Selbstgeboren. Kehrseiten einer Protestbewegung.

Ich habe meine Kinder selbstgeboren. Oder etwa nicht?

Ein Aufruf einer Hebamme hat mich und viele andere Mütter in meiner Timeline am Donnerstag aufgewühlt. Worum ging es?

Für ein Buchprojekt rief eine Hebamme Mütter, deren Partner und andere Hebammen dazu auf, ihr die Geschichten von Geburten zuzusenden. Einzige Bedingung: Es musste sich um „kraftvolle und selbstbestimmte“ Geburten handeln. Diese Geburten fasst sie unter dem Stichwort „selbstgeboren“ zusammen. Nicht darunter fallen nach ihrer Definitionen Geburten mit eingeleiteten Wehen, PDA oder Kaiserschnitt.

 

Geht der Hebammenprotest mich nichts an? 

Als ich den Aufruf las, wurde mir schlagartig klar, warum mich der Hebammenprotest bislang so wenig berührt hat: Meine Kinder sind beide in einem großen Krankenhaus zur Welt gekommen und für mich war das gut so. Eine Hausgeburt wäre für mich nicht in Frage gekommen. Bei dem Hebammenprotest geht es natürlich um viel mehr als nur darum, Frauen auch weiterhin Hausgeburten zu ermöglichen, aber was ich immer herausgelesen und gehört habe war überspitzt ausgedrückt: Wir brauchen Hebammen, damit Geburten  ohne Eingriffe von außen und am besten zu Hause stattfinden können- also nicht für Frauen wie mich.

Bis Donnerstag hatte ich mich lediglich nicht richtig angesprochen gefühlt. Der Aufruf, Geschichten über „kraftvolle und selbstbestimmte“ Geburten von Müttern, die ihre Kinder „selbstgeboren“ haben, machte mich nun richtig wütend.

 

Die Kehrseite des Hebammenprotests 

Von meinen beiden Geburten ist eine komplett ohne Eingriffe von außen abgelaufen: Keine PDA, keine Hilfsmittel, kein Dammschnitt- nichts. Die andere Geburt musste eingeleitet werden und nach einigen Stunden winselte ich nach einer PDA. Beide Geburten waren für mich wundervolle Erlebnisse, beide haben mich viel Kraft gekostet und waren ein hartes Stück Arbeit. Beide Geburten sind einzigartig und es sind MEINE Geburten, die Geburten MEINER Kinder, die ich in meiner Erinnerung für immer als die großartigsten Erlebnisse meines Lebens bewahren werde. Und nun kommt jemand und klassifiziert die eine dieser Geburten als kraftvoll und selbstbestimmt und die andere nicht?

Eine Klassifizierung von Geburten ist ganz sicher nicht das Anliegen des Hebammenprotestes, aber er birgt genau diese Gefahr. Frauen darin zu bestärken, dass sie die Kraft haben, ein Kind ohne Hilfsmittel zur Welt zu bringen, ist gut und wichtig, aber der Umkehrschluss darf nicht sein, dass jede Geburt, die nicht ohne Eingriffe auskommt, ein „Weniger“ ist: weniger selbstbestimmt, weniger kraftvoll, weniger natürlich.

Mir ist deshalb wichtig, drei Dinge herauszustellen:

 

1. Auch eine assistierte Geburt kann kraftvoll und selbstbestimmt sein.

Schon an dem Begriff „Selbstbestimmtheit“, der im Zusammenhang mit dem Hebammenprotest häufig fiel, habe ich mich immer gestört, denn es entsteht der Eindruck, dass eine Geburt nur dann selbstbestimmt sein kann, wenn sie ohne Eingriffe verläuft.

Die Geburt meines ersten Kindes wurde eingeleitet, weil die Fruchtblase geplatzt war, aber auch 24  Stunden später keine Wehen einsetzten. Ich war in die Entscheidung zu 100% eingebunden. Die Geburt dauerte insgesamt 18 Stunden. Aufgrund der Einleitung hatte ich sehr starke und sehr rasch aufeinanderfolgende Wehen. Nach ein paar Stunden war ich mit meinen Kräften am Ende und wünschte mir eine PDA. Sie wurde mir nicht angeboten- ich musste danach fragen. Ich war nämlich etwa in der 36. Woche in der Klinik gewesen, um die Geburt zu besprechen. Dort hatte ich gesagt, dass ich es erstmal ohne PDA versuchen möchte, aber auch nicht unbedingt etwas gegen eine PDA hätte.

Ärzte habe ich während der gesamten Geburt nur drei Mal kurz gesehen: Einmal, als die PDA gelegt wurde. Das zweite Mal, als die Herztöne meines Sohnes ganz plötzlich absackten. Wie aus dem Nichts stand innerhalb von Sekunden ein Arzt im Zimmer und vergewisserte sich, dass alles in Ordnung war- dann verschwand er so schnell, wie er gekommen war. Es gab mir ein herrliches Gefühl von bestmöglicher medizinischer Versorgung. Als schließlich die Geburt nicht weiterging, standen wieder Ärzte im Zimmer und beratschlagten, ob ein Kaiserschnitt nötig werden würde. Zu diesem Zeitpunkt war die PDA längst nicht mehr zu spüren.  Ich war zwar kaum noch geistig anwesend, trotzdem wurde mir alles genau erklärt. Ich hatte in der Besprechung in der 36. Woche erklärt, dass ich aufgrund einiger traumatischer Erlebnisse in der Verwandtschaft nicht das geringste Risiko eingehen wollte. Unter der Geburt habe ich das nochmal bekräftigt. Gemeinsam einigten wir uns darauf, noch ein wenig abzuwarten- und dann ging es zum Glück doch weiter.

Am Ende hielt ich mein erstes Kind im Arm. Ich war Mutter geworden. Niemand hat mir irgendetwas abgenommen- so gerne mein Mann es auch getan hätte. Ich habe es allein geschafft. Mit meiner Kraft und mit von mir gewählten Hilfsmitteln zum von mir gewählten Zeitpunkt.

