Ich will nicht in die Kita oder: Müssen wir konsequent sein?

Heute morgen um 8:20 Uhr hat mein Sohn gut gelaunt mit seinem Vater das Haus verlassen. Um 8:41 Uhr erhielt ich von meinem Mann folgende SMS:

„Super, M. ist total hysterisch, er schreit und will nach Hause. So habe ich ihn noch nicht erlebt- vollkommen paralysiert. Keine Lust auf Kita…“

Ich schrieb sofort zurück: „Dann bring ihn mir wieder nach Hause.“

Etwa 15 Minuten später rief mein Mann an. Die Lieblingserzieherin meines Sohnes hätte ihn schließlich beruhigt, alles gut.

Ich fand überhaupt nichts gut. Am Telefon begann ich eine Diskussion mit meinem Mann darüber, ob es in Ordnung war, den Sohn gegen seinen Willen in der Kita zu lassen, oder ob es besser gewesen wäre, ihn wieder nach Hause zu bringen. Leider hatte mein Mann um 9:00 Uhr den ersten Termin und wir mussten die Diskussion abbrechen. Ich sitze also alleine mit meinen Gedanken zu Hause und habe das Gefühl, mein Sohn müsste jetzt bei mir sein.

Die große Überschrift über Situationen wie diese lautet ja: Konsequenz! Mein Mann und ich haben oft das Gefühl, wir müssten konsequenter in der Kindererziehung sein und sind schließlich selbst in dieser Überzeugung nicht konsequent, denn wir fragen uns immer wieder, ob Konsequenz denn eigentlich so wichtig ist.

Ich denke, man muss zwei Arten von Konsequenz unterscheiden:

Auf der einen Seite steht die Konsequenz hinsichtlich der Werte, die man seinem Kind vermitteln will. Ich kann meinem Sohn z.B. nicht predigen, dass ich gemeinsame Familienmahlzeiten wichtig finde und möchte, dass er mit uns am Tisch sitzen bleibt, aber dann selber jedesmal wenn das Telefon klingelt jedesmal für eine halbe Stunde verschwinden.

Konsequenz macht auch da Sinn, wo ich zuvor eine Ansage gemacht habe. Damit sich meine Kinder auf mein Wort verlassen können, muss ich mich auch an die Parolen halten, die ich selber ausgegeben habe.

Beide Arten von Konsequenz beinhalten, dass ich meinen Kindern etwas vorlebe, und sie durch mein Vorbild erziehe.

Konsequenz um der Konsequenz willen lehne ich ab.

So eine „wir müssen um jeden Preis konsequent sein sonst tanzt er uns auf der Nase rum“ Situation war das meiner Meinung nach heute morgen in der Kita.

Warum soll mein Sohn nicht auch mal entscheiden dürfen, dass er zu Hause bleiben möchte? Gestern hatte er das auch entschieden und wir haben es erlaubt. Heute hat er die Entscheidung erst getroffen, als er schon in der Kita angekommen war, aber da wir nicht weit weg von der Kita wohnen, hätte mein Mann ihn problemlos wieder nach Hause bringen können. Außerdem kann ich von meinem 2,5jährigen nicht erwarten, dass er immer schon lange vorher weiß, was er will. Er hat eben erst in der Kita gemerkt, dass er lieber zu Hause geblieben wäre.

Hat er nicht das Recht, zu entscheiden, was er will? Mein Sohn hat längst gemerkt, dass ich im Moment nicht ins Büro gehe und mit seinem Bruder zu Hause bin. Warum soll er nicht auch bei uns bleiben dürfen?

Was hat mein Sohn denn heute gelernt? Dass seine Eltern die Ansagen machen und er sich fügen muss? Dass sein eigener Wille niemanden interessiert? Im Trotzalter, in dem Kinder ihren eigenen Willen entdecken und ihre Grenzen austesten, scheint es mir grundfalsch, ihren Willen zu brechen, indem man sich um jeden Preis konsequent gibt, weil man das aus erzieherischen Gründen für angebracht hält.

