Rette zuerst unser Kind, Mann! Wie Kinder unsere Ehen verändern

Gerade habe ich bei Stadt-Land-Mama kurz mal reingelesen und musste über den aktuellen Post ein bißchen schmunzeln. Erst wollte ich den beiden nur kurz einen Kommentar hinterlassen, aber dann dachte ich mir, das muss ich doch lieber verbloggen.

Caro wollte eigentlich nur eine harmlose Frage stellen und erhielt eine erstmal verwirrende Antwort. „Du würdest mich doch mitnehmen, wenn Du nur einen Menschen mitnehmen könntest und ALLE ANDEREN zurücklassen müsstest, oder?“

Die Antwort ihres Mannes, dass er den gemeinsamen Sohn mitnehmen würde, schockt Caro erstmal, obwohl sie zugeben muss, dass sie es genauso machen würde.

Schmunzeln musste ich, weil mein Mann und ich fast genau dasselbe Gespräch auch schon geführt haben- nur genau umgekehrt.

Es fing ebenfalls mit einer harmlosen und eigentlich sehr süßen Liebeserklärung vom Gatten an, der mir versicherte, solange wir beide uns hätten, wäre alles gut, aber mir dürfte niemals etwas passieren und ich müsste immer gut auf mich aufpassen.

Ich antwortete darauf, dass es ja wohl schlimmer wäre, wenn dem Sohn etwas passiert. Der Gatte aber meinte: „Aber Du bist doch meine Frau, wie soll ich denn ohne Dich leben?“

Das hat mich natürlich gerührt, zumal solche Liebeserklärungen nicht unbedingt zum Standardrepertoire meines Mannes gehören, aber ich war genauso schockiert, wie Caro es gewesen sein muss- nur eben umgekehrt.

Ich sah meinen Mann an und sagte mit ganz viel Nachdruck: „Nur, damit wir uns einig sind: Wenn wir irgendwann mal in eine Situation kommen, in der Du uns retten musst, dann rettest Du zuerst den Sohn! Klar? Wenn unser Haus brennt, oder wir aus einem brennenden Auto fliehen müssen, wenn wir zu ertrinken drohen oder was auch immer, dann rette! unser! Kind!!“

Ähnlich wie Caro, hat mich das damals auch ganz schön ins Grübeln gebracht. Bei aller Liebe zu meinem wunderbaren Mann- ich würde mich immer nur zuerst um mein Kind kümmern. Und ich bin nicht schockiert, wenn er das auch so sieht, sondern ich erwarte das von ihm.

Entscheidend ist ja, was eigentlich hinter so einer Frage steckt. Ich hatte in diesem Artikel mal die Frage gestellt, ob man alle seiner Kinder gleichviel lieben kann, und war eigentlich zu dem Schluß gekommen, dass echte Liebe als Gefühl nicht limitiert ist, sondern wer in der Lage ist, wirklich zu lieben, also nicht nur sich selbst,  auch mehrere Menschen richtig lieben kann, ohne einer anderen Liebe dafür etwas wegnehmen zu müssen. In diesem Artikel habe ich mich allerdings nicht gefragt, was passiert, wenn man sich für eine Person entscheiden muss.

Normalerweise muss man das ja zum Glück nicht und so lässt sich die Frage, wen man mehr liebt doch einfach beantworten, denn man liebt ja weder den Sohn noch den Mann „mehr“ sondern eben nur jeden „anders“.

Hin und wieder gibt es aber leider doch auch echte Entscheidungssituationen. Bei der Geburt unseres Sohnes könnte es ja zu Komplikationen kommen und mein Mann plötzlich entscheiden müssen, ob das Kind oder die Mutter zu retten ist, oder wer zuerst. Dann gibt es plötzlich doch nicht mehr nur verschiedene Arten von echter Liebe, sondern dann muss doch eine Reihung vorgenommen werden. Wer steht dann ganz oben auf der Liste?

Als wir geheiratet haben, war natürlich mein Mann der wichtigste und meistgeliebe Mensch auf der Welt für mich. Jetzt gibt es den Sohn und bald sogar zwei Söhne. Ist mein Mann jetzt zwei Plätze nach unten gerutscht? Und ich bei ihm auch? Wir fühlen uns durch unsere 1,5 Söhne so bereichert, aber sind wir tatsächlich vielleicht sogar ärmer als zuvor, weil wir für niemanden mehr der wichtigste Mensch auf der Welt sind? Weil niemand uns zuerst rettet?

Wenn Kinder in eine Beziehung kommen, dann wird es turbulent. Rollen müssen neu gefunden werden, Aufgaben verteilt, Erwartungen enttäuscht werden. Verständlich, dass viele Beziehungen an dieser enormen Umstellungsleistung auch scheitern.  Das Gefühl, das viele dabei umtreibt, dass man nicht mehr im Mittelpunkt des Partners steht, ist mehr als ein Gefühl. Das ist tatsächlich so.
Der Partner ist immer noch die große Liebe, aber eine noch viel größere Liebe gehört unseren Kindern. Anders. Aber größer.

