Das „Warum eigentlich nicht“-Experiment

Bei aller Liebe- es gibt Tage, da wächst mir das Chaos über den Kopf! Der Mini fordert mich Tag und Nacht, und der Maxi kann mich mit seiner Energie und seinem Trotz in den Wahnsinn treiben.

Manchmal habe ich einfach keine Lust auf diesen Dauertrubel. Dann merke ich , dass ich gar nicht so ganz bei den Kindern bin. Ich bin nicht aufmerksam und denke mir keine tollen Aktionen aus, sondern ich bin nur vordergründig anwesend, während ich mich innerlich mit anderen Dingen beschäftige.

Besonders an diesen Tagen bin ich immer ganz schnell mit einem „Nein!“ Ich schimpfe, wenn der Maxi sich nicht schnell genug anzieht oder wenn er beim Abholen von der Kita nicht sofort ins Auto springt. Ich springe auf dem Rückweg von der Kita noch schnell beim Bäcker rein und bestehe darauf, dass die Kinder im Auto warten, weil es mir sonst zu lange dauert. Wenn wir nach Hause kommen, erlaube ich dem Maxi nicht, noch stundenlang im Vorgarten zu spielen, weil ich lieber schnell ins Haus möchte. „Komm sofort her“, „Du ziehst Dir jetzt sofort die Schuhe an“, „Tu dies nicht“, „Tu das nicht“! Das Ergebnis ist- na klar: Geschrei!

Seit Ende letzter Woche ist der Maxi nicht in der Kita, weil ich den Eindruck habe, dass er einfach mal eine Pause braucht. Um diese Kita-Ferien für den Maxi zu einem schönen Erlebnis zu machen, habe ich mich ganz auf die Kinder eingestellt (Ihr habt vielleicht schon gemerkt, dass es auf hier, auf Facebook und auf Twitter etwas ruhiger gewesen ist) und mir vorgenommen, den Alltag mal mit Maxis Augen zu sehen.

Die mir selbst auferlegte Regel lautet, mich vor jedem „Nein“ erstmal kurz zu fragen: „Warum eigentlich nicht?“

Als ich gestern schnell einen Brief zur Post bringen wollte und beide Kinder im Auto hatte,  bestand der Maxi wie üblich darauf, mit hinein zu kommen. Wenn ich alleine in die Post springe, bin ich in zwei Minuten zurück im Auto. Mit den Kindern habe ich nach zwei Minuten nicht einmal beide Kinder aus dem Auto geholt. Maxi will die Gurte des Kindersitzes selber lösen. Das gelingt ihm manchmal, dauert aber mehrere Minuten. Wenn er dann aus dem Kindersitz klettert, entdeckt er auf dem Boden des Autos ein vor Ewigkeiten dort verschwundenes Spielzeug und schließlich genießt er noch ein wenig die Aussicht, bevor er endlich aussteigt. Auf den drei Metern vom Auto bis zur Post wollen Ameisen und diverser Müll begutachtet werden und auch in der Post gibt es viel zu entdecken. Bauchen wir nicht neue Wachsmalstifte, Mama? Oder Geschenkband? Jeder Gegenstand ist es wert, mir zum Kauf vorgeschlagen zu werden. Auf dem Rückweg zum Auto gibt es wichtige Dinge zu erledigen und gefühlte Stunden später sitzen wir endlich wieder im Auto.

Vor vielen Jahren bin ich selber bei jeder Ameise am Wegesrand stehen geblieben. Heute ist diese unendliche Langsamkeit, die mein Großer an den Tag legen kann, für mich eine echte Geduldsprobe. Ameisen haben eben für mich ihren Zauber verloren. Das Schreibwarensortiment einer Postfiliale ist für mich auch kein Wunderland mehr und dann habe ich auch noch immer die Uhr im Blick. Eigentlich schade.

In dieser Woche sehe ich nun also die Welt durch Kinderaugen und spare mir jedes überflüssige „nein“, das nur meiner Ungeduld geschuldet ist.

Bislang habe ich also Ameisen entdeckt, bei wirklich schönem Wetter stundenlang im Auto gesessen (als Beifahrer, versteht sich, der Maxi ist gefahren) und andere Dinge gemacht, auf die ich eigentlich keine Lust hatte.

Ich würde lügen, wenn ich behauptete, die Tage wären seitdem total stressfrei. Natürlich gibt es weniger Knatsch, wenn Maxi seltener ein „nein“ zu hören bekommt, aber kaum setze ich wieder eine Grenze (und die sinnvollen Grenzen lasse ich ja nicht fallen) kippt die Stimmung sofort. Trotzdem glaube ich, dass wir in den letzten Tagen deutlich mehr Spaß hatten und alle insgesamt entspannter sind.

Es mag Zufall sein, aber als ich gestern vom Maxi verlangte, seine Legosteine wegzuräumen, hat er das tatsächlich getan und das ist sonst ein riesengroßes Drama.

Vielleicht hat er sich ja gedacht: „Warum eigentlich nicht?“

Eure Mia

2 Kommentare

  1. Hallo Mia,

    ui das hört sich aber nach einem spannenden Experiment an! Es kann total befreiend sein, wenn man sich mal an die Kinder anpasst und sich genauso treiben lässt, wie sie es können. Das hat man als Erwachsener ja völlig verlernt.

    Ich hab das auch mal ausprobiert und das ausgerechnet bei H&M – da ist ja eigentlich Stress vorprogrammiert. Stattdessen hab ich mich von meinem Großen durch den Laden treiben lassen und das, was er dort alles entdeckt hat, mal mit ganz anderen Augen gesehen. Ich fand das unheimlich entspannend und versuche seitdem öfter, die Welt mit seinen Augen zu sehen. Natürlich gelingt das nur wenn man auch Zeit hat und Nerven. Aber dann kann es sehr lohnend sein.

    Liebe Grüße
    Isa

  2. Grandios! Und respektabel allemal. Ich versuch das auch immer wieder…manchmal gelingt es mir…zu oft nicht. Im Stress seltener als an Chill-Tagen. Ich habe auf Urbia mal einen Artikel gelesen, der mir gelegentlich zum „Warum eigentlich nicht?“-Hinterfragen verholfen hat: http://www.urbia.de/magazin/kleinkind/leben-mit-kleinkind/die-entdeckung-der-langsamkeit . Aber ich glaube, der wird nun von diesem Eintrag abgelöst…:-) Grüsst die Ameisen mal von mir!

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