Jesper Juul schreibt dazu in seinem Buch „Dein kompetentes Kind“:

„Kinder werden mit allen sozialen und menschlichen Eigenschaften geboren. Um diese weiterzuentwickeln, brauchen sie nichts als die Gegenwart von Erwachsenen, die sich menschlich und sozial verhalten. Jede Methode ist nicht nur überflüsig, sondern kontraproduktiv, weil sie die Kinder für ihre Nächsten zu Objekten macht.“

Für mich fühlt es sich tatsächlich so an, als wäre mein Sohn heute morgen ein „Erziehungsobjekt“ gewesen. Er wollte nicht in die Kita, und da Mama zu Hause ist, hätte er auch nicht gemusst. Der Wille und die Idee von Konsequenz der Erwachsenen ist ihm aufgedrängt worden, das fühlt sich für mich falsch an. Ich finde es gut, dass mein Sohn sagen kann: Ich möchte das heute nicht!

Wenig später rief die Erzieherin mich an und meinte, mein Sohn wollte mir etwas sagen. Ein zuckersüßes Stimmchen kam durchs Telefon: „Alles gut Mama!“ Das brach mir fast das Herz. Ich fand auch diesen Anruf nicht richtig. Jetzt muss mein Sohn auch noch seine Mutter beruhigen, und somit nochmal artikulieren, dass er sich morgens falsch verhalten hat.

Mir hat der Vorfall von heute morgen vor Augen geführt, dass Konsequenz in der Kindererziehung überbewertet wird. Wäre ich in der Situation dabei gewesen, hätte ich vielleicht genau so gehandelt. Nun aber schaue ich vonaußen auf eine Situation und sehe nur mein verzweifelt weinendes Kind. Mein Mutterherz sagt mir da instinktiv, dass das nicht gut war. Ich möchte meinem Sohn eigene Entscheidungen und einen eigenen Willen zugestehen. Man kann den eigenen Willen nicht immer durchsetzen, aber heute wäre das problemlos möglich gewesen, wenn nicht die Erwachsenen sich verpflichtet gefühlt hätten, konsequent zu sein.

Ich denke, wir Eltern müssen unseren Kindern auf Augenhöhe begegnen, wenn wir wollen, dass aus ihnen selbstbewußte, verantwortungsvolle Erwachsene werden. Auch wenn der Wille der Kinder uns nicht in den Kram passt, müssen wir uns damit auseinandersetzen und ihn nicht mit Macht abbbügeln.

Als Wiedergutmachung könnte ich ja vielleicht heute nachmittag dem üblichen Drängen des Sohnes nach einem zweiten Eis nachgeben. Dann dürfte ich ja auch zwei Eis essen. Das passt zwar nicht zu meinem Plan, mein altes Gewicht wiederzuerlangen, aber den Plan kann ich ja morgen weiterverfolgen. Dann aber ganz konsequent!

So ein Glück, dass ICH das selber entscheiden darf 😉

Eure Mia

19 Gedanken zu “Ich will nicht in die Kita oder: Müssen wir konsequent sein?

  1. Guten Morgen Mia,
    ich glaube, das heute war dein erster Beitrag, mit dem ich nicht einverstanden bin. Nun muss ich gleich mal relativieren, dass ich zwar schwanger, aber noch nicht Mama bin. Allerdings habe ich beruflich und privat viel mit Kindern zu tun.
    Und ich finde, dein Mann hat sich richtig verhalten. Warum muss einem 2 1/2-Jährigen zugestanden werden, selbst zu entscheiden, ob er den Tag in der Kita oder zuhause verbringen möchte? Ich glaube nicht, dass er dazu tatsächlich in der Lage ist. Vermutlich geht es doch in erster Linie um eine Lust-Entscheidung. Und die kann natürlich durch ein entsprechendes Verhalten/ entsprechende Anreize der Erzieherin auch schnell wieder umgeworfen werden. Ihr werdet doch vermutlich einen Grund für eure Entscheidung haben, euren Großen in die Kita zu geben, obwohl du im Moment mit dem Kleinen zuhause bist. Warum ist dieser Grund nicht ausreichend als Begründung, konsequent zu sein? Für mich klingt die Situation nicht nach Konsequenz um der Konsequenz Willen, das würde ich auch ablehnen.
    Und was Jesper Juul betrifft: er ist mir sehr sympathisch und ich kann vielen seiner Ansätze gut folgen. Aber ich glaube nicht, dass wir unseren Kindern einen Gefallen tun, wenn wir ihnen allzeit auf Augenhöhe begegnen. Ich glaube, damit überfordern wir sie. Mir leuchtet eher ein, dass wir als Eltern verlässlich Grenzen setzen sollten, damit unsere Kinder innerhalb dieser Grenzen sicher und geborgen ihre Fähigkeiten entwickeln und ihre Entwicklungsschritte gehen können.
    Danke für deinen tollen Blog!