Selbstbestimmte Geburt

Natürlich gibt es auch andere Beispiele, wie das von Berlinmittemom, die sich vom Klinikpersonal übergangen fühlte, übrigens in derselben Klinik, nur 8 Jahre früher. Wer aber die Beteiligung von Ärzten mit der Abwesenheit von Selbstbestimmtheit gleichsetzt, der schießt über das Ziel hinaus.

 

2. Die Schulmedizin ist ein Segen- sie ist nicht der Feind der Geburtshilfe

Im Zuge des Hebammenprotestes wird immer wieder hörbar, dass Geburten „drohen“ allein in Kliniken verortet zu werden. Eine Klinik ist jedoch ebensowenig eine Bedrohung, wie die Schulmedizin selbst. Ich glaube, dass auch hier zum Teil unglückliche Formulierungen falsche Rückschlüsse erlauben. Denn auf die Schulmedizin können und wollen wohl auch Hebammen nicht gänzlich verzichten.

Ich persönlich halte ein Nebeneinander von Ärzten und Hebammen für ein großartiges System: Die Errungenschaften der Schulmedizin gepaart mit dem Wissen um natürliche Geburtshilfe sichert Mutter und Kind die bestmögliche Versorgung. Innerhalb dieses Rahmens die Möglichkeit zu haben, seine Schwerpunkte wählen zu können, ist etwas, wofür ich dankbar bin. Wir haben unterschiedliche Vorstellungen davon, wo eine Geburt stattfinden soll- zu Hause oder im Krankenhaus. Es geht darum, die Wahlfreiheit zu erhalten. Wer sich für ein Krankenhaus entscheidet, bringt seine Kinder nicht fremdbestimmt, kraftlos und unselbst zu Welt.

Ich sehe natürlich die Gefahr, dass in Kliniken und ohne Hebammen Eingriffe deutlich schneller gemacht werden, Schmerzmittel schneller verabreicht werden, schnell ein Kaiserschnitt durchgeführt wird. Das müssen wir Mütter uns bewußt machen, hier sind wir selber gefragt. Unter der Geburt ist man schnell entscheidungsunfähig, also müssen wir Dinge im Vorfeld festlegen und beispielsweise unseren Partner briefen, denn sonst kann uns eine Hebamme genau wie ein Arzt das Heft aus der Hand nehmen.

 

3. Jede Frau bringt ihre Kinder selbst zur Welt

Jede Frau, die ein Kind zur Welt gebracht hat, hat Großes geleistet- völlig unabhängig davon, wie das Kind zur Welt kam. Ich weigere mich, Geburten als mehr oder weniger „richtig“ oder „gut“ einzustufen, und somit einen unsinnigen Wettbewerb unter Müttern zu schaffen: Wer am meisten Schmerzen ausgehalten hat, der hat es am besten gemacht. Wer einen Kaiserschnitt braucht, hat versagt. Wer eine Saugglocke benötigt, hat sich nicht richtig angestrengt…

 

Es darf und es kann aus meiner Sicht keine Abwertung von Geburten geben und das gilt für jede Geburt inklusive geplanter Kaiserschnitte. Jede Mutter will das Beste für ihr Kind. Sie trägt und übernimmt die Verantwortung für das Leben ihres Kindes. Eine Entscheidung, die in diesem Zusammenhang getroffen wird, kann nicht falsch sein. Auch einem geplanten Kaiserschnitt geht eine Entscheidungsfindung der Mutter voraus, und am Ende ist das eben ihr Weg, ihr Kind auf die Welt zu bringen.  Ich tue mich sogar schwer damit, eine Geburt als mehr oder weniger natürlich zu bezeichnen. Wenn ich an die Geburt meines Sohnes zurückdenke, die sowohl eine Einleitung als auch eine PDA beinhaltete, so kann ich nur sagen, dass ich mich nie zuvor und nur einmal danach (bei Sohn Nr 2) so nah dran am Leben gefühlt habe. Eine Geburt ist das pure Leben. Immer. Wie kann sie nicht natürlich sein?

Ein Buch mit dem Titel „Selbstgeboren“ sollte ein buntes, facettenreiches Buch voller Geschichten sein, die so unterschiedlich sind, wie die Frauen selber. Subjektive Erlebnisse, aber alle voller Kraft- der Kraft von uns Müttern.

Ich habe zwei ganz unterschiedliche Geburten erlebt.

Ich habe gekämpft, gelitten, gehofft, gebetet, geweint.

Ich habe es geschafft.

ICH.

Ich habe meine Kinder selbstgeboren. Wer denn sonst?

 

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10 Monate

Heute vor 10 Monaten wurde ich geboren.

Ich habe meiner Familie inzwischen ganz deutlich gezeigt, dass ich ein anderes Kind bin, als mein großer Bruder. Ich bin wilder. Neulich musste meine Mama mit mir in die Notfallambulanz, weil ich mal wieder gefallen bin- dieses Mal sehr heftig auf den Kopf. Das passiert mir andauernd, weil ich überall hoch klettere und dann ganz wild rumzappel. Zum Glück war nichts passiert, ich hatte aber eine Beule in der Größe eines Golfballes am Hinterkopf.

Ich bin offener. Ich strahle jeden schon von weitem an. Mein Bruder guckt ja immer bloß so skeptisch.

Bis vor kurzem konnte ich mich super den ganzen Tag alleine beschäftigen. Mittlerweile will ich mehr! Ich bin fertig mit unserem Haus. Ich erwarte, dass meine Mama mir etwas bietet. Dann bin ich auch ganz dankbar und lache fröhlich und begeistert.

Ich schlafe jetzt übrigens besser. Mal 2, mal drei und manchmal sogar vier Stunden am Stück. Meine Eltern sind begeistert. So einfach ist das.

