Schlaflos in Bonn

Ich bin urlaubsreif. Deshalb mache ich heute einen kleinen Kurzurlaub: Ich nehme mir die Nacht frei und der Mann übernimmt den Mini.

Eigentlich ist das ja Quatsch. Schlaf wird sowas von überbewertet! Nur Menschen, die regelmäßig ausreichend schlafen dürfen, halten das für wichtig. Alle anderen wissen: Man kommt auch müde durch den Tag.

Der Mini ist gerade dabei, sich das Schlafen gänzlich abzugewöhnen. Seit ein paar Wochen weckt er mich nachts jede Stunde auf. Mal zwei Stunden am Stück schlafen? Das wäre ein Traum (aber zum Träumen komme ich ja gar nicht mehr)!

Früher war Müdigkeit so ziemlich das Schlimmste, was mir passieren konnte. Wenn ich nach einer durchtanzten Nacht ein Schlafdefizit von vielleicht drei Stunden hatte,  bin ich abends früh ins Bett gegangen oder habe am Wochenende bis mittags geschlafen, um die Müdigkeit wieder los zu werden.

Heute beträgt mein Schlafdefizit geschätzte 789.665. 984. 433.672. 984, 34 Stunden. Ich bin eigentlich immer müde- und tanze trotzdem durch den Tag.

Mit meinem Schlafdefizit von höchstens drei Stunden habe ich es damals nicht geschafft, vor 11 Uhr das Bett zu verlassen. Mit einem Schlafdefizit von heute geschätzten 789.665. 984. 433.672. 984, 34 Stunden schaffe ich vor 11 Uhr mehr als früher an einem ganzen Wochenende.

Ich stehe den halben Tag auf Spielplätzen rum schaukele mit einer Hand den Maxi an während ich mit der anderen den Mini auf dem Arm halte, ich mache ein Wettrennen nach Hause mit dem Maxi, koche ein gesundes Abendessen während ich zwei müde und knatschige Kinder bei Laune halte, ich füttere, wickele, stille, räume auf, lese vor…

Das Einzige, das mich wirklich fertig macht, sind schlafende Menschen in der Fernsehwerbung. Wenn ich in der Wick MediN- Werbung, oder in Spots für Baldrian Menschen sehe, die sich zufrieden lächelnd in ihr Bett kuscheln, dann möchte ich manchmal eine Runde weinen. Zum Glück kann ich nie lange fernsehen, weil sich nach ein paar Minuten immer Minis Babyfon meldet…

Mein Mann erholt sich gerade im Büro von den anstrengenden Weihnachtsferien. Aber er bemitleidet mich inzwischen so sehr, dass er mir dauernd vorschlägt, die Nachtschichten zu übernehmen. Dieses Wochenende darf er.

„Aber dann will ich Dich auch nicht hier rumturnen sehen! Auch nicht, wenn Du Geschrei hörst“, hat er gesagt.

Ja, und was soll ich sonst bitte die halbe Nacht machen? Nach vier Stunden Schlaf am Stück werde ich mich so ausgeruht fühlen, wie die Frau aus der Baldrian Werbung, wetten?!

Vielleicht könnte ich ja dann endlich mal den Keller aufräumen. Oder die Steuererklärung machen. Oder irgendwas Nobelpreisverdächtiges erfinden. Sagte ich schon, dass Schlaf ja so überbewertet wird?

Unterschrift_blog

 

17 Kommentare

  1. Hallo Mia, ich bin über Facebook auf deinen Blog gestoßen. Ich habe auch zwei Jungs, allerdings schon älter, 10 und 8. Aber wenn ich bei dir so lese, kommt mir vieles wieder in den Sinn. Halte durch, es wird besser. Irgendwann schlafen sie alle durch.

    Ich bin oft so durch gewesen, weil ich nicht genug Schlaf hatte. Ich habe auch beide Jungs gestillt. Und gerade der zweite hat mich viel Kraft gekostet. Muttermilch ist bestimmt das Beste, hält aber auch nicht so lange vor!

    Also toi toi toi und weiter viel Kraft und hin und wieder ’ne Mütze Schlaf ;o)

    LG Ellen

    • Liebe Ellen, danke für Deinen Kommentar! Ja, das Stillen kostet mich bestimmt zusätzlich Kraft. Außerdem könnte ich sonst einfach literweise Kaffee trinken, das würde die Tage für mich bestimmt leichter machen. Mal sehen, wie lange ich noch stille…
      LG Mia

  2. Hallo Mia, das Schlafdefizit habe ich auch. Erst letzte Nacht war ich 3 Stunden am Stück wach. Johanna schrie wie am Spieß , wahrscheinlich wieder von der Impfung, Max wurde davon wach, bekam einen Hustenanfall und spuckte uns Bett. Alle waren wach, mein Mann maulte erst auch noch rum, weil ich bei zwei schreienden Kindern nichts verstanden habe…Männer… Nach drei Stunden bin ich mit schlafenden Kind im Arm auch wieder ins Bett. Aber auch die anderen Nächte sind nicht besser. Alle sagen immer es wird besser. Wann denn ist irgendwann ? Mit 3 ? Mit 10 ? Mit 18? Mit 40 ? …mein kleiner Urlaub ist heute ein längst fälliger Besuch beim Friseur und mein Gehirn lasse ich zu Hause…übrigens schaffst Du wenigstens gesundes Essen zu kochen . Ich, gefühlt gar nicht mehr.

