Kinder hin oder her- warum ich meine kinderlose Freundin jetzt wieder häufiger sehen werde.

Neulich wurde dieser Artikel aus der Huffington Post in allen Social Media Kanälen geteilt. Er handelt davon, warum Eltern seit der Geburt ihrer Kinder so wenig Zeit für ihre (kinderlosen) Freunde haben.

Hätte ich diesen Artikel nicht gelesen und hätte ich mich nicht so verdammt ertappt gefühlt- ich hätte für die Verabredung mit meiner Freundin vermutlich eine gute Ausrede gefunden.

Mit meiner Müdigkeit geht nämlich auch eine enorme Trägheit einher, so dass das Thema „Friends-Keeping“ bei mir momentan oft zu kurz kommt.

An diesem Tag hatte ich überhaupt keine Lust auf die Verabredung. Nicht nur, weil ich so müde war, sondern auch, weil ich den Eindruck hatte, dass wir uns schon lange auseinandergelebt haben. Seit ich Mutter wurde eben.

Mein Leben dreht sich zum allergrößten Teil um meine zwei kleinen Söhne- ziemlich langweilig, wenn man selber keine Kinder hat. Ihr Leben dreht sich um ihren Job (in derselben Firma, in der ich arbeite), und das Thema interessiert mich wiederum gerade überhaupt nicht.

Wie so oft, wenn man überzeugt ist, dass ein Abend total langweilig werden wird, wurde ich überrascht.

Sie hat mich erzählen lassen, von den durchwachten Nächten, von Mutterliebe und von Mutterstolz. Und ich habe ihr zugehört, als sie von ihrem großen Projekt erzählt hat, von nicht so netten Kollegen und von dem einen, der ganz besonders nett ist. Und weil wir Freundinnen sind, auch jetzt noch, da wir nicht mehr direkt nach dem Büro gemeinsam um die Häuser ziehen, haben wir uns beide nicht gelangweilt oder unverstanden gefühlt.

Die „Schlüsselszene“ des Abends war die:

Ich habe ihr davon erzählt, dass ich mir manchmal mehr Freiheit wünsche. Freiheit, Dinge zu tun, die ich gerne tue, Dinge nur für mich. Aber wegen der Kinder kann ich ja so vieles nicht. So wie neulich, als ich ein sehr interessantes Angebot bekommen habe, für das ich allerdings hätte umziehen müssen. Wegen der Kinder habe ich das gar nicht erst in Erwägung gezogen und schweren Herzens abgesagt.

Da hat sie mir von dem tollen Angebot erzählt, das sie bekommen hat und für das sie auch hätte umziehen müssen. Wochenlang hat sie sich mit der Suche nach der richtigen Entscheidung gequält. Am Ende hat sie abgesagt, und jetzt quält sie sich mit dieser Antwort.

Da wurde mir klar, dass ich mir viele unangenehme Fragen gar nicht erst stellen muss.

Ich kann Dinge von vornherein ablehnen und die Frage, was ich vom Leben eigentlich möchte, gar nicht an mich heranlassen. Ich schiebe die Kinder als Antwort vor: Ich kann nicht, ich bin ja so gebunden. Aber hätte ich es ohne Kinder getan? Hätte ich einen Neustart gewagt? In einem anderen Job, einer anderen Branche, einer anderen Stadt? Das habe ich mich gar nicht erst gefragt.

Sie, ohne Kinder, musste viel tiefer in die Entscheidung hinein gehen, denn da war niemand, den sie vorschieben konnte. Ich beneide sie nicht darum.

Meine Freundin und ich, wir leben zwei verschiedene Leben, aber wer außer mir lebt schon mein Leben? Das tun auch meine Freunde, die Kinder haben nicht. Die können zwar besser nachvollziehen, was mich so umtreibt, aber letztlich macht diese Kategorisierung Freunde mit Kindern/Freunde ohne Kinder nicht unbedingt Sinn. Jeder Alltag hat seine Besonderheiten, jedes Leben seine eigenen Fragestellungen. Wenn wir uns gegenseitig zuhören, werden wir uns nie auseinanderleben.

Nachdem mir das so plötzlich so deutlich geworden war, hatten meine Freundin und ich einen der lustigsten Abende überhaupt. Wir haben viel gelacht, viel gegessen und viel Wein getrunken.  Genau wie früher.

So ein Blick über den Tellerrand ist doch immer wieder etwas Feines!

Unterschrift_blog

 

 

 

P.S. Liebe S., falls Du das liest: Verzeih, dass ich mich vor allem in den letzten 12 Monaten so rar gemacht habe! Ich gelobe Besserung und freue mich auf unseren nächsten Mädelsabend!

 

 

 

6 Kommentare

  1. Ja, manchmal muss man sich einfach aufraffen….. Und sich drauf einlassen. Allermeistens wird man mit einer richtig guten Zeit belohnt (manchmal geht’s aber auch daneben :-)).
    Sehr guter Denkanstoß jedenfalls! Danke dafür!

  2. Interessante Perspektive (dass man sich viel leichter gegen etwas entscheiden kann, weil man Kinder hat….). So hab ich das auch noch nicht gesehen. Ist aber wohl was dran. Der Mensch hat gern Ausreden.

  3. Es ist so wahr: Die Frauen ohne Kind haben zwar einerseits mehr Freiheiten, mehr Handlungsalternativen. Sie haben das Glück nach ihren eigenen Wünschen zu entscheiden, ohne Kinder mit einzurechnen. Andererseits sind es aber eben auch genau diese zahlreichen Handlungsalternativen, die dann Ihre Entscheidungsfindung so komplex werden lässt. So gesehen macht ein Leben mit Kind vieles einfacher. man kann die Kinder vorschieben, wenn man eine Entscheidung getroffen hat und muss sich nicht weiter rechtfertigen oder Gedanken machen von wegen „was wäre wenn“…
    Ein wirklich interessanter Gedanke, den Du da aufgeworfen hast!

  4. Liebe Mia,
    ein toller, rührender Artikel, bei dem ich ein bisschen Pippi in die Augen bekommen habe! Du schreibst so authentisch und absolut aus dem Leben, dass ich deine Worte einfach verschlungen hab.
    Gleichzeitig gibst du aber auch Mut, dass man trotzdem auch andere Dinge als Mutter machen kann, wenn man sich losreißt.
    Ich (noch ohne Kind) habe viele Freunde mit Kindern, die einem nur wenig Mut machen. Da kommen Sätze wie: Na, genießt nochmal solche Ausflüge wie heute/…, das geht dann mit Kind nicht mehr.

    Und ja, Vieles glaube ich ihnen davon, das schreibst du ja auch hier in deinem Artikel.
    Aber ich glaube auch, dass man sich manchmal einfach den Ruck geben muss, damit man mal wieder etwas anderes sieht und wahrnimmt und eventuell auch ausgeglichener ist, oder?

    Danke für diesen Artikel,
    liebe Grüße,
    Kaddi

  5. Liebe Mia, das ist ein schöner Post, ich werde ihn in Erinnerung behalten für die Zeit, wenn meine Tochter auf der Welt ist (noch 20 Tage, hihi). Genau davor habe ich nämlich Angst, dass meine Freundinnen ohne Kinder und ich uns plötzlich auseinander leben und man selber zu bequem wird, sich zu einem Treffen aufzuraffen. Aber du hast es geschafft, es gibt also einen Weg :-).
    Liebe Grüße, Daniela

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