Ist das schlimm? Ich sage nein. Unsere Beziehung hat sich verändert, aber wir sind nicht schlechter dran als vorher. Unsere Beziehung ist ja auch um einen großartigen Aspekt erweitert worden. Gemeinsam als Eltern seine Kinder zu lieben und ins Leben zu begleiten, scheint mir die größte Bereicherung, die meine Ehe erfahren kann. Ich liebe meinen Mann jetzt noch mehr als vor ein paar Jahren.
Mein Mann hat es allerdings etwas besser als ich. Der ist nämlich für den Sohn der wichtigste Mensch auf der Welt. Heute Morgen durfte ich ihm nichtmal die Haare kämmen: „Der Papa macht das viel schöner!“ Hat der bislang noch nicht ein einziges Mal gemacht, aber gut…
Zum Glück kann ich auf mich selber aufpassen. Ich kann schwimmen und ziemlich schnell laufen- ich komm schon klar.

Eure Mia

Da misch ich mich nicht ein! Meine Spielplatzregeln

Heute begebe ich mich mal auf dünnes Eis, aber ich würde mich freuen, wenn Ihr trotzdem statt mit einem „die spinnt“ wegzuclicken mit mir diskutieren würdet.

Bis vor einigen Monaten habe ich Spielplätze gehasst. Die Stimmung dort war mir irgendwie unangenehm. Als Spielplatzmutter-Anfängerin habe ich ja erstmal nur das Geschehen aufgenommen und fand es so ätzend, dass ich beschloss, irgendwann doch mal unseren Garten zu entwildern, damit der Sohn da schön spielen kann.

Inzwischen gehe ich deutlich selbstbewußter auf den Spielplatz. Vermutlich geht die ein oder andere Mutter abends nach Hause und sagt zu ihrem Mann: „Da war wieder die Mutter mit dem wilden Kind, das hat uns die Schaufel weggenommen und die sagt nichtmal was!!“, aber das juckt mich nicht mehr.

Hier sind meine Spielplatzregeln:
1. Ich mische mich nicht ein
Konfliktfähigkeit kann ich meinem Sohn nicht durch Erzählungen beibringen, das muss er sich erarbeiten! Kinder streiten sich, das muss so sein. Ich kann als Mutter nicht bei jedem kleinen Streit dazwischen gehen. Ich hasse es, wenn andere Eltern sofort aufspringen und sich einmischen:“Jetzt musst Du aber die Schaufel mal abgeben.“ „Komm, dann nimm Du doch das Eimerchen“… Ich halte Streitigkeiten auf dem Spielplatz für eine wichtige Form der Sozialisierung. Natürlich wird schnell mal geweint, wenn ein anderes Kind sich auf der Rutsche vorgedrängelt hat oder ein Spielzeug weggenommen hat. Aber das können zumindest größere Kleinkinder alleine regeln. Auf ihre Weise. Wenn ich immer sofort angerast komme und mein Kind in seinem Konflikt unterstütze, was wird dann aus ihm. Ein Ja-Sager? Ein Duckmäuser? Einer, der immer darauf wartet, dass jemand anderes das Wort ergreift, so dass er bloß nicht selber sprechen muss?
Wenn es natürlich zu schlimm wird, dann bin ich für meinen Sohn da. Wenn er bitterlich weint, und das mehr als ein Protest-Weinen ist. Und auch, wenn er sich hilfesuchend nach mir umschaut. Oft ist das aber gar nicht der Fall, oft erwartet er gar nicht, dass Mama einspringt. Warum sollte ich das dann tun??

2. Ich lasse kleine Handgreiflichkeiten zu
Als Kind war ich positiv ausgedrückt extrem durchsetzungsstark. Eine Freundin aus Sandkastenzeiten behauptet scherzhaft, sie habe bis heute Narben von mir. Heute bin ich in der Lage, Konflikte zu lösen, ohne an den Haaren zu ziehen. Obwohl ich bei der Kollegin aus der Nachbarabteilung schon hin und wieder zucke…
Ganz ohne an den Haaren  zu ziehen, Kratzen, Beißen, Schubsen…geht es aber doch im Kleinkindalter nicht. Ich halte es für ok, wenn Kinder sich auch auf diese Weise ausprobieren. Wenn mein Sohn sieht, dass er ein anderes Kind zum Weinen gebracht hat, dann ist er ganz betroffen und tröstet das Kind. Er selber muss ja auch häufig Handgreiflichkeiten einstecken und hat schon gemerkt, dass das nicht so schön ist. Ich finde es wichtig, dass Kinder nicht nur von ihren Eltern hören, wie falsch körperliche Gewalt ist, sondern dass sie es auch mal erleben. 

Auch hier gibt es natürlich Ausnahmen. Handgreiflichkeiten, die mehr als nur ein kurzer Ausdruck von  Unmut sind, oder die auch richtig verletzend sind, unterbinde ich selbstverständlich.  Ein Zweijähriger ist alt genug langsam zu lernen, dass man Konflikte mit Worten löst. Das muss ich als Mutter kommunikativ begleiten. Aber ganz ohne Praxis geht es eben nicht. Häufig ist es mit einem kurzen Schubser schon getan und durch mein Eingreifen verlängere ich den Konflikt nur.
3. Ich maßregele meinen Sohn nicht, weil andere das von mir erwarten
Ja, mein Sohn kann schon auch mal fies sein. Wenn er sieht, dass ein anderes Kind ein Spielzeug ergattern möchte, dann schnappt er sich das schnell und gibt es nicht mehr ab. Kinder lösen aber auch solche Konflikte gar nicht so selten ganz selbsständig. Wenn das andere weint, macht es meinem Sohn ja auf Dauer auch keinen Spaß mehr. Oder wenn sich das andere Kind ein anderes Spielzeug nimmt und nicht mehr mit dem Sohn spielen möchte. Im umgekehrten Fall kann ich als Mutter mein weinendes Kind ermutigen, dem anderen Kind seine Wünsche mitzuteilen. Ich würde aber niemals meinem Sohn etwas wieder wegnehmen, was er sich gerade ergattert hat. Das käme mir so vor, als würde ich ihn verraten. Ich muss doch sein Fels in der Brandung  sein. Ich muss ihm Dinge erklären, aber ich regele keinen Konflikt, indem ich mich auf die Seite eines anderen Kindes und dessen Mutter stelle.

