-eintrag nehmen,jedoch bin ich an sich seit der geburt nicht mehr der selbstbewussteste mensch (der ich immer war!) und lasse es lieber sein…äquivalent könnte man sich nämlich auch fragen, wie man sich das mutterleben bzw. Familiendasein vorgestellt hatte…
    Aber nein, klopfen wir uns lieber auf die Schulter,für die dinge,die wir (unserer meinung nach 😉 besonders gut machen… zweifel birgt das leben schon genug…

  8. Zum Thema „kack-pups“: Es gibt das Buch „So ein Kack“. Sehr lustig. Und wenn man das Thema mal richtig ausleben kann, ist dann auch oft für ne Zeit ruhe mit kack-pups 😉

  9. Oh ja, wie recht du wieder hast!
    Ich hätte mich über diesen Keks auch sehr gefreut!
    Ich urteile schon lange nicht mehr, jeder hat mal schlechte Tage und wir sind alle nur Menschen.
    Genau auf diesem Wege, habe ich nämlich eine mittlerweile Freundin kann man schon sagen, kennengelernt.
    Die hat ihre 3er Bande im indoor Spielplatz dermaßen gefaltet, das ich sie angesprochen habe, ob ich ihr helfen kann:)

  10. Marianne

    Hihi. Ohja!
    Bei mir hat sich noch besonders viel von Kind 1 zu Kind 2 getan… Wie du schreibst…Keks MIT schoki 😉

    Und ja. Manchmal ist man das brüllmonster, dass das Kind nachschleift…und ja, die anderen Wissen meist nicht, was davor alles passiert ist. Und wie schlecht man sich ohnehin an so einem Abend fühlt.

    Die meiste ächtung erfahre ich übrigens dadurch, dass ich dem Kind nicht helfe – wo’s raufkommt, kommt’s rauf… Das durchzuziehen, ist sehr schwer, nicht wegen des Kindes, sondern wegen der anderen Mamas! Lassen wir uns doch ein bisschen in Ruhe…

  11. Liebe Mia,

    Wie oft schwören wir uns : Ich werde nie so, wie meine Mutter, wie meine Tante, wie die Nachbarin, wie die Frau da drüben? Und wenn die Situation passt erwischen wir uns dann im Nachhinein dabei, das wir uns ganz genau so verhalten haben, wie die, wie die wir nie sein wollten? 😉
    Muss ne genetische Fehlprogrammierung sein 😉
    HIer: Nimm dir nen Keks, nen Kaffee, setzt dich auf den Sandkastenrand und beobachte andere dabei, zu sein, wie sie nie sein wollten. Wir sind dann als nächste wieder dran 😉

    liebe Grüße
    Verena

  12. schön beschrieben! gell, man weiss ja nie, in welcher Situation die beiden waren, was sie miteinander vereinbart hatten etc…

  13. Wie wahr. Ich habe sehr geschmunzelt, als ich das gelesen habe.
    Andererseits: Was ich nicht weiß, macht mich nicht … ehschonwissen. Wenn mich jemand ausrichtet, den ich nicht kenne, was soll’s. Also, wenn ihr mich mal am Spielplatz seht, wie ich meine kleinen Fräuleins an einem Arm schimpfend hinter mir herzerre, … dann legt mal gerne los und tut euch keinen Zwang an.

    Aber prinzipiell hast du natürlich recht: So etwas macht man natürlich nicht, weil man den Hintergrund nicht kennt. Nur sind wir halt alle Menschen und die tratschen gerne über andere, um sich abzulenken… das ist etwas, was ich wirklich jedem verzeihen würde, sofern es nicht unter der Gürtellinie ist.
    Alles Liebe!
    Judith

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