    • Oh Gott, das klingt furchtbar! Ich kämpfe mich von Woche zu Woche und klammere mich an den Gedanken: Nächste Woche wird es besser! Muss doch irgendwann!! Liebe, mitfühlende Grüße. Mia

  3. Hallo Mia,
    das ist ja wirklich ein beeindruckendes Schlafdefizit! Und wenn ich so lese, was du trotzdem alles schaffst und wie lange du das schon durchhälst, muss ich dir wohl doch zustimmen, dass Schlaf überbewertet wird. Andererseits: klar kommt man auch müde durch den Tag. Aber etwas weniger müde kommt man meistens besser durch den Tag. Ist bei mir jedenfalls so. Ich habe nämlich eine sehr kurze Zündschnur und neige arg zu Selbstmitleid, wenn ich zu wenig geschlafen habe. Obwohl ich ja mit nur einem Kind, das meistens durchschläft, wenig zu jammern hab..
    Ich musste übrigens sehr lachen über das „Mein Mann erholt sich im Büro“! Das sagt der Vorgesetzte von meinem Mann (3 Kinder) nämlich auch gerne mal nach dem Wochenende über sich 🙂
    Ich wünsche dir ein sehr erholsames Wochenende!
    Liebe Grüße aus Holland,
    Kristine

  4. Ich fühle mit dir mit.
    Irgendwann wirds besser, bestimmt. Dann übernachten sie auch mal bei Oma oder Freunden ;D

    Ich wünsche dir eine wundervolle Nachtruhe!!!
    Gute Nacht,
    Katja

  5. …so ähnlich geht es meiner Frau(nein sie ist keine bessere Hälfte, sie ist ein ganzes und kein halbes) auch. So gut es geht können wir Männer entlasten, am besten am Wochenende, denn da darf meine Frau so lange morgens liegen bleiben wie sie möchte und es aushält. Ich kümmere mich dann derweil um die Kinder.

    LG Chris
    PS: gute Erholung auch wenn es schwer fällt

  6. Liebe Mia,

    ich kann dich voll und ganz verstehen.. Gut mein Kind schläft schon ein bisschen besser, allerdings meldet sie sich nachts immer noch zu ihren Flaschen.. Und das mit 17 Monaten.. GSD hat sich ihr Spleen etwas gelegt, in der Nacht uns mal so für zwei Stunden vollzuquatschen..

    Auch ich habe gemerkt, das es gar nicht mehr so einfach ist, durchzuschlafen, wenn man mal keinen „Dienst“ hat.. Ich war im Dez und jetzt im Januar einige Tage im KH und habe die kinderfreie Zeit sehr genossen.. Da ich aber nicht alleine auf dem Zimmer war (hatte immer Damen jenseits der 70-80 Jahre auf dem Zimmer) kam ich nachts nicht zur Ruhe und wenn es dann doch mal klappte, dann war ich meist um 4 Uhr wach, weil das oft ihre Zeit ist..

    Ich drücke die Daumen, das es bald besser wird und das du auch was von deiner Ruhe hast an diesem Wochenende 🙂

    Schönes Wochenende
    Nicola

  7. oh je, du arme!

    Ich lese ab und zu auf deinem Blog mit, aber heute bekam ich solch ein Mitleid, dass ich hier spontan einen Kommentar hinterlassen muss!
    Ich fühlte mich erinnert an die Stillzeit meiner kleinen Maus… ohje … und dabei habe ich nicht zusätzlich noch ein älteres Kind zu versorgen!!

    Es ist doch immer wieder bemerkenswert wie zäh Mütter sind und wie viel man doch verkraften kann! Ich ziehe den Hut vor dir und deiner Kraft und wünsche dir, dass Sohnemann bald wieder Gefallen an längeren Schlafperioden findet!

    Lieben Gruß!

  8. Es ist der Wahnsinn, was man als Mutter plötzlich so „kann“, Dinge, die zuvor so undenkbar gewesen wären. Man wächst halt mit seinen Aufgaben, das zeigt es immer wieder…
    Ich wünsche Dir am Wochenende geruhsame Nächte und hoffe, Du kannst Dich ein wenig erholen und Kraft für die Woche tanken.

    Liebe Grüße,
    die Alltagsheldin

  9. oh ja, wie bekannt mir das vorkommt. Unsere Jungs im Doppelpack waren auch nicht immer zur selben Zeit wach, sondern eher versetzt. Da ich die ersten knapp 2,5 Jahre die Nachtschichten gemachte habe, kann ich nachfühlen wie das ist. Ich bin sehr froh, dass sich das Schlafen irgendwann einpendelt. Bei den Kleinen.