4. Ich erziehe nicht die Kinder anderer Leute
Richtig wütend werde ich ja, wenn eine andere Mutter meinem Kind sagt: „Die…möchte jetzt aber auch mal schaukeln. Du musst die jetzt auch mal dran lassen!“, oder ähnliche Weisheiten. Die soll lieber ihrem Kind beibringen, sich selber zu artikulieren. Aber Finger weg von meinem Sohn! Anders ist das aber, wenn der Sohn übers Ziel hinaus schießt. Dann finde ich es ok, wenn er auch von anderen Erwachsenen hört, dass das nicht in Ordnung ist. Aber bitte mit Respekt und nicht  bei jeder Kleinigkeit. Unter Erwachsenen maßregelt man sich ja auch nicht untereinander.

5. Sandsachen sind für alle da
Ich hasse dieses Rumgeeier um Sandsachen. Eltern sehen das häufig so: Jeder hat sein Spielzeug. Wenn jemand anderes damit spielen möchte, muss er erst fragen. Nach dem Motto: Ich will ja auch nicht, dass sich andere Leute einfach mein Handy nehmen. Finde ich quatsch. Im Sandkasten wimmelt es von Spielsachen. Die Kinder bedienen sich meist kreuz und quer und neimand hat ein Problem. Man muss es ja nicht übertreiben! Wenn mein Sohn begeistert nach einer Schaufel greift brülle ich nicht: „Das gehört uns nicht, da musst Du erst fragen, ob Du das mal haben darfst.“ Im Sandkasten geht es eher zu, wie auf einer Party, auf der jeder etwas fürs Buffet mitbringt. Da sage ich auch nicht zu meinem Mann: „Den Nudelsalat hat aber Sabine gemacht, da musst Du erst fragen, ob Du das darftst!“
Es gibt natürlich andere Situationen, z.B. wenn es um besondere Spielsachen geht. Aber da gilt für mich wieder Punkt 1.

Mein Sohn verhält sich auf dem Spielplatz meist sehr selbstbewußt. Das ist manchmal blöd für andere Kinder, aber es muss eben auch nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen sein. Ich schaue mir daher alles meistens nur an und greife erst ein, wenn es zu heftig wird, oder wenn mein Sohn mir zeigt, dass er mich braucht (durch hilfesuchendes Anschauen, starkes Weinen…) 
Ich begleite Konfliktsituationen durch Erklärungen, und bringe ihm bei, dass man nicht hauen muss, sondern sagen soll „Ich möchte das nicht…“ Aber ich bin dafür, dass Kinder sich auf dem Spielplatz benehmen dürfen, wie Kinder. 
Wir können getrost öfter einfach auf der Bank sitzen bleiben. Die Kinder regeln das schon. Ich traue denen das zu!

So, jetzt habe ich den ein oder anderen schockiert, oder? Bin sehr gespannt auf Eure Meinungen und Erfahrungen.

Ach ja, ein echter Spielplatzfan wird aus mir wohl niemals werden. Deswegen wird diese Woche doch endlich der Garten gemacht und der Sohn bekommt ein Klettergerüst.

Eure Mia

Das Ende eines Schuhticks. Vorrübergehend!

 Ich denke, ich werde mich bei meinem Sohn entschuldigen müssen, weil ich manchmal so ungeduldig bin, wenn er sich nicht anziehen will.

Sich ohne fremde Hilfe anzuziehen ist eine enorme Leistung,aber hallo!!

Die unangefochtene Königsdisziplin beim Anziehen sind: Schuhe!

Heute morgen saß ich auf der Treppe im Flur, genau da, wo mein Sohn immer so schrecklich rumtrödelt, und habe die Schuhe erstmal nur angestarrt. Und danach irgendwoanders hingestarrt. So vergingen einige Minuten.

Plötzlich schoss mir der Gedanke durch den Kopf, dass sich so vielleicht mein Sohn fühlt, wenn er manchmal ewig im Flur auf der Treppe nicht in die Gänge kommt.
(Ok, bei dem kommt auch noch Faulheit und nicht vorhandenes Zeitgefühl dazu, aber das kann ich bei mir auch nicht ganz von der Hand weisen, ähem).

Das ist gar nicht so einfach, wie es aussieht.
Sohn, ich werde demnächst nicht mehr gleich losschimpfen, wenn Du Dir die Schuhe nicht anziehen möchtest, sondern darauf wartest, dass Mami das für dich macht.

Allerdings wäre es cool, wenn Du das in den nächsten Wochen noch weitgehend alleine hinkriegen könntest. Ich kann mir doch kaum meine eigenen Schuhe anziehen. Wir sind ja vielleicht zwei…

Ach, weißt du was? Wir bleiben einfach so lange hier sitzen, bis der Papa kommt und uns hilft…

Zwei Hochzeiten und eine Geburt

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus, sagt man.
Mein Problem mit großen Ereignissen ist gerade, dass vor allem ich es bin, die Schatten wirft, was an meinem nicht unerheblichen Leibesumfang liegt.

