Riesenschreck und Film im Kopf

Ich habe nicht gut geschlafen. Schuld ist nicht einmal der kleine Sohn, der lässt mich nachts inzwischen auch mal drei Stunden am Stück schlafen (selten, aber ist schon vorgekommen).
Ich konnte nicht schlafen, weil ich mal wieder so einen sorgenvollen Mami-Film geschoben habe. Zu meiner Verteidigung darf ich sagen, dass diese Sorgen nicht aus dem Nichts kamen, sondern einen Auslöser hatten:
 
Es gab hier einen Unfall.
Wir haben unseren Garten in einen Spielplatz verwandelt und einen riesigen Kletterturm samt Rutsche und zwei Schaukeln aufgebautt. Der große Sohn soll sich richtig austoben können und sich nicht langweilen müssen, während Mama stillt und wickelt und stillt und…
Der Plan ist prima aufgegangen. Der Große ist begeistert, ebenso Freunde und Nachbarskinder. Die Investition hat sich gelohnt.
Gestern dann der Schreckmoment: Der Große klettert die Leiter zum Kletterturm hoch, ist schon fast oben und erzählt dabei eifrig etwas. Da er meist mit Händen und Füßen redet, reisst er plötzlich die Arme nach oben, lässt also los und fällt. Ich habe das wie in Zeitlupe gesehen. Er ist aus einer ordentlichen Höhe direkt auf den Rücken gefallen. 
Ich habe mich zu Tode erschrocken, war in Bruchteilen von Sekunden bei ihm. Natürlich habe ich total falsch reagiert und ihn erstmnal an mich gerissen. Der Sohn hat geschrien und geschrien, und ich hätte am Liebsten mitgeweint, aber als Mutter muss man sich ja zusammenreissen, um sein Kind nicht noch mehr zu erschrecken.
Schnell war klar, dass sich der Sohn nicht wirklich verletzt hatte. Wenige Minuten später spielte er weiter; wild wie vorher, als sei nichts passiert. Ich war erstmal erleichtert.
 
Der Schock saß bei mir allerdings tief. Den restlichen Tag über musste ich das Bild vom Sturz aus meinem Kopf immer wieder verdrängen.
Abends im Bett allerdings, als langsam Ruhe einkehrte und es dunkel war, da kamen mir die schlimmsten Gedanken.
Was hätte alles passieren können. Er hätte sich nicht nur Arm oder Bein brechen können, sondern auch das Genick. Oder den Rücken so schlimm verletzen, dass er nicht mehr laufen kann.
 
Nachts ist immer alles schlimmer. Mütterliche Sorgen können in der Dunkelheit zu riesigen Ungeheuern werden.
Ich bin mehrfach aufgestanden und in das Zimmer meines schlafenden Großen gegangen, um zu schauen, ob es ihm gut geht. Hat er sich vielleicht im Bett übergeben und doch eine Gehirnerschütterung?
 
Und dann stehst Du da, am Bett Deines Kindes, hast die Angst noch im Nacken und spürst plötzlich wieder, wie groß Dein Glück ist. Und wie zerbrechlich.
 
Nach so einer Nacht starte ich sehr sensibel in den neuen Tag. Ich umarme den Großen ein bißchen länger und fester als sonst. Betrachte den Kleinen noch ein bißchen ehrfürchtiger als sonst.
 
Der Große ist mit seinem Papa heute morgen fröhlich und offensichtlich unversehrt vom gestrigen Sturz davonspaziert in Richtung Kita. Dort gibt es auch so einen Kletterturm. Ich kann nur hoffen, dass ihm nie etwas passiert!
 
Knutscht Eure Kinder. Seid froh und dankbar, dass sie bei Euch sind und habt einen guten Wochenstart!
 
Eure Mia

7 Gedanken zu “Riesenschreck und Film im Kopf

  1. Oh ich kann dich so gut verstehen.Drücke Dich mal ganz doll aus der Ferne.Zoe-Sophie hat leider schon einige solche Stürze etc hinter sich.Sie ist leider komplett Angstbefreit hab ich manchmal das Gefühl.SPringt von Klettergerüsten, vom Beckenrand im Schwimmbad, Purzelbaum vom Sofa….Unfassbar dieses Kind. Und das mit zwei!!!Ohman….Drück dich und wünsche dir einen entspannten Tag!!!!!!!