Füße

Ich entdecke gerade „auf“, „unter“ und „in“. Ich schmeiße den Mülleimer im Badezimmer um, um dann jedes Teil einzeln wieder einzuräumen. Das ist mein Lieblingsspiel. Manchmal räume ich auch die Legokiste aus- Stück für Stück und manchmal räume ich sie dann sogar wieder ein.

Ich spiele gerne „Bitte und Danke“. Ich halte anderen etwas hin und will es danach sofort zurück. Das kann ich minutenlang wiederholen.

Ich füttere meine Familie gerne, indem ich ihnen Dinge in den Mund stecke. Leider weiß ich noch nicht, was essbar ist und was nicht.

Ich sage „Mama“, „Papa“ und „Ma“ für Max.  Neuerdings wiederhole ich auch ganz begeistert, wenn meine Mama „Nein“ sagt. Ich sage dann immer „nai“ und strahle sie an, um dann mit der verbotenen Aktion fortzufahren.

Ich klatsche gerne in die Hände- auch auf Kommando.

Ebenfalls auf Kommando spucke ich meinen Schnulli aus. Wenn meine Familie sagt „Flupp“ spucke ich ihn aus und alle lachen sich kaputt.

Ich spiele gerne mit meinem großen Bruder. Ich kann inzwischen so dreckig lachen wie mein Bruder. Am liebsten machen wir großen Krach und lachen dann so laut wir können. Wir hauen zum Beispiel mit flachen Händen auf den Klodeckel, das ist so witzig!

Ansonsten empfinde ich meinen Bruder gelegentlich auch als Konkurrenz. Die Zeiten, in denen er immer vor mir dran war, sind vorbei. Ich fordere sehr deutlich ein, dass ICH auch mal auf Papas Arm möchte, dass ich zuerst etwas essen möchte usw.

Und meine Mama meint, ich bin die süßeste, blauäugige, weiße Mäusespeck-Maus weit und breit. Inzwischen sogar mit drei Zähnen, aber nach wie vor kaum Haaren.

Euer Mini

Abschied von der U3- oder: Maxi wird groß!

Manchmal glaube ich, wenn ich mich noch einmal umdrehe, ist der Maxi erwachsen und zieht aus. Seit heute ist es jedenfalls offiziell: Maxi ist ein Großer.

Vor ein paar Wochen haben die Erzieherinnen und ich gemeinsam beschlossen, dass der Maxi nicht erst im Sommer in die Ü3 Gruppe wechseln soll, sondern dass es besser für ihn wäre, ihn bereits vorzeitig zu „den Großen“ gehen zu lassen.

Wochenlang ist er ganz langsam und behutsam an seine neue Gruppe herangeführt worden. Je näher der Zeitpunkt des Wechsels rückte, umso mehr begann ich, mir Sorgen zu machen. Denn mein kleiner großer Maxi schien sich gar nicht an die neue Situation gewöhnen zu können. Er begann den Tag in seiner U3 Gruppe und wechselte meist zum Mittagessen zu den Großen. Dort holte ich ihn gegen 15 Uhr ab. Jedes Mal, wenn ich die Gruppe betrat, kam mir der Maxi so winzig vor und sogar ein bißchen verloren. Er schien mit den anderen Kindern weder zu spielen, noch zu reden. Maxi beobachtete nur, und das seit Wochen.

Maxi beobachtet immer zuerst jede Situation sehr lange. Wer ihn nicht kennt, hält ihn für sehr schüchtern, aber das ist er eigentlich nicht, er braucht einfach sehr lange, um aufzutauen. Die Kita und die Erzieherinnen, sogar viele der Kinder kennt er allerdings, so dass ich begann, mir Sorgenzu machen, weil das Auftauen so viele Wochen dauerte.

Bis letzten Mittwoch. Ich sah sofort, als ich Maxi abholte, dass etwas anders war. Schon an der Art, wie er sich durch die Gruppe bewegte erkannte ich, dass der Knoten geplatzt war.  Und richtig: Plötzlich rief Maxi durch den ganzen Raum: „Hey, da wollte ich gerade hochklettern!“ und lief zu einem größeren Kind. Kein stummer, verschüchterter Maxi mehr- alles gut.

Am Freitag hat Maxi sich von seiner Grippe mit einer kleinen Party verabschiedet.  Wir haben ein Frühstück ausgegeben und diese süßen Frösche mitgebracht.

Abschied_Frösche

Vielen Dank an alle, die mir auf meiner Facebook-Seite so viele tolle Tipps gegeben haben.

Außerdem haben wir eine kleine Bastelaktion mit der Bibabox vorbereitet. Unter Bibabox.dekann man wunderschönes Spielzeug aus Pappe bestellen. Es gibt richtig große Papphäuser und sogar ein Papp-Piratenschiff, aber auch kleine Spielzeuge aus Pappe. Die Pappe ist weiß und kann von den Kindern bemalt werden, so entstehen viele kleine Unikate. Für die Party hat uns Bibabox kleine Häuser zur Verfügung gestellt. Die gibt es in Paketen von je 8 Stück (ideal für Kindergeburtstage!) für 24,90 Euro.

Ich habe in jedes Haus vorher noch einen winkenden Maxi hinter ein Fenster geklebt, damit die Kinder eine Erinnerung an Maxi mit nach Hause nehmen können.

Husi

Obwohl ich die Häuser selber supersüß fand, war ich von dem Riesenerfolg überrascht. Die Kinder haben die Häuser wirklich geliebt. Der kleine Maxi im Fenster hat für Begeisterungsrufe gesorgt und die Kinder hatten einen riesigen Spaß beim Bemalen. Sogar die Kleinsten konnten schon super mitmachen.

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Die Kinder haben sich die künstlerische Freiheit genommen, die Büsche blau anzumalen und so zu Wolken umzufunktionieren. Und am Ende haben sie die Häuser alle in der Gruppe aufgehängt und so eine kleine Maxi-Stadt geschaffen. Wunderschön! Maxi und zwei weitere Kinder haben sich allerdings geweigert, ihre Häuser aufhängen zu lassen- sie wollten sie sofort mit nach Hause nehmen.

