Ankommen, Kaffee bestellen, Brüste auspacken- meine Stillphobie und ich

„Kann ich auch mal daran saugen?“ Mein Großer springt ins Bett, während ich den Kleinen stille und strahlt mich an. Das hat er schon oft gefragt, eigentlich fast jedesmal, wenn er mich beim Stillen sieht. Irgendwie fasziniert ihn das. 
 
Kennt man ja selber. Man sitzt irgendwo im Cafe, ein Baby schreit, man schaut hin und sieht genau in dem Moment, wie die Mutter ihre Brust auspackt. Huch, das wollte ich gar nicht, aber jetzt hab ich Deine Brust gesehen. Schöne Brustwarzen (oder auch nicht)!
 
Ihr merkt: Ich bin nach wie vor Still-Phobikerin. Ich hasse es einfach, in der Öffentlichkeit zu stillen. Ich weiß selber gar nicht so genau, warum. Ich finde, ich habe fabelhafte Brüste. Ich mag die. Muss man wahrlich nicht verstecken. Diese Brüste dürfen sich ruhig am Strand oben ohne zeigen, aber sie beim Stillen der Welt zu präsentieren- nee. Nee! Irgendwie nicht!
 
Jetzt kommt man ja klamottenmäßig nach der Schwangerschaft vom Regen in die Traufe! Man braucht Oberteile, aus denen man zum Stillen diskret hinausschlüpfen kann. Und wenn sie dann noch schön aussähen, wäre man nicht böse, aber man gibt sich ja mit wenig zufrieden. Da ich bislang keine schönen Stilloberteile gefunden habe, habe ich auch keine gekauft. Zu Hause fragt mich ja nur der Sohn, ob er mal saugen darf, ansonsten sind wir schließlich unter uns. Das Thema Stilloberteile und Stillen in der Öffentlichkeit war daher bislang keines.
 
Bis Mittwoch. Da sind mein Mann und ich zum Frühstück in unser Lieblingscafe gegangen, eine liebgewonnene Tradition in jedem Urlaub. Zwischen meinem Milchkaffee und dem ersten Brötchen fängt der Kleine an zu schreien. Mist, der hat ja Hunger. Oh Mist, dann muss ich den jetzt hier stillen! Ooooh Mist!!! Ich hab kein Stilloberteil an!!
Der Sohn wurde langsam lauter und ich nervöser. Wenn wir jetzt sofort zahlen, schaffen wir es vielleicht noch bis nach Hause, dachte ich erst, aber mein Sohn hielt das scheinbar für keine Option und zog die Lautstärke langsam aber nachdrücklich an. Mir wurde klar, dass ich hier nicht nur meine Brüste auspacken müsste, sondern, und das war noch viel schlimmer, auch meinen Bauch würde präsentieren müssen. Meinen Bauch, in dem noch vor drei Wochen ein Baby war, und der noch nicht ganz mitbekommen hat, dass das Baby jetzt raus ist und dass deshalb nicht mehr ganz so viel Bauchvolumen benötigt wird.
Was für ein Anblick. Die Leute wollen doch essen.
Ich habe mich schließlich mit Spucktüchern und der Kuscheldecke vom Sohn bedeckt. Die Leute an den Nachbartischen haben alle weitergegessen, also war es scheinbar nicht so schlimm (ich sag ja, meine Brüste sind nicht übel). Es hat auch keiner gefragt, ob er mal saugen darf. Ich hab das Frühstück trotzdem nicht so genossen, wie sonst.
Heute morgen hab ich meinen Mann am Rechner erwischt. Ich hab sofort losgeschimpft, er müsse ja wohl jetzt nicht an seinem letzten Urlaubstag schon wieder anfangen zu arbeiten. Und er: „Ich arbeite nicht. Ich google nach Stilloberteilen!“
Ups…
Eure Mia

Ein Gedanke zu “Ankommen, Kaffee bestellen, Brüste auspacken- meine Stillphobie und ich

  1. Liebe Mia,
    der beste Tip meiner Hebamme grade jetzt im Winter: Lockeres Longsleeve und drunter ein elastisches Unterhemd, dass man etwas nach unten ziehen kann, fertig ist die beste Stillkombi. Unterhemd schützt den Bauch und Longsleeve wird nach oben geklappt. Der Babykopf verdeckt den Rest. LG

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