    1. Danke für Deinen Kommentar. Ich glaube, wir sind im Ergebnis gar nicht so weit auseinander. Hier gibt es auch viele „Grenzen“ und mir ist es total wichtig, dass meine Kinder sich gut benehmen können. Um ihnen das beizubringen muss ich natürlich oft mal eingreifen. Ich bemühe mich allerdings, es nicht bei einem reinen Nein zu belassen und ihm zu erklären, warum etwas verboten ist oder warum er etwas tun muss. Mein Sohn ist da zum Glück sehr kooperativ und interessiert sich tatsächlich für meine Begründungen. Oft lautet meine Begründung allerdings auch: Weil ich das jetzt nicht möchte! ICh finde aber, dass wir es manchmal übertreiben, weil in unseren Köpfen eine Vorstellung davon herrscht, wie wir uns unseren Kindern gegenüber verhalten müssen. Und Konsequenz spielt da eine große Rolle. Meinen Sohn verzweifelt weinend in der Kita zurückzulassen, scheint mir nicht richtig. Zumal mein Mann ja auch festgestellt hate, dass es dieses Mal ein anderes Weinen als dieses übliche unwillige, trotzige war.
      LG Mia

  2. Liebe Mia,

    bei uns ist das auch im Moment ein großes Thema. Und ich bin völlig deiner Meinung: konsequent sein, weil man konsequent sein will, ohne Orientierung an Sinn und Zweck der Sache, finde ich auch nicht erstrebenswert. Allerdings muss ich gestehen, dass ich Konsequenz auch mal links liegen lasse, obwohl das falsch ist. Wenn unser Kind mal wieder einen Trotzanfall erster Güte an den Tag gelegt hat und ich aus diesem Grunde etwas verbiete, halte ich mich nicht immer an die Ansage, weil mir das Kind nach überstandenem Theater schnell leid tut und ich ihr (beispielsweise) das Eis auch gönne. Aber sie sind ja auch sooo süß, die Kleinen ;-)…

    Lasst euch das Eis schmecken!

  3. Danke für diesen Post! Ich finde das ein schweres Thema! Ehrlich. Denn letztlich hätte ich auch ein schlechtes Gewissen (gehabt), wenn ich meinen Sohn zu hause lasse, denn dann denke ich auch – wenn er mal in die Schule geht, muss er doch auch…
    Das mag vielleicht schrecklich klingen, aber Mütter denken doch immer solch widersprüchliche Dinge, oder?
    Dieser Tage schriebst Du, dass Kinder aber mit vielem leichter umgehen können, als wir denken – vielleicht war das auch so etwas, worüber Du Dir den Kopf zerbrichst und für ihn war das nur ein Eifersuchtsausbruch, dass er „nichts verpassen“ will, dann hätte ihn es aber vielleicht auch geärgert etwas in der Kita zu verpassen. Wer weiß das schon…

    Nun, ich arbeite (da nur ein Sohn) und da hat Junior nicht die Entscheidungsmöglichkeit, was Kita angeht. Aber diese Situation ist ja übertragbar. Und hier und da sollte man da schon drüber nachdenken wie hart man ist. Wir haben hier auch oft dann Diskussionen, weil auch jeder Erwachsene eine Situation anders einstuft – Der eine würde da nachgeben, der andere da.

