Elternzeit für meinen Mann

„Liiieebster, machst Du dieses Mal auch Elternzeit?“
„Aber die brauchen mich doch in der Firma, Mia.“

„Das weiß ich doch. Du bist ein wunderbarer Chef für etwa 80 Mitarbeiter Deiner Abteilung und ich weiß aus unseren Urlauben, dass sie in der Tat selten lange ohne Dich auskommen. Aber Du machst ja auch immer am liebsten alles selber und sagst den Mitarbeitern: „Geht Ihr mal nach Hause, ich mach das schon!“ Du wärst doch gar nicht aus der Welt. Noch nichteinmal ans Haus gefesselt. Wenn die Firma unterzugehen droht, fährst Du eben mal kurz hin.“

„Aber das ist doch auch viel zu teuer, Mia.“
„Na gut, mein Gehalt bricht nach dem Mutterschutz ziemlich weg. Aber ich habe ja nicht ohne Grund im letzten Jahr 30 Stunden pro Woche gearbeitet, jetzt lohnt sich das Elterngeld doch wieder. Dass bei Dir die Einbußen wegen der Deckelung etwas größer sind, ist blöd, aber das stecken wir doch weg.“

„Aber wir haben doch ein Haus abzubezahlen.“
„Ja wir nagen doch nicht plötzlich am Hungertuch, bloß weil Du mal ein bißchen weniger Kohle mit nach Hause bringst. Komm, nur einen Monat.“

„Aber Mia, ich bin Leitender Angestellter. Wenn ich denen mit Elternzeit komme, nicht mich keiner mehr ernst. Und danach darf ich mir einen weniger anspruchsvollen Job suchen, weil die mich für ein Weichei halten.“
„Quatsch, es wäre doch nicht mehr als ein etwas längerer Urlaub. Und du wärst ein tolles Vorbild für andere Väter.“
Aber der Zeitpunkt ist einfach gerade schlecht. Die ganze FIrma wird umgekrempelt.“
„Tolles Argument. Der Zeitpunkt ist immer schlecht. Das gilt im so ganz nebenbei bemerkt auch für meine Elternzeit.

Denk doch nochmal drüber nach. Wir hatten doch gerade erst so viel Spaß mit dem Sohn über die Ostertage.“

„Ja, aber…“

!Und Dir hat die Zeit mit der Familie auch gut getan. DAS ist das Leben!

Schon, aber…“

„Und weißt Du noch, wie der Sohn dich dauernd zum Lachen gebracht hat? Du hast gesagt, du hast seit Jahren nicht so gelacht wie in den Ostertagen.“

„Das stimmt. Trotzdem…“

„Und als der Sohn mit seinem neuen Rucksack durchs Haus lief, warst Du derjenige, der wehmütig meinte: Oh Gott, morgen geht der in die Schule!“

Ich weiß, aber Mia…“

„Immer nur aber, aber, aber! Mensch Liebster, die Zeit kommt nie wieder. Der Sohn ist plötzlich so groß und wir haben es noch gar nicht begriffen. In ein paar Jahren finden uns unsere Söhne sowieso nur noch spießig und peinlich. Lass uns die Zeit, in der wir ihr Universum sind, bestmöglich genießen. Sonst bereust Du es irgendwann. Nur einen Monat Elternzeit. Wir könnten alle zusammen ans Meer fahren, uns dort ein kleines Häusschen mieten, vielleicht in Südfrankreich oder so und einfach die Seele baumeln lassen und das Leben genießen.“

„Das klingt wirklich schön!“

„Ja???“

„Ja! Fahr doch mit Deiner Schwester!“

„Toll!! Vielleicht mache ich das auch. Und die ist natürlich eingeladen. Von dem Geld, das du in der Zwischenzeit verdienst. Dann hat es wenigstens einen Sinn. Mann!“

„Gute Nacht Mia!“

„Grmpf!“

Habt Ihr auch solche Exemplare zu Hause?

Eure Mia

16 Gedanken zu “Elternzeit für meinen Mann

  1. Oh nett.Als mein Liebster gerade bei der Arbeit 'unentbehrlich' war hab ich gesagt: Das ist zu 50% dein Kind, also bist du nun dran. Dann hab ich mit ner Freundin aus Studientagen telefoniert und bin sie die Woche drauf für 1 Woche besuchen gegangen – allein. Davor gab's etwas Gezeter, nach der 1 Woche hab ich spontan meinen Urlaub verlängert, weil die beiden auf einmal super klar kamen. Der Papa war dann sehr stolz. Seither teilt er freiwillig. Seltsam oder? Und fuhr auchmal allein mit der Kleinen in Urlaub.Es brauchte wohl ersteinmal dieses Erlebnis.Ich hab gelesen, dass sich die Elternzeit in vielen Bereichen negativ auf die Frauen auswirkt, aber positiv auf die Männer. Noch viel seltsamer, oder?