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Es wurde gesungen und getanzt, Maxi hat ein Abschiedsgeschenk bekommen (kleine Stoff-Hausschuhe, die die Kinder gemeinsam bemalt haben) und dann hat der Maxi sich von seinen kleinen Freunden verabschiedet. Er durfte eine richtige kleine Umzugskiste packen und seine persönlichen Sachen aus allen Schubladen holen. Dann ist er, begleitet von den Kleinen, im Gänsemarsch die Treppe nach oben zu den Großen umgezogen.

Abschied_Abschied

Es muss sehr aufregend für ihn gewesen sein, denn das Wochenende war ungewohnt hart. Maxi war unfassbar weinerlich und schlecht drauf. Am Samstag hat er einen sehr langen Mittagsschlaf gemacht (normalerweise schläft er mittags schon lange nicht mehr) und erst danach war er wieder das aufgeräumte, fröhliche Kind, das er in der Regel ist. In einigen Situationen spürte man trotzdem, dass er noch immer sehr angespannt und aufgeregt war.

Ich bin gespannt, wie mein kleiner Großer seine ersten „offiziellen“ Tage bei den Großen erlebt. Mich hat es jedenfalls sehr bewegt, ihn heute Morgen mit dem Papa in Richtung Kita verschwinden zu sehen. Dass ein Abschnitt zu Ende gegangen ist, ist mir heute erst klar geworden.

Ich sag´s ja: Wenn ich mich noch einmal umdrehe, ist er erwachsen…

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Vielen Dank an die Firma Bibabox, die mir die Häuser zur Verfügung gestellt hat und zum Erfolg dieser schönen Abschiedsparty beigetragen hat!

Mütter gegen Mütter- Warum wir uns immer angegriffen fühlen

Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus. Eine Mutter der anderen schon.

Diese Woche habe ich bei  Mama Miez einen Post über schlafende Babys und das Bauchgefühl ihrer Eltern gelesen. Mama Miez sprach eine Reihe der größten Reizthemen unter Eltern an, aber das war gar nicht das, worum es ihr ging. Die Botschaft ihres Posts war die: Mütter, hört auf Euer Bauchgefühl! Die unendlichen Elternratgeber können einen verrückt machen, dabei ist es vor allem die eigene, innere Stimme, auf die wir im Umgang mit unseren Kindern hören sollten.

Es kam, wie es immer kommt: Wer Reizthemen sät, erntet unsachliche Kommentare. Sogar von einem Post, der sich für mehr Selbstbestimmtheit ausspricht, der den Eltern sagt `Ihr macht das schon richtig`fühlen sich andere Eltern angegriffen- und schimpfen drauflos.

Ich frage mich immer wieder, warum wir Mütter uns nicht einfach in Ruhe lassen können. Ich selber bin da selten besser: Erst gestern habe ich auf dem Spielplatz die Augen verdreht, als eine andere Mutter erst die Nase rümpfte, weil mein Maxi kiloweise Kies die Rutsche herunter schüttete, dann ihrer Tochter, die dem Maxi begeistert nacheifern wollte, mit den Worten ebendies verbot: Nein Schatz, so einen Blödsinn machen wir nicht`, und dann erst eine Picknick-Decke über die Bank ausbreitete, bevor sie sich darauf niederließ. So eine steife Kuh! Aber was geht mich diese Frau an? Warum nervt die mich so?

Vermutlich sind es vor allem diese Gründe, die uns immer wieder zumindest gedanklich aufeinander losgehen lassen:

 

1. Mit vielen Müttern haben wir nichts gemeinsam außer unseren Kindern.

Nachbarn, Kollegen, die Verkäuferin beim Bäcker- wer mir nicht sympathisch ist, mit dem wechsele ich nicht mehr Worte als nötig.

Mit vielen der Eltern, die mir begegnen, hätte ich wohl auch nie ein Wort gewechselt, weil wir ganz offensichtlich nicht auf einer Wellenlänge sind. Wir würden uns einfach jeder so ernähren, wie wir es für richtig halten, wir würden die korrekte Schlafzimmertemperatur nicht miteinander diskutieren, nicht über den Umgang mit Medien streiten und unsere Ansichten zum Thema Impfen würden wir für uns behalten.

Auf dem Spielplatz, in der Kita oder auch in MütterForen- und Blogs treffen wir nun aber alle aufeinander: Die Impfgegner und die Impfer, die Veganer und die Wurstfans, die Fläschchen- und die Stillmamas, die Gläschen-Fütterer und die Selberkocher. Mit vielen Menschen, mit denen wir als Eltern so unsere Freizeit verbringen, haben wir nichts gemeinsam- der einzige gemeinsame Nenner sind unsere Kinder.

 

2. Es geht um unsere Kinder, und wenn es um unsere Kinder geht, ist Schluß mit lustig! 

Es gibt auch Nachbarn und Kollegen, die finde ich , freundlich ausgedrückt, schräg. Trotzdem störe ich mich kaum an ihnen, höchstens dann, wenn sie mich direkt mit ihren Ansichten konfrontieren, aber auch dann berührt es mich nur selten. Wenn allerdings jemand meinen Kindern zu nahe tritt, dann bin ich sofort alarmiert. Geht es dann auch noch um Kritik an meinem Umgang mit den Kindern, weil ich angeblich den falschen Lichtschutzfaktor gewählt habe oder die falschen Schuhe gekauft habe, dann koche ich innerlich vor Wut. Nichts empfinde ich als größeren Angriff gegen mich, als Kritik an meinen Kindern oder die Art und Weise, wie meine Familie lebt. Kommt so eine Kritik dann auch noch von Menschen, deren Lebensweise mir wiederum völlig fremd ist, ist Streit vorprogrammiert.

