Das medienkompetente Kind?!

Am Wochenende wechseln mein Mann und ich uns mit dem Ausschlafen ab. Gestern war ich dran und es war herrlich. Ich habe bis 9:00 geschlafen.

Als ich ins Wohnzimmer runterkam, lagen meine beiden Männer  auf dem Sofa und schauten auf dem iPad fern. Seit 7:00 Uhr!!

In unserem Haus gibt es zwei iPhones, ein iPad, einen Rechner, einen Laptop, drei Telefone und einen Fernseher. Der Sohn kann sie alle bedienen. Es begann in seinen ersten Lebensmonaten damit, dass er mit Vorliebe technische Geräte in den Mund nahm. Mein iPhone zeigte dann immer die Meldung an: „Dieses Zubehör ist nicht für die Verwendung mit Ihrem iPhone zugelassen“ und meinte mit „Zubehör“ Spucke. Sämtliche Versuche, ihm alte, ausrangierte Telefone und Fernbedienungen zum Ablutschen zu geben, scheiterten kläglich. Er ließ sich nicht veräppeln!
Mit nunmehr fast zwei Jahren ist er in der Lage, den Fernseher anzuschalten, iPhone und iPad zu entsperren und sogar auf youtube seine geliebten Folgen Trotro auszuwählen.
Seine Eltern sind in diesem Punkt furchtbar inkonsequent. Was macht man schließlich an einem Sonntagmorgen um 7:00 Uhr, wenn selbst der Bäcker erst um 8:00 öffnet? Der Sohn ist unglaublich unternehmungslustig, mein Mann und ich sind noch nicht einmal wach genug um die Kaffemaschine zu bedienen. In solchen Momenten möchten wir den Machern des Kinderprogramms einen Nobelpreis verleihen.
In anderen Momenten werden wir uns plötzlich unseres Erziehungsauftrages bewußt. Fernsehen? Ein knapp Zweijähriger? Geht gar nicht.
Computerspiele sind aktuell noch kein Thema bei uns, aber wenn der Sohn so weiter macht, wird das auch nicht mehr lange auf sich warten lassen. Wir werden uns also dringend entscheiden müssen, wie wir uns zu dem Thema aufstellen.
Immer wenn ich mein Kind fernsehen lasse (gilt auch für Kinder-Apps auf dem iPhone) habe ich sofort und automatisch ein schlechtes Gewissen. Fernsehen hat den Anstrich, etwas Schlechtes und Verbotenes zu sein. Aber stimmt das wirklich?
Kinder unter drei Jahren sollen nicht fernsehen. Dreijährige dürfen am Tag etwa 20 Minuten fernsehen.
So weit die gängigen Empfehlungen. In der Realität steht der Fernseher aber nunmal unübersehbar und verlockend in unserem Wohnzimmer und eine Folge Pipi Langstrumpf dauert schon 30 Minuten. 
Fernsehen ist passiv. Anstatt sich tolle Spiele einfallen zu lassen oder sich an der frischen Luft zu bewegen, hängt man schlaff vor der Glotze und lässt sich berieseln. Logisch, dass fernsehen somit nicht als besonders empfehlenswert für Kinder gilt, die sollen sich ja entwickeln und kreativ sein.
Ich bin absolut überzeugt davon, dass es für kleine Kinder kaum etwas Sinnvolleres gibt als Freispiel mit anderen Kindern. Mein Sohn hat dazu reichlich Gelegenheit und noch viel mehr: In der Kita gibt es Montags Musikstunde, Dienstags Turnen, Mittwochs Ausflugstag oder wahlweise Kochclub,  Donnerstag Vorleseclub und Freitags aktuelle Projektarbeit. Die Nachmittage mit Mama sind dagegen stinklangweilig, aber man muss ja auch lernen, wie man eine Waschmaschine bedient!  Der Kleine hat so unfassbar viel Input jedenTag, dass ich mir beim besten Willen nicht vorstellen kann, dass Fernsehen ihm irgendwie schaden oder in seiner Entwicklung bremsen könnte. Ich setze natürlich voraus, dass ich das Programm sorgfältig ausgesucht habe und er sich weder den Tatort noch Vampire Diarys ansieht.
Nebenbei bemerkt kann aus dieser kleinen passiven Pause durchaus wieder etwas Kreatives entstehen. Neulich hat der Sohn sonntags morgens eine Folge Bibi Blocksberg angesehen. Anschließend hat er sich seinen kleinen Kinderbesen geschnappt und ist „Hexhex“ rufend auf seinem Besen durchs Haus geritten. Ein Kind, das immer nur alleine vorm Fernseher geparkt wird, kann das vermutlich nicht und so wird man bei der Bewertung der Frage, ob Fernsehen und Co ok sind oder nicht, immer auch nach den sonstigen Lebensumständen eines Kindes differenzieren müssen.


Ich gebe zu, ich bin ein Serien-Junkie. Aus mir ist trotzdem etwas geworden. Ich kann meinem Sohn das Fernsehen daher aus eigener Erfahrung guten Gewissens erlauben. Die Grenzen setze ich nach Gefühl. Am Sonntagmorgen mal ein bißchen mehr, meistens eher weniger und in der Regel an den meisten Tagen gar nicht. Und ich gebe auch zu: Manchmal will ich abends einfach nur in Ruhe die Küche aufräumen und lasse das Sandmännchen in der Zeit Babysitten.


