Mutterliebe

Kann man zwei Kinder gleich lieben?

Diese Frage beschäftigt mich mit wachsendem Bauch immer mehr.

Alle Eltern behaupten das immer. Und alle Kinder glauben das gern. Aber stimmt es wirklich?

In einer Beziehung funktioniert das ja grundsätzlich nicht. Da bestehen wir auf Exklusivität. Ich war zuerst da, tut mir leid für Euch Mädels! Umgekehrt brauche ich meinem Mann wohl auch gar nicht erst mit der Idee eines „Zweitmannes“ zu kommen. Zwei gleichzeitig lieben geht nicht, sagen wir normalerweise bei Beziehungen.

Bei Kindern soll das aber anders sein?

Die Liebe zu meinem Sohn ist besonders. Anders als jede andere Liebe, die ich bislang kannte. Es ist eine Liebe, die angereichert ist mit dem Gefühl, ihn beschützen zu wollen. Um ihn zu beschützen, würde ich mich jederzeit allem in den Weg stellen. Ich bin für sein Leben verantwortlich und für sein Glück. Sein Glück ist mein Glück.

Bald wird da noch jemand sein. Das wird diese ganz enge Einheit zwischen mir und meinem Sohn zwangsläufig aufweichen. Ich werde immer ein anderes Kind auf dem Arm haben und ich werde nicht mehr alle meine Aufmerksamkeit nur ihm schenken können. Aber geht das zu Lasten der Liebe zu meinem Sohn? Oder muss vielleicht Nr. 2 sehen, was übrig bleibt?

Manchmal habe ich das Gefühl, ich muss meinem Sohn in den nächsten Wochen ganz besonders viel Liebe geben. Ganz viel mit ihm kuscheln, so lange wir noch alleine sind. Der braucht das auch. Der ist ein ganz großer Kuschler. Er ist so glücklich, wenn am Wochenende Papa und Mama nur Zeit für ihn haben und genießt unsere Aufmerksamkeit. Und wir sind ja auch beide so verknallt in unseren Sohn, dass wir aufpassen müssen, auch noch ein bißchen Paar zu bleiben, und nicht nur zwei Erwachsene, deren größte Gemeinsamkeit darin besteht, ihren Sohn anzuhimmeln. Neulich waren wir abends mal auf einer Party- ohne den Sohn. Ein Freund erwischte uns dabei, wie wir uns gemeinsam auf dem Handy Fotos vom Sohn anschauten. Aber wir lieben ihn doch so sehr!

Für ihn muss es so sein, als würden wir ihm ein Stück wegnehmen, wenn das Baby kommt. Da hat es das Baby wohl besser. Das wird schon als Bruder geboren und kennt es nicht anders, als dass man Mama und Papa teilen muss. Andererseits: Dafür wird er auch niemals in den Genuss von 2 1/2 Jahren ungeteilter elterlicher Aufmerksamkeit kommen. Keine Ahnung, was besser ist…

Ich möchte daran glauben, dass eine Mutter für jedes ihrer Kinder diese unendliche Liebe empfinden kann. Ich glaube, ich weiß auch, warum das tatsächlich funktioniert:

Liebe kann man für mehrere Menschen empfinden. Für seinen Partner, für seine Eltern, die Geschwister und für seine Kinder! Liebe ist als Gefühl keine endliche Recource. Ein Mensch, der in der Lage ist, echte Liebe zu empfinden, der kann diese Liebe auch multiplizieren. Partnerschaftliche Liebe ist (in der Regel) nur einem Menschen vorbehalten, aber abgesehen davon können wir Liebe für viele Menschen empfinden und auf jeden Fall für alle unsere Kinder. Wenn wir unser Baby in den Armen halten, dann lieben wir es einfach. Ganz egal, ob es das erste oder das vierte Baby ist. Weil es unser Baby ist. Ein neuer Mensch, 50% Ich, 50 % der Mensch, den ich liebe! Mein Kind!

Sicher verändern sich auch die Beziehungen zu den Eltern im Laufe des Lebens. So unterschiedlich Geschwister sein können, so unterschiedlich ist auch die Beziehung zwischen Eltern und jeweiligem Kind. Ich bin z.B.bei meinen Eltern immer die Große. Ich habe immer super funktioniert und wenig Sorgen bereitet. Meine mittlere Schwester hatte und hat bis heute die meisten Reibungspunkte mit meinen Eltern, und meine kleine Schwester ist das typische Nesthäkchen. Wir alle haben unterschiedliche Beziehungen zu meinen Eltern, aber die Basis ist bedingungslose Liebe. Was das angeht, gibt es für meine Eltern absolut keine Unterscheidungen.

(Leider gibt es aber Menschen, die sich von ihren Eltern weniger geliebt fühlen, als ihre Geschwister. Woran mag das liegen? Ist da irgendwann etwas vorgefallen? Ist das nur subjektives Empfinden der Geschwister? Oder können eben doch nicht alle Eltern alle Kinder gleich lieben?)

Ich weiß nicht, ob ich beiden Kindern gerecht werden kann. Aber ich glaube, dass ich sie beide gleich lieben kann. Ein Freund von mir, dreifacher Vater, hat das mit der Liebe zu seinen Kindern mal so ausgedrückt: „Das Herz baut für jedes Kind immer noch einen Anbau!“

In diesem Sinne: Deine Familie freut sich schon auf Dich, Nr. 2! Ganz besonders Deine Mama!

