Ich will kein Insulin

Die gute Nachricht vorweg: Die Eiweiß Diät funktioniert tatsächlich. Ich dachte immer, diese ganzen Stars sind bekloppt, weil sie keine Kohlenhydrate essen. Ist doch egal, was man isst, es kommt nur auf die Anzahl der Kalorien an. Nee, nee. Ohne Kohlenhydrate purzeln die Pfunde, das ist tatsächlich so.

Die schlechte Nachricht ist: In der Schwangerschaft ist Abnehmen gar nicht so cool und ich bin mittlerweile ziemlich am Ende.

Ich habe nach der Diagnose Schwangerschaftsdiabetes meine Ernährung stark umgestellt (obwohl sie schon vorher sehr gesund war). Übers Wochenende habe ich 1,5 Kilo abgenommen. Ich fühle mich müde und ausgelaugt, habe Hunger und trotzdem sch***-Werte!

Heute Morgen hatte ich wieder Termin bei der Diabetologin. Am Wochenende musste ich jeweils unmittelbar vor der Mahlzeit und eine Stunde nach der Mahlzeit meinen Blutzucker messen (aua Finger!). Meistens waren die Werte ok, aber sobald Kohlenhydrate ins Spiel kommen, ist es vorbei. Der Kaffe mit Milch war zu viel. Mehr als 3 EL Reis vertrage ich nicht. Eine Scheibe Brot ist je nach Belag ok, eine weitere halbe Scheibe lässt den Wert explodieren. Von der halben Banane fange ich gar nicht erst an. Eine Hand voll Nudeln ist das Maximum dessen, was geht.
 Die Diabetologin winkt mit Insulin. Das möchte ich aber nicht. Sie schaut auf die Werte und sagt: „Aber so geht es nicht. Sie brauchen Kolhelnhydrate. Erstens werden Sie sonst nicht satt, zweitens braucht Ihr Kind die zum Wachsen.“ Und schon fließen die Tränchen. Ich kann nicht mehr.

In der Nacht hatte ich einen schrecklichen Film vor Augen: Valentin schwimmt schon seit Wochen in viel zu viel Zucker. Immer wieder habe ich zu hohe Werte. Er wird viel zu groß und zu schwer, muss per Kaiserschnitt geholt werden. Weil der Diabetes auch nach der Schwangerschaft nicht weggeht, stille ich ihn nicht, sondern er bekommt die Flasche. Das komplette Kontrastprogramm zu seinem großen Bruder, der nach einer Traum-Schwangerschaft einen perfekten Start ins Leben hatte.
Ein paar Jahre später hat sich sein großer Bruder weiter phantastisch entwickelt. Er ist schön, schlau, gesund. Er fährt die größten Erfolge in Schule, Sport und bei den Frauen ein. Valentin hatte leider einen ganz anderen Start ins Leben. Er ist inzwischen auch Diabetiker, fettleibig und steht antriebslos und unglücklich im Schatten seines großen Bruders. Bei seiner Mutter ist der Diabetes nicht mehr weggegangen. Sie darbt seitdem bei Wasser und (ganz wenig) Brot, sieht schrecklich aus, weidet sich aber an ihrem Erstgeborenen und kommt so über die Runden.

Nicht lachen! Nachts, hungrig und unter Schwangerschaftshormonen kann man schonmal so denken!

Ich bin ja sonst auch nicht so. Eigentlich prallt an mir immer alles ab. Ich habe immer gute Laune und rege mich über nichs auf. Schreckensnachrichten verursachen bei mir nicht einmal einen erhöhten Puls. Ich beruhige immer alle anderen, bin die Ruhe und die Zuversicht selbst. Aber das ist gerade alles so über mich hereingebrochen- das hat meine Schwangerschaftshormone überfordert.

Gleichzeitig tadele ich mich selber, weil ich mich so anstelle. Ein SS-Diabetes ist von allen Diagnosen, die man in einer Schwangerschaft so bekommen kann, wohl noch mit am Besten. Dem Kind wird´s schon gut gehen und wir kriegen das alles hin. Dann muss ich halt ein bißchen Insulin spritzen, das schadet wohl weder mir noch dem Kind. Also, jetzt hör mal auf zu Flennen, Mia, das ist voll undankbar!

Ich weiß einfach nichs über Diabetes und Insulin. Ich will das auch nicht googeln, denn dann werde ich ja erfahren, dass das Risiko, für Krebs, Herzinfarkt und Schlaganfall bei SS-Diabetes um 170% erhöht ist und die Wahrscheinlichkeit, die Schwangerschaft zu überleben mit Diabetes bei unter 5% liegt, oder so. Krankheiten googlen macht krank!