Einen wunderschönen guten Morgen erstmal vom ersten Tag der 35. Schwangerschaftswoche- dem ersten Tag meines Mutterschutzes.

Ein Meilenstein. Viel ist schon geschafft, aber andererseits wird es jetzt erst richtig spannend, denn es stehen eben große Ereignisse an.

Meine kleine, zauberhafte und über alles geliebte Schwester heiratet nach 11 Jahren Beziehung ihre Jugendliebe- einen Mann, wie ich ihn besser auch nicht für sie hätte backen können. Die standesamtliche Hochzeit ist im Mai in Kiel. Noch weiter weg von uns und trotzdem noch in Deutschland geht nicht!
Familientreffen im hohen Norden- da bin ich dabei! Zu Beginn meiner Schwangerschaft war das irgendwie nur ein Termin, der noch einige Zeit vor dem Geburtstermin lag, und somit kein Problem. Nun, wo ich mich schon langsam ans Kofferpacken begeben muss, habe ich ehrlich gesagt ganz schön Respekt vor der Aktion. Eine so lange Autofahrt! Hochschwanger! Mit gelangweiltem, knatschigen Kleinkind auf der Rückbank…

Anfang Juni folgt die kirchliche Trauung. Und die findet nur zwei Tage vor dem errechneten Geburtstermin statt! Zum Glück in meiner Geburtsstadt Krefeld, also nur eine kurze Autofahrt von zu Hause entfernt. 
Das wird ein so schönes Ereignis werden- ich muss da hin! Ich darf inzwischen das Geheimnis lüften: Das Brautkleid hat mein Papa genäht. Nee, der ist kein Schneider, sondern Arzt, hat also nur im weitesten Sinne etwas mit Nähen zu tun 🙂 Es gibt aber kaum etwas, was der Mann nicht kann, und ich muss sagen, das Kleid ist der Hammer (ein Schneider hat aber ein bißchen geholfen)! Meine Schwester ist sowieso der Hammer! Außerdem freue ich mich besonders darauf, die kleine Schwester von meiner lieben Blogger-Kollegin Berlin Mitte Mom kennenzulernen, denn witzigerweise sind die beiden ehemalige Kommilitonen und gute Freundinnen.

Ich liebe ja Hochzeiten! Hochzeiten triefen in der Regel vor Romantik. Eigentlich ist es ja unfassbar naiv, was das Brautpaar da macht: Sich Liebe bis zum Tod zu schwören, durch alle Schwierigkeiten des Lebens, komme was da wolle! Wenn man so am Anfang des Lebens steht, hat man ja noch keine Ahnung davon, wie schlecht die schlechten Zeiten sein können. Aber man glaubt eben an ein gemeinsames Leben in Liebe und Treue und das finde ich so schön, so romantisch, so bewegend, das ist schon fast unwirklich. Ich denke dann immer an meine eigene Hochzeit, als wir gerade erst anfingen, eine Familie zu werden. Dann muss ich die Hand meines Mannes nehmen und meinen Sohn drücken und fühle mich glücklich. Ich kriege einfach nicht genug von Hochzeiten!

Um es kurz zu sagen: Zur kirchlichen Trauung muss ich erst recht hin! 

Aber schaffe ich das?? Zwei Tage vorm Termin? Bin ich dann noch schwanger? Oder ist das Baby schon da und ich so übermüdet, dass ich in der Kirche einschlafe? Geht es vielleicht auch in der Kirche los? Meine Schwester wollte gerne, dass ich eine Lesung halte. Aber ich habe das lieber abgelehnt. Die Vorstellung von mir vorne in der Kirche, wie ich sage: „Und könnte ich in allen Sprachen der Welt sprechen, hätte aber die Liebe nicht- oh, meine Fruchtblase ist geplatzt!“, war mir irgendwie zu stressig!

Blöd ist vor allem, dass der berüchtigte Nesttrieb sich so langsam ausbreitet. Der führt nicht nur dazu, dass ich gerade ein Kinderzimmer einrichte, das in den ersten Monaten gar nicht benötigt wird, sondern auch dazu, dass ich mich eigentlich gar nicht mehr gerne weit von zu Hause wegbewege. Klar, es gibt auch Krankenhäuser in Krefeld und in Kiel und auf dem ganzen Weg dorthin, aber ich möchte doch lieber zu Hause sein, wenn die Wehen losgehen und dann in meine Wunschklinik fahren, die ich kenne, fast so, als würde ich in meine Höhle kriechen.

Ich schaff das schon! Irgendwie. Es kütt eben wie es kütt!

Aber aufgeregt bin ich schon…

Eure Mia

Latte Macchiato Mutter in spe

Letzter Tag morgen! Ich bin dann also mal weg!



Klar komme ich wieder. Bald. Ich muss nur noch eine klitzekleine Angelegeneheit klären. Die Kinderbetreuung.



Mit unserer betriebseigenen Kita bin ich ja in einer sehr priviligierten Situation. Zwar gibt es deutlich mehr Bewerber als Plätze, aber der Sohn hat es ja schon in die Kita geschafft und da kann ich mich beruhigt zurücklehnen, denn ich habe ja den Geschwisterbonus auf meiner Seite!