    Allerdings: Wenn die Erzieherin diesen Anruf herbeigeführt hat, um zu zeigen, dass sie mit der Situation klar kommen… DAS fände ich fragwürdig. Es kann aber ja auch sein, dass M. selbst sagen wollte „ach das war albern, alles gut“. Das wiederum fände ich super, denn er hätte verstanden eine Situation rückblickend zu bewerten. Und hätte vielleicht auch bemerkt, dass ihm die Kita auch wichtig ist…

    Das würde mich noch interessieren, liebe Mia 😀 😀

    Oh, das war jetzt sehr lang, aber es kamen viele Gedanken beim Lesen…

    1. Liebe Petra, du hast Recht, das Thema Eifersucht spielt hier auch rein. Und das elterliche Grübeln, das ich neulich beschrieben habe. Ich habe oft ein schlechtes Gewissen dem Großen gegenüber, weil er manchmal zugunsten des Kleinen zurückstecken muss, und weil ich ihn jetzt immer als den Großen sehe, dabei ist er doch auch noch so klein! Ich bin daher mehr als sonst bemüht, auf den Großen einzugehen. Ob es seine Idee oder die der Erzieherin war, mich anzurufen, werde ich nachher mal erfragen.
      LG Mia

  4. Hallo Mia, Ich habe deinen Beitrag gelesen und weiß garnicht so recht was Ich antworten will. Mir schweben viele Gedanken im Kopf die Ich erstmal in Worte fassen bzw Ordnen muss.
    Was Ich lese. Hat für mich jedoch nicht mit den Gedanken Kosequenz an sich zu tun. Ich glaube, und das ist nur eine vermutung. Das es dabei einfach um dein Mutterherz ging. Es ist eben nicht immer einfach die Richtigen Entscheidungen zu treffen. Auch wenn es um sowas geht-ob ich mein Kind in den Kindergarten schicke oder nicht. Es fühlt sich einfach schön an sein Kind bei sich zu haben, deswegen hast du dich für deine beiden schönen Kinder entschieden. Ihr habt gestern einen tollen Tag verlebt. Du alleine, zusammen mit deinen beiden Kindern. Man steht im Zwiespalt weil das Kind in der Kita auch Input in Form von anderen Kindern, Erziehungsregeln, Rangordnung, Spaß und Spiel bekommt. Das möchte man natürlich nicht verweigern. Aber dennoch fühlt es sich in dem Moment einfach besser an, sein Kind bei sich zu haben. Wie in dem Kommentar vor mir, glaube Ich auch-das du einfach für beide Kinder das selbe Recht einräumst. Das Recht bei seiner Mama zu sein. Einfach zu Hause. Die Zeit zu genießen. Das ist auch Richtig. Vorallem wenn es sich für dich Richtig anfühlt. Meinst du nicht das der ,,Große“ das nicht spürt wenn du gelassen und glücklich bist. Ich finde Bauch Entscheidungen manchmal besser, als Kopf Entscheidungen. Der Kopf redet manchmal viel zu viel wirres Zeug. Ob man dann mit dem Ergebnis leben kann. Das ist fraglich.
    Kosenquenz im Richtigen Zeitpunkt gewählt mag sicher richtig sein. Aber immer nur konsequent sein. Das führt doch zu Frust. Auf aller Seiten 🙂
    Liebste Grüße Isabella

    1. Liebe Isabella, genau das meine ich auch. Das Kind will heute zu Hause bleiben, also warum nicht? Kind wieder einpacken, zu Hause Spaß haben, fertig ist der perfekte Tag! Ich selber war damals täglich von 9-12 im Kindergarten. Manchmal hatten meine Schwester und ich keine Lust, dann hat meine Mutter uns zu Hause behalten. Ich bin trotzdem ein Mensch geworden, der weiß, dass man nicht einfach so dem Büro fernbleiben darf 🙂

