Sieben Liter Milch pro Woche: Futterneid!

In diesem Haus wurde eigentlich nie viel gegessen. Von meinem Mann glaube ich, dass er tagelang ohne Nahrung auskommen kann (danach muss es allerdings mindestens ein halbes Schwein sein), und der Maxi hat schon immer gegessen wie ein Vögelchen.

Bis sein kleiner Bruder sich zu uns an den Familientisch setzte.

Der Mini ist mit einem sehr gesunden Appetit gesegnet. Wenn ich ihn füttere, reißt er sein kleines Mündchen auf so weit es irgendwie geht. Sobald ich auch nur eine kleine Pause einlege, fängt er an, ungeduldige Laute von sich zu geben und schlägt protestierend mit der Hand auf den Tisch.

Seit der Mini mit uns am Tisch sitzen kann, praktizieren wir so eine Mischung aus Baby Led Weaning und Brei: Der Mini bekommt von jeder unserer Mahlzeiten das ab, was babytauglich ist. Da er damit größtenteils nur rummatscht, gibt es zum Satt-Werden zusätzlich Brei.

Eine zeitlang war der Mini sehr zufrieden damit, einfach dabei zu sitzen und etwas zum Matschen und Knabbern zu haben.  Eines schönen Tages jedoch fiel sein Blick zum ersten Mal auf den Teller seines Bruders. Konnte das sein, dass der Maxi etwas Besseres auf dem Teller hatte als er? Mit allen Mitteln versucht er seitdem, an das Essen seines großen Bruders zu gelangen.

Inzwischen kann hier niemand mehr eine Mahlzeit zu sich nehmen, ohne jeden zweiten Bissen an den Mini abzuführen. Der stößt aufgeregte Laute aus, zeigt hektisch auf alle anderen Teller und klettert zur Not einfach aus seinem Hochstuhl direkt auf den Tisch. Wenn er Essen auf anderen Tellern sieht, flippt der aus.

Futterneid1

Zuerst dachte ich, man müsse den Mini einfach füttern, bevor der Rest der Familie isst, damit er schon satt ist. Oder dem Mini einen richtig großen, vollen Teller geben, und nicht nur nach und nach einzelne Stücke reichen. Nichts davon hat geholfen. Um Hunger geht es gar nicht. Es ist viel schlimmer. Es ist Futterneid.

Maxi hat seinem Bruder anfangs gern sein Essen rübergeschoben. Er wußte ohnehin nie so genau, wohin damit.

Nach etwa zwei Wochen hat der Futterneid auch den Maxi ergriffen. Wer lässt sich schließlich gerne die Butter vom Brot nehmen, und das auch noch vom kleinen Bruder?

Es begann damit, dass ich zum Abendessen einen Teller Gurkenscheiben auf den Tisch stellte und der Maxi sie direkt an sich riss: „Die sind alle für mich!“ Mit Engelszungen redete ich auf den Maxi ein, doch bitte eine einzige klitzekleine Scheibe dem Mini zu geben, der bereits vor lauter Panik, zu verhungern, schreiend rot anlief.

Seitdem krachen sich die beiden bei den Mahlzeiten um jeden Krümel.

Unser Milchkonsum steigert sich fast täglich. War es anfangs noch ein gemütliches Ritual, dass beide Jungs morgens gemeinsam nebeneinander ihre Milch genossen, geht es jetzt vor allem darum, eine vollere Flasche zu bekommen, als der andere. Diese Runde geht meistens an den Mini, der keinen Tropfen übrig lässt und sobald der Maxi in der Kita ist, macht er sich triumphierend über den Rest aus Maxis Flasche her. Neulich musste ich zum ersten Mal unter der Woche Nachschub holen, weil die sonst üblichen 6 Liter Milch schon am Donnerstag verbraucht waren.

Der Maxi bewacht seinen Teller inzwischen wie einen Hochsicherheitstrakt, der Mini verschafft sich mit einer Mischung aus Geschrei und Ablenkungsmanövern trotzdem Zugang zu der so viel interessanteren Kost auf Maxis Teller. Zum Ausgleich bedient sich der Maxi an Papas Teller, was wiederum der Mini mit Griffen nach meinem Teller kompensiert.