Kinder können auch von Fersehen lernen, heißt es. Wenn die Eltern nämlich daneben sitzen und Erklärungen abgeben. Das ist wieder so eine seltsam weltfremde Idee. Ich will ja auch nicht, dass mein Mann beim Fernsehen dauernd dazwischen quatscht. Außerdem: das Kind sieht doch, was passiert. Soll ich ernsthaft daneben sitzen und sagen: „Guck mal, der Trotro, der hat einen Teddy!“? Tse, da könnten wir ja gleich ein Bilderbuch angucken! 
Eure Mia


Und Papa rockt? Der ist doch heute bestimmt meiner Meinung, oder? Hier nachlesen!

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  1. Bei uns ist der Fernseher momentan standardmäßig kaputt! Und das so lange, wie ich das Spiel mit dem Hauptschalter der Steckdose umlegen noch spielen kann, ohne dass Sonea es durchschaut. Denn mit drei Jahren kann man schon locker den Fernseher einschalten, rumzappen bis ein Trickfilm läuft und falls in der Kiste nix brauchbares zu sehen ist, DVD einlegen und einschalten. Irgendwas müssen wir falsch gemacht haben, dass unser Kind sowas schon locker beherrscht.Okay…als ich mit Kind Nummer 2 schwanger war, lief Kika schon mal länger als 20 Minuten und die Heidi DVD hat mittlerweile auch eine Macke. Und mein Mann schaltet morgens auch erstmal den Fernseher an, damit er in Ruhe aufs Klo gehen kann, wenn ich noch schlafe und das Kind schon wach ist. Gut finde ich das nicht! Als Sonea noch ein Baby war, hab ich grundsätzlich alles von ihr fern gehalten, was aus Plastik war und Lärm gemacht hat. Holzbausteine von HABA sind doch viel cooler! Dann kam meine Schwester an Weihnachten mit diesem furchtbaren Spieltisch an…aus Plastik, vielen Knöpfen, die Pling Pling und boing machen und ich dachte nur "Kein Wunder, dass mein Neffe ADHS hat!" Dieser Spieltisch und noch weitere nervtötende Soundmaschinen sind inzwischen das liebste Spielzeug meiner Tochter und irgendwie hat sie auch schon leichte Tendenzen einer ADHS, finde ich!Ich gebe aber nicht auf und kämpfe trotzdem Tag für Tag für eine fernsehfreie Zone. Liebe GrüßeKatharina

  2. Kann man als Eltern neben dem Kind sitzen und während dem Fernsehen mit ihm drüber reden? Kaum. Aber ich denke schon, dass man eine Brücke schlagen kann aus dem off-screen Leben und dem Medienkonsum. Ich glaube mein Kleener hatte viel mehr Spaß am Herrn der Ringe, weil wir vorher und nachher so viel drüber geredet haben (ich hab ihm die Story im Wesentlichen komplett erzählt). Dann kann man auch Deutungsmuster vermitteln. Sam ist gut, weil treu. Saruman böse, weil selbstsüchtig. Ich glaube da liegt eine echt Chnace. Sozialisierung über Medien.

  3. Es gibt sehr schöne Spiele für Kinder auf dem IPad. Bei Gute Nacht Geschichten kann man die Tier streicheln und das Licht ausmachen. Ich glaube eine gesunder Umgang mit Medien ist für Kinder ok, verbieten sollte man es ihnen nicht.

  4. Ich hab auch ein schlechtes Gewissen, besonders wenn mein Kind direkt nach dem Aufstehen nach einer Youtubefolge verlangt. Woher hat es das? Ach so. Könnte es sein, weil wir beide morgens im Halbschlaf zu unseren Rechnern tigern und erstmal Mails checken? Neiiin, bestimmt nicht. 😉 Andererseits denke ich mir, solange man wirklich eine Auswahl trifft und es sich im Rahmen hält, why not? Ich muss auch manchmal entspannen und könnte mit Sicherheit aktiv joggen gehen anstatt passiv noch mehr Blogs zu lesen. Hab ich aber keine Lust zu. 🙂 Ich glaube, das schlechte Gewissen könnte daher stammen dass wir selber noch aus einer Zeit stammen in der Medien reguliert wurden, und wir diese Überflutung daher gar nicht aus der eigenen Kindheit kennen. Damit kann ich nicht einschätzen, wie Smartphone, Tablet und Laptop auf mein Kind wirken. Schwierig. Aber vielleicht hilft das Bauchgefühl weiter, und wenn das Sonntags sagt: 60 Minuten sind ok, ist das so. 😉

  5. Gnihihi. Noah wird Heiligabend 2 und ist wie euer schatz. Er hat ne riesige Sammlung unserer alten handys und smartphones: die sind dauer auf geladen. Mit 8 monaten konnte er mein htc bedienen, mit 15 suchte er sich seinemelodien selbst raus und nun ruft er immer irgendwelche leute meiner liste an. Die männer schauen auch gerne tv, nur weekends weil wir in der woche erst gegen halb 6 daheim sind und ne std später das bett ruft. Aber weekends darf er nach dem mittagsschlaf auch schauen. Ich war auch serienjunkie. Und denke wie du, auch wenn ich mich als erzieherin oft zusammen reiße grins. Tv ist halt tv und keiner unfehlbar 🙂 und Noah kommt nach mir: reden während er schaut looooool

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