      1. ja ich glaube nämlich auch, das gerade dadurch das du ihm ab und an die wahl lässt, selbst zu entscheiden. aus ihm ein toller selbständiger mensch wird. du wirst ihm sicher wert vorstellungen und wichtigkeit von bildung und sozialen kontakten mitgeben. ein toller tag zu hause mit mama und bruder. das kann auch schön und lehrend sein.
        ich durfte als kind manchmal während der schulzei zu hause bleiben. einfach so,weil meine eltern viel arbeiten mussten. und meine mum mich manchmal tagelang nicht gesehen hat. mir hat es nicht geschadet. ich war einfach im bergriff das es ausnahmen sind. selten aber schön. und ich bin auch pflichtbewusst geworden, trotz schwänzen 🙂

  5. Ich kenne diese Situation und finde dein Post dazu recht gut.
    Grundsätzlich bin ich der Meinung: Kein starres System, flexible Reaktionen müssen drin sein. Meine Lösung ist, dass ich auch schon bei Terminen angerufen habe, dass ich sehr viel später komme. Dann sass ich mit dem Kind in der Gruppe und hab gespielt. Ich hab sie nie weinend abgegeben. Ich hab sie auch schon zwischendurch abgeholt, wenn die Kita anrief und meinte, sie wolle unbedingt zu mir.
    Kind geht vor. Immer.
    Ich war aber auch nie zu Hause oder hätte es mir leisten können, einfach spontan den ganzen Tag frei zu machen. Wäre ich zu Hause, würde ich wahrscheinlich auch einfach sagen: Ach komm, bleib bei mir zu Hause…
    Allerdings weiß ich auch von meiner Tochter, dass sie solche Sachen unheimlich schnell auffasst und beginnt den Stiel rumzudrehen. Nicht aus Bosheit oder so. Sondern, weil sie weiß, dass ich reagiere und das gefällt ihr. Es kann dann durchaus in ‚Mama macht eh alles was ich will‘ ausarten.
    Darum blieb ich eben morgens auch schon mal länger mit ihr in der Kita. Ich sagte einfach: Sie ist das Kind, sie bestimmt, wie lange sie braucht. Ich bestimme, dass sie in die Kita geht. Es war dann IMMER so, dass sie nach ein paar Minuten mit ihren Freunden nix mehr von mir wissen wollte. Da bin ich dann beruhigt gegangen.
    Man muss, finde ich, dem Kind auch zutrauen, dass es selber entscheidet, wie viel Zeit es für was braucht. Und jeder Tag ist anders.
    Allerdings ist mir – im Gegensatz zu meinem Kind – klar, dass sie viel Spass in der Kita hat und ich also kein schlechtes Gewissen zu haben brauch, nur weil sie morgens noch nicht fit genug war.
    Egal, wie man es macht. Man sollte 1. auf seinen Bauch hören und 2. dann entscheiden und zu der Entscheidung stehen. Herumeiern macht es dann nicht besser.
    Dein Mann hat entschieden den Kleinen dennoch in die Kita zu bringen, er war dann aber doch zu unsicher und hat dich benachrichtigt. Das ist jetzt nicht so tragisch, es behält keiner einen Schaden zurück, aber eben das meinte ich mit ‚herumeiern‘. Hätte er dich nicht informiert und dein Sohn hätte dir abends erzählt, dass er schön gespielt hat, wäre es kein Problem gewesen, keine Gedanken, kein schlechtes Gewissen etc…
    Man sollte das Kind nie einfach übergehen, aber ich denke es gilt: je unsicherer die Eltern reagieren, desto unsicherer wird auch das Kind und dann ist das große Schluchzen vorprogrammiert.
    Wenn aber ein Kind merkt, Mama und Papa sehen und hören mich, auch wenn sie manchmal anders entscheiden als ich es will, dann bekommen sie zumindest keine Angst. Solange das Vertrauen nicht erschüttert oder missbraucht wird, ist es eigentlich kein Problem, wenn die Eltern die Ansagen machen.

