Dich festhalten

„Iss mößt heute niß Kita dehn!“, verkündet mein Sohn heute morgen. „Mößte Bett bleiben!“ Gemeint ist natürlich das elterliche Bett. Und selbstverständlich müssen Papa und Mama auch im Bett bleiben.
Na gut, noch fünf Minuten. Fünf Minuten Kuscheln. Und fünf Minuten staunen über mein Kind.
Mein Sohn! Wo sind die letzten zwei Jahre eigentlich geblieben? Vor zwei Jahren waren wir noch andere Menschen. Wir waren gerade in den Vorbereitungen für Deine Gebeurt und hatten keine Ahnung, was auf uns zu kommt. Als Du endlich da warst, warst Du so winzig klein. Und Du konntest nichts. Nicht einmal alleine Dein Köpfchen halten. Du hast mich gebraucht. 24 Stunden am Tag.
Jetzt brauchst Du mich jeden Tag weniger. Du bist schon so groß! Warum geht das so schnell? Ich habe in den letzten zwei Jahren fast jeden Tag mit Dir verbracht. Anfangs auch jede Nacht. Ich habe Dich den ganzen Tag im Arm gehalten und nachts hast Du neben mir gelegen. Trotzdem kommt es mir manchmal so vor, als hätte ich etwas verpasst.
Ich habe jeden Tag und jede Minute genossen. Manchmal war es hart, aber ich war immer glücklich. Ich war mir meines Glückes sogar bewußt. Ich hätte es nicht mehr genießen können. Trotzdem habe ich das Gefühl, die Zeit rinnt mir durch die Finger.
Dann möchte ich Dich festhalten. Als könnte ich damit den Moment festhalten, die Zeit anhalten. Aber genausowenig wie ich die Zeit anhalten kann, kann ich Dich festhalten. Eine kurze Umarmung, und dann bist Du auch schon wieder weg. Festhalten kann ich Dich nur noch, wenn Du in meinem Arm einschläfst, oder wenn Du krank bist. Dann gehörst Du wieder ganz mir.
Im Zeitraffer wirst Du groß. Du lernst jeden Tag so viele neue Dinge. So schnell muss ich mich von meinem Baby verabschieden?
Am liebsten würde ich jetzt auch den ganzen Tag im Bett bleiben. Aber die fünf Minuten sind um. Ab in die Kita!
Wenig später verschwindet er mit meinem Mann aus der Haustür und winkt mir strahlend mit seiner Kindergartentasche in der Hand nach. Wenn ich ihn heute nachmittag aus der Kita abhole, hat er schon wieder ganz viel gelernt.
Eure Mia

0 Kommentare

  1. *seufz* Ohjaa… so wahre Worte! Genieße jeden Augenblick mit ihm!Ich kann mir auch noch gar nicht vorstellen, wie es wird, seine Liebe auf 2 solcher Wunder zu verteilen. Aber wahrsacheinlich muss man sie nicht teilen, sondern sie verdoppelt sich ganz einfach :)Alles Liebe weiterhin!Daggi

  2. Und *wusch* war er Drei… und wenn man die Fotos vom zweiten Geburtstag betrachtet denkt man: "Wie war er da noch klein, wie war sein Gesicht noch das eines Babys, und jetzt ist er so ein grosser Bub".Am liebsten würde man sie ausstopfen lassen. Und doch ist man immer auch neugierig, wer diese Person ist, wer sie wird, wohin sie geht und wer sie wohl in 10 oder 20 Jahren sein wird. Ich freue mich drauf, während ich mir heimlich ein Nostalgietränchen wegwische…

  3. Wow, wunderschön geschrieben. Das rührt mich sogar als Mann (ok, bin Vater, dass zählt dann wohl nicht ganz :-)). Mir geht's aber auch des Öfteren so, dass ich nicht fassen kann, wie schnell die Zeit vergeht, und wie schnell die Kinder groß werden. Genieß die Zeit weiterhin!LG,Mattes

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.