Heiter- bis- wolkig- Mittwoch: Ich hab Liebeskummer

Vielleicht lag es an den sogenannten Heultagen. Vielleicht war es die Müdigkeit nach der nächtlichen Geburt. Vielleicht war es aber auch das, wonach es sich angefühlt hat: Liebeskummer.
 
In den ersten Tagen, als ich noch im Krankenhaus war, habe ich meinen Großen so sehr vermisst. Ich habe mir von meinem Mann Fotos ohne Ende schicken lassen. Sehnsüchtig habe ich jeden Tag darauf gewartet, dass die beiden mich am Nachmittag nach der Kita besuchen kommen. Wenn sie dann endlich da waren, war der Große aber immer eher abweisend zu mir. Er wollte nicht zu mir ins Bett klettern und hat mich auch sonst wenig beachtet. Zum Glück war das mit seinem kleinen Bruder anders. Den hat er von Anfang an geliebt. Auch die Zeit alleine zu Hause mit seinem Papa hat er sichtlich genossen. Nur ich fühlte mich irgendwie ausgeschlossen, abgemeldet und habe das so schmerzlich empfunden, als würde ich unter Liebeskummer leiden.
 
Darauf war ich wirklich nicht vorbereitet. Erstaunlich eigentlich, denn es gibt um mich herum genügend Leute mit zwei oder mehr Kindern, die mir das hätten erzählen können. Aber irgendwie reden die Wissenden nie. Beim ersten Kind bin ich total unvorbereitet in diese Horror-Nächte geschlittert. Niemand hatte auch nur angedeutet, was auf mich zu kommt. Und jetzt hat mir eben niemand erzählt, dass ich meinen Großen so sehr vermissen werde. Das wiederum macht mir Hoffnung: Vielleicht reden die Wissenden ja nicht, weil sie es schon wieder vergessen haben. Das ist wie mit den Geburtswehen: Wenn sie erstmal vorbei sind, ist es gar nicht sooo schlimm gewesen. Vielleicht habe ich das Thema ja in ein paar Wochen vergessen…?
 Das Liebeskummer-Gefühl ist inzwischen verschwunden. Ganz so schlimm ist es nicht mehr. Trotzdem denke ich mir oft abends, wenn er im Bett ist, dass ich  viel zu wenig von ihm gehabt habe, ihn viel zu wenig umarmt und abgeknutscht habe.
Ich vermisse die Nachmittage, an denen nur mein Großer und ich gemeinsam erst getobt haben, etwas unternommen haben, später, wenn er müde wurde gemeinsam auf dem Sofa kuschelnd Bücher gelesen haben, um uns anschließend beim Abendessen gegenüber zu sitzen und ein bißchen Blödsinn zu machen, bevor ich ihn ins Bett gebracht habe, und sein kleines Händchen haltend oft neben ihm eingeschlafen bin.
Ja, die Symbiose zwischen mir und meinem Großen ist durch die Geburt von Kind Nr. 2 ein ganzes Stück aufgeweicht, und das macht mich traurig. Dumm von mir? Vielleicht. Es ist ja häufig so, dass wir den guten alten Zeiten hinterhertrauern und gar nicht merken, dass wir uns den Blick für etwas Neues dadurch verstellen. Und das Neue ist zwar anders, aber nicht schlechter.
So habe ich die Zweisamkeit mit meinem Großen nicht ersatzlos verloren, sondern gegen eine gigantische Horizonterweiterung „eingetauscht“:
Ich habe ein Baby bekommen. Ich bin jetzt eine zweifache Mutter. Wir Sommers sind jetzt vier! Das ist so toll! Das findet auch der Große. Von Eifersucht in dem Sinne zum Glück keine Spur. Er lässt seinen Frust allein an mir aus, aber das ist ein Thema für einen eigenen Post…
Gestern haben wir im Garten ein Picknick gemacht und beide Brüder fanden es super. Das hat mehr Spaß gemacht, als Picknick zu zweit. 
 Und eine ganz großes neues Gefühl hat sich an dem Tag eingestellt, an dem der Große mich zum ersten Mal im Krankenhaus besucht hat: Stolz! Mir war gar nicht klar, wie stolz ich auf meinen Großen bin. Er ist so süß, so schlau, so liebevoll, höflich, mitfühlend, lustig, schön- ich hab ihn dauernd angesehen und bin vor Stolz fast geplatzt. Da ihm im Krankenzimmer schnell langweilig wurde, hat er auf dem Flur lieber mit den Schwestern geflirtet, die ihn fast geklaut hätten. Tage später sind mein Mann und der Große nochmal ins Krankenhaus gefahren, weil ich mein Ladegerät dort hatte liegen lassen. Die Schwestern haben sich so gefreut und kamen von überall angelaufen: „M. ist da!“
So ein toller Kerl ist aus unserem Großen schon geworden, ich muss einiges richtig gemacht haben.
 
Die Geburt von Nr. 2 hat mir also eine neue Dimension von Liebe zu meinem Großen beschert, weil ich ihn jetzt anders sehe, nicht mehr als mein Baby, sondern eher als mein großes Baby. Das minimiert den Liebeskummer. Das, und seine Trotzanfälle…!
 
Eure Mia

z

1 Kommentare

  1. Madame Missou

    Hi Mia,
    das hört sich nicht so einfach an…
    Vielleicht hilft dir ein kleiner Mini-Ratgeber zum Thema Liebeskummer, wobei es darin eher um doofer Männer (Partner) als um Kinder geht… Mein eBook gibt es von heute bis Sonntag umsonst bei Amazon zum Download: http://www.amazon.de/dp/B00E3CD8V4
    Vielleicht hast du ja mal Lust und Zeit reinzuschauen…
    Liebe Grüße,
    Madame Missou

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