  6. Zitat:“Wenn aber ein Kind merkt, Mama und Papa sehen und hören mich, auch wenn sie manchmal anders entscheiden als ich es will, dann bekommen sie zumindest keine Angst. Solange das Vertrauen nicht erschüttert oder missbraucht wird, ist es eigentlich kein Problem, wenn die Eltern die Ansagen machen.“

    Da stimme ich voll dem Kommentar zu. Amen.

  7. Ich möchte meinem Kind auch die Möglichkeit geben, selbst Entscheidungen zu treffen. Und auf gar keinen Fall möchte ich, dass Kalea irgendwann das macht, weil es eben so ist. „Ist jetzt so!“, „Weil ich es sage.“… wie oft hört man so etwas aus dem Mund eines Erwachsenen. Wenn etwas nicht geht, möchte ich ihr erklären warum es nicht geht. Denn so ist es leider auch: sie wird nicht daheim bleiben können, wenn sie gerade nicht in die Kita möchte. Da Papa und Mama arbeiten. Wenn ich aber daheim bin, wird sie immer die Möglichkeit haben selbst zu entscheiden, ob sie bei mir bleibt oder ob sie in die Kita geht. Und das auch noch an der Kitatür. Ich möchte sie und ihre Gefühle/Meinung respektieren und wertschätzen. Noch ist sie klein… da ist das natürlich noch gar kein Thema. Wobei ich auch jetzt schon nicht auf mein „Erwachsenenrecht“ bestehe, nur weil ich gerade etwas will und konsequent sein will. So ein Quatsch.
    Konsequenz ist aber, das hast du auch geschrieben, richtig, wenn man Werte etc. vorlebt und vermittelt. Ich kann nicht aus der Essenssituation verschwinden, wenn ich meinem Kind etwas anderes predige. Nur weil ich erwachsen bin, habe ich noch lange keinen Freischein für alles.
    Leider ist es aber auch so, dass immer früher erwartet wird, dass Kinder funktionieren. Von anderen (Institutionen). Deswegen hat sich diese Konsequent-um-jeden-Preis-Sache auch so durchgesetzt, kann ich mir vorstellen. Ich sehe das aber eher als Mini-Machtkampf zwischen Kind und Erwachsenen. Und das mag ich einfach nicht!

  8. Heutzutage werden den Kindern viel zu viele entscheidungen überlassen! Das sind Kinder die brauchen einen roten Faden und die WOLLEN garnicht das man alles mit Ihnen bespricht geschweige denn Ihnen überlässt. Das Verunsichert sie nur.
    Ich weiss wovon ich spreche, bin vom Fach. Und kann guten gewissens Sagen das die Kinder mit denen nicht alles ausdiskutiert wird und jene die nicht alle entscheidungen selber treffen wesentlich sicherer und ausgelassener sind als manch andere.

    Wenn ich sage, es ist kalt draussen es wird eine Jacke angezogen dann ist das so! Dann gehe ich NICHT das Risiko ein das Kind es selbst ausprobieren zulassen und dann eine Erkältung zu kassieren.

    Schade das viele heute vergessen das Erwachsene und Kinder nicht auf einer Stufe stehen müssen.

    1. Liebe Sarah, da gebe ich Dir Recht. Kinder brauchen ganz dringend Erwachsene, die ihnen in dieser großen unbekannten Welt einen Rahmen spannen. Das gibt ihnen Sicherheit. Wenn wir Eltern rumeiern, dann tun es die Kinder auch und sie sind von zu vielen Möglichkeiten überfordert. Trotzdem müssen wir aufpassen, dass wir unsere „Macht“ nicht überspannen. Natürlich braucht das Kind bei kaltem Wetter eine Jacke, da gibt es nichts zu diskutieren. Aber wir müssen den Kindern da wo es möglich ist auch einen eigenen Kopf zugestehen. Was ich mit meinem Post ausdrücken wollte ist: Konsequenz ist kein Mantra! Manchmal müssen wir die kleinen Trotzköpfe zu ihrem eigenen Schutz überstimmen und da gibt es dann auch nichts zu diskutieren. Es gibt aber Situationen, in denen kann man ruhig auch mal diskutieren. Mein Sohn hat schon richtige Verhandlungsfähigkeiten („Wenn ich mein Brot aufgegessen habe, DANN darf ich aber Schokolade essen, ja Mama?“). Und manchmal muss man sich auch fragen:“Warum eigentlich nicht?“ SO eine Situation war das gestern in der Kita.
      LG Mia

