Kämpfen- muss das sein? Oder: Ein Schlag ist auch eine Berührung

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Auf den ersten Blick ist die Sache glasklar: Ich bin dagegen! Ich bin gegen Prügeleien, gegen Schwerter, gegen jegliche Form von Gewalt. Mein Sohn soll sich nicht durchs Leben prügeln. Gewalt ist bekanntermaßen keine Lösung.

Leider gibt es da ein Problem: Mein Sohn steht halt drauf. Er macht jeden Gegenstand zu einem Schwert und fuchtelt damit entsprechende Geräusche von sich gebend in der Gegend herum. Von mir hat er das nicht. Von seinem Vater auch nicht. Es muss wohl aus der Kita kommen.
Als mein Sohn am Wochenende mal wieder aus einer leeren Küchenrolle ein Schwert gezaubert hat, habe ich ihn mir geschnappt, ihn auf meinen Schoß genommen und ihm erklären wollen, dass Schwerter anderen Menschen sehr weh tun können. „Sohn,“ begann ich, „weißt Du, dass ein Schwert sehr gefährlich ist?“ Er antwortete aufgeregt: „Martin! Färt (Schwert) denommen, Mantel dursenitten. Einer Mantel Martin, einer Mann!“
Ja, erklär mal deinem Sohn in der St.Martinszeit, dass er nicht mit Schwertern spielen soll. Während er die Kurzfassung der Geschichte wiedergibt, macht er bei der Stelle, an der St. Martin den Mantel teilt, eine eifrige, ausholende Bewegung. Begeisterung auf der ganzen Linie.
Ich komme ins Grübeln. Die Geschichte von St. Martin ist ja irgendwie untrennbar mit seinem Schwert verbunden. Er kommt als mächtiger Mann daher, macht nicht viele Worte, nimmt das Schwert, das Symbol seiner Macht, und tut damit Gutes. Sind Schwerter vielleicht gar nicht nur schlecht? Kommt es nur darauf an, wie man sie einsetzt? Oder anders gefragt: Ist Kämpfen immer falsch oder darf man für das Gute auch kämpfen?
Plötzlich bin ich mir gar nicht mehr so sicher, ob ich meinem Sohn sämtliche Gewalt verbieten will.
Raufereien gehören zu einer Kindheit dazu. Selbstverständlich soll mein Sohn nicht immer draufhauen, wenn einer sagt: „Du bist doof!“, aber dass ein kleiner Junge von einer Sache mal so überzeugt ist,  dass er dafür mit ganzem Körpereinsatz einsteht, das passiert. Als Kind hat mich ein Mädchen mal sehr geärgert. Plötzlich rannte sie schreiend weg. Meine kleine Schwester hatte mich verteidigt, indem sie dem Mädchen ins Bein gebissen hat. Kinder lösen Konflikte auch mal mit Gewalt. Sie können noch nicht jeden Ärger in passende Worte fassen und gehen die Dinge eher urinstinktlich an. Das muss von uns als Eltern natürlich eingefangen werden, denn sie müssen lernen, sich mit Worten durchzusetzen. Um aber zu lernen, dass man im Konfliktfall seinem Ärger besser Luft macht, in dem man ihn in Worte fasst, muss man erstmal das Gefühl erfahren, richtig wütend werden zu können und das auch nach außen tragen zu wollen. Wenn ich jede kindliche Rauferei im Keim ersticke, lernt mein Kind vielleicht auch nicht, mit Worten für eine Sache zu „kämpfen“.
Wenn ich es mir recht überlege, kann ich die Ritterspiele in meinem Haus wohl dulden, ohne von meinem Standpunkt, gegen Gewalt zu sein, abrücken zu müssen.
Na schön, mein Sohn. Du darfst auch mal mit einem Schwert rumfuchteln. Tob Dich ruhig aus. Fühl Dich stark. Und wenn Du noch etwas größer bist, darfst Du auch mal eine Rauferei anzetteln. Ich werde Dir dann in jahrelanger Erziehungsarbeit beibringen, dass man Konflikte mit Worten klärt und nicht mit Körpereinsatz. Aber ich werde auch ein ganz kleines bißchen stolz auf dich sein, weil Du den Konflikt zumindest nicht gescheut hast. Ich würde mir wünschen, dass aus Dir ein Erwachsener wird, der immer seinen Mund aufmacht, für Recht und Gerechtigkeit und der mutig genug ist, sich auch für andere einzusetzen. Oder anders gesagt: Wenn Du irgendwann mal in die Situation kommst, ein Schwert zu besitzen, dann tu Gutes damit!
Und was sagt ein Vater zum Thema? Hier den Artikel von Papa rockt anschauen!

0 Gedanken zu “Kämpfen- muss das sein? Oder: Ein Schlag ist auch eine Berührung

  1. Oh, guter Gedanke. Die Geschichten-Wirkung von Schwertern. Bei St. Martin, oder (das steht dir bald ins Haus) Star Wars. Ich denke es wäre sehr schwierig, dem Sog entgegen zu wirken, den solche Geschichten auf unsere Kinder ausüben. Zum Guten auch: hier wird auch das Einstehen für eine Sache vorgemacht, ein Gerechtigkeitsempfinden aufgebaut. Justitia hat nicht umsonst ein Schwert.

  2. Zum Denken anregender Artikel. Ich weiß nicht, ob ein Spiel mit dem Schwert automatisch als Gewalt betrachtet werden sollte. Und auch in Aggression steckt nicht nur Böses drinn. Dennoch – beobachtet man wirklich Gewalt bei Kindern, sollte man meiner Meinung nach trotzdem einschreiten. Einfach nur, damit sie nicht den Eindruck gewinnen – Gewalt wäre egal – das akzeptieren äh alle.

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