 

3. Jede Entscheidung ist ein Statement

Nicht nur Mütter, mit denen man nichts gemeinsam hat, erziehen auch ihre Kinder anders als man selbst. Manchmal ist es auch die beste Freundin, mit der man als Mutter plötzlich so gar nichts mehr gemeinsam zu haben scheint. Ein Kind zu haben, bedeutet Entscheidungen treffen zu müssen. Kita, Tagesmutter oder zu Hause betreuen? 20, 30 oder 40 Stunden? Kindersitz nach vorne oder nach hinten gerichtet? Wir treffen unsere Wahl, weil wir glauben, dass sie richtig ist, aber oft sind wir auch nicht ganz sicher. Vielleicht machen es andere doch besser? Und ist deren Entscheidung nicht gleichzeitig auch ein bißchen eine Entscheidung gegen das, was ICH für richtig halte? Und schon fühlen wir uns angegriffen und verteidigen uns.

 

Mit der Anzahl der Kinder und der Jahre, die man als Mutter auf dem Buckel hat, wächst das Vertrauen in das eigene Bauchgefühl, stelle ich bei mir fest. Damit wächst auch meine Gelassenheit. Ich fühle mich eigentlich von niemandem angegriffen, der die Dinge anders handhabt als ich- ich rege mich nicht einmal mehr auf (na gut, ganz selten).

Wir können nicht alle alles richtig machen. Das geht schon deshalb nicht, weil wir ganz unterschiedliche Vorstellungen von „richtig“ haben. Wir könnten uns aber wenigstens zugute halten, dass jeder das tut, was er für richtig hält, weil wir alle das Beste für unsere Kinder wollen.

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Blogst Barcamp in Köln

„Also, bei mir kommt gerade diese ‚Barcamp-Sache‘ total rüber“, sagt Annette. Sie steht vorne in einer Reihe mit den anderen Bloggern, die eine Session anbieten, also in einer Art spontanen Vortrag ihr Wissen mit allen interessierten Teilnehmern teilen wollen.

„Ich bin heute hierher gekommen und habe gedacht, dass ich auf GAR KEINEN FALL etwas mache. Und jetzt stehe ich hier vorne mit Daniel, den ich bis vor fünf Minuten gar nicht kannte, und  wir haben eine gemeinsame Idee für eine Session.“ Alle lachen. Das erste Blogst Barcamp in Köln hat begonnen und schon ist klar: Es ist ein Riesenerfolg.

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Was ist eigentlich ein Barcamp?

In meinem Berufsleben und inzwischen auch im Bloggerleben habe ich schon an unzähligen Treffen teilgenommen, aber was ein Barcamp ist, das musste ich auch erstmal googeln. Bei einem Barcamp kommen die Teilnehmer wie bei einer Konferenz zusammen, es gibt aber keinen vorher festgelegten Stundenplan. Ein Barcamp wird daher auch als „Nicht-Konferenz“ bezeichnet. Die Teilnehmer legen zu Beginn fest, worüber sie sprechen möchten. Jeder kann eine sogenannte Session abhalten, und so den Tagesablauf mitgestalten.

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Es war ein ganz wunderbarer Tag.  Caro von Sodapop Design hat uns gezeigt, wie man ganz ohne Spiegelreflexkamera mit ein paar tollen Apps die besten Fotos zaubern kann. Antonia von Craftifair hat mit uns ihr Wissen über Stillebenfotografie geteilt und wir haben moderiert von den Blogst-Initiatorinnen Clara (Tastesheriff) und Ricarda (23qm Stil) über die Frage diskutiert, ob wir einen Blogger-Kodex brauchen.

Mein persönliches Highlight war die Session von Tanja, alias Frau Hölle, die uns die Grundlagen der Sketchnotes beigebracht hat, so dass ich am Ende schon eine ganz ordentliche Sketchnote zaubern konnte.

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Wer Spaß daran hat, sich mit anderen Bloggern zu vernetzen, sich über Erfahrungen und Wissen austauschen möchte oder einfach nur eine Möglichkeit sucht, die Zeit bis zur nächsten Blogst Konferenz zu überbrücken, der sollte mal ganz schnell schauen, ob er noch eine Karte für das nächste Blogst Barcamp in Hamburg ergattern kann.

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…und nebenbei hat mir Caro von Sodapop Design auch noch gezeigt, wie sie ihre tolle Frisur gezaubert hat:

Frisur

 

Klitzekleines- Her mit dem Baby!

Am Sonntag fuhr ich mit dem Maxi auf dem Weg zum Theater („Der Grüffelo“) an meinem ersten Arbeitsplatz vorbei. Ich erkläre dem Maxi:

„Hier haben der Papa und ich uns kennengelernt.“

„Wart Ihr da noch winzig klein?“

„Nein, wir waren schon erwachsen, aber wir hatten uns vorher noch nie gesehen. Und dann haben wir gesagt, ach, wir haben uns so lieb, wir wollen immer zusammen bleiben und deshalb haben wir geheiratet!“

Maxi weiß anscheinend, was heiraten bedeutet: „Und Babys bekommen.“

Ich sage: „Stimmt, dann haben wir gedacht, es wäre doch schön, ein Baby zu haben. Wir haben ein Baby bekommen und wie haben wir das genannt?“

„Maxi!“

„Genau, und dann haben wir gedacht, das Baby ist ja sooo süß, davon wollen wir noch eins haben, und dann haben wir Deinen kleinen Bruder bekommen.“

Irgendwie hat es mich dann einfach gereizt und ich habe gesagt: „Und weil Ihr beide so süß seid und wir Euch so lieb haben, könnten wir doch eigentlich noch mal ein Baby bekommen, oder?“

„Ja“, sagt der Maxi nickend, „oder einfach nochmal zwei!“

Familienpolitik eines Dreijährigen: Einfach machen!

 

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Was bist Du denn für eine? Von Rabenmüttern und anderen Schubladen

Ich treffe regelmäßig meine Freundinnen Katja und Julia im Lieblingscafe zum Frühstück. Man könnte sagen, ich bin eine Latte Macchiato Mutter.

Ich freue mich schon darauf, den Mini auch endlich in die Kita schicken zu können. Vermutlich bin ich eine Rabenmutter.