  9. Aber ist es nicht so, dass man bei jedem Kommentar versucht ist, zu nicken? Egal wie widersprüchlich?
    DAS macht es meiner Meinung nach nämlich aus. Es gibt die eine Wahrheit nicht. Und jeder Gedanke und Ansatz dazu hat seine Berechtigung. Selbst die Uroma, die nie diskutiert hat, sondern lieber prügelte, hatte ihre Gedanken dazu. Ich meine nicht, wir sollen prügeln, sondern ich meine, dass es 1000 Gedanke dazu gibt. Wenn man immer darüber nachdenkt, kommt man wohl zu nichts mehr. Man kann immer nur versuchen, das Beste zu geben 🙂

    1. Ja, das ist so. Das liegt ja auch daran, dass wir alle nur das Beste für unsere Kinder wollen. Wir wollen es RICHTIG machen, und wir haben jeder unsere eigene Vorstellung, was wohl richtig ist. Es gibt halt kein Patentrezept für die einzig wahre Erziehung. Wenn wir alle unser Bestes versuchen, wird es schon nicht so sehr schiefgehen können, oder?
      Liebste Grüße
      Mia

  10. Ich habe z.T. den Eindruck, dass wir hier in dem landet, was im Englischen „Over-thinking“ genannt wird—mehr Gedanken als was notwendig ist oder über einigen Dingern, die man nicht unbedingt bedenken muss.
    Vieles oben soll man durchaus bedenken und bei dem meisten habe ich keine Einwände, aber es wird vielleicht zu weit getrieben. Als konkretes Beispiel: Der Anruf des Kindes. Hier über gut/schlecht, recht/unrecht, …, nachzudenken, ist eher sinnvoll, wenn es klar ist, dass der Junge hierzu einträglich eingeredet, geschweige denn gezwungen, wurde. Von der Erzählung, aber, kann es völlig andere Gründe gegeben haben, etwa dass er selbst mitbekommen hatte, dass die Mama sich sorgen machte und sie selbst beruhigen wollte. Auch einer Aufforderung durch das Personal könnte sich auf etwas harmloses, wie „Die Mama macht sich sorgen, wollen wir anrufen?“, beschränken. Manchmal ist es besser mit den Schultern zu Zucken und eine Sache vergessen.

    Dass eine Mutter meint, es gab einen Anruf zu viel, hätte ich allerdings bei meiner eigenen Mutter sehr geschätzt 🙂

  11. Hallo Ihr Lieben,

    ich finde es unheimlich spannend, wie unterschiedlich doch die Ansichten sind. Als ich mit meinem Kind schwanger war, habe ich mir vorgenommen, streng zu sein und mich genauestens an das zu halten, was meine Grundsätze sind. Mittlerweile ist der Kleine schon ein Jahr alt und ich muss einfach sagen, dass ich meinen Vorsatz bis heute keineswegs zu 100 Prozent umgesetzt habe. Auch ich habe mir gerade in den letzten Wochen oft die Frage gestellt, wie viel Konsequenz letzten Endes sinnvoll ist. Ich muss zugeben, dass ich einfach keine klare Antwort finde. Seit wenigen Tagen geht mein kleiner Spatz nun in die Krippe. Nun ja , was soll ich sagen; Die Eingewöhnung ist schwierig. Zudem bemerke ich zunehmend, dass ein Kind in dieser Gesellschaft offenbar einfach nicht mehr individuell sein kann.
    So finden es die Erzieherinnen beispielsweise schlimm, dass der Kleine nicht gemeinsam mit den Anderen Apfelsaft trinkt und Melone ist. Er ist 1 Jahr und drei Monate alt und mag einfach keinen Saft, Doch weil offenbar 98 Prozent der Kinder Apfelsaft toll finden, muss er ihn eben auch trinken. Die Diskussionen und Debatten waren groß.
    Warum darf ein Kind heute nicht gewisse Sachen ablehnen? Auch wenn er noch so klein ist, hat er doch ein Recht drauf, Dinge einfach nicht zu mögen. Immerhin mag auch nicht jeder Erwachsene Saft. Ich finde es schon wichtig, dass ein Kind hin und wieder, auch wenn es noch so klein ist, die Möglichkeit bekommt, selbst zu entscheiden, Oder liege ich da so falsch?
    LG Dima

