Rosa Prinzessinnen überall

Weiberfastnacht in der Kita. Es fiel mir sofort auf, aber es dauerte ein bißchen, bis mir klar wurde, wie verrückt das ist:

Alle Jungs waren als Feuerwehrmänner, Cowboys, Piraten oder Ritter verkleidet und der Großteil der Mädchen als Prinzessin oder Fee.

Ich twitterte:

 

Der Maxi war natürlich auch als Feuerwehrmann unterwegs und sah herzallerliebst aus. In der Woche zuvor hatten die Deutschen einer Umfrage zufolge Feuerwehrmänner zu der Berufsgruppe gekürt, der sie am meisten Vertrauen schenken. Maxi hatte sein Kostüm also gut gewählt, fand ich.

Aber dieses Bild von all den kleinen Feen und Prinzessinnen inmitten der Feuerwehrmänner und Cowboys ging mir nicht mehr aus dem Kopf.

Schließlich fragte ich mich: Würde ich meine Tochter als Prinzessin verkleiden wollen?

Ich habe mich als Kind zu Karneval auch als Prinzessin verkleidet. Damals lagen die Dinge allerdings anders. Mein Prinzessinnenkostüm war blau. Mein Papa hatte mir ein blaues Prinzessinenkleid mit bunten Blumen drauf genäht. Dazu hatte ich eine goldene Krone mit einem Schleicher aus blauem Tüll. Ungewöhnlich? Nein. In meiner Kindheit waren Mädchen nicht durchgängig rosa. Auf meinen Babyfotos trage ich hauptsächlich orange oder braun, aber kein rosa. Meine Lieblingsfarbe war auch damals schon blau und zu meiner Einschulung ging ich mit blauer Schultüte und blauem Schulranzen. Das war zugegeben ein kleines bißchen ungewöhnlich, weil die wenigsten Mädchen sich für einen blauen Ranzen entschieden hatten, aber sie hatten vor allem rote Ranzen, nur wenige hatten ein rosa Modell.

Heute kommt man an rosa für Mädchen überhaupt nicht mehr vorbei. Die Klamotten sind rosa, das Spielzeug ist rosa, das Zubehör zum Spielzeug ist rosa. Weibliche Kindheiten sind heute rosa.

Na und? Rosa ist doch nur eine Farbe, sage ich oft. Eine schöne Farbe übrigens. Heute mag ich rosa fast genau so gerne wie blau. Mein Sohn steht auch sehr auf rosa und das belegt doch, dass es für Kinder einfach nur eine schöne Farbe ist, oder?

Ja, für Kinder ist rosa nur eine Farbe. Aber mit jedem rosa Kleid, in das wir sie stecken, mit jeder rosa Puppe und deren rosa Kinderwagen, der in ihren Kinderzimmern Einzug hält, drängen wir unsere Töchter vom großen Markt der Möglichkeiten, in den sie heute eigentlich hineingeboren werden, ab und in eine ganz bestimmte Ecke. Seid niedlich, Mädchen, mit rosa Schleifen im Haar und rosa Rüschen am T-Shirt und schiebt rosa Kinderwagen durch die Gegend, so wie es sich für Mädchen gehört, das ist leider die Ideologie, die mit all dem rosa Kram verkauft wird. Die Industrie zeichnet ein niedliches Bild von Mädchen und genau das ist die Gefahr.

Der Industrie allein die Schuld in die Schuhe zu schieben, ist meines Erachtens ein bißchen zu einfach, schließlich stellt sie her, was gekauft wird. Aber warum kaufen denn so viele Niedlichkeit und „typisch weiblich“ für ihre Töchter ein? Warum verkauft sich das so gut? Wie kann es sein, dass sich da im Vergleich zu Mädchen-Kindheiten von vor 30 Jahren offenbar ein Rückschritt tut?

In der Folge müssen nun diejenigen Mütter, die sich dagegen wehren, ihre Töchter von Anfang an in „typisch weibliche“ Formen pressen zu lassen, rosa boykottieren. Sie sagen: „Ich hasse rosa“ und meinen „Meine Tochter ist nicht so ein Mädchen!“

Mädchen sind meiner Meinung nach immer Mädchen und Jungs sind Jungs. Es gibt Unterschiede, das zu verleugnen wäre Quatsch. Mein Sohn zum Beispiel besitzt eine Puppe (er hat sich das rosa Modell ausgesucht, obwohl es auch einen kleinen  blau gekleideten Jungen gegeben hätte. Er hat einen Puppenwagen, eine Küche und alles, was sonst so in rosa erhältlich ist. Er lässt sich von mir gerne die Fingernägel lackieren und wenn wir bei dm sind, muss ich neuerdings auch immer ein paar Haarspangen (rosa) für ihn kaufen. Das mit den Haarspangen müsste für mich jetzt nicht unbedingt sein, aber ich finde es auch doof, einem kleinen Jungen zu sagen: „Das ist nur für Mädchen“.

