Augen auf bei der Gute-Nacht-Geschichte

Ich bin müde. Hundemüde. Habe sehr schlecht geschlafen. Der Sohn musste bei uns im Bett schlafen. Kein Wunder, nach der Geschichte. Aber der Reihe nach:

Gestern Abend war der Sohn zwar hundemüde, aber komplett überdreht. Als ich ihn ins Bett bringen wollte, hat er nur Blödsinn gemacht und hatte nicht einmal selber Spaß dabei. Ich dachte mir also, heute muss mal eine Gute-Nacht-Geschichte her.

Ich ließ mich von seinem Schnulli inspirieren, auf dem vorne ein Pirat aufgemalt ist. Ich erzählte ihm, sein Bettchen wäre ein Piratenschiff, mit dem er aufs Meer hinaussegeln könne. Ein schönes, großes Schiff, und er ein süßer kleiner Pirat. Der Sohn wurde auf meinem Arm ganz still und ich wägte mich schon siegessicher: Toll, wie ich mein Kind in den Schlaf erzählen kann! Dann sah ich, dass seine Augen weit aufgerissen waren. Er hörte mir fasziniert und aufmerksam zu. Immerhin war er jetzt ruhig.

Ich legte ihn also in sein Bettchen und er fing an, sein neues Schiff zu streicheln: „Sssöne Sssiff“, sagte er andächtig nickend. „Ja, mein Sohn, jetzt schlaf schön. Gute Nacht“, sagte ich und wollte hinausgehen. Da fing der kleine Mann an zu protestieren: „Nein Mama! Sssifff wegfahren! Neiiin! Hierbleiben!!“ Ich beruhigte ihn: „Ja, Mäuschen, das Schiff bleibt ja hier. Schlaf schön!“ Ich betrachtete mit ihm gemeinsam nochmal sein Schiif und erzählte, was so ein Schiff alles kann. „Sssöne Sssiff! Meiner!“ Er schien beruhigt, ich ging aus dem Zimmer.

Zwei Minuten später: „Maamaaa!“ Ich wieder rein ins Zimmer. Der Sohn völlig aufgelöst:“ Sssifff wegfahren!“ Der kleine Mann war so tief in der Geschichte drin. Sein Bettchen war ein echtes Piratenschiff. Davon war er zwar grundsätzlich sehr angetan, aber so ganz ohne Mama und Papa die ganze Nacht draußen auf hoher See zu verbringen, das schien ihm dann doch nicht ganz geheuer. Ich musste die Geschichte irgendwie zu einem guten Ende bringen. „Die Mama macht das Schiff jetzt hier ganz fest an Deiner Wickelkommode fest, damit es nicht wegfahren kann. Morgen früh macht die Mama es dann wieder los, und dann können wir übers Meer segeln, ok?“ Der Sohn nickt verständig: „Holland fahren!“ Meer ist gleich Holland, schon klar! Er traut dem Braten immer noch nicht so richtig. Ich muss noch x-mal bestätigen, dass ich das Schiff ganz fest angebunden habe. Nach etwa 30 Minuten Händchenhalten ist mein kleiner Pirat endlich eingeschlafen.

Wir haben bislang immer nur Bücher angeschaut, aber eine selbsterfundene Geschichte, die ihn und seine Spielsachen oder Möbel einbezieht, hatten wir bis jetzt noch nicht. Ich habe das deshalb komplett unterschätzt. Mir war gar nicht klar, dass in diesem Alter ja noch alles möglich ist. Wenn Mama sagt, das Bett ist ein Piratenschiff, dann ist das so. Das kann einem im Dunkeln ganz schön Angst machen. Demnächst muss ich mir wohl weniger abenteuerliche Geschichten ausdenken.

Der Sohn wachte gegen 0:00 Uhr weinend wieder auf. Er stotterte im Halbschlaf etwas von „Sssiff, wegfahren!“ Ich entnahm dem, dass das Schiff sich wohl losgemacht hatte und an der Küste vor Somalia in üble Kämpfe verwickelt war. Da blieb mir nichts anderes übrig, als den Sohn mit in unser Bett zu nehmen. Ein kleiner strampelnder Pirat zwischen seinen Eltern auf 1,60 m. Ich habe kaum ein Auge zu bekommen. Tolle Gute-Nacht-Geschichte!

Eure Mia

0 Kommentare

  1. Hihi…auch wenn ich mir vorstelle wie es für dich war, muss ich trotzdem grinsen :)Mhm, vll. erzählst du nächstes Mal von einer Blumenwiese und das er ein kleiner Brummbär ist 🙂

  2. Genau dieselbe Idee hatte ich auch. Allerdings ist der jetzt echt so überzeugt davon, dass sein Bett ein Piratenschiff ist, dass ich nicht weiß, ob ich jetzt einfach so auf Blumenwiese umschwenken kann…

  3. Ein Piratenschiff ist ja auch viel cooler als eine Blumenwiese! :o)Sorry, auch wenn ich ein bisschen mitleide, weil ich selbst ein Eulenkind zu Hause habe, aber ich musste trotzdem gerade laut lachen :o)Liebe GrüßeKatharina

  4. ach, mir geht es so wie der Katahrina, ich musste herzhaft lachen 🙂 Tja, da kramt mal die ganze Kreativität hervor, und dann…Ich kann dir Bobo Siebenschläfer empfehlen, wir haben das Buch jetzt grad das dritte Mal in Folge durchgelesen – immer abends eine Episode, an dessen Ende Bodo einschläft (und das Bübchen dann auch…meistens…).Aber ich habe letzte Nacht auch mit dem großen und dem kleinen Mann auf 1,40 verbracht, davor kann Bobo uns leider auch nicht bewahren ;)Herzliche Grüße, Nina

  5. Phantasie und Träume bringen alles zu Wege. Das sollte man sich nie nehmen lassen. Vielleicht hilft die Aussage, dass das Piratenschiffbett eine automatisches RückfahrnavigationSgerät hat. Das kam mir gerade in den Kopf und ich musste herzlich lachen!

  6. Liebe Mia, supersüße Geschichte und einen sehr fantasiebegabten kleinen Piraten hast du da. 🙂 Trotz kurzer Nacht gefällt mir die Geschichte. Immer noch besser, sein Piratenschiff hält ihn wach, als dass er krank wäre oder schlimmer Alpträume hätte. Jetzt musst du dir wohl was einfallen lassen, wie du das Schiff gegen abdriften sicherst – und den kleinen Piraten gleich mit. ;-)Ganz liebe Grüße,Anna

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