Wenn es so weit ist, gehe ich wieder arbeiten. Viele werden mich dann als Teilzeitmutter bezeichnen.

Vielleicht betreibe ich auch Maternal Gatekeeping, das weiß ich aber noch nicht, damit muss ich mich erst noch mehr beschäftigen.

Muss ich das? Eigentlich mag ich nämlich nicht mehr.

Jedes Mal, wenn ein neues Mütterphänomen diskutiert wird, fühle ich mich natürlich erstmal angesprochen. Ich grüble ein paar Tage und frage mich, was an der Sache dran ist. Trifft die Diskussion den Kern? Trifft sie MEINEN Kern?  Meistens schüttele ich nur verständnislos den Kopf und stelle für mich fest: „Nee, hat mit meiner Realität wenig zu tun!“ Ärgerlich finde ich es trotzdem häufig, denn eines haben alle diskutierten Mütterrollen und -Phänomene gemeinsam: So richtig gut kommen die Mütter nie dabei weg.

Wo stehen Mütter heute und wo stehen die Väter? Auf die allermeisten trifft wohl der Untertitel dieses Blogs zu: „Irgendwo zwischen Windeln und Büro.“

Alle experimentieren herum: die Mütter, die Väter, die Unternehmen, die Familienpolitik.  Überall, wo Rollen gesucht und verändert werden, entstehen auch neue Ausdrücke und Bezeichnungen für ebendiese und grundsätzlich befürworte ich das auch, denn Plakatives regt zur Diskussion an, aber müssen für uns Mütter wirklich ständig neue Schubladen erfunden werden, in die man uns reinstecken kann?

Mütter

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wenn ich auf meine eigenen Mütter-Jahre blicke, so muss ich feststellen, dass man mir im Grunde jeden Stempel aufdrücken könnte, ich habe in alle Schubladen schon reingeschaut: Die Rabenmutter, die Hausfrau- ich habe das ganze Repertoire drauf. Die äußeren Umstände meines Lebens haben sich geändert, der Job, der Job meines Mannes, die Anzahl meiner Kinder und entsprechend hat sich meine Work-Life- Balance geändert. Auch meine Einstellungen zu einigen Themen, wie z.B. Stillen hat sich aufgrund der unterschiedlichen Erfahrungen, die ich gemacht habe, geändert.

Gerade deshalb wehre ich mich gegen dieses Schubladendenken. Ob ich mehr oder weniger oder gar nicht gearbeitet habe, ob ich lange oder kurz gestillt habe, ob ich mir die Hausarbeit mit meinem Mann 80/20 oder 50/50 geteilt habe:

Ich war immer eine Mutter.

Einfach eine Mutter.

Egal, mit welchem Stempel ich gerade herumlief, ob Rabenmutter oder Latte Macchiato Mutter, ich war meinen Kindern immer dieselbe Mutter.

Ein Nebeneffekt dieser plakativen Bezeichnungen ist, dass ständig Lagerkämpfe geführt werden. Wer ist die bessere Mutter: Die berufstätige (Rabenmutter) oder die nicht berufstätige Latte Macchiato Mutter)? Die Vollzeitarbeitnehmerin oder die Teilzeitlerin (Teilzeitmami)? Wer macht es richtig- die Tragemutter oder die Kinderwagenschieberin? Die Langzeitstillende oder die zufütternde?

Das wäre ja alles egal, wenn sämtliche Bezeichnungen Varianten einer Supermutter Beschreibung wären. Sind sie aber nicht. Regelmäßig stellen diese Bezeichnungen Defizite in den Mittelpunkt.

Mir kommen solche Beschreibungen ab sofort nicht mehr ins Haus. Mein persönliches Maternal Gatekeeping, sozusagen.

Ich bin bloß Mama Mia. Und Ihr so?

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P.S. Wer mehr über den Begriff des „Material Gatekeeping“ lesen möchte und welches Ärgernis dahinter steckt, schaut mal bei Das Nuf vorbei.

Alles im Griff. Alles relativ.

Es ist so einfach, dass ich mich wundere, warum ich da nicht früher drauf gekommen bin. Endlich habe ich den Schlüssel für das „Ich-bin-so-eine-tolle-Mutter-Gefühl“ gefunden!

Na schön, die Methode entspricht wohl nicht so ganz der feinen englischen Art, aber wer sein Schlafdefizit seit Monaten wie eine Tsunami Welle vor sich her schiebt, wer drei Mal täglich zur Haustür rennt, um dann festzustellen, dass das Klingeln doch wieder nur in seinen Ohren war und wer ständig von einem zahnenden Baby so vollbesabbert wird, dass er sich von den nassen Klamotten schon eine Erkältung zugezogen hat, der muss nehmen, was er kriegen kann.

Mein Mutter-Ich kennt gute und schlechte Tage.  Die ganz besonders schlechten Tage erleidet mein Mutter-Ich nicht durch meine Kinder, sondern durch andere Mütter. Es gibt da vor allem eine Mutter in meinem Umfeld, die es regelmäßig schafft, dass ich mich schlecht fühle. Sie scheint alles im Griff zu haben, ist immer auf jede Lebenslage vorbereitet, kennt für jedes Problem die passende Lösung, hat immer auch für mein Kind Obst, Gemüse, Getränke dabei. Ihre Kinder können alles besser als meine, können alles früher als meine und sind vor allem besser erzogen. Das liegt natürlich daran, dass ich meine Kinder überhaupt nicht erziehe, deswegen macht sie das kurzerhand für mich mit.