Das Interessante ist aber, wie er mit den Sachen spielt. In der Spüle der Küche rührt er das Spielgemüse mit seiner Bohrmaschine um. Je mehr Krach, umso besser. Der Kinderwagen wird nur als Geschoss eingesetzt und die Puppe hat er nach 2 Tagen und zwei Nächten vollkommen vergessen. Mir ist wichtig, meinen Söhnen jede Tür zu öffnen. Durch welche sie gehen, entscheiden sie selber und ich behaupte, dass der Große im Alter von drei Jahren noch recht unbeeinflusst seine Entscheidungen trifft. Bei uns stehen der Mann und ich übrigens gleichermaßen in der Küche, für die Wäsche ist nur der Mann zuständig und ich besitze einen eigenen Werkzeugkoffer. Der Sohn spielt am liebsten laut und wild, und so imitiert er auch seine Eltern. Interessant ist, was laut ist, oder groß oder einen Motor hat. Staubsauger, Auto, Waschmaschine, das gefällt ihm, das spielt er nach.

Ja, es gibt Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen und das finde ich auch gut und wichtig. Ich glaube nicht, dass man Mädchen einen Gefallen damit tut, wenn man ins andere Extrem fällt und die Mädchen zu Jungs machen möchte.  Frauen, die mir im Job begegnet sind, und die offenbar glaubten, sie würden nur ernst genommen, wenn sie flache Schuhe und graue Anzüge tragen würden, fand ich ehrlich gesagt immer etwas befremdlich. Im Kampf gegen die Verniedlichung alle Weiblichkeit und Schönheit gleich mit zu verdammen, das wäre ein Fehler.

Es ist nichts Falsches daran, ein Mädchen und eine Frau zu sein, falsch ist es nur, Mädchen und Frauen auf bestimmte Rollen zu reduzieren.

Jungs haben es heute übrigens auch nicht leicht. Auch hier sind Schönheitsideale auf dem Vormarsch, manche behaupten auch, unser Schulsystem sei eher auf Mädchen zugeschnitten und das Rollenbild der sogenannten „neuen“ Väter ist auch noch im Wandel. Den Kampf gegen die Pinkifizerung überlasse ich daher den Mädchenmamas- ohne mich völlig rauszuhalten natürlich, denn auch ich bin ja eine Frau!

Ich trage übrigens gerne rosa. Ich war auch gerne Prinzessin. Ich mag Prinzessinnen heute noch und habe in den letzten Jahren keine royale Hochzeit im Fernsehen verpasst. Ich trage gerne Kleider, lange Haare und Schmuck. Ich bin gerne eine Frau und das darf man auch sehen.

Ich bin gerne Mutter und ich bin gerne in Elternzeit, also genau das, was die Industrie den Töchtern mit ihren rosa Puppenwagen verkauft.

Ich bin allerdings auch gerne berufstätig. Ich freue mich auf den Wiedereinstieg. Ich habe während meiner letzten Teilzeittätigkeit einen Karriereschritt gemacht und allen gezeigt, dass ich mein Hirn nicht mit den Wehen rausgepresst habe. Frau und Mutter zu sein ist nicht gleichbedeutend mit sich unter rosa Tüll hinter seinem Mann zu verstecken.

Ja, lasst Eure Töchter sich als Prinzessinnen verkleiden, ganz in rosa! Aber lasst sie wissen, dass in ihnen auch eine großartige Piratin, eine heldenhafte Feuerwehrfrau und ein abenteuerlustiges Cowgirl stecken. Lasst rosa für sie nur eine Farbe sein.

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28 Kommentare

  1. Das hast du großartig geschrieben. Der Zwerg hat auch eine Spielküche und Puppe. Die Puppe wird kaum beachtet und wenn wird sie gefüttert und muss dann…natürlich groß mit viel Gestank 😀

    Er liebt Autos über alles und das obwohl wir ihn nie in die Richtung gedrängt haben. Aber er hat sich schon recht früh für Autos als sein Lieblingsspielzeug entschieden. So ist das eben.

