Was tut man nicht alles?

Früher stand mein Leben unter dem Motto: „Man gönnt sich ja sonst nichts“! Ein prima Satz, mit dem auf den Lippen ich mir eigentlich ALLES gönnte!

Heute lautet die Überschrift eher: „Was tut man nicht alles für die Kinder?“ Dieses Motto ist von Gönnen so weit entfernt wie mein Beckenboden von seinem vorgeburtlichen Zustand, birgt aber neben mütterlicher Aufopferung auch die ein oder andere positive Überraschung.

Als mein Sohn am Samstagabend verkündete, er würde heute im großen Bett, also in meinem, schlafen, seufzte ich also innerlich mal wieder: Was tuuut man nicht alles? Laut sagte ich: „Au ja, Mäuschen, das machen wir!“

Die Suppe hatte ich mir schließlich selber eingebrockt, als ich vor Mutterliebe vergehend vor ein paar Tagen genau diesen Vorschlag gemacht hatte, weil der Sohn ja sonst leider seit der Geburt des Babysohns nur noch auf den Papa fixiert ist.

Halb hoffte ich es, halb fürchtete ich es, aber nein, er hat es nicht vergessen. Und so zog der Sohn mit strahlenden Augen, seinem Musikwauwau und seinem Traumkissen ins Schlafzimmer ein. Ein kleines, braungebranntes Menschlein, schwer bepackt auf sommerlich nackten Kinderbeinchen. Allein das- ein Anblick für die Götter! Ach Kind, ich lieb Dich so!

Mein Übernachtungsgast begann seinen Besuch mit einer Diskussion über den ihm zugedachten Schlafplatz. Er wollte im Baby Bay schlafen. Ich lehnte das ab und schon ging die Knatscherei los. Die Stimmung drohte zu kippen, schon verfluchte ich diese Nacht, aber schließlich konnte ich ihn doch überzeugen, dass es im großen Bett viel schöner sei, und der Platz neben mir sowieso der gemütlichste von allen, weil? Genau: Papas Platz (der schläft wegen Baby gerade im Gästezimmer)!

Mein Plan war, dass der Sohn zur gewohnten Schlafenszeit um 20:00 Uhr zunächst alleine einschläft, während ich zu meiner und Babys gewohnten Schlafenszeit um 23:30 Uhr nachkomme. Eigentlich klar, dass der Sohn einen anderen Plan hatte. Er wollte mich nicht gehen lassen. Da das Ganze ja als gemeinsames Mutter-Sohn-Event geplant war, konnte ich ihm natürlich keinen Wunsch abschlagen.

Wir lasen drei Mal den Maulwurf Grabowski und drei Mal „Alle Tiere im Wald freuen sich auf Weihnachten“. Das wollte ich längst versteckt haben und frühestens im November wieder rausholen- mache ich morgen, echt jetzt! Als der Sohn rief: „Und jetzt DAS hier“, und dabei schon wieder den Maulwurf Grabowski hochhielt, als hätte er das Buch noch nie zuvor gesehen, erklärte ich die Vorlesestunde für beendet und schlug vor, nun zu schlafen.

Es blieb dabei: Der Sohn wollte, dass ich ebenfalls sofort ins Bett käme. Nach kurzem Überlegen fand ich die Idee eigentlich ganz gut. Ich stillte den Babysohn noch einmal und trug dem Gatten auf, ihn mir einfach gegen 23 Uhr ins Schlafzimmer zu bringen. Dann legte ich mich zum Großen und freute mich auf zusätzliche Stunden Schlaf.