Ich finde sie eigentlich nicht besonders toll. Ich habe regelmäßig nichts zu essen dabei, weil ich nicht glaube, dass meine Kinder im 60-Minuten-Takt etwas essen müssen. Ich habe kein Spielzimmer im Kofferraum meines Autos dabei, weil ich glaube, dass meine Kinder immer und überall etwas zum Spielen finden. Ich finde, diese Mutter ist immer ein bißchen „drüber“, aber ich fühle mich trotzdem nicht gut, wenn ich nach einem Tag mit ihr wieder zu Hause bin. Ich fühle mich faul, wenn ich auf der Bank sitzen bleibe, während sie die Streitereien unserer Kinder löst. Ich fühle mich wie ein Schmarotzer, wenn meine Kinder ihren Kindern die Apfelschnitze wegessen. Und ich gerate ins Grübeln, ob mein Sohn nicht vielleicht doch (so wie ihrer) langsam eine Fremdsprache lernen sollte.

Ebenfalls nicht gut für meinen inneren Frieden sind Mütter mit nur einem Kind, das schon mindestens vier Jahre alt ist. Die unterhalten sich immer so ruhig mit ihren Kindern, während von meinen immer eines brüllt und eines an mir rumzerrt, oder eines gerade auf die Straße rennt während das andere sich Sand in den Mund stopft. Dann fühle ich mich immer, als hätte ich gar nichts im Griff und als sei ich total überfordert. Während ich kopflos versuche, meine Kinder davor zu bewahren, sich den Hals zu brechen oder sich zu vergiften, stehen Mutter und Kind da, knabbern mitgebrachte Bio-Möhren und sehen mich mitleidig an.

Eher zufällig bin ich auf den Trichter gekommen, dass ich einfach nur in die Rolle der anderen Mutter schlüpfen muss, damit ich zufrieden lächelnd den Heimweg vom Spielplatz antreten kann.

Wir trafen eine befreundete Mutter auf dem Spielplatz. Sie musste das Anschaukeln ihres 1 1/2-jährigen unterbrechen, weil das Neugeborene wie am Spieß schrie. Während sie das Baby stillte, machte der Große ein Riesentheater und ihr blieb nichts anderes übrig, als verzweifelt zu versuchen, ihn mit immer lauteren Ermahnungen zu beruhigen, denn sie saß ja stillend auf der Bank fest. Mit hochrotem Kopf und zerzausten Haaren verließ sie später gemeinsam mit uns den Spielplatz. Ihr Großer wollte erst gar nicht laufen, dann wollte er weglaufen, dann schmiß er sich protestierend auf den Boden- das volle Programm. Mein Großer fuhr friedlich auf seinem Laufrad neben mir her, der Mini schlief im Kinderwagen. Gut, der Mini hatte vermutlich etwa 700g Sand im Bauch und der Maxi sang irgendetwas von „Kackpups“ , aber was ist das schon gegen zwei brüllende Kinder?

Plötzlich war ich diejenige, die ein bißchen mitleidig der anderen Mutter ihre Hilfe anbot. Ich war plötzlich diejenige, bei der scheinbar alles wie am Schnürchen lief. „Ja, als der Mini geboren wurde, hatte der Maxi auch eine anstrengende Zeit, aber das wird besser“, konnte ich total relaxed erklären. Ich war mit meiner Mutterrolle im Einklang, ich hatte alles im Griff.

Trefft Euch nicht mit diesen Supermüttern. Sucht Euch Mütter mit möglichst vielen, möglichst kleinen Kindern, am besten doppelte Drillingsmütter und verbringt die Nachmittage mit denen. Wenn ihr mal das Gefühl habt, ihr habt nichts im Griff: Es gibt immer jemanden, der hat die Dinge noch weniger im Griff!

Jaaa guuuut, das ist gemein. Aber man kann nicht immer nur nett sein. Außerdem werde ich das Gefühl nicht los, dass sich einige Mütter aus genau diesem Grund so gerne mit mir treffen…

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Rosa Prinzessinnen überall

Weiberfastnacht in der Kita. Es fiel mir sofort auf, aber es dauerte ein bißchen, bis mir klar wurde, wie verrückt das ist:

Alle Jungs waren als Feuerwehrmänner, Cowboys, Piraten oder Ritter verkleidet und der Großteil der Mädchen als Prinzessin oder Fee.

Ich twitterte:

 

Der Maxi war natürlich auch als Feuerwehrmann unterwegs und sah herzallerliebst aus. In der Woche zuvor hatten die Deutschen einer Umfrage zufolge Feuerwehrmänner zu der Berufsgruppe gekürt, der sie am meisten Vertrauen schenken. Maxi hatte sein Kostüm also gut gewählt, fand ich.

Aber dieses Bild von all den kleinen Feen und Prinzessinnen inmitten der Feuerwehrmänner und Cowboys ging mir nicht mehr aus dem Kopf.

Schließlich fragte ich mich: Würde ich meine Tochter als Prinzessin verkleiden wollen?

Ich habe mich als Kind zu Karneval auch als Prinzessin verkleidet. Damals lagen die Dinge allerdings anders. Mein Prinzessinnenkostüm war blau. Mein Papa hatte mir ein blaues Prinzessinenkleid mit bunten Blumen drauf genäht. Dazu hatte ich eine goldene Krone mit einem Schleicher aus blauem Tüll. Ungewöhnlich? Nein. In meiner Kindheit waren Mädchen nicht durchgängig rosa. Auf meinen Babyfotos trage ich hauptsächlich orange oder braun, aber kein rosa. Meine Lieblingsfarbe war auch damals schon blau und zu meiner Einschulung ging ich mit blauer Schultüte und blauem Schulranzen. Das war zugegeben ein kleines bißchen ungewöhnlich, weil die wenigsten Mädchen sich für einen blauen Ranzen entschieden hatten, aber sie hatten vor allem rote Ranzen, nur wenige hatten ein rosa Modell.

Heute kommt man an rosa für Mädchen überhaupt nicht mehr vorbei. Die Klamotten sind rosa, das Spielzeug ist rosa, das Zubehör zum Spielzeug ist rosa. Weibliche Kindheiten sind heute rosa.

Na und? Rosa ist doch nur eine Farbe, sage ich oft. Eine schöne Farbe übrigens. Heute mag ich rosa fast genau so gerne wie blau. Mein Sohn steht auch sehr auf rosa und das belegt doch, dass es für Kinder einfach nur eine schöne Farbe ist, oder?