    Ganz schlimm finde ich auch diese Überraschungseier nur für Mädchen…und wie viele Eltern ihren Kindern einbläuen „Das ist Mädchen / Jungen-Kram, damit spielst du als Junge / Mädchen nicht.“ :-/

    • Oh ja, diese Mädchen Überraschungseier. Maxi hat sich mal im Supermarkt an der Kasse eins geschnappt und ich meinte dann: Ach, das ist für Mädchen. Da dreht sich eine etwa 70 jährige Frau um und sagt entgeistert: „Wie bitte?“ Ich erklär ihr das also und sie sagt: „Da waren wir vor 40 Jahren weiter. Da müsst Ihr jungen Eltern echt was machen!“
      LG Mia

  2. Liebe Mia,
    ich habe mir in den letzten Tagen all deine Post durchgelesen. Ich war teilweise zu Tränen gerührt und musste auch einige Male laut lachen Z.B. über deine Handgreiflichkeiten als Kind und wie du dich bei der Kollegin aus der Nachbarabteilung heute noch zusammen nehmen musst 😀 und auch über die Schwangerschaftstests, die wie Schokolade sind (geht mir im Moment nämlich genau so ;-).
    Ein ganz großartiges Blog!
    Vielen Dank für deine Worte
    Grüße
    Miriam

    • Liebe Miriam, genieß es! Eines Tages kommt der Test, auf dem steht: Schwanger! Ach, ich würde ja auch gerne nochmal…

      • Es ist auch erst der 1 Versuch vom 2 Kind und ja, ich genieße es, weil es wahrscheinlich das Letzte mal „hibbeln“ sein wird (denn auch mein Mann sagt, dass er nach 2 Kindern keins mehr will) 😉

  3. Das hast du ganz toll in Worte gefasst! Genau so ist’s.

    Ich hab im Dezember übrigens auch was zum Thema „rosa“ geschrieben (http://importkaaskop.wordpress.com/2013/12/04/spiderman-und-das-rosa-ruschenkleid/) Offenbar gehört bei Kindern die Rosa-Glitzer- bzw. Ritterphase nämlich zur normalen Entwicklung. Aber aktiv stimulieren muss man das als Eltern ja trotzdem nicht, finde ich. Aus dem gleichen Grund, den du auch nennst: man sollte seinen Kindern zeigen, dass es auch andere Möglichkeiten gibt. Die Feuerwehrfrau oder den Puppenpapi zum Beispiel.
    Liebe Grüße aus Holland,
    Kristine

  4. Sehr schön geschrieben 🙂 Ich bin so eine Mama, die gerne und teilweise zuviel Mädchenkram kauft. Und ich bin diese Diskussion um die böse Barbie und das böse Rosa leid. Es ist doch die Aufgabe der Eltern, dem Kind klar zu machen, das die Maße der Barbie nicht korrekt sind und dementsprechend vorzuleben was gesund ist.

    Mein Mädchen hat aber auch Autos und Feuerwehrautos, da mein Mann Feuerwehrmann ist und ich Feuerwehrfrau war. Ja Feuerwehrfrau. Zu meinen Anfängen ging ich noch als Feuerwehrmann durch, dann gab es aber ein paar schlaue Frauen, die meinten das geht nicht, das muss Frau heißen. Und Feuerwehrmitglied und nicht Kamerad. Mir persönlich ist das sowas von schnuppe, ich habe einen technischen Beruf erlernt (aber nicht mehr ausgeführt) und habe meinem Mann sein damals neues Handy erklärt.

    Trotzdem bin ich jetzt gerne die drei Jahre zu Hause, könnte mir auch vorstellen länger zu bleiben (so Gott will dann mit einem zweiten Zwerg). Und das weil ich will und nicht muss.. Beruflich habe ich vielleicht nie die richtige Entscheidung getroffen, deswegen vermisse ich Karrieretechnisch nichts.

    Morgen in unserem Kinder-Bespaßungs-Kurs wird sie als kleine Glitzerfee gehen (sie ist 19 Monate) und wenn sie nächstes Jahr möchte gerne auch als Prinzessin. Oder als Feuerwehrmann.

    Wenn es nach meinem Mann und mir geht, soll sie übrigens später das Abi machen und was anständiges studieren 🙂 Und wenn sie sich entscheidet, Hausfrau und Mutter zu werden, dann ist es eben so.

