Mütter gegen Mütter- Warum wir uns immer angegriffen fühlen

Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus. Eine Mutter der anderen schon.

Diese Woche habe ich bei  Mama Miez einen Post über schlafende Babys und das Bauchgefühl ihrer Eltern gelesen. Mama Miez sprach eine Reihe der größten Reizthemen unter Eltern an, aber das war gar nicht das, worum es ihr ging. Die Botschaft ihres Posts war die: Mütter, hört auf Euer Bauchgefühl! Die unendlichen Elternratgeber können einen verrückt machen, dabei ist es vor allem die eigene, innere Stimme, auf die wir im Umgang mit unseren Kindern hören sollten.

Es kam, wie es immer kommt: Wer Reizthemen sät, erntet unsachliche Kommentare. Sogar von einem Post, der sich für mehr Selbstbestimmtheit ausspricht, der den Eltern sagt `Ihr macht das schon richtig`fühlen sich andere Eltern angegriffen- und schimpfen drauflos.

Ich frage mich immer wieder, warum wir Mütter uns nicht einfach in Ruhe lassen können. Ich selber bin da selten besser: Erst gestern habe ich auf dem Spielplatz die Augen verdreht, als eine andere Mutter erst die Nase rümpfte, weil mein Maxi kiloweise Kies die Rutsche herunter schüttete, dann ihrer Tochter, die dem Maxi begeistert nacheifern wollte, mit den Worten ebendies verbot: Nein Schatz, so einen Blödsinn machen wir nicht`, und dann erst eine Picknick-Decke über die Bank ausbreitete, bevor sie sich darauf niederließ. So eine steife Kuh! Aber was geht mich diese Frau an? Warum nervt die mich so?

Vermutlich sind es vor allem diese Gründe, die uns immer wieder zumindest gedanklich aufeinander losgehen lassen:

 

1. Mit vielen Müttern haben wir nichts gemeinsam außer unseren Kindern.

Nachbarn, Kollegen, die Verkäuferin beim Bäcker- wer mir nicht sympathisch ist, mit dem wechsele ich nicht mehr Worte als nötig.

Mit vielen der Eltern, die mir begegnen, hätte ich wohl auch nie ein Wort gewechselt, weil wir ganz offensichtlich nicht auf einer Wellenlänge sind. Wir würden uns einfach jeder so ernähren, wie wir es für richtig halten, wir würden die korrekte Schlafzimmertemperatur nicht miteinander diskutieren, nicht über den Umgang mit Medien streiten und unsere Ansichten zum Thema Impfen würden wir für uns behalten.

Auf dem Spielplatz, in der Kita oder auch in MütterForen- und Blogs treffen wir nun aber alle aufeinander: Die Impfgegner und die Impfer, die Veganer und die Wurstfans, die Fläschchen- und die Stillmamas, die Gläschen-Fütterer und die Selberkocher. Mit vielen Menschen, mit denen wir als Eltern so unsere Freizeit verbringen, haben wir nichts gemeinsam- der einzige gemeinsame Nenner sind unsere Kinder.

 

2. Es geht um unsere Kinder, und wenn es um unsere Kinder geht, ist Schluß mit lustig! 

Es gibt auch Nachbarn und Kollegen, die finde ich , freundlich ausgedrückt, schräg. Trotzdem störe ich mich kaum an ihnen, höchstens dann, wenn sie mich direkt mit ihren Ansichten konfrontieren, aber auch dann berührt es mich nur selten. Wenn allerdings jemand meinen Kindern zu nahe tritt, dann bin ich sofort alarmiert. Geht es dann auch noch um Kritik an meinem Umgang mit den Kindern, weil ich angeblich den falschen Lichtschutzfaktor gewählt habe oder die falschen Schuhe gekauft habe, dann koche ich innerlich vor Wut. Nichts empfinde ich als größeren Angriff gegen mich, als Kritik an meinen Kindern oder die Art und Weise, wie meine Familie lebt. Kommt so eine Kritik dann auch noch von Menschen, deren Lebensweise mir wiederum völlig fremd ist, ist Streit vorprogrammiert.

 

3. Jede Entscheidung ist ein Statement

Nicht nur Mütter, mit denen man nichts gemeinsam hat, erziehen auch ihre Kinder anders als man selbst. Manchmal ist es auch die beste Freundin, mit der man als Mutter plötzlich so gar nichts mehr gemeinsam zu haben scheint. Ein Kind zu haben, bedeutet Entscheidungen treffen zu müssen. Kita, Tagesmutter oder zu Hause betreuen? 20, 30 oder 40 Stunden? Kindersitz nach vorne oder nach hinten gerichtet? Wir treffen unsere Wahl, weil wir glauben, dass sie richtig ist, aber oft sind wir auch nicht ganz sicher. Vielleicht machen es andere doch besser? Und ist deren Entscheidung nicht gleichzeitig auch ein bißchen eine Entscheidung gegen das, was ICH für richtig halte? Und schon fühlen wir uns angegriffen und verteidigen uns.

