Krankes Kind

Der Sohn ist krank. Er hatte heute abend plötzlich hohes Fieber. Der Vorteil ist, dass er endlich mal wieder ganz schnell und problemlos eingeschlafen ist, weil er so erschöpft war. Vorher hat sich allerdings noch eine furchtbare Szene abgespielt.

Damit der Sohn trotz Fieber einigermaßen schlafen kann, wollte ich ihm etwas gegen das Fieber geben. Mit Zäpfchen haben wir nicht so besonders gute Erfahrungen gemacht, deshalb bekommt er immer einen Fiebersaft. Jetzt konnte ich den Fiebersaft aber nicht finden. Der Sohn war die letzten sechs Monate lang kerngesund und da war die Hausapotheke nicht mehr greifbar. Ich war mir sicher, dass wir noch Saft haben, aber ich konnte ihn halt nicht finden. Im Bad habe ich aber noch Fieberzäpfchen gefunden, also habe ich so eines genommen.

Der Sohn lag also auf der Wickelkommode und ich packte das Zäpfchen aus. Er fragte, was er momentan so 100 Mal am Tag fragt: „Machsu, Mama?“ (Was machst Du?)
In diesem Moment rammte ich ihm das Zäpchen in den Popo. Der arme kleine Kerl hat geschrien wie am Spieß. Er tat mir so leid.

Jetzt sitze ich hier auf dem Sofa wie ein waidwundes Reh und fühle mich schrecklich. Ich höre den Sohn immer wieder sein fröhliches, interessiertes, vertrauensseeliges und unendliches süßes „Machssu, Mama?“ fragen. Das klingt in meinem Kopf nach und ich möchte am liebsten zu ihm gehen, ihn aus dem Bett holen und ihm die ganze Nacht zu sagen, wie lieb ich ihn habe und dass ich ihm doch nicht weh tun wollte.

Es war nur ein Zäpfchen und nur ein ganz kurzer Schreck für den Sohn, aber mein Mutterherz ist ganz unglücklich.

Eben fiel mir ein, dass ich den Saft für unseren letzten Urlaub eingepackt hatte und ich habe ihn in meinem Kulturbeutel gefunden, Ich bin mir nicht sicher, ob es das jetzt besser oder schlimmer macht.

Eure Mia

0 Gedanken zu “Krankes Kind

  1. Ich fühle gerade mit Dir. Dieses schreckliche Gefühl kenne ich nur zu gut! Bei uns ist es übrigens umgekehrt…Zäpfchen gehen (meistens) ohne Theater und Fiebersaft und Co. sind die reinste Folter für's Kind (und uns Eltern).Aber nicht nur das. Mittlerweile hat Sonea sich angewöhnt bitterlich zu weinen, wenn wir mit ihr schimpfen. Es ist zwar irgendwie gut, dass sie inzwischen begreift, wenn wir wirklich sauer wegen etwas sind, aber dass sie dann so zerknirscht darüber ist, tut einem selbst dann wieder so leid, dass man sie direkt in den Arm nehmen möchte.Viele liebe Grüße von einer Leidensgenossin ;o)

  2. Hallo Mia,Deinem Sohn wünsche ich ganz schnell gute Besserung!!! Meine Kleine fand Zäpfchen auch ganz schlimm, darum hat sie schon mit ein paar Monaten bei Bedarf Fiebersaft bekommen, weil ich sie und mich einfach nicht quälen wollte. Ich fühle richtig mit dir mit… Nie werde ich die U mit 12 Monaten vergessen. Sie hat die ganze Zeit gelacht, toll mit gemacht, den Kinderarzt angeflirtet und dann musste ihr Blut abgenommen werden. Ich musste sie festhalten und die hat so panisch gebrüllt und mich mit großen angsterfüllten Augen angeschaut. Das Procedere hat eine gefühlte Ewigkeit gedauert… Ich war so froh, als ich sie endlich wieder richtig in den Arm nehmen konnte. Danach bin ich erstmal zu meiner Mama und habe mich ausgeheult, weil ich mich so schlecht gefühlt habe… Manche Dinge müssen leider einfach sein… Liebe Grüße und trotzdem eine gute Nacht, nina

  3. Oh ja, da hatten wir neulich auch so eine Szene, da hab ich fürchterlich geschimpft, weil der Sohn mal wieder sein Essen auf den Boden geworfen hat. Ich habe darauf bestanden, dass er es wieder aufhebt. Irgendwann hat er das ganz zerknirscht getan und da wurde mir erst klar, wie schlimm meine Wut für ihn gewesen sein muss. So, und jetzt gehe ich nochmal zum Sohn und knutsche ihn!

  4. Danke Nina! Beim Impfen hatten wir solche Situationen auch. Das ist so übel, weil sie einem so bedingungslos vertrauen, und dann wird ihnen weh getan, obwohl Mama dabei ist. In dem Moment denkst du nur: Schei**, jetzt ist das Urvertrauen hin!Danke für deine guten Wünsche!

  5. Guten Morgen Mia,ich hoffe, Deinem kleinen Schatz geht es heute Morgen schon wieder besser!Ja, das mit dem Impfen und Blutabnehmen kenne ich auch :o( Im einen Moment gute Laune und im nächsten Moment schreien und dazu noch dieser fassungslose erschrockene Gesichtsausdruck. Wir haben diese Prozedur alle drei Monate wegen der Schilddrüsenunterfunktion. Und es gab ne Zeit, da hat Sonea wie am Spieß gebrüllt, wenn sie Krankengymnastik hatte. Schon wenn wir nur im Aufzug zur Praxis waren, fing sie an zu brüllen.Mamasein ist manchmal ganz schön hart :o(Gute Besserung weiterhin für Deinen Sohn!Liebe GrüßeKatharina

  6. Und wenn Du es ihm vorher erklärt oder ihn vorgewarnt hättest, hätte er die Pobacken zusammen geklemmt und alles wäre viel schwieriger geworden…Ach, wie kenne ich solche und ähnliche Szenen!Z.B. das abendliche Zähneputzen mit der Kleinsten war lange Zeit ein "Gewürge". Doch ohne Zähneputzen ins Bett – tagelang? Mama-Löwenherz, sag ich mir dann.Beste GrüsseIren

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.