  5. P.S. mein Kleiner ist auf Karneval als Tiger gegangen, aber er hätte auch als Prinzessin gehen können. Wir geben ihm keine Richtung vor, lassen ihm, genau wie ihr, alle Türen offen. Er hat sich im KiGa auch eine Lila Zahnbürste ausgesucht, was ich toll finde. Aber irgenwie sind Kuscheltiere und Puppe trotzdem uninteressant, er schmeißt die Puppe aus dem Wagen und schiebt diesen ohne „Inhalt“ durch die Wohnung. Klar, das Ding hat Räder und alles was Räder hat ist magisch… Wir haben auch eine Spielküche, aber die wird regelmäßig mit Hammer und Säge bearbeitet. Jungs halt…

  6. Hey Mia, sehr witzig geschrieben – vor allem gefällt mir wie dein Sohn in der Puppenküche umrührt; ganz der moderne Mann! Ich arbeite übrigens in einer Kita und da sind auch fast alle Mädchen Prinzessinnen und Feen, aber auch ein paar Indianerinnen, Ninja-inen und Vampirinnen waren dabei. Es ist also nicht alles Rosa was glitzert 🙂 ein Glück… Ich finde es auch wichtig, wenn Mädchen Mädchen sein wollen daß sie das auch dürfen. Aber genauso wichtig ist es wenn die Grenzen verschwimmen und jedes Kind die freie Wahl hat womit es spielen kann. Bei uns gibt es zuhause auch Barbie und Bauklötze und Autos und… 🙂

    Liebe Grüße, Janina

  7. Liebe Mia,
    nach drei Jungs zog rosa bei uns ein und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Unser Fräulein Prinzessin lebt in einer rosaroten, lila, pinken Welt. Ich erzähle immer gerne folgende Geschichte, in der es darum ging, ob wir eine neue Katze bekommen. Ich habe sie gefragt, was sie sich denn für eine Katze wünsche und sie meinte spontan: Eine Pinke! ABER: Unsere Tochter ist mit ihren knapp 4 Jahren so selbstbewußt, stark und wild! Ich bewundere sie so sehr. Sie weiß was sie will und lässt sich schwer beeinflussen. Natürlich wollte sie an Fasching auch eine Prinzessin sein. Mehr Prinzessin ging dann auch tatsächlich nicht mehr… 😉
    Mein Plädoyer an alle Mütter: Lasst doch die Mädchen rosa sein! Genießt die rosarote Zeit mit ihnen und träumt euch mit durch ihre Prinzessinnenwelt! Glaubt mir eins, ihr werdet die rosarote Zeit noch vermissen! LG Sandra

  8. Also, ich hatte auch einen blauen Schulranzen. Heute für Mädchen wirklich unüblich….für meine Nichte musste es rosa sein, für mein Patenkind (Junge) sind es Dinosaurier geworden. Aber, mein Neffe lackiert sich auch die Nägel und im Gegensatz zu seiner Schwester hilft er der Mama immer im Haushalt 🙂 Ich bin sehr gespannt, was unser Chaos- Mädchen uns da alles ins Haus bringt, in rosa. Oder wir für sie. 🙂 Du hast das sehr schön geschrieben…und ich schätze, Du hast Recht! 🙂

  9. Mädelsmama

    Also als Mama von drei Mädels kann ich diesen Post nicht wirklich unterschreiben. Wenn du selbst Mädels hättest würdest du die Sache bestimmt anders sehen. Der Einfluss der Mütter ist da geringer, als man denkt vor allem sobald das Kind in den Kindergarten geht. Soweit ich weiß spielt da Sozialisierung und Gruppenzugehörigkeit eine große Rolle. Mädchen WOLLEN dann meist wie Mädchen sein und Jungs wie Jungs. Meine Große (5) hat seit einigen Monaten eine Kleid- und Rockphase. Ich finde Jeans so schön und praktisch bei ihr, aber nein, es müssen tagtäglich die (in meinen Augen) kratzigen Strumpfhosen sein. Ich selber trage die Dinger nur in Ausnahmefällen. Aber meine Tochter lässt sich da nicht von mir beirren!
    Wusstest du eigentlich, dass rosa früher eine richtige Männerfarbe war? Hier ein Auszug aus Wikipedia: „Rosa wirkt sanft und weich, weshalb es seit den 1920er Jahren allgemein mit Weiblichkeit assoziiert wird. Vorher galt Rosa als männlicher Babyfarbton. Rot hat die Assoziationen Leidenschaft, Blut, aktiver Eros und Kampf.[3] Somit galt es lange Zeit als „männliche“ Farbe und Rosa, das „kleine Rot“, wurde Jungen zugeordnet. Blau dagegen ist in der christlichen Tradition die Farbe von Maria. Somit war Hellblau, das „kleine Blau“, den Mädchen vorbehalten.“
    Die Lieblingsfarbe meiner zweiten Tochter (3) ist übrigens lila, schon seitdem sie gerade zwei war. Da gibt’s auch nichts dran zu rütteln. So hatten wir in diesem Jahr eine rosa und eine lila Prinzessin 😉 Und einen Marienkäfer – denn zumindest bei der Kleinen hab ich in puncto Klamotten noch was zu sagen!