Inzwischen geht es gar nicht mehr nur darum, dass das Essen auf Bruders Teller interessanter ist, als das eigene. Es geht darum, einen möglichst großen Berg auf dem eigenen Teller aufzuschichten und von allen umliegenden Tellern etwas wegzuschnappen.

Futterneid2

Als ich neulich heimlich hinter der Kühlschranktür einen Joghurt in mich hineinschlang, dachte ich, noch schlimmer könne es mit dem Futterneid nun nicht mehr werden. Später an diesem Tag entdeckten der Mann und ich jedoch, dass die Jungs jeder auf seiner Seite ein großes Stück vom Esstisch abgeknabbert haben.

Seitdem kann ich Abends nicht einschlafen, will ich Angst habe, jemand frisst mir die Haare vom Kopf. Und so liege ich wach, bis der Maxi am Morgen nach seiner Milch verlangt: „Aber ich will eine GANZ VOLLE! Mehr als der Mini!“

Ich bin dann mal einkaufen.

Unterschrift_blog

 

 

 

 

 

10 Kommentare

  1. ich würde gerne was tolles beitragen, aber ich bin noch damit beschäftigt die tränen wegzuwischen. herrlich ;-D!

  2. Herrlich:) vielen Dank für den Lacher am Morgen!
    Ganz so schlimm ist es bei uns nicht, nur wenn es Süßigkeiten gibt.
    Aber heimlich hinter der Küchentür….das kenne ich sehr gut!

  3. Hihi zu geil! Meine Schwiegermutter erzählt von ihren zwei Jungs heute noch solche Stories und ehrlich gesagt, habe ich das Gefühl, dass der Futterneid auch jenseits der 30 noch anhält

  4. Liebe Mia,
    ein so toller Artikel. Musste eben wirklich lachen. Ich kenne das (leider) gar nicht. Meine große Tochter isst sehr schlecht und die kleine Tochter macht es ihr immer mehr und mehr nach. Nur bei Nudeln und Gummibärchen da können sie beide mehrere Portionen in sich rein schaufeln. Die kleine braucht dafür beide Hände…
    Hast du den Mini abgestillt? 7 Liter?? Wahnsinn! Meine beiden trinken keine Milch aus der Flasche. LG

  5. Natallia

    Ich habe soooooo…. gelacht. Das trifft uns genau so wie du schreibst……. Ich finde du schreibst realistich und trotzdem lustig. Weiter so.
    LG

  6. fishly

    Das kommt mir so bekannt vor! Unsere beiden kinder haben auch einen ausgeprägten Futterneid. Nach ein paar Monaten gemeinsamem Essen hat sich zumindest die Konkurrezsituation etwas abgeschwächt und mittlerweile teilen beide sehr gerne – solange noch genug da ist. Dabei spielt es aber sicher auch eine Rolle, dass der große mit 5 schon sein Sâttigungsgefühl kennt.
    Ab und an mache ich mit den Futterneid zu nutze. Wenn ich möchte, dass das Essen schnell geht, zB weil der Babysitter schon fast vor der Túr steht, dann gibt es einen großen Teller mit Hâppchen. Den in in die Tischmitte gestellt, garantiert ein sehr schnelles und gründliches Abendessen. Zuerst wird der Belag vertilgt und sich dann um die Brote gestritten. Sogar sonst unliebsames wird mit Wonne genossen, denn der Jagtstolz ist größer als die Abneigung. Zeit um Sauerei zu machen bleibt dabei natürlich auch keie.

  7. Ich musste gerade sehr schmunzeln. Das trifft mit jedem Satz unsere derzeitige Essenssituation. Mini isst am liebsten vom Teller seines Bruders. Und gerade morgens scheint das angeknabberte Müsli besonders lecker zu sein, wenn der Maxi gerade das Haus gen Kindergarten verlassen hat.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.