In den Schuhen meiner Schwester

„Du darfst nicht mitkommen, Du hast nichts anzuziehen und wir müssten uns Deiner schämen“, sagte die böse Stiefmutter zu Aschenputtel und ging mit ihren beiden blöden Töchtern alleine auf das Fest.

Als Mutter ist man ja verdammt nah dran am Aschenputtel-Dasein! Verbringt man nicht einen Großteil des Tages damit, vergeblich das Haus in Ordnung zu halten- etwa so, als würde man Linsen sortieren und kurz bevor man fertig ist, kommt ein Kind und tritt die Töpfchen wieder um?

Wie ein Erkennungszeichen tragen die Mütter kleiner Kinder deren Flecken auf der Kleidung. Milchreste auf der Schulter, Rotze am Knie- für die geübten Augen anderer Mütter bin ich eindeutig als Mutter eines Babys und eines Kleinkindes zu erkennen. „Wie alt ist denn ihr Kleiner?“, fragen sich zwei Mütter, als sie nebeneinander vorm Spiegel auf der Damentoilette ihre Kleider sauber reiben (und es dabei nur schlimmer machen).

Kleine, kratzende Babyfingernägel vertragen sich mit dem schönen Seidentop genausowenig wie die Strickjacke aus Merinowolle mit der Milchspucke.

Nun habe ich neue Schuhe. Die sind so neu, die gibt es noch gar nicht. Meine Schwester arbeitet in der Modebranche, und diese Woche wurden die Musterteile für die Kollektion Frühjahr/Sommer 2014 abverkauft. Sie schickte mir am Montag ein Foto mit einem Paar hinreißender Riemchensandalen. Schwindelerregend hoher Absatz, filigrane Lederriemchen. Ein Traum! Und darunter stand: „Für Dich!“

Ich sah dieses Foto an und wußte, dass ich diese herrlichen Schuhe vermutlich nur dann tragen werde, wenn ich nächstes Jahr auf eine Hochzeit eingeladen werde. Es sind so wunderschöne Schuhe. Schuhe, wie sie meine Schwester jeden Tag trägt. Sie trägt sie zum Rock im Büro und zur Jeans auf einer Party. Ich dagegen gehe momentan weder ins Büro, noch auf schicke Partys. Soll ich in den Schuhen den Maxi aus der Kita holen? Oder damit auf dem Spielplatz rumstehen?

Für mich?, dachte ich deshalb erstaunt. Aber ich bin Aschenputtel! Ich muss Linsen- ähm Legosteine aufsammeln!

Es sind Momente wie diese, in denen mir bewusst wird, wie sehr sich mein Leben verändert hat. Wann bin ich zuletzt im Morgengrauen nach Hause gekommen? Wann habe ich zuletzt einen Sonntag verkatert im Bett verbracht? Träumend schaue ich aus dem Fenster und ein kleines bißchen Sehnsucht liegt wohl in meinem Blick.  Zum Glück habe ich nichts nachzuholen: Wilde Partys, zu viel Alkohol, grausame Männergeschichten- ich habe nichts ausgelassen. Heute gibt es nichts mehr, was ich da draußen noch finden könnte, was ich zu Hause nicht habe.

Ich blicke zurück auf die Schuhe. Rattenscharfe Teile! Die gehören schon ausgeführt!

Bald ist der Mini ja gar nicht mehr so Mini. Dann werde ich nicht mehr so müde sein. Bestimmt kann ich mich dann auch mal wieder von meinen Kindern trennen…

Meiner Schwester schreibe ich zurück: „Wow, ich hoffe, ich finde eine Gelegenheit, sie zu tragen!“

„Ich komme vorbei und dann schaffen wir uns eine Gelegenheit“, antwortet sie.

Genau! Das machen wir. Denn auch, wenn ich die Wochenenden am liebsten mit dem Mann auf dem Sofa verbringe, während oben unsere Jungs in ihren Betten liegen: hin und wieder muss ich auch mal in andere Schuhe schlüpfen.

Eure Mia

Mama

3 Gedanken zu “In den Schuhen meiner Schwester

  1. Haha…
    Ich weiß was du meinst….
    Auch hier kam gestern ein umwerfendes Paar neue Schuhe an:
    http://instagram.com/p/e62sWDrs8i/#

    Ausgehschuhe für manche….
    Dekoschuhe für MICH ! 🙂

    Wie du schon sagst, soll man damit die Kinder vom Kiga abholen?
    Im Sand spielen? Ne, eher nicht.
    Aber auch ich werd mir ganz bald mal wieder etwas MamaZeit einräumen und die heißen Treter ausführen.

    Die MÜSSEN ausgeführt werden!

  2. Ah Mia das hast du so schön geschrieben ! Ich las und nickte verblüfft als ich die Stelle mit de Flecken auf der Kleidung verschlung.. Immer, irgendwo ein Fleck. Ich sage schon so manches mal zu meinen Freunden, wer mich sieht-mit einem Fleck und errät was das ist-bekommt nen fettes Eis spendiert.. und siehe da. Ich werde nicht mehr kritisch beäugt, vielmehr herzlich empfangen mit den Worten wie gut Ich aussehe, dass Ich mich mal drehen soll 🙂
    Man muss nur wissen wie man damit umgeht, oder?
    Ah Ausgehen ist soo fein. Ich war vor kurzem auch mal weg, allerdings nichts so Schick. Meine Pumps blieben zu Hause stattdessen zog Ich meine alten Puma Trettern an.. Holi Color Festival ist eben nichts für gute Schuhe ..
    Zeig dich ruhig uns mal in deinen Sandalen. Ich hoffe für dich das du Sie bald ausführen kannst. In andere Schuhe schlüpfst. Und mal für wenige Stunden nicht mehr Mama Mia bist 😉

    Liebste Grüße
    Isa

  3. Liebe Mia,
    Du hast es wieder auf den Punkt gebracht.
    Mach weiter so!
    Ich habe mir letzte Woche meine sündhaft teure Seidenbluse am Klettverschluss der Wickeltasche zerstört. Es ist zum heulen, und all das nur, weil man sich auch mal im Alltag schick machen wollte….
    Beste Grüße

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