Mal wieder ein Schwangerschaftstest

Ich hatte ja schonmal erzählt, dass Schwangerschaftstests für mich wie Schokolade sind. Wenn sie im Haus sind, kann ich ihnen einfach nicht widerstehen.
Nun gehen Schwangerschaftstests selber zwar nicht so auf die Hüften wie Schokolade, dafür sind sie aber wesentlich teuerer. Ein sehr guter Grund, sich diese Sucht abzugewöhnen. Leichter gesagt als getan. Ich muss jede Woche in den dm, allein schon wegen der WIndeln für den Sohn. Wenn ich an den Schwangerschaftstests vorbei komme, nehme ich halt einen mit. Muss ihn ja nicht wieder vor Fälligkeit benutzen.
 
In meiner Vorstellung ist es ein Moment größten partnerschaftlichen Glücks, wenn man gemeinsam auf das Ergebnis eines Schwangerschaftstests wartet. Händchen haltend sieht sich das Paar voller Vorfreude drei Minuten lang verliebt in die Augen, läuft dann gemeinsam zurück ins Bad, erblickt zwei Striche auf dem Test und fällt sich mit Tränen in den Augen in die Arme.
 
Die Realität sah bei mir damals ganz anders aus. Als ich mit dem Sohn schwanger war, habe ich den Test auf dem Rückweg von der Arbeit gekauft. Es war der Tag der Fälligkeit. Ich habe gekocht und dachte mir dann, ach komm, mach doch eben den Test, dann weißt Du es. Und dann stand da „schwanger“. Ich war…mh…erstaunt. Und habe weiter gekocht. Etwas später kam mein Mann nach Hause. Er stand noch in der Tür, hatte seine Jacke noch an, die Tasche in der Hand, als ich ihm entgegenschleuderte: „Ich bin schwanger!“ Er antwortete: „Bist Du?“ Und ich: „Ja. Und ich habe gekocht!“ „Was denn?“ „Chili con Carne“ „Cool!“ Etwa 30 Minuten später saßen wir mit einem Napf Chili vorm Fernseher. Erstmal das Essen verdauen, dann die Schwangerschaft.
 
Ich nehme mir daher jetzt immer vor, den nächsten Test mit meinem Mann gemeinsam zu machen. Klappt aber nie. Bin viel zu ungeduldig.
 
Neulich habe ich es wieder getan. Ich konnte nicht anders. Ich war fällig und der Test lag im Badezimmerschrank. Da ich es trotz mittlerweile beachtlicher Übung immer so schwierig finde, auf den Streifen zu pinkeln, habe ich mir einen Becher genommen und dort hinein gepinkelt. Sofort war der Sohn zur Stelle und fragte ganz interessiert: „Machsu, Mama?“ Ich erklärte ihm: „Ich schaue mal nach, ob Du vielleicht einen Bruder oder eine Schwester bekommst.“ Erstaunlicherweise rief er: „Wäster haben!“
 
Schade, dass ich wieder nicht auf meinen Mann gewartet habe. Denn dieses Mal war der Test positiv!
 
Eure glückliche Mia

Krankes Kind

Der Sohn ist krank. Er hatte heute abend plötzlich hohes Fieber. Der Vorteil ist, dass er endlich mal wieder ganz schnell und problemlos eingeschlafen ist, weil er so erschöpft war. Vorher hat sich allerdings noch eine furchtbare Szene abgespielt.

Damit der Sohn trotz Fieber einigermaßen schlafen kann, wollte ich ihm etwas gegen das Fieber geben. Mit Zäpfchen haben wir nicht so besonders gute Erfahrungen gemacht, deshalb bekommt er immer einen Fiebersaft. Jetzt konnte ich den Fiebersaft aber nicht finden. Der Sohn war die letzten sechs Monate lang kerngesund und da war die Hausapotheke nicht mehr greifbar. Ich war mir sicher, dass wir noch Saft haben, aber ich konnte ihn halt nicht finden. Im Bad habe ich aber noch Fieberzäpfchen gefunden, also habe ich so eines genommen.

Der Sohn lag also auf der Wickelkommode und ich packte das Zäpfchen aus. Er fragte, was er momentan so 100 Mal am Tag fragt: „Machsu, Mama?“ (Was machst Du?)
In diesem Moment rammte ich ihm das Zäpchen in den Popo. Der arme kleine Kerl hat geschrien wie am Spieß. Er tat mir so leid.

Jetzt sitze ich hier auf dem Sofa wie ein waidwundes Reh und fühle mich schrecklich. Ich höre den Sohn immer wieder sein fröhliches, interessiertes, vertrauensseeliges und unendliches süßes „Machssu, Mama?“ fragen. Das klingt in meinem Kopf nach und ich möchte am liebsten zu ihm gehen, ihn aus dem Bett holen und ihm die ganze Nacht zu sagen, wie lieb ich ihn habe und dass ich ihm doch nicht weh tun wollte.

Es war nur ein Zäpfchen und nur ein ganz kurzer Schreck für den Sohn, aber mein Mutterherz ist ganz unglücklich.

Eben fiel mir ein, dass ich den Saft für unseren letzten Urlaub eingepackt hatte und ich habe ihn in meinem Kulturbeutel gefunden, Ich bin mir nicht sicher, ob es das jetzt besser oder schlimmer macht.

Eure Mia

Augen auf bei der Gute-Nacht-Geschichte

Ich bin müde. Hundemüde. Habe sehr schlecht geschlafen. Der Sohn musste bei uns im Bett schlafen. Kein Wunder, nach der Geschichte. Aber der Reihe nach:

Gestern Abend war der Sohn zwar hundemüde, aber komplett überdreht. Als ich ihn ins Bett bringen wollte, hat er nur Blödsinn gemacht und hatte nicht einmal selber Spaß dabei. Ich dachte mir also, heute muss mal eine Gute-Nacht-Geschichte her.

Ich ließ mich von seinem Schnulli inspirieren, auf dem vorne ein Pirat aufgemalt ist. Ich erzählte ihm, sein Bettchen wäre ein Piratenschiff, mit dem er aufs Meer hinaussegeln könne. Ein schönes, großes Schiff, und er ein süßer kleiner Pirat. Der Sohn wurde auf meinem Arm ganz still und