  2. Huhu, oh das kenne ich nur zu gut…Püppilotta ist vor kurzem aus dem Buggy gestürzt, weil sie es irgendwie geschafft hat sich abzuschnallen und so stolz war, dass sie aufgesprungen ist.Es gab eine Nacht im Krankenhaus, weil die von der Gehirnerschütterung am Brechen war:( Was hab ich mir für Vorwürfe gemacht, irgendwie muss ich ja wohl den Gurt falsch festgemacht haben…Und nachts ist es immer sehr grausam, da hilft nur eines: Raus aus dem Bett, Tee trinken und ein Hörbuch an:)LGMira

  3. Liebe Mia,ich bin sehr erleichtert zu lesen, dass nichts schlimmes passiert ist. Ich kann Dir da sehr gut nachempfinden und kenne auch diese nächtlichen Ungeheuer nur zu gut. Gerade erst mit Vincents Schnittwunden an der Hand oder am Samstag, da ist ein Albtraum wahr geworden und Sonea hatte irgendwie den Finger dazwischen als die Nachbarin die schwere Haustür aufgehalten hat. Ich war oben in der Wohnung. René hat erst einmal gebraucht die Tür wieder aufzuschließen und Sonea zu befreien. Und ich habe Sonea schreien gehört und an ihrem Schreien gehört, dass etwas Schlimmes passiert sein muss. Ein ganz furchtbares Gefühl war das nicht direkt bei ihr sein zu können, nicht zu wissen was los ist.Aber wir scheinen Glück zu haben, der Finger ist noch dran, der Nagel auch. Alles was bleibt, ist der Schreck und der fiese sorgenvolle Beigeschmack. Ganz liebe GrüßeKatharina

  4. Hallo Mia,hatte gerade Tränen in den Augen. Kenne dieses Gefühl nur zu gut. Auch bei uns ist mal ein Unfall passiert. Zwei Wochen alt war da unser Sohn, noch so klein…Über unser Wickelkommode hing ein kleines Regal mit Türchen, noch von der Kindheit meines Partners. Mein Sohn hatte die ganze Nacht Kolliken und ich wollte ihm Bauchöl einmassieren. Habe ihn mit einer Hand gehalten und mit einer Hand wollte ich das Türchen öffnen. Und genau in diesem Moment brach das Scharnier von der Wand und das ganze Regal flog meinem Sohn auf den Kopf. Ich nahm es sofort weg und er brüllte wie am Spiess. Mein Partner kam angelaufen und ich stand nur da und schrie. Ich war wie unter Schock. Er nahm dann unseren Sohn und sagte zu mir: Claudia, atme, bewege dich. Und erst da, konnte ich mich wieder bewegen, aber voller Panik. Wir haben sofort den kleinen in ein Tragetuch gepackt und sind in die Kinderklinik gelaufen (zum Glück bei uns um die Ecke). Dort wurde er sofort untersucht und wir mussten zur Überwachung und für den Ultraschall über Nacht bleiben. Ich weiss es noch gut, dieses Gefühl. Ich habe nur geweint, mein kleiner Mann schon in der zweiten Woche im Spital, Ultraschall, all die Geräte, Monitore. Zum Glück ging es ihm prima, nix gebrochen, keine Blutung. Einen guten Schutzengel hat er! Aber ich lag die ganze Nacht mit ihm im Krankenhausbett (das Gitterbett habe ich abgelehnt da ich nur schon beim Anblick einen grossen Kloss im Hals hatte) und konnte nicht schlafen. Denn in meinem Inneren lief immer dieser Film ab, was alles hätte passieren können. Schädelbruch, Genickbruch…bis hin zum Tod. Man möchte es fast nicht zu Ende denken, so schockiert es einem. Und ich fühlte mich als sooooo schlechte Mutter. Es war fast nicht zum aushalten, dieses Gefühl ihn 9 Monate im Bauch gehabt zu haben und dann sollte es mit so einem doofen Umfall fertig sein….noch heute darf ich nicht zu fest daran denken, sonst werde ich ganz unruhig.Aber so ist es wohl mit Kindern und es werden (hoffentlich nicht viele) Situationen kommen, wo man merkt, wie schnell alles vergänglich ist. Daher: du hast recht, viel knuddeln, einen Moment innehalten und einfach geniessen und schätzen. Machen wir viel zu wenig in unserem Alltag.Von daher wünsche ich dir ganz viele innige Momente, ganz viel Vertrauen und ganz viele Schutzengel die ihre Flügel über sie ausbreiten.Ui…wurde ganz schön lang….Liebe GrüsseClaudia

  5. ich versteh dich totaaaaal gut! Was mir immer wieder das Herz in die Hose rutscht! Vor ein paar Tagen musste ich ihr ein Stück Salatgurke hinten aus dem Mund, schon fast Hals kratzen. Da hätte ich im Nachhinein auch besser kopfüber etwas auf den Rücken geklopft, ich hätte es ja mit dem Finger noch weiter reindrücken können! Schrecklassnach…Wir können nur täglich den Schutzengeln danken!

  6. Hallo liebe Mia,da bin ich ja ganz froh zu lesen, dass dem Sohnemann nichts passiert ist.Das mit den Schockmomenten kann ich nur bestätigen. Und ja, nachts ist es wirklich immer am Schlimmsten!Ich hoffe, du wirst den Schreck ganz bald los!Fühl Dich gedrücktLisa

  7. OMG, armer M. und ich kann mir echt vorstellen wie krass das für dich war.Es hätte auch echt mit Verletzungen oder what ever enden können. Aber das schlimme ist eben auch, dass man nur genau durch solche Erfahrungen lernt und dein Sohn daraus nun sicher auch Erfahrungen zieht….

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