    • Liebe Mädelsmama, ja, das mit der Farbe rosa war mir bekannt. Ich weiß übrigens, dass Mädels auf das ganze rosa Zeug fliegen. Gerade in dieser Phase, in der die Kinder die Geschlechterrollen auf die Spitze treiben und Mädchen ganz extrem Mädchen und Jungs ganz extrem Jungs sein wollen. Das eigene Geschlecht gehört ja zur Persönlichkeit dazu. Das zu erkennen geht eben über den Weg der Überzeichnung der Geschlechterrollen. Mädchen wollen eine Puppe und einen Puppenwagen und Pferde und und und. Ich finde, das sollen sie auch haben, sie sollen nur wissen, dass sie alles tun können und alles sein können und nicht auf bestimmte Rollen festgelegt sind. Das ist eine schwierige Aufgabe, denn es ist meiner Meinung nach eben nicht damit getan, rosa aus den Kinderzimmern zu verbannen. Umgekehrt gilt das für Jungs auch: Meine Söhne sollen ruhig mit ihren Schwertern und Autos durch die Gegend toben. Aber sie müssen wissen, dass Puppenwagen nicht nur etwas für Mädchen sind, auch meine Söhne sollen eines Tages Väter werden. Deswegen gibt es hier auch Puppen und Kinderwagen. Dass damit keiner spielt, ist ja ein anderes Thema. Kurz gesagt: Alle Spielzeuge sind für alle da, weil alle Rollen für alle da sind. Aber die Kinder müssen auch ihre Wahl treffen dürfen. Wir müssen ihnen dabei immer vorleben und erklären, dass ihnen die ganze Welt offen steht.
      LG Mia

  10. Ich selbst bin nun auch seit 8 Monaten Mädchenmama und habe mir vor der Geburt meiner Kleinen viele Gedanken über den rosa Glitzerkram gemacht. Im ersten Moment ging mir das alles zu wider – als ich klein war, habe ich jegliches Mädchentüdelü verweigert. Mein größtest Muttertagsgeschenk für meine Mama war es, als ich 11 war, einen ganzen Tag in Rock und Bluse auszuhalten 😉
    Auch meine Maus wollte ich auf keinen Fall in rosa oder pink sehen, der Gedanke, dass sie später in der Kita Lillifee-Fan wird, gruselt mich jetzt noch ein wenig. Aber nun ist sie da, bekommt trotz anfänglichen Widerstand meinerseits von Oma und Opa die ein oder andere „Mädchenfarben“-Klamotte und Schmuck jeder Art ist das einzige, was sie zum Robben motivieren kann. Ich habe mich also entspannt. Warum auch nicht? Wie Mia ganz richtig gesagt hat, wollen wir aus unseren Töchtern ja starke Frauen machen und nicht falsche Männer. Das hat mittlerweile sogar Disney kapiert.
    Also, her mit rosa und pink, das Kind wird früher oder später eh von den Kita-Freundinnen drauf gestoßen!
    Solange ich noch ein Mitspracherecht habe, wird dazwischen immer wieder Abwechslung auftauchen, mit Baggern im Matsch gespielt und der Papa will sie eh mit zum Fußball nehmen.
    Nur diese Mädchen-Ü-Eier gehören tatsächlich verboten!

    PS: In unserer Krabbelgruppe tragen übrigens die Jungs Haarspangen und nicht die Mädels 😉

  11. Ich muss PiMi zustimmen: Dein Blog ist großartig! Habe es ebenfalls von hinten bis vorne komplett durchgelesen und finde deinen Schreibstil richtig gut. Mag es, wie du während der Hibbelphase das ganze leicht ironisch geschrieben hast.