 

Mit der Anzahl der Kinder und der Jahre, die man als Mutter auf dem Buckel hat, wächst das Vertrauen in das eigene Bauchgefühl, stelle ich bei mir fest. Damit wächst auch meine Gelassenheit. Ich fühle mich eigentlich von niemandem angegriffen, der die Dinge anders handhabt als ich- ich rege mich nicht einmal mehr auf (na gut, ganz selten).

Wir können nicht alle alles richtig machen. Das geht schon deshalb nicht, weil wir ganz unterschiedliche Vorstellungen von „richtig“ haben. Wir könnten uns aber wenigstens zugute halten, dass jeder das tut, was er für richtig hält, weil wir alle das Beste für unsere Kinder wollen.

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20 Gedanken zu “Mütter gegen Mütter- Warum wir uns immer angegriffen fühlen

  1. Herzlich gelacht über die steife Kuh, vielen Dank!
    Das mit dem Sand die Rutsche runter, machen doch irgendwie alle Kids, oder? Und da ist deine Reaktion völlig verständlich:)
    Und ich glaube, dieser Mütter gegen Mütter Fight herrscht überwiegend im Netz, oder? So von Angesicht zu Angesicht traut sich kaum jemand seinen überflüssigen, klugscheißenden Kommentar abzugeben!

    1. Liebe Simone, stimmt, im Netz ist es extrem. Im „echten“ Leben läuft dafür viel hinter vorgehaltener Hand- auch ganz schön fies.LG Mia

      1. Na ja, ich kann mich aber auch noch gut an die entsetzten Mütter in der Krabbelgruppe erinnern, die mich ganz direkt „face to face“ anklagend fragten:“Wie, du stillst nicht?“ Liebe Mia, du hast es auf den Punkt gebracht und auch die Gründe meiner Meinung nach präzise getroffen. LG, Sonja

  2. Du triffst den Nagel mal wieder auf den Kopf!
    Wenn ich darüber nachdenke, ist bei mir die ewige Unsicherheit, ob ich es als Mutter „richtig“ mache, genau der Grund, weswegen ich mich schnell angegriffen fühle. Ich brauche da Bestätigung! Kommentare einer Freundin wie „Nein, also das finde ich viel zu lang!“ als ich erzählte, dass mein Sohn (damals 1,5Jahre) an drei Tagen die Woche von 8-17Uhr in der Kita ist, regen mich auch ein Jahr später noch auf. Vor allem der entschiedene Ton, in dem sie das sagte. Muss doch nicht sein.
    Jeder sollte machen, was er für richtig hält und was zu ihm passt. Die Kinder kennen es doch sowieso nicht anders als wie es in ihrer Familie zugeht, und solange die sich nicht darum scheren, ob sie laktosefreie Milch oder Rohmilch vom Biobauern kriegen, brauchen sich die Eltern ja wirklich nicht gegenseitig deswegen anzugreifen.

  3. Toller Artikel. Ich kann dir nur sagen, nach dem 4. Kind ist mir völlig wurscht was andere Mütter über mich denken. Meine Tochter geht den ganzen Tag in den Kindergarten – na und? Ich habe keine Lust auf dem Spielplatz ständig mit im Sand zu spielen oder zu wippen – na und? Ich rutsche mit meiner Tochter die Riesenrutsche auf dem Spielplatz und wir finden es toll! Ich trage meinem Sohn nicht die vergessenen Schulsachen in den Unterricht hinterher und ich schließe mich grundsätzlich keiner Diskussion über die „ach so ungerechte Lehrerin“ an…Ach ich könnte noch ewig so weiterschreiben. Ist mir alles egal. Ich liebe meine Kinder, meinen Mann, meine Freundinnen und meinen Job. Das sind die Dinge, auf die ich mich konzentrieren möchte.

    1. Klasse! Deine Einstellung finde ich super toll! Und recht hast du,ich versuche auch mich auf die wichtigen Sachen zu konzentrieren,das wird sogar mit jedem Kind einfacher 😀
      LG Kristin

  4. Hallo liebe Mia, dass Thema Bauchgefühl scheint diese Woche recht aktuell zu sein. Frische Brise, Mama Miez und nun hier…ich kann Euch allen nur zustimmen! Von überall her kommt Kritik und ich habe das Gefühl, jeden Tag muss man sich wieder für irgendetwas rechtfertigen. Mit Baby irgendwie noch mehr! Der kleine Muckel ist gerade erst da und ich werde jetzt schon gefragt, wie lange ich denn plane zu stillen, wie lange er mit im Bett schlafen soll, ich würde ihn ja verwöhnen usw.usw. Ich könnte endlos so weiter machen, täglich gibt es Neues. Hier ist die eigene Familie am schlimmsten und ja, auch einige Freundinnen. Bei der Großen geht es eher um Themen wie die Schulwahl, wie viel selbständig schon gut ist, was zu frech ist…ach so vieles. Du merkst, ich könnte mich auch in rage schreiben, höre nun lieber auf. Ich denke, alle Mamas haben damit zu tun und viele belastet es. Daher ist es gut, wenn so viele drüber schreiben.