Ich musste noch viele Geschichten erzählen, Fragen beantworten und Ermahnungen aussprechen:“Jetzt wird aber geschlafen!“

Erst gegen 22 Uhr wurde der Sohn merklich müde und ruhiger. Mir waren die Augen schon lange schwer. Ich kuschelte mich an mein Söhnchen, hielt sein Händchen, schnupperte an ihm und war im Mutterhimmel! Im Einschlafen beschloss ich glücklich, nun jedes Wochenende gemeinsam in meinem Bett zu schlafen. Und mitten in diese herrliche Stille tönt die hellwache Stimme des Sohnes: „JETZT möchte ich in Papas Bett!“

Ich habe alles versucht, aber erfolglos. Das Ende des Abends war, dass der Sohn bei seinem Vater im Bett schlief. Der schläft aktuell auf 120cm im Gästezimmer. Wir hätten natürlich auch alle vier auf 160cm im Elternbett schlafen können, aber den Vorschlag habe ich lieber nicht gemacht, weil mein Mann ja so schnarcht und es mir schon reicht, dass ich wegen dem Babysohn nachts geweckt werde. Und dann noch der Große in unserer Mitte…nein danke, dafür bin ich einfach zu müde!

Der Sohn war am nächsten Morgen total begeistert. Ich liebe es, wenn ihn etwas so glücklich macht und er ganz aufgeregt von seinen tollen Erlebnissen erzählt. Ein bißchen versetzte es mir aber wieder einen Stich, denn eigentlich sollte es ja ein Mama-Sohn-Event sein, und nun war doch wieder der Papa der große Held, und wieder hatten Papa und Sohn die Nähe genossen, nach der ich mich seit der Geburt des Babysohns so sehne.

Ich war allerdings ähnlich begeistert wie der Sohn, da ich am Sonntagmorgen bis 9:00 Uhr geschlafen habe (natürlich mit zwei Still-Unterbrechungen, aber trotzdem!). Normalerweise kommt der Große nämlich morgens gegen 7:00 Uhr in mein Schlafzimmer und der Papa schläft im Gästezimmer unterm Dach weiter. Auch wenn der Babysohn nach dem Stillen gegen 6:00 Uhr immer nochmal einschläft- für mich ist die Nacht beendet, wenn der Große aufwacht. Nun wachte der Sohn also glücklich neben Papa auf und ich konnte weiterschlafen.

Nur der Papa, der hat leider nicht so gut geschlafen. Aber was tut man nicht alles…?

Eure Mia

3 Gedanken zu “Was tut man nicht alles?

  1. Hihihi… ich liebe die Cleverness von Eurem Mäxchen!!

    Die Mama darf sich abschuften und den Entertainer spielen und der Papa kassiert die Lorbeeren, prima! Der Plan ging ja mal richtig schön auf :o))

    Wenn Du schreibst, ist das immer ein bisschen wie Kino!! Ich liebe Deinen Schreibstil!

    Ganz liebe Grüße
    Katharina

  2. Irgendwie kenne ich die Situation. Obwohl man als Mama eigentlich alles macht, um es den kleinen Mäusen recht zu machen, ist Papa doch in vielen Fällen der Held schlechthin. Bei mir ist das ehrlich gesagt nicht anders. Auch unser Räuber hat Phasen, in denen nichts über seinen Papa geht. Davor hatte schon die Hebamme gewarnt. Natürlich weiß ich, dass das ganz normal ist. Hin und wieder macht es mich aber schon sehr traurig oder ich bin zumindest enttäuscht. Geht euch das ähnlich?

  3. Jaaa, ganz super! Genau solche Situationen kenne ich auch, nur das meine Kleine dann nicht zum Papa möchte, sondern nach der Bespaßung, extra viel Bücher angucken dann doch lieber ins eigene Bett möchte! Bei Mama und Papa schlafen findet sie im Moment nämlich doof. Mal schauen, ob sich das ändert, wenn das Baby da ist?!? Dein Kleiner ist ein ganz schön schlauer und Deine Gefühle kann ich super nachvollziehen, man liebt sie (trotzdem) einfach ganz ganz arg!

    Bis bald, Tanja

    Ps.Ich kann leider nicht bei FB liken, aber ich bleibe so auf dem Laufenden bei Dir. Finde es nämlich auch ganz klasse hier;-)

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