Sicherheitshalber hab ich trotzdem besser mal zwei Anmeldungen für Sohn Nr. 2 in der Kita abgegeben: Eine für 2013 und eine für 2014. Im August 2013, so dachte ich, ist das Kind zwar noch ein bißchen zu klein, aber ich kann es ja erst ein paar Monate später bringen. Denn im August 2014 ist es ja schon 14 Monate alt und ich kann ja schlecht 14 Monate zu Hause bleiben!



Dann muss ich mich ja nur noch entscheiden, wann ich nach der Geburt wieder in den Job einsteigen soll. Soll ich das Jahr Elternzeit diesmal voll machen? Oder wieder nach 9 Monaten arbeiten gehen? Kann ich denn überhaupt ein volles Jahr zu Hause richtig genießen? Oder fällt mir dann längst die Decke auf den Kopf? Anders als vor der ersten Geburt, wo ich mir ein Leben ohne Job noch gar nicht vorstellen konnte, habe ich heute doch einigen Bedarf an etwas Zeit für mich. Is n bißchen kurz gekommen in den letzten zwei Jahren.

Ehrlich gesagt habe ich wohl nach dem perfekten Zeitpunkt gesucht, der sich sowohl mir als auch sämtlichen kritischen Stimmen gegenüber bestmöglich verkaufen lässt.



Und dann nimmt mich die Kita-Leiterin bei Seite und sagte „Also, für ein Juni- Kind einen Platz zu bekommen, ist fast unmöglich.“

Rumms! Äh, bitte??



“ Wir können nur Kinder aufnehmen, die zum Zeitpunkt des Kindergartenjahrstartes mindestens vier Monate alt sind. Deshalb geht es 2013 nicht. 2014 ist das Kind ja dann schon über ein Jahr alt. Das ist schlecht!“

Wusch! Wie?Schlecht??



Die Kita nimmt vorrangig unter 1jährige auf. Für über 1jährige gibt es in 2014 eine Quote von 4 Plätzen! Mir reicht ja einer. Beruhigt habe ich zu der Leiterin gesagt: „Da wir ja vermutlich in der Warteliste ganz oben stehen dürften, klappt das ja dann. Gibt ja auch noch den Geschwisterbonus.“



Ganz so einfach ist es leider nicht. Es entscheidet die Vergabe-Kommission. Normalerweise werden Geschwisterkinder bevorzugt, aber Härtefälle gehen natürlich noch vor Geschwisterbonus. Sollte es nun z.B. viele Alleinerziehende geben, die den Platz dringender brauchen, haben wir Pech.



Erst war ich geschockt. Ich war so sicher gewesen, dass das mit dem Kitaplatz klappt. Mein Mann empörte sich über denSpruch, dass es fast unmöglich sei, für ein Juni Kind einen Platz zu bekommen: „Warum heißt die Kita dann „Kita…“ und nicht „Kita im März gezeugt“!!??



Ich bekam Angst. Was, wenn das nicht klappt? Gut, es gibt auch andere Kitas, aber darum habe ich mich jetzt noch gar nicht gekümmert.



Nach ein paar Tagen fand ich es toll.



Jemand hat mir die Entscheidung abgenommen, wann ich wieder zurück ins Büro gehe. Danke! Ich bin sozusagen gezwungen, bis August 2014 zu Hause zu bleiben. Plötzlich fühlte sich das saugut an. So lange Vollzeitmama- mit perfekter Begründung, mit der ich mich vor mir selber und Kritikern verteidigen kann. Bis August 2014. Ach ja, plus einen Monat Eingewöhnung. Das macht mit Mutterschutz 16 Monate raus aus´m Büro!



Ganz ehrlich: Ich fühle mich befreit. Ich freue mich auf den Lebensabschnitt. Ich werde irgendwann auch gerne wieder ins Büro gehen. Aber noch nicht jetzt!



Werde ich doch noch eine Latte Macchiato Mutter?

Warum eigentlich nicht?



Ich bin dann mal weg, Kollegen 🙂



Eure Mia

Die Nacht zum Tag machen

Eine ganz normale Nacht in der 34. Schwangerschaftswoche:

23:00 Uhr:
Noch einmal kurz aufs Klo. Wow, drei Tropfen-das hat sich ja gelohnt.
Schnell den Kopf in Söhnchens Zimmer reingesteckt. Bor ist der schön. Ob der so tief schläft, dass ich ihn kurz küssen kann? Ach, lieber nicht.
Ab in mein Bett, Wecker stellen (seltsame Angewohnheit von mir, ich habe seit dem 09.12.2010 einen extrem zuverlässigen Wecker aus Fleisch und Blut), Augen zu- schon eingeschlafen.

1:30 Uhr
Meine Blase ist voll. Aber ich schlafe doch gerade so schön. Einfach wieder einschlafen..

1:34 Uhr
Verdammt, der bohrt irgendwie auf meiner vollen Blase rum. Jetzt aber schnell. Schnell? Ich meinte natürlich, so schnell wie es geht. Eine schwangere Frau ist doch kein D-Zug.

1:37 Uhr
Wahnsinn. Ich hätte wetten können, dass ich mindesten 500ml in der Blase hatte. Waren aber nur 5 Tropfen!

2:16 Uhr 
Ich liege auf der Seite und wache vor Schmerzen auf. Das ganze Gewicht des Babys drückt auf meine Rippen. Ich muss mich auf die andere Seite drehen.
2:17 Uhr
Das tut echt weh. Am Besten ich drehe mich wirklich auf die andere Seite. 
2:18 Uhr
Wenn das so einfach wäre…
2:19 Uhr
So, ich drehe mich jetzt um. Wirklich jetzt. Muss mich nur kurz mental vorbereiten.