  2. noch nicht ;-)also ich muss sagen, dass bei uns in der firma ein kollege (kein leitender angestellter, aber dennoch chef) 2 monate elternzeit genommen hat. einmal am anfang und einmal am ende. er war dennoch 2 tag in der woche in der firma. ich als kollegin fand das super, denn so konnte ich dennoch dinge mit ihm besprechen und als frau hat der mann einfach ein stein bei mir im brett. ich fande das einfach nur klasse. seine MA übrigens auch und keiner hat ihn für ein weichei gehalten. mit meinem mann versuche ich dann das gleiche. obwohl er wie deiner argumentiert 😉 (aber noch haben wir ja zeit).

  3. Ja, auf Urlaub mit dem Sohn ist der Gatte auch ganz scharf. Er will unbedingt mit ihm ein WE nach Nizza, wenn das Baby da ist. Keine Ahnung warum ausgerechnet Nizza. Außerdem will er mich auch immer alleine mit Freundinnen oder Schwestern in den Urlaub schicken. Das schon. Aber Elternzeit will er einfach nicht. Das mit den negativen Auswirkungen glaub ich gern. Hab's selbst erlebt, dass ich plötzlich die Mutti war. Männer werden dagegen für ihre Entscheidung bewundert!LG Mia

  4. Ich drücke die Daumen für Deine Verhandlungen! Ihr habt ja noch die Chance, traditionelle Rollenbilder für Euch zu umgehen. Mein Mann und ich sind seit der Geburt unseres Sohnes genau in diese Rollenbilder verfallen. Und das mir…eigentlich unglaublich…

  5. Ich glaube, meiner hatte am Anfang etwas Angst vor dem Baby. Seit die Kleine größer ist, ist es einfacher. Ich hab nach den ersten 3 Monaten auch gemerkt, dass wir da in die klassischen Rollen gefallen sind. Aber ich bin halt in der Ausbildung und hätt entweder ganz aufhören müssen, oder eben nach 3 Monaten wieder Vollzeit arbeiten. Das hat mich sehr wach gerüttelt. Das ging nämlich nur, wenn er wirklich ab 18 Uhr da ist, man den Haushalt wirklich aufteilt, die Wochenenden wirklich beide gleich viel arbeiten/daheim sind…So wird das mit dem neuen Baby auch sein. Würde ich als einzige Teilzeit arbeiten oder zu Hause sein, würde mir das suggerieren, dass sein Job wichtiger ist als seine Familie. Sein Geld besser, als meines etc. Da würde unsere Ehe wohl nicht lange halten und er weiß das auch. Hat mich schließlich geheiratet, weil ich so eigenwillig bin…Ein Wochenende ist übrigens kein Urlaub. Ich meinte damit, dass er sich mal Vollzeit um den Sohn kümmern müsste um richtig zu verstehen, was mit Kind zu Hause sein bedeutet. Meiner hatte sich das alles nämlich viel entspannter vorgestellt, wie Urlaub eben… Haha

  6. Wunderbare Bettlektüre! ;-)Beim Großen hat mein Mann, er ist selbstständig, keine Elternzeit genommen. Geht nicht war die Argumentation und was denken die Kunden von mir, mir gehen Aufträge flöten.Bei der Kleinen hat er dann acht Wochen genommen als sie knapp ein halbes Jahr alt war. Wir waren alle vier gemeinsam zu Hause und es war eine wunderbare Zeit! Da es langfristig geplant war hat er Aufträge entsprechend gelegt und den Kunden auch ganz offen gesagt in welchem Zeitraum er nicht zur Verfügung steht. Das Feedback war durchweg positiv! Es war wirklich wie ein langer gemeinsamer Urlaub. Wobei prägender für Mann und Kinder die zehn Wochen waren die es zu überbrücken galt zwischen meinem Start im Job und dem Kita-Start der Kleinen. Das war Elternzeit im eigentlichem Sinne mit volle Verantwortung für den Alltag. Mein Mann ist sicher, sollte es noch ein drittes Baby geben, dann macht er wieder Elternzeit. Nur ob als Urlaub oder während ich arbeite müssten wir dann noch klären. Ich wünsche euch, dass dein Mann es sich noch anders überlegt!Liebe Grüße, Nina

  7. Ich hab kein solches Exemplar zu Hause. Mal ganz ehrlich. Mit so einem Exemplar würde eine Ehe mit mir auch nicht lange halten. Finde das Verhalten ziemlich armselig, auch wenn das jetzt sehr harsch klingt, hoffe ich verletze dich damit nicht, liebe Mia. Und noch viel mehr hoffe ich, dass dein Mann sich besinnt und diesen Schritt wagt. Liebe Grüße, Hannah