  10. *gääähn*
    Oh ja, ich fühle mit dir. Wobei ich mich wahrscheinlich glücklich schätzen darf, denn die Motte schläft zumindest von 20h bis 3h ziemlich gut durch. Danach? Hhhm ja – wenn ich Glück habe, muss ich bis 6h nur stündlich stillen. Wenn’s blöd läuft, ist die Motte hellwach und der Tag beginnt. Alles kein Problem, wenn ich mich an all die Ratgeber halten würde: Schlafe, wenn dein Kind schläft. Mache ich aber nicht. Und so bleiben bis 3h nachts dann doch nur noch zwei Stunden…
    Aber damit du dich besser fühlst: Die Baldrian-Frau sinkt wahrscheinlich vor lauter Erschöpfung ins Kissen, weil sie den Spot schon 30mal spielen musste – und wenn’s dann endlich im Kasten ist, wird sie auch gleich wieder hochgescheucht. 😉

    LG
    Mareike

  11. Liebe Mia,
    ich kann 100%ig nachfühlen wie es Dir geht. Wir haben vor knapp 7 Wochen unsere zweite Tochter bekommen, und anders als bei der ersten haben wir nun nicht zusammen Elternzeit. D.h. der Mann arbeitet und ich bin nun alleine für die Nachtschichten zuständig. Ich kann mich einfach nicht an diese Nächte gewöhnen- ich stille nicht, muss also alle 2-3h jeweils für ca eine halbe Stunde aufstehen und mit Baby das Zimmer verlassen, damit wir ihn und unsere Große nicht stören (die seit ca 3 Monaten auch regelmäßig nachts zu uns kommt). Ich werde also immer wieder richtig wach und kann dann nicht mehr einschlafen. Und wenn ich es gerade geschafft habe, werde ich wieder entweder durch die Große oder die Kleine geweckt. Ich hoffe darauf, dass es nach 3 Monaten soweit ist, dass die Kleine nicht mehr jede Nacht 2 Fläschchen braucht…
    Gutes Durchhalten, irgendwann wirds hoffentlich besser…
    glg,
    Cilly

  12. Herrlich Herrlich Herrlich. Ich glaube manchmal du hast ne Kamera hier bei uns installiert 😉
    Hier herrscht das gleiche Chaos. Aber ich glaube ganz ganz fest daran dass irgendwann alles besser wird. Und drück uns so lange einfach die Daumen und „freue“ mich dass wir nicht alleine sind.
    Und ja, man kommt irgendwie durch den Tag. Auch wenn ich alles aufschreiben muss, denn sonst blick ichs echt nicht mehr, so schleppte ich neulich den Müllbeutel bis in den Keller und wunderte mich dann vor der Waschmaschine was ich hier eigentlich suche 🙂
    Liebe mitfühlende Grüße
    Kerstin
    Und ich freu mich schon auf deinen Teil 2 von deiner Zeitliste…

  13. Das hast du so was von auf den Punkt gebracht! Toller Post! Micha will hier auch immer helfen und ich bettel manchmal um Hilfe (so im Allgemeinen), dann nehme ich aber irgendwie doch nie welche an. Ich kriege nachts ja eh alles mit. Egal ob ich mich nun dafür verantwortlich fühle oder nicht. Schlaf ist ein reines Luxusgut. Frei nach dem Motto: Wer es sich leisten kann. 😉

  14. Herrlich bei euch herrscht das gleiche Chaos wie bei uns…
    Manchmal möchte ich einfach meinen Koffer packen und verschwinden!
    Meine Töchter sind im gleichen Altersabstand.
    Es ist allerdings ein tolles Gefühl das man nicht alleine ist
    in dem ganzen Chaos, toll das es deinen Blog gibt!
    Mein Mann hat mir dieses we auch seine Nachtschicht angeboten und ganz gewiss werde ich auch wieder hier rumtigern!
    GUTE NACHT

  15. Schlafentzug ist eine der schlimmsten Foltermethoden ! Ich denke zurück an die ersten drei Lebensmonate meiner Tochter, sie hat ich alle 2 Std geweckt und musste gestillt werden. Ich war sehr weinerlich in der Zeit und habe mich selbst nicht wiedererkannt… Als ich sie dann mit 3 Monaten abgestillt habe und sie erstmals nachts sage und schreibe durchschlief (8 Std) konnte ich mein Glück kaum fassen. Die ersten Nächte bin ich wie eine Irre ständig aufgesprungen um nach ihr zu sehen ! Mein Mann hat mir zum Glück immer viel geholfen, vor allem durch gutes Zureden und in den Arm nehmen. Aber ich konnte und wollte ihm den Streß nachts nie antun, wo er doch arbeiten ging.

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