Ja, für Kinder ist rosa nur eine Farbe. Aber mit jedem rosa Kleid, in das wir sie stecken, mit jeder rosa Puppe und deren rosa Kinderwagen, der in ihren Kinderzimmern Einzug hält, drängen wir unsere Töchter vom großen Markt der Möglichkeiten, in den sie heute eigentlich hineingeboren werden, ab und in eine ganz bestimmte Ecke. Seid niedlich, Mädchen, mit rosa Schleifen im Haar und rosa Rüschen am T-Shirt und schiebt rosa Kinderwagen durch die Gegend, so wie es sich für Mädchen gehört, das ist leider die Ideologie, die mit all dem rosa Kram verkauft wird. Die Industrie zeichnet ein niedliches Bild von Mädchen und genau das ist die Gefahr.

Der Industrie allein die Schuld in die Schuhe zu schieben, ist meines Erachtens ein bißchen zu einfach, schließlich stellt sie her, was gekauft wird. Aber warum kaufen denn so viele Niedlichkeit und „typisch weiblich“ für ihre Töchter ein? Warum verkauft sich das so gut? Wie kann es sein, dass sich da im Vergleich zu Mädchen-Kindheiten von vor 30 Jahren offenbar ein Rückschritt tut?

In der Folge müssen nun diejenigen Mütter, die sich dagegen wehren, ihre Töchter von Anfang an in „typisch weibliche“ Formen pressen zu lassen, rosa boykottieren. Sie sagen: „Ich hasse rosa“ und meinen „Meine Tochter ist nicht so ein Mädchen!“

Mädchen sind meiner Meinung nach immer Mädchen und Jungs sind Jungs. Es gibt Unterschiede, das zu verleugnen wäre Quatsch. Mein Sohn zum Beispiel besitzt eine Puppe (er hat sich das rosa Modell ausgesucht, obwohl es auch einen kleinen  blau gekleideten Jungen gegeben hätte. Er hat einen Puppenwagen, eine Küche und alles, was sonst so in rosa erhältlich ist. Er lässt sich von mir gerne die Fingernägel lackieren und wenn wir bei dm sind, muss ich neuerdings auch immer ein paar Haarspangen (rosa) für ihn kaufen. Das mit den Haarspangen müsste für mich jetzt nicht unbedingt sein, aber ich finde es auch doof, einem kleinen Jungen zu sagen: „Das ist nur für Mädchen“.

Das Interessante ist aber, wie er mit den Sachen spielt. In der Spüle der Küche rührt er das Spielgemüse mit seiner Bohrmaschine um. Je mehr Krach, umso besser. Der Kinderwagen wird nur als Geschoss eingesetzt und die Puppe hat er nach 2 Tagen und zwei Nächten vollkommen vergessen. Mir ist wichtig, meinen Söhnen jede Tür zu öffnen. Durch welche sie gehen, entscheiden sie selber und ich behaupte, dass der Große im Alter von drei Jahren noch recht unbeeinflusst seine Entscheidungen trifft. Bei uns stehen der Mann und ich übrigens gleichermaßen in der Küche, für die Wäsche ist nur der Mann zuständig und ich besitze einen eigenen Werkzeugkoffer. Der Sohn spielt am liebsten laut und wild, und so imitiert er auch seine Eltern. Interessant ist, was laut ist, oder groß oder einen Motor hat. Staubsauger, Auto, Waschmaschine, das gefällt ihm, das spielt er nach.

Ja, es gibt Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen und das finde ich auch gut und wichtig. Ich glaube nicht, dass man Mädchen einen Gefallen damit tut, wenn man ins andere Extrem fällt und die Mädchen zu Jungs machen möchte.  Frauen, die mir im Job begegnet sind, und die offenbar glaubten, sie würden nur ernst genommen, wenn sie flache Schuhe und graue Anzüge tragen würden, fand ich ehrlich gesagt immer etwas befremdlich. Im Kampf gegen die Verniedlichung alle Weiblichkeit und Schönheit gleich mit zu verdammen, das wäre ein Fehler.

Es ist nichts Falsches daran, ein Mädchen und eine Frau zu sein, falsch ist es nur, Mädchen und Frauen auf bestimmte Rollen zu reduzieren.

Jungs haben es heute übrigens auch nicht leicht. Auch hier sind Schönheitsideale auf dem Vormarsch, manche behaupten auch, unser Schulsystem sei eher auf Mädchen zugeschnitten und das Rollenbild der sogenannten „neuen“ Väter ist auch noch im Wandel. Den Kampf gegen die Pinkifizerung überlasse ich daher den Mädchenmamas- ohne mich völlig rauszuhalten natürlich, denn auch ich bin ja eine Frau!

Ich trage übrigens gerne rosa. Ich war auch gerne Prinzessin. Ich mag Prinzessinnen heute noch und habe in den letzten Jahren keine royale Hochzeit im Fernsehen verpasst. Ich trage gerne Kleider, lange Haare und Schmuck. Ich bin gerne eine Frau und das darf man auch sehen.

Ich bin gerne Mutter und ich bin gerne in Elternzeit, also genau das, was die Industrie den Töchtern mit ihren rosa Puppenwagen verkauft.

Ich bin allerdings auch gerne berufstätig. Ich freue mich auf den Wiedereinstieg. Ich habe während meiner letzten Teilzeittätigkeit einen Karriereschritt gemacht und allen gezeigt, dass ich mein Hirn nicht mit den Wehen rausgepresst habe. Frau und Mutter zu sein ist nicht gleichbedeutend mit sich unter rosa Tüll hinter seinem Mann zu verstecken.

Ja, lasst Eure Töchter sich als Prinzessinnen verkleiden, ganz in rosa! Aber lasst sie wissen, dass in ihnen auch eine großartige Piratin, eine heldenhafte Feuerwehrfrau und ein abenteuerlustiges Cowgirl stecken. Lasst rosa für sie nur eine Farbe sein.

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