    Zu diesem Post: Ich finde es schade, dass die Industrie die Geschlechterrollen derartig forciert. In den Spielwarenabteilungen der Kaufhäuser gibt es immer eine blaue und eine rosa Ecke, wobei bei ersterer Jungen und bei letzterer Mädchen auf den Bildern abgebildet sind. Damit wird den Kleinen ganz klar gesagt, wo sie hingehören.
    Trotzdem glaube ich, dass Eltern mittels ihrer Erziehung einen großen Einfluss darauf haben, ob das Kind meint, es müsse einer bestimmten Rolle entsprechen, oder eben nicht. Das können Eltern auch einem rosaliebendem Mädchen mit Prinzessinnenkostüm vermitteln. Ich bin da das beste Beispiel. Mein liebstes Faschingskostüm war das pink-goldene Prinzessinnenkleid. Auch sonst wollte ich möglichst mädchenhaft gekleidet herumspazieren.

    Und heute: Mein Mann trägt einen Doppelnamen, ich meinen „Mädchennamen“. Die Elternzeit (wenn ich dann mal schwanger bin…. seufz…) wird bei uns 50/50 aufgeteilt, obwohl er bereits arbeitet & ich im April erst mit dem Rechtsreferendariat anfange. Während des Refs werde ich bei einer internat. Wirtschaftskanzlei im Bereich M&A arbeiten (wo sämtliche Anwälte männlich sind). Meine heutigen Freunde wollen es kaum glauben, dass ich als Kind tatsächlich so ein richtiges roasliebendes, glitzer-glitzer Mädchen war.

    LG,
    Anna Philippa

    • Liebe Anna Phillippa, Dankeschön 🙂 Und, Frau Kollegin, ich drücke ganz fest die Daumen, dass es bald (wieder) klappt! Dann kommen allerdings harte Zeiten auf Dich zu. Ein Baby und ein zweites Staatsexamen zu meistern, das ist in der Tat nichts für niedliche Prinzessinnen 😉

  12. Hallo Mia, ich stimme dir hier nicht zu. Bei unserer Tochter haben wir versucht alles möglichst geschlechts-neutral anzugehen. Der rosafarbene Einfluss von außen lässt sich jedoch irgendwann nicht mehr aufhalten. Nicht wir drängen unsere Tochter in die rosa Welt, sondern sie wünscht sich das und ihr gefällt das. Ich fand das auch sehr gewöhnungsbedürftig. Allerdings habe ich dann gelesen, dass diese Abgrenzungen zwischen Jungs und Mädels-Sachen in diesem Alter wichtig sind. Die Kinder suchen und finden ihre Rollen, prüfen wem sie ähneln, wo sie dazugehören. In Richtung Pubertät gleicht sich das alles wieder aus. Und bei den 13 jährigen kann man doch von hinten kaum noch erkennen mit wem man es zu tun hat. Weder anhand der Länge der Haare noch durch die Farbe der Kleider. Ich durfte nie ein Mädchen sein. Nie hatte ich als Mädchen lange Haare. Wie gerne wäre ich an Fasching eine Ballerina gewesen, aber ich musste als Geschlechtsneutraler Clown gehen. Als ich selbst bestimmen konnte, hab ich die Mädchenphase nachgeholt und heute liebe ich meinen beinahe-Kurzhaarschnitt.
    All das hat nicht so viel damit zu tun, dass unsere Töchter zu selbstbewussten jungen Frauen erzogen werden.

    • Liebe Anni, aber da sind wir doch einer Meinung. Sie sollen Mädchen sein, sie sollen rosa lieben dürfen. Aber der Ideologie, die unter dem rosa Kram steckt, der müssen Eltern entgegenwirken. Es ist toll, ein Mädchen zu sein, aber das Mädchen-Sein soll nicht an bestimmte Rollen geknüpft sein. Sein Kind in ein geschlechtsneutrales Clowns Kostüm zu stecken finde ich ja gerade blöd. Warum soll man sein Geschlecht schließlich unterdrücken? Nur wenn ein Mädchen zur Prinzessin GEMACHT wird und ihm dazu vermittelt wird, dass es sich wie eine Prinzessin benehmen MUSS, schön brav und schön sein MUSS und alles andere sei nichts für Mädchen, dann wird es kritisch.