    Liebe Grüße, Tanja

  5. Leben und Leben lassen.
    Aber irgendwie geht das unter Müttern nicht. Schade eigentlich, da (fast) jeden Mutter nur das Beste für ihr Kind möchte.
    Beim Großen habe ich mich noch häufig vergleichen lassen und mitverglichen. Ständig hatte ich das Gefühl mich rechtfertigen zu müssen. Bei der Kleinen kann ich das zum Glück schon viel lockerer sehen. Jeder wie er will und ich so wie ich es für mein Kind und mich für richtig halte.
    Schade ist es trotzdem. Anstatt als Mamas zusammen zu halten in einer nicht gerade durch Kinderfreundlichkeit überschäumenden Gesellschaft wird sich untereinander noch das Leben schwer gemacht.

    Schönes Wochenende und liebe Grüße
    Nina

  6. Oh ja, die Mütter auf dem Spielplatz, die einen schief anschauen, weil das Kind mit Essen in der Hand herumlaufen darf, weil es Steine auf die Rutsche wirft (das scheint ja weit verbreitet zu sein), weil es mal laut aufschreit, usw. Wie Du ja in einem früheren Post schon einmal geschrieben hast: es hebt das Selbstbewusstsein und wir versuchen uns und unser Liebsten zu Beschützen, unsere Handlungen zu rechtfertigen. Kein Wunder also, wenn wir aufeinander losgehen. Schön ist es trotzdem nicht.

    1. Oh, vielen Dank für Eure Posts. Es tut gut zu sehen, dass es nicht nur uns so geht.
      Ich stand heute recht fassungslos auf dem Spielplatz, als eine Mutter zu meinem Sohn sagte, er solle doch nicht so schreien….wohlgemerkt, es war ein Freudenschrei, weil er es auf das Gerüst geschafft hatte und endlich am Rad drehen durfte…..manchmal hab ich das Gefühl, ich muss ihm alles verbieten, immer mahnend hinterherlaufen, sonst ernte ich nur bissige Blicke! Schrecklich, dieser Wettbewerb, wer es denn am Besten macht.
      Schade…..

  7. Es gibt Tage an denen ich strenge Regeln für den Junior habe, am nächsten Tag darf er sie brechen, manchmal flipp ich selbst aus, obwohl ich eine Stunde zuvor über die laut schimpfende Mama in der Straßenbahn die Augen verdreht hab‘, dann belächle ich eine andere Mutter, weil sich die immer soviel Sorgen macht und abends frag ich mich dann selbst, ob die Kinder schon wieder krank werden.

    Wir sind Menschen (als Mütter natürlich besondere ;-)), es gibt nicht die eine einzige richtige Wahrheit und wir machen Fehler.

    Mit Kritik, kritisiert man sich meistens auch ein bisschen selbst, man will es nur nicht wahrhaben.

  8. Also ich war glaube ich schon immer recht unempfindlich gegen solche Kommentare und mittlerweile mit dem 3. Kind ist mir das auch alles ziemlich egal. Beim ersten Kind ist man halt auch eher mal verunsichert. Mir macht es inzwischen sogar oft Spaß zu provozieren. Meine Kinder waren bzw. sind alle Bauchschläfer, ich halte absolut nichts von Homöopathie und daher kommen mir auch keine Kügelchen ins Haus, und ich koche nicht Bio. Außerdem tragen meine Kinder so gut wie nie Mützen, sie haben schließlich Haare auf dem Kopf. Und die beiden Großen sind Daumenlutscher, obwohl man das doch soooo schlecht abgewöhnen kann. Na und? So bin ich selber aufgewachsen, kann also doch nicht so verkehrt sein 😉

  9. Wie recht Du hast… Die wichtigste soziale Fähigkeit, die frischgebackene Mütter möglichst rasch lernen sollten, ist meiner Erfahrung nach: Lächeln und winken.

  10. Ein wunderbarer Beitrag Mia, vielen Dank dafür! Endlich, so scheint es mir, mal jemand, der ein klares Statement macht. Ich dachte ja schon langsam,keiner gibt zu, daß man nicht mit allen Müttern befreundet sein kann – aber so wie du es schilderst, klingt es ja nicht nur plausibel sondern logisch.

    Liebe Grüße, Janina

  11. Natürlich wusste ich, dass Frauen untereinander gerne bewerten, verurteilen und sich dabei gerne selbst aufwerten, doch wusste ich vor der Geburt meiner Tochter nicht, dass dies sich unter Müttern nochmal potenziert und darüber war ich doch recht erschrocken. So erschrocken, dass ich mich erst mal selbst in Gegenwart anderer, meist fremder Mütter ziemlich unbehaglich fühlte und mich und damit mein Kind unter Druck gesetzt habe. Erst mit den Monaten des Wachstums (des meines Kindes und meinerseits als Mutter) konnte ich da ein bisschen lockerer werden.
    Ich find’s einfach nur schade, dass wir Frauen, respektive Mütter nicht einfach einen Haufen Respekt für die jeweilige individuelle Leistung der anderen Mutter haben und uns freuen, dass wir alle das gleiche unfassbare Glück teilen, anstatt uns dies zu vermiesen!

    Deshalb sagt jetzt mein Bauchgefühl – Danke, dass Du das geschrieben hast!

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