Eine kleiner Weihnachtsbrauch

In meinem Elternhaus war der Heilige Abend der schönste Abend im ganzen Jahr.

Während meine Eltern mit den Vorbereitungen beschäftigt waren, packte ich mit meinen Schwestern die letzten Geschenke ein und dann schauten wir drei gemeinsam Pipi Langstrumpf und Michel aus Löneberga.

Am Nachmittag brezelten wir uns richtig auf- Heiligabend wurden in unserem Dreimädelhaus die schönsten Kleider ausgeführt.

Wenn wir aus derKirche zurück kamen, durften wir ins Wohnzimmer gehen und schauen, was das Christkind gebracht hatte.

Und dann, nach dem Essen, kam der große Programmpunkt unseres Heiligen Abends: Schon am Nachmittag hatten wir „die Zettel“ vorbereitet. Für die Geschenke, die wir Schwestern uns untereinander machten, die wir unseren Eltern machten und für alle Geschenke meiner Großeltern an uns, gab es  Zettel.

Jeder schrieb für jedes Geschenk einen Zettel, auf dem stand, von wem und für wen es war. Ich schrieb also „Von Mia für Mama“, „Von Mia für Papa“, „Von Mia für Sarah“… Alle Zettel wurden gefaltet und wanderten in eine Schale.

Die Schale mit den Zetteln kreiste reihum. Ich zog dann z.B. einen Zettel, auf dem stand „Von Opa und Oma für Sarah“. Dann übergaben meine Großeltern meiner Schwester ein Geschenk. Nachdem sie es ausgepackt und alle es bestaunt hatten, zog der Nächste einen Zettel.

Das Schöne an dieser Weihnachtstradition war, dass auf diese Weise für uns Kinder eine wunderbare Spannung entstand, denn wir wünschten uns natürlich immer, dass der nächste Zettel ein Geschenk für uns enthielt. „Ich bin so verspannt“, sagte meine kleinste Schwester einmal- bis heute ein geflügeltes Wort bei uns.

Besonders schön war auch, dass wir mit den Zetteln Programm für den ganzen Heiligen Abend hatten. Es wurde immer spät, bis endlich alle Zettel gezogen und alle Geschenke verteilt waren, und wir hatten den ganzen Abend mit Schenken verbracht. Dann sagte mein Opa zum Abschluss immer: „Hat jetzt irgendjemand irgendein Geschenk NICHT bekommen?“ Auch dieser Satz gehört heute zur Tradition dazu, auch wenn mein Opa ihn leider nicht mehr selber sagen kann.

Als meine Großeltern verstarben waren meine Schwestern und ich erwachsen und so wurden dann auch die Geschenke meiner Eltern an uns (die vorher unterm Baum gelegen hatten) über die Zettel verschenkt, so dass wir weiterhin Programm für den ganzen Abend hatten.

Meine Schwester war einmal für sechs Monate mit ihrem Freund im Ausland und verbrachte dort auch Weihnachten. Obwohl sie nur zu zweit waren, haben sie die Bescherung mit Zetteln zelebriert, so sehr liebt sie diese Tradition.

Meine Kinder sind noch ein bißchen zu klein für diesen meinen geliebten Weihnachtsbrauch, aber in ein paar Jahren werde ich das auch hier einführen.

Und damit ich bis dahin keine Entzugserscheinungen bekomme, rückt  am 1. Weihnachtstag die Familie bei uns an- mit ganz vielen Geschenken und ebenso vielen Zetteln.

Habe ich Euch auf den Geschmack gebracht? Oder was habt Ihr für Weihnachtsbräuche?

Unterschrift_blog

 

5 Gedanken zu “Eine kleiner Weihnachtsbrauch

  1. Bei meinen Schwiegereltern gibt es einen ganz ähnlichen Brauch, allerdings wird gewürfelt! Alle Geschenke liegen unter dem Baum. Der Würfel geht reiherum – und immer wenn jemand eine sechs würfelt, darf er zum Baum, ein Geschenk nehmen, nachschauen, für wen es ist, und demjenigen übergeben. Dann schauen alle zu, bis das Geschenk ausgepackt ist. Fand ich von Beginn an richtig klasse! 🙂

  2. Das mit den Zettel ist ein schöner Brauch, das gefällt mir gut. Bei uns war es ähnlich, aber ohne Zettel. Da fing einer an, ein Geschenk an jemanden zu verteilen und es ging erst weiter wenn alle beim Auspacken zugeschaut haben. Ein Jahr haben wir allerdings mit der ganzen großen Familie (alle Geschwister meiner Mutter inklusive deren Partner und Kinder) zusammen gefeiert und das hat mir gar nicht gefallen, da wurde alles gleichzeitig herumverteilt, ich fand es sehr ungemütlich.

  3. Hallo liebe Mia,
    Was für ein schöner Brauch, ich werde ihn dieses Jahr bei uns einführen. Bei neun Personen wird eine große Spannung entstehen, da bin ich mir sicher. Danke fürs Weitergeben.
    Und wie Du siehst, ich kommentiere wieder. Bin aus dem KH zurück und habe nun einen zuckersüßen Mini im Arm. Mehr dazu bald bei mir auf dem Blog.

    Liebe Grüße, Tanja

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