  13. Ach, wie klasse Du das geschrieben hast – toll! Und ich muss Dir so recht geben. In allen Punkten!
    Meine Erfahrung war damals, als die große Tochter auf die Welt kam, dass ich gar kein rosa mochte und entsprechend nur geschenkte Kleidung diese Farbe hatte. Ab und zu kam auch was beeriges, gelbes, orangenes in den Schrank, aber meine Lieblingsfarbe war doch blau.
    Das Kind entschied irgendwann selbst, dass rosa die Farbe der Wahl ist und hatte eine extreme Rosa-Phase. Später eine in lila und momentan sind wir bei Türkis.
    Auch Spielzeug war bei uns eher neutral, irgendwann interessierte sie sich für Puppen und Haushaltskram, ebenso aber auch für die Polizei und Mini-Autos – hatte sie eben beides…

    Natürlich, jetzt mit 9 Jahren ist sie mädchenhaft und hat ihre Vorstellungen. Jungs-Shirts kommen nicht an den Körper und die Farben müssen schon passen, beim Lego-Kram hat sie aber auch nichts gegen die Jungs-Sachen, hat Polozeikram etc.

    Ich finde es schlimm, wenn die Babys von Anfang an in Hello Kitty, Lillifee und Capt’n Sharky gepresst werden – sie suchen sich ihren Weg schon, man darf ihn ihnen als Eltern nur nicht verbauen.

    Liebe Grüße,
    die Alltagsheldin

  14. Liebe Mia,
    ich kann dir hierbei auch nicht zustimmen. Ich habe Zwillinge, 1 Junge und 1 Mädchen. Ich habe zwei Ritterkostüme gekauft für Fasching, weil die beiden zu Hause so gerne Ritter spielen. Meine Tochter wollte aber ihr cooles Schwert und den „Panzeranzug“ nicht, sie wollte – rate mal – Prinzessin sein. Ganz von selbst kam sie auf diese Idee.
    Ich gehe 1x die Woche in einen Musikgarten-Kurs mit den Kindern. Dort sind 4 Jungs und 5 Mädchen. Als sie gefragt wurden, als was sie sich an Fasching verkleidet haben, haben die Jungs alle etwas anderes geantwortet. Aber die Mädchen haben alle 5 ohne Ausnahme eine Prinzessin sein wollen.
    Bei uns zu Hause haben die Kinder zugriff auf alle möglichen Spielsachen, es gehört ihnen zusammen. Meine Tochter hat noch nie mit einem der Autos, Krans oder Bagger gespielt. Obwohl sie könnte.
    Mein Sohn hilft mir gerne beim Wäsche aufhängen und liebt es, mit mir zu backen oder zu kochen. Meine Tochter bekam mal eine Barbie geschenkt, die sie nicht die Bohne interessiert.
    Ich könnte dir noch einige andere Dinge auflisten. Ich bin mir sicher, dass es meistens tatsächlich die Kinder selbst sind, die eine Richtung einschlagen, nicht die Mütter.
    Alles Liebe, Katrin

    • Liebe Katrin, ich behaupte nicht, dass die Mütter anstelle der Kinder die Wahl treffen. Mütter haben es aber sehr schwer, für ihre Kinder vom Jungs blau- Mädchen rosa Schema abzuweichen. Wer sich darüber keine Gedanken macht, der greift einfach zu dem, was es gibt, und das kommt einher mit dem dazugehörigen Rollenbild gleich mit. DAS ist das Problem. Ich wünsche mir, dass das Spektrum für alle Kinder, Jungs und Mädchen, wieder breiter wird.

  15. Sehr schön geschrieben und so wahr.
    Gestern erzählte ich in kleiner Runde, dass ich ein ganz süßes selbstgemachtes Kostüm im Netz gesehen habe und ich es für den kleinen Mann im nächsten Jahr machen möchte. Das Kostüm war ein Schaf. Die Antworten darauf waren nur: „Ist das nicht eher was für Mädchen?“ „Stell dir vor alle anderen Jungs gehen als Cowboy, Feuerwehrmann, Spiderman etc. und dein Kleiner geht als Schaf. Der bekommt ja einen Knacks fürs Leben“. Ich fand diese Antworten total befremdlich.
    Wenn er im nächsten Jahr noch keinen eigenen Kostümwunsch äußern kann oder will, geht er als Schaf. Basta! 😉

  16. Also erstmal vornweg: meiner Tochter ist als Fußballerin gegangen 😉
    Ich selbst hatte als Kind auch eher blau getragen. Das lag aber daran, dass ich eine Zwillingsschwester habe und häufig nur die zwei Farben, rosa und blau, verfügbar waren. Meine Schwester bekam also rosa Kleidung, rosa Ranzen, usw. und ich die blaue Version. Das habe ich so sehr verinnerlicht, dass ich im Jugendalter Blau als meine Lieblingsfarbe ansah.
    Bei meiner Tochter versuche ich auch sie nicht in die typischen Schemata zu pressen. Gerne bekommt sie neutrale Farben angezogen und Autos geschenkt. Etwas ins Rosane sind wir nur deshalb abgedriftet, damit ich auf dem Spielplatz nicht immer ihr Geschlecht erläutern muss. „Das ist aber ein aufgeweckter Junge.“ „Ja, hmm, is aber eigentlich ein Mädchen“…

    Lieben Gruß,
    Wiebke

  17. TOLL geschrieben liebe Mia.
    Unsere Tochter spielt mit Barbie und Co. aber am liebsten mit ihren Playmobil Pferdehof mit Traktor, und allen was dazugehört♡♥♡.
    Als Oma und Opa ihren eine Puppenwagen schenken wollten, sagte sie liebe eine Lego Feuerwehr.
    Sie liebt Rosa, wie fast jedes Mädchen aber es darf auch gern hellblau, grün oder …. sein. Man sollte die Kinder ihren Weg finden lassen, sie können das ganz Prima. Lg Nici
    Lg Nici

  18. Liebe Mia,

    beim Lesen deines Artikels musste ich schmunzeln und mich gleich an meine eigene Kindheit erinnern. Auch zu meiner Zeit gab es kaum Prinzessinnen im rosafarbigen Kleidchen. Ich habe mich damals als Pipi Langstrumpf oder Indianerfrau verkleidet. Einmal hatte ich sogar die Eishockeyausrüstung meines Bruders an 🙂

    Ich bin der selben Meinung, die Kinder sollten ihren eigenen Weg finden. Falls ich jedoch mal eine Tochter bekommen sollte, würde ich ihr auch die blauen Pullover meines Sohnes anziehen. Ich sehe das mit der Farbwahl nicht so eng. Spätestens, wenn sie in den Kindergarten kommen, bekommen sie ganz schnell ihren eigenen Kopf 😉

    Lieben Gruß,
    Carina (nordhessenmami)

  19. Ganz ganz ganz toller Artikel.
    Ich muss zugeben für mich ist rosa schon etwas abschreckend, weils so extrem ist. Dazu finde ich steht es meinem Mädchen einfach nicht, die braucht knallige Farben.
    Andersrum hätte ich aber auch kein Problem nem Jungen pink anzuziehen wenns ihm steht.
    Bei Kleinkindern sehe ich allerdings bisher tatsächlich keinen geschlechtsspezifischen Unterschied, da ist noch so viel einfach bloß Charakter (laut, leise, zurückhaltend usw) und ich glaube viele erziehen ihren Kindern wirklich dann die typischen Dinge an, in dem Punkt versuche ich bewusst sehr offen zu sein, so wie du das auch beschreibst.

    Liebe Grüße!

  20. Ich habe damals vor 2,5 Jahren bei der Geburt unserer Tochter ganz klar gesagt, dass wir ihr Mädchen- und Jungensachen anziehen wollen und uns bitte niemand „nur“ Mädchenkrams schenken soll… Was kam raus? Schwiegermama holt auch jetzt generell nur Mädchensachen. Dabei liebt meine Kleine ihr dunkelblaues Shirt, auf dem ein Raumfahreranzug ist… Und genauso ihre lila Kuscheljacke. Als wir ihr kurz nach unserem Umzug eine Bohrmaschine geschenkt haben, damit sie nicht mehr soviel Angst haben muss, wenn Papa Regale anschraubt, hat die Oma auch ganz entrüstet geguckt. 😀

    Und jetzt kommt in wenigen Wochen unsere kleiner Junge auf die Welt und ich hab erstmal alles rosafarbenen Sachen aussortiert, weil ich mir so gar nicht was rosanes an einem Jungen vorstellen kann… Bin ich jetzt die Verklemmte?! *uaaaah*

    Aber abgesehen von der rosa Kleidung… Ich denke, Jungs und Mädchen sollen spielen dürfen, womit sie spielen wollen. (Nur möglichst nicht mit ’ner Barbie… Sie sie erschreckenderweise letztens beim Einkauf benennen konnte – ich war zutiefst schockiert, wo sie den Namen her hatte. 🙂

    😉

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