2:20 Uhr
Oooooh, ich bin Obelix. Mit erheblichem Kraftaufwand und unendlicher Ungeschicktheit wuchte ich mich erstmal in die Rückenlage.

2:21 Uhr
Ach, auf dem Rücken zu liegen ist ja so schöööön. Jetzt tut auch nichts mehr weh. Blöderweise wird mir fast sofort schwindelig. Es hilft nichts, ich muss meinen Kraftakt fortsetzen.
2:22 Uhr
Rumms, geschafft! Mein Mann blinzelt mich an. Ja, ´tschuldigung, geht nicht leiser. Ich weiß, ich hab mich schonmal verführerischer zu Dir hingedreht (letzten September??).
2:23 Uhr
Dem Mini-Menschen in meinem Bauch gefällt diese Position nicht. Der tritt und strampelt und protestiert mit sämtlichen zur Verfügung stehenden 2 kg Körpergewicht gegen die Lage. Das tut jetzt ja auch weh. Soll ich nun den ganzen Weg zuück???
2:27 Uhr
Ich liege wieder in Ursprungslage.  Hochleistungsport. Meine Rippen tun weh. Ich schlafe trotzdem wieder ein.

4:20 Uhr
Ich muss schon wieder Pipi. Darauf falle ich doch nicht rein! Für die paar Tropfen stehe ich nicht auf!

4:30 Uhr
Ok, bin doch aufgestanden. Aber ich hatte Recht! Alles erledigt. Weiterschlafen.

5:00 Uhr
Ich weiß nicht mehr, wie ich liegen soll. Ich hole mir mein Stillkissen und schlafe in halb sitzender Position weiter.

6:45 Uhr
Der Sohn meldet sich. Ich musste sowieso gerade wieder aufstehen- genau, meine Blase!
Mein Mann wacht auf und sieht mich sitzend neben sich: „Konntest Du nicht schlafen?“
„Och doch, diese Nacht ging es eigentlich…!“

Nur noch sieben Wochen…

Eure Mia

Zwischen Herd und Büro- bin ich gut genug?

Seit Wochen habe ich die Tage gezählt. Habe schon Anfang des Jahres den Urlaub so geplant, dass ich zum Ende hin immer wieder mal eine Woche Urlaub habe, dann nur kurz ins Büro gehe, um dann wieder Urlaub zu machen. Auf diese Art wollte ich mir die Zeit versüßen und verkürzen. Jetzt ist der letzte Tag zum Greifen nah. Der Countdown zum Mutterschutz läuft.

Und ich? Bin hin und her gerissen.

Auf der einen Seite die pure Freude! Freiheit! Sechs Wochen lang jeden Vormittag frei. Ich werde jeden Tag mit Zeitung und Käffchen beginnen, dann eine Runde bei Facebook gucken, was Ihr so macht. Ich werde endlich Zeit zum Bloggen haben soviel ich will. Ich kann die Hochzeit meiner Schwester vorbereiten, Babyshoppen, Friendskeeping und alles, was mir sonst noch so Spaß macht.

Aber andererseits…Wehmut!

Ich mag meinen Job. Ich mag meine Kollegen, ich mag das Unternehmen. Ich bin gerne berufstätig.

Der ein oder andere mag das albern finden, aber ich denke gerade daran, dass das meine letzten Tage in Highheels sind. Nachmittags und am Wochenende laufe ich ja normalerweise in Jeans und Turnschuhen rum. Aber ich schmeiße mich gerne fürs Büro in mein Juristinnen-Business Outfit. Gerade seit ich Mutter bin. Das ist wie eine andere Haut. Eine Haut ohne Rotz- oder Zahnpastaflecken eines Kleinkindes. Die Haut einer berufstätigen Frau- ein Stück altes Ich.
Ich werde das vermissen.

Es ist aber noch etwas anderes, das mich gerade beschäftigt. Es ist ein ganz neues Gefühl, ein Unwohlsein, das ich noch nicht kannte: Ich habe Angst davor, Hausfrau zu sein.

Als ich das erste Mal in Elternzeit ging, wußte ich nicht, was als Mutter auf mich zukommt. Ich dachte mir, wenn das Kind abgestillt ist, kann ich ja wieder arbeiten. Ich plante sechs Monate Elternzeit. Dann kam der Sohn. Ich war müde, erschöpft ausgelaugt und – verliebt. Huch, man kann ja gar nicht normal weiterleben…
Zum Glück konnte ich die Elternzeit nachträglich um immerhin drei Monate verlängern. 

Dieses Mal habe ich anstrengende Zeiten hinter mir. Kind und Büro unter einen Hut zu bringen, hat mich oft viel Kraft gekostet. Selbstverwirklichung? Auf jeden Fall! Aber auch Unmengen an Streß und Unzufriedenheit. Deshalb freue ich mich dieses Mal auf eine etwas längere Auszeit.

Aber da ist dieser kleine Mann, der regen Anteil am Leben seiner Eltern nimmt. Er hat längst festgestellt, dass die Eltern Urlaub haben, wenn Mama Turnschuhe und Papa kein Hemd trägt. Dann sagt er: „Ihr geht heute niß ahbeiten und iß geh niß in die Kita!“ Er nennt meine Highheels „Arbeitsschuhe“. Er erzählt in der Kita: „Meine Mama is ahbeiten!“

Bald arbeitet Mama nicht mehr. Das findet Ihr jetzt vielleicht noch alberner, als dass ich mein Outfit vermissen werde, aber ich habe irgendwie das Gefühl, ich bin eine bessere Mama, wenn ich arbeiten gehe. Ein besseres Vorbild. Ich vermittele ihm doch ein besseres Frauenbild, wenn ich arbeite.