Ich werde mich also weiter mit Kochen, Blutzucker messen, Einkaufen, Ernährungstagebuch führen und Grübeln beschäftigen. Zu diesem Zweck bin ich weiterhin krankgeschrieben. Am Donnerstag habe ich den nächsten Termin bei der Diabetologin, und dann wird sich zeigen, ob ich vielleicht doch ohne Insulin auskomme.

Morgen bin ich beim Ultraschall. Ich hoffe, dass Valentin sich gut entwickelt hat und nicht zu groß und nicht zu klein ist. Mal sehen, welche Gedanken ich mir dazu im Laufe der nächsten Nacht alles machen werde…

Eure Mia

8 Kommentare

  1. Ach, Liebe, lass dich mal umarmen! Ich kann das so gut verstehen, all diese Ängste und Hirngespinste – ich hatte sie auch. Und nichts davon ist eingetreten. Beruhigt dich das ein wenig? Vielleicht? Einstweilen viele Sonnenstrahlen aus Berlin von mir zu dir. Und wenn du krank geschrieben bist, könnten wir doch vielleicht mal sprechen…? Dich ablenken? Oder ist dir gar nicht danach? Mach einfach mal "piep", wenn du magst. Ansonsten begleiten dich all meine guten Gedanken aus der Ferne, deine Anna

  2. Danke, Berlinmittemom! Wir telefonierne diese Woche auf jeden Fall! Wollten wir ja sowieso, und wenn Du auch noch zu dieser doofen SS-Diabetes was sagen kannst, ist ja perfekt!Muss noch in paar Dinge regeln (im Büro vor allem) und melde mich bei Dir! Liebe GrüßeMia

  3. Hallo. Hey ich hatte auch SS Diabetes und musste ab der 13 SSW Insulin spritzen. Das war gar nicht so schlimm und Jette ist ganz gesund mit normalem Gewicht zur Welt gekommen. Der Diabetes war ein paar Stunden nach der Entbindung schon Geschichte, spritzen musste ich ab dem Entbindungstag schon nicht mehr und Jette habe ich ein Jahr voll gestillt. 😉 Alles wird gut ! LG Bianca

  4. Oh, dieses Koofkino, wenn man sich schlaflos im Bett wälzt, kenne ich zu gut 🙁 Nichts davon wird eintreten, Du wirst sehen! Valentin… das klingt schon nach einem freundlich, dynamischen, drahtigen jungen Mann. Du wirst sicherlich irgendwann mal über Deine Sorgen in der Schwangerschaft sehr schmunzeln müssen :)Schau mal, ich kann Dir leider keine nützlichen Tipps zur SSDiabetes geben, aber ich denke, wenn die Diabetes jetzt festgestellt wird und entsprechend beobachtet und behandelt wird ( und wenn es sein muss, eben mit Insulin), dann ist am Ende alles gut. Gerade in der Schwangerschaft macht man sich viel zu viele Sorgen. Ich drück Dich mal ganz fest virtuell und wünsche Dir, dass Du ganz bald schon Deine restliche Schwangerschaft unbeschwert genießen kannst.Liebe Grüße Katharina

  5. Liebe Mia, Deine Sorgen kann ich gut nachvollziehen. Ich wünsche dir von Herzen, dass alles gut wird und Valentin wird genauso ein Traumkerl wie sein großer Bruder! ;-)Viele Grüße, nina

  6. Ich als Schwangere Diabetikerin (habe den Diabetes Typ 1 seit 2005 und bin jetzt in der 17 SSW) werde irgendwie wütend wenn ich diesen Post lese, was bitte hast Du denn für einen Arzt? Dass der Dich so wenig aufklärt und du Dich mit solchen Horrorszenarien quälst? Da ist es wieder diese Unwissenheit die mich oft rasend macht (was Du hast Diabetes, Du Arme, dann darfst du ja nichts… usw.) Wie oft habe ich von diesen Unwissenden Menschen gehört wie unverantwortlich es doch ist als Diabetiker ein Kind zu bekommen, da sage ich nur informiert euch mal richtig! Und nur weil Du SS Diabetes hast ist das noch lange kein Hinweis darauf, dass Du ein fettleibiges und entwicklunsggestörtes Kind bekommst? Die Sterblichkeit mit Diabtes so hoch ist usw.? Wer erzählt denn so einen Mist?

  7. Liebe Sandra, es stimmt, sobald man sich mit dem Thema beschäftigt, verliert es sofort an Schrecken. Problematisch ist aber, dass man normalerweise nichts darüber weiß und dann aus lauter Sorge nur Kopfkino schiebt. Die einzigen, die mir wirklich helfen, sind meine beiden Hebammen. Die klären auf, auch über Risiken, aber ohne Panik zu machen, sie geben Tipps und hören zu. Ansonsten ist man sich selbst überlassen.LG Mia

  8. Ohhhh du Arme! Das ist echt das, was man keiner Schwangeren wünscht. Ich hoffe das lässt sich alles gut in den Griff bekommen…

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