    1. Das finde ich ja total seltsam Dima.
      Also in unserer Kita würde man nie vorschreiben, was mein Kind isst, das entscheide da nämlich letztenendes ich.
      Ich würde gar nicht wollen, dass Marius Saft trinkt, er trinkt nur Wasser und das finde ich super, er muss gar nicht daran gewöhnt werden Saft zu trinken finde ich. Im Grude ist das nur Zucker und gar nicht gesund.
      Marius entscheidet inzwischen ganz oft selber, was er isst und was nicht. Er ist 2 Jahre und hat eh ne schwere Phase, was er isst und was nicht, ihn kann man kaum zwingen, was er essen soll oder nicht.
      Ich finde als Eltern muss man schon irgendwie schauen,dass das Kind in der Hauptsache gesund ernährt wird und nicht zu viel Süßkram isst. Aber ansonsten soll ein Kind selber entscheiden können, was es essen mag und was nicht. Zum Essen zwingen finde ich keinen guten Ansatz, die Kinder lernen ja erst essen und trinken und da muss man schon sehen, dass sie nicht gleich schon ein seltsames Verhältnis zum Essen an sich bekommen (also so Sachen, wie Teller leer essen und das musst Du nun essen, ob Du es magst oder nicht usw.) Die Kinder sollen mit Essen das verbinden, was es auch sein sollte, Genuß und nicht irgendeine Art von Zwang damit verbinden.

  12. Liebe Mia,

    ich mag Jesper Juul auch sehr gerne und ich lese mit Begeisterung Deinen blog.
    Aber ich finde auch, dass man Kinder nicht immer bei allem alleine entscheiden lassen sollte/ darf. Denn auch das müssen sie lernen, dass andere Entscheidungen treffen, die ihnen nicht gefallen, die sie aber betreffen. Wenn Du nun arbeiten würdest im Moment, hätte er das auch nicht alleine entscheiden dürfen, dann hätte er gehen müssen, diesen Unterschied kann aber glaube ich ein Kind von 2,5 noch gar nicht verstehen, dass es im Moment nicht zur Kita müsste (streng genommen). Mein Sohn ist 26 Monate derzeit und ich bin alleinerziehend und gehe voll arbeiten, da er an den Wochenenden abwechselnd bei seinem Papa und mir ist, kenne ich dieses „schlechte Gewissen“ dem Kind gegenüber auch, wenn auch aus anderen Gründen, aber man denkt oft nach, ob man hier oder da „weicher“ sein soll, weil das Kind ja auch einstecken muss, wegen der Situation drumherum.
    Was ich aber kürzlich mal gelesen habe, dass es für Geschwisterkinder gerade eine fantastische Sache auf ihrem Weg zum Erwachsen werden ist, dass sie eben durch die Geschwister oft einstecken müssen, teilen (auch die Eltern) lernen usw. das macht diese Menschen gerade zu sozialen, emphatischen Persönlichkeiten. Heißt nicht,dass Einzelkinder das nicht auch werden können. Also sieh es doch gerade als Chance für den Maxi, dass er schon ganz früh lernt mit dieser Situation umzugehen, dass er Mamas und Papas Zeit mit Mini teilen muss, er hatte immerin ganz lange Zeit Mama und Papa für sich alleine, was Mini nie haben wird.

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