  8. Liebe Hannah,das finde ich etwas übers Ziel hinaus geschossen! Das Verhalten ist nicht "armselig", sondern letztlich vernünftig. Es kommt für unser Lebensmodell nicht in Frage, dass ich arbeite und mein Mann Elternzeit nimmt. Was ich mir wünsche ist ein gemeinsamer Monat Elternzeit, in dem wir dann schön Urlaub machen können- eine reine Spaßveranstaltung. Wir haben für uns eine Aufteilung, die für uns beide absolut in Ordnung ist. Jeder hat seinen Teil Beruf und seinen Teil Familie. Gleichberechtigung bedeutet längst nicht immer 50/50- Aufgabenteilung. Mein Mann könnte sich in Bezug auf seinen Beruf ruhig mal ein bißchen lockerer machen, aber mehr kann ich ihm nicht vorwerfen, schon gar nicht dass er sich "armselig" benimmt und sich "besinnen" muss. Ich freue mich immer über Eure ehrlichen Kommentare und Meinungen, aber bitte nicht unter der Gürtellinie und immer mit der nötigen Tleranz für andere Lebensmodelle.Viele GrüßeMia

  9. Die Diskussion hatte ich am WE.Als ob Firma ohne sie zumachen müsste…Ich hab dann nur gesagt, das da aber ein grundsätzliches Problem in der Organisation vorliegt, wenn sich allen Anscheins nach, alles auf meinen Mann stützt, zumindest bildet er sich das ein…

  10. Liebe Mia,ich lese Dein Blog sehr gern. Muss im Hinblick auf die Elternzeit-Thematik allerdings Hannah bedingt zustimmen.Auch wenn ich das Verhalten Deines Mannes nicht "armselig" finde, so empfinde ich es auch als – sagen wir mal – rückschrittig. Gerade im Bezug darauf, dass es sich ja lediglich um einen gemeinsamen Familienmonat handelt, tragen seine Argumente nur bedingt. Niemand ist unersetzlich und die finanziellen Einbußen halten sich bei einem Monat wohl auch in Grenzen. Ich glaube mehr, dass es um das Weichei-Ding geht und die Angst, für eine solches gehalten zu werden, hängt wohl mehr mit dem eigenen Selbstbewusstsein zusammen. Ich kenne ganz viele Männer, die Elternzeit nehmen (wohlgemerkt wesentlich länger als 4 Wochen) und keiner macht mir auch nur im Ansatz einen Weichei-Eindruck….Aber vielleicht überlegt er es sich ja nochmal und alles ist fein!Viele liebe Grüße und eine schöne RestschwangerschaftLaura

  11. Ja, ich denke auch, dass es theoretisch möglich wäre. Aber er hat schon recht, ohne ihn läuft da eigentlich nix. Im Urlaub muss er dauernd anrücken oder TelefonkOnferenzen machen. Er hat halt auch keinen "normalen" Job. Es wäre schon schwierig. Ich bin deswegen zwar ein Bisschen traurig, aber habe schon auch Verständnis. Und muss zu seiner Ehrenrettung nochmal erwähnen, dass er den Sohn jeden Morgen fertig macht und in die Kita bringt und außerdem zu ca 70% für den Haushalt zuständig ist. Ein tolles Vorbild für den Sohn, wie ich finde!LG Mia

  12. Dein Mann ist Manager in einem großen Konzern oder? Es deutet alles darauf hin, was du schreibst. Auch die 1800€ werden wohl ein Beuchteil sein von dem was er sonst verdient. Manager sind in so einer Abhängigkeitsschlaufe. Vieles kann nicht ohne sie entschieden werden. Darum die TelCos im Urlaub. Ich hoffe für ihn, dass er die Kurve macht und einen Monat frei macht. Auch komplett frei. Ich drück euch die Daumen.

  13. den kommentar habe ich mit dem iPhone geschrieben gehabt. ich hatte ihn 3 mal getippt und dann ist es immer wieder abgeschmiert. und jetzt sehe ich die ganzen fehler. sowas aber auch ;-).also ich wünsche euch, dass er die kurve kriegt und auch diesen einen monat komplett frei macht. mehr wird schwer, aber diesen einen sollte er nehmen. was ich schade finde ist, dass viele in der ebene noch denken, dass sie dann "weicheier" seien (weicheier ist jetzt ein begriff von vielen. nicht überbewerten. ich kenne deinen mann ja nicht ;-)) oder so gesehen werden. dieses image muss doch mal durchbrochen werden. dein mann könnte also den anfang machen und für alle anderen ein gutes vorbild sein. (du siehst, mich beschäftigt das thema sehr. mein mann ist kein manager, aber ich kenne genug. und wir können alle mal einen monat auf sie verzichten. wir runieren die firma schon nicht – versprochen)so nun bin ich aber wirklich fertig – versprochen.

  14. Ich bearbeite ihn weiter! So ein Monat Auszeit für die Familie täte uns schon gut! Ich bin aber nicht böse, wenn nicht. Es geht ihm wirklich eher um Verantwortung für Familie und Mitarbeiter- und dafür lieben ihn auch alle 🙂

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