Eure Mia

0 Gedanken zu “Mutterliebe

  1. Hallo.Ich bin Mama von zweien.Jetzt seit fast 2Jahren.Und ich liebe meine Kinder nicht gleich.Ich liebe sie mit der selben Intensität,aber vollkommen unterschiedlich.Es sind ja auch unterschiedliche Menschen.(Zum Glück auch unterschiedlichen Geschlechts,das hat es meinem Sohn einfacher gemacht.Für ihn ist die Unterschiedlichkeit sehr wichtig:zwischen Groß u.Klein,Mädchen u.Junge.So konnte jeder seinen Platz schneller wieder neu in der Familie finden.)Ich habe bei meinen festgestellt:immer wenn ich sie akkurat "gleich"behandeln möchte,als Ausdruck meiner gleichwertigen Liebe,ging das in die Hose,weil beide die Unterschiedlichkeit wollten u.brauchten.Ich wünsche euch eine tolle Zeit z.viert.Eifersüchteleien wird es bei allen Geschwistern geben,solange man sie als Individuen wahrnimmt und sie fühlen,dass sie grundsätzlich geliebt werden ist alles in Butter.P.s.ich hatte mir in der 2.Schwangerschaft die selben Gedanken gemacht.Das kommt alles v.alleine.Schön zu sehen,dass ich nicht als Einzige diese Sorgen hatte;)Liebe Grüße Lilli

  2. Das ist sehr interessant, was du schreibst. Ich selber war nie eifersüchtig auf meine Schwestern und war und bin immer davon überzeugt, dass unsere Eltern uns gleichviel lieben. Da wir aber auch immer ganz unterschiedliche Bedürfnisse hatten, ist es wohl so, wie du schreibst: sie lieben uns mit gleicher Intensität, aber nicht gleich. Das ist aber auch die Hauptsache, oder? Das wünsche ich mir für mich und meine Kinder auch.LG Mia

  3. Als ich den Anfang las, wollte ich dich kurz stoppen und sagen "als du dein erstes Kind bekamst, liebtest du deinen Mann auch nicht weniger als vorher", – du hast das aber selbst so schön geschrieben. Wir haben vier Kinder. Ich liebe sie alle auf ganz unterschiedliche Art und Weise (aber die Intensität ist gleich!) und ich bin mir sicher, dass ich ein 5. Kind ebenso lieben könnte. Ich habe mir solche Gedanken aber auch ganz stark gemacht, als ich mit dem zweiten Kind schwanger war. 🙂 (und jetzt musste ich lachen, weil mir gerade der Kommentar dort oben auffiel, in dem im Grunde das gleiche steht wie das, was ich gerade schrieb :D)

  4. Mein Sohn ist jetzt 22 Monate und steht auch total im Mittelpunkt. Wenn jetzt die Nr. 2 kommt, wird er auch zwangsläufig ein wenig zurückstecken müssen. Ein bisschen Sorgen bereitet mir das auch. Wie er das wohl verarbeitet? Allerdings bin ich als das jüngste von vier Kindern aufgewachsen. Zwar fühle man sich hier oder da mal ungerecht behandelt im Vergleich zu den Geschwistern und da ich das einzige Mädchen war, konnte ich auch so Unterschiede feststellen, aber ich kann nicht sagen, dass ich jemals das Gefühl hatte, dass wir unterschiedlich stark geliebt wurden. Ich hatte schon das Gefühl, dass meine Eltern uns alle vier gleich lieb haben und wenn sie denn ihr "Lieblingskind" hatten, haben sie es erfolgreich für sich behalten. 😉 Außerdem ist man ja auch zu zweit. Als wir klein waren, hatte ich zum Beispiel immer den besseren Draht zu meinem Papa und mein jüngster Bruder hing viel stärker an meiner Mama. So hat sich die Liebe dann auch quasi "verteilt".

  5. Ich bin der Meinung, dass es nicht geht. man bevorzugt automatisch anhand der verschiedenen Charaktäre. Ich selbst habe dies am eigenen Leib erfahren und merke es immer noch, das meine Mutter und Schwester sich viel näher sind und ich nie das Maß erreichen kann.Das ist der Hauptgrund warum ich nur ein Kind möchte, ich möchte meinem Sohn einfach das ersparen!!

  6. Ein wirklich starker Artikel, der mir direkt ans Herz gegangen ist. Ich danke herzlich dafür. Wir haben zwar gerade erst das erste Kind bekommen, aber schon jetzt wissen wir, dass wir noch mindestens eins wollen und machen uns Gedanken, wie das werden soll. Dieser Artikel bestätigt mich in meinem Glauben, dass man beide Kinder gleich intensiv lieben kann, wenn auch auf völlig unterschiedliche Weise. Lg frhoppe

  7. Sehr schön geschriebener Artikel – man sieht, dass du dir wirklich Gedanken gemacht hast!Am Ende ist es doch aber zum Glück so: Eltern sind Eltern und Kinder sind Kinder, trotzdem unterscheiden sich Menschen. Aber auf die eine oder andere Weise liebt man seine Familie ganz einfach, egal was ist.Ich finde es im übrigen auch schwer Liebe zu seinen Kindern zu "messen". Somit kann man gar nicht sagen, dass man jemanden gleich viel liebt, weil Liebe meiner Ansicht nach nicht messbar ist.

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