Vermutlich ist das ein blöder Gedanke, denn meine Söhne brauchen mich schließlich zu Hause und nicht im Büro. Aber es ist eben so ein Gefühl. Weil der Sohn mich ja als arbeitende Mutter kennt. Er wird die Veränderung mitbekommen. Er wird merken, dass nur noch der Papa arbeitet. Papa ist ja sowieso der Superheld. Ich fühle mich, als könnte ich mit dem Superhelden in den Augen des Sohnes dann noch weniger mithalten. Ich wünsche mir aber, dass der Sohn uns als Eltern gleichberechtigt wahrnimmt. Beide schnallen sich morgens die Arbeitsschuhe um und gehen ins Büro, beide arbeiten im Haushalt mit und beide spielen mit ihm. Mir ist unbehaglich bei dem Gedanken, dass es demnächst in der Wahrnehmung des Sohnes eine neue Rollentrennung gibt.

Und das alles vor dem Hintergrund, dass die Aufgaben, die mich zu Hause als zweifache Mutter erwarten, das bißchen Juristerei am Schreibtisch als Ponyhof erscheinen lassen. Aber der 24/7 Job als Mutter ist leider nicht annähernd so glamourös, wie der einer Juristin.

Es ist wieder dieser Druck, den wir uns als Mütter gerne selber machen. Seit der Geburt des Sohnes habe ich immer wieder mal das Gefühl gehabt, ich kann es einfach nicht allen so recht machen, wie ich gerne würde. Jetzt erreiche ich eine neue Form von schlechtem Gewissen meinem Sohn gegenüber. Bin ich gut genug? 
Und wenn ich eines Tages wieder arbeiten gehe, wird er mir das am Ende vielleicht auch übel nehmen, denn dann gehört Mama in seiner Vorstellung längst nach Hause…

Ich würde mich nicht wundern, wenn diese Gedanken in dem Moment enden, in dem ich zum letzten Mal das Büro verlasse- allerspätestens, wenn Nr. 2 da ist. 
Bis dahin stöckele ich aber noch ein bißchen grübelnd durch die Gegend…

Eure Mia

Junge ehrenhalber!

Auswahl an Reaktionen auf die Ankündigung, dass sich in der Kugel, die ich vor mir her schiebe, ein Sohn befindet:

– Lachen
– Lachend: „Ach…“
– Lachend: „Schon wieder??“
– „Na dann wird das dritte halt ein Mädchen!“
– „Bist Du enttäuscht?“

Ähm, Moment mal. Ich hatte doch gar kein bestimmtes Geschlecht bestellt. Alles gut also!

Ok, ich verstehe. Bestimmt haben alle diese ganzen Abhandlungen in den Zeitungen und Zeitschriften gelesen. Jungs gelten gerne als problematisch. Sie sind wild, bisweilen aggressiv und schlechter in der Schule sind sie auch. In Zeiten, in denen Frauen in die Führungsetagen drängen und Männer ihr neues Rollenbild noch suchen müssen, sind die Zukunftsaussichten für kleine Jungs auch nicht so rosig.
Aber manche tun ja gerade so, als sei ich zu bemitleiden. Ist ein Junge denn eine Niete oder sowas?

Ja, ja, ich gebe es zu, diese ganzen süßen kleinen Kleidchen mit den schönen Mustern und Schleifchen und allem Drum und Dran lassen auch mein Herz höher schlagen. Für Jungs scheinen sich die Kaufhäuser ja ein Farbverbot auferlegt zu haben. Es gibt nur braun, blau, grün und schwarz. Außerdem auch immer nur einen Bruchteil der Auswahl, den es an Mädchenklamotten gibt. Für mich übrigens ein Rätsel. Schließlich laufen die kleinen Jungs ja nicht allein los zum Shoppen und verprassen das Geld lieber für Spielzeugautos, sondern es sind sind ihre Mamis, die mit langen Gesichtern vor den Kleiderständern stehen. Fashionistas. Kaufwütige Frauen, die ihren Sohn genauso schön anziehen wollen, wie das die Mädchenmamis wollen.
Jedenfalls setze ich aber  kein Kind in die Welt, damit ich es schön anziehen kann. Wenn ich Sehnsucht nach rosa Klamotten habe, muss ich mir dann eben was in meiner Größe kaufen. Was für eine herrliche Ausrede!

Zwei Söhne zu haben trifft sich für mich im Übrigen suuuper. Ich habe mich immer schon gerne mit vielen Männern umgeben. Und wer holt sich schon gerne die Konkurrenz ins Haus? Ich selber bin 162 cm groß und, sehen wir der Wahrheit ins Gesicht, schon seit Jahren nicht mehr so richtig schlank. Mein Mann hingegen ist 195 cm, hat nicht ein Gramm Fett am Leib und seine Beine gehen mir gefühlt bis zum Hals. Nee, nee, ich verzichte auf eine Tochter, die mich in die Depression treibt, weil sie diese endlos langen Beine erbt und ihre alte Mutter mit jenem makellosen Teint überstrahlt, den ich seit einiger Zeit bei jungen Mädchen beneide! Da lebt es sich doch besser als einzige Lady im Haus, auf Händen getragen von drei Männern. Träum…

Zugegeben, kurzzeitig war ich etwas besorgt um meine Stellung im Haus. Ich sagte zu meinem Mann, dass es dann vermutlich demnächst vorbei sei mit schöner Deko und anderem Weiberkram. Statt dessen fiele man dann wahrscheinlich schon im Flur über riesige Turnschuhe und müffelnde Sporttaschen. Darauf zog mich mein Mann aber nur in besagten Flur, zeigte auf meine eigene Sporttasche und meinte: „Ich seh hier im Moment nur eine Sporttasche. Die hast Du da hin geworfen, nachdem Du EINMAL beim Sport warst und seitdem müffelt die da vor sich hin!“ Kleinlaut zog ich mein Argument zurück.

Trotzdem habe ich ein bißchen Respekt vor so viel Testosteron im Haus. Mein Mann hatte wie üblich eine prima Lösung parat: „Du wirst auch ein Junge! Junge ehrenhalber! Gut?“

Nix da, Männer! Ich dachte eher daran, eine Rolle in Richtung verehrte, geliebte, hofierte, beschützte Dame anzunehmen. Und ihr gebt die Gentlemen!

Das kriegen wir jawohl hin, oder? Weil, wenn nicht, stecke ich Euch zur Strafe nur noch in rosa Klamotten. Ich hab da erst am Samstag so ein total süßes Kleidchen gesehen…

Eure Mia

Elternzeit für meinen Mann

„Liiieebster, machst Du dieses Mal auch Elternzeit?“
„Aber die brauchen mich doch in der Firma, Mia.“

„Das weiß ich doch. Du bist ein wunderbarer Chef für etwa 80 Mitarbeiter Deiner Abteilung und ich weiß aus unseren Urlauben, dass sie in der Tat selten lange ohne Dich auskommen. Aber Du machst ja auch immer am liebsten alles selber und sagst den Mitarbeitern: „Geht Ihr mal nach Hause, ich mach das schon!“ Du wärst doch gar nicht aus der Welt. Noch nichteinmal ans Haus gefesselt. Wenn die Firma unterzugehen droht, fährst Du eben mal kurz hin.“

„Aber das ist doch auch viel zu teuer, Mia.“
„Na gut, mein Gehalt bricht nach dem Mutterschutz ziemlich weg. Aber ich habe ja nicht ohne Grund im letzten Jahr 30 Stunden pro Woche gearbeitet, jetzt lohnt sich das Elterngeld doch wieder. Dass bei Dir die Einbußen wegen der Deckelung etwas größer sind, ist blöd, aber das stecken wir doch weg.“

„Aber wir haben doch ein Haus abzubezahlen.“
„Ja wir nagen doch nicht plötzlich am Hungertuch, bloß weil Du mal ein bißchen weniger Kohle mit nach Hause bringst. Komm, nur einen Monat.“

„Aber Mia, ich bin Leitender Angestellter. Wenn ich denen mit Elternzeit komme, nicht mich keiner mehr ernst. Und danach darf ich mir einen weniger anspruchsvollen Job suchen, weil die mich für ein Weichei halten.“
„Quatsch, es wäre doch nicht mehr als ein etwas längerer Urlaub. Und du wärst ein tolles Vorbild für andere Väter.“
Aber der Zeitpunkt ist einfach gerade schlecht. Die ganze FIrma wird umgekrempelt.“
„Tolles Argument. Der Zeitpunkt ist immer schlecht. Das gilt im so ganz nebenbei bemerkt auch für meine Elternzeit.

Denk doch nochmal drüber nach. Wir hatten doch gerade erst so viel Spaß mit dem Sohn über die Ostertage.“

„Ja, aber…“

!Und Dir hat die Zeit mit der Familie auch gut getan. DAS ist das Leben!

Schon, aber…“

„Und weißt Du noch, wie der Sohn dich dauernd zum Lachen gebracht hat? Du hast gesagt, du hast seit Jahren nicht so gelacht wie in den Ostertagen.“

„Das stimmt. Trotzdem…“

„Und als der Sohn mit seinem neuen Rucksack durchs Haus lief, warst Du derjenige, der wehmütig meinte: Oh Gott, morgen geht der in die Schule!“

Ich weiß, aber Mia…“

„Immer nur aber, aber, aber! Mensch Liebster, die Zeit kommt nie wieder. Der Sohn ist plötzlich so groß und wir haben es noch gar nicht begriffen. In ein paar Jahren finden uns unsere Söhne sowieso nur noch spießig und peinlich. Lass uns die Zeit, in der wir ihr Universum sind, bestmöglich genießen. Sonst bereust Du es irgendwann. Nur einen Monat Elternzeit. Wir könnten alle zusammen ans Meer fahren, uns dort ein kleines Häusschen mieten, vielleicht in Südfrankreich oder so und einfach die Seele baumeln lassen und das Leben genießen.“

„Das klingt wirklich schön!“

„Ja???“

„Ja! Fahr doch mit Deiner Schwester!“

„Toll!! Vielleicht mache ich das auch. Und die ist natürlich eingeladen. Von dem Geld, das du in der Zwischenzeit verdienst. Dann hat es wenigstens einen Sinn. Mann!“

„Gute Nacht Mia!“

„Grmpf!“

Habt Ihr auch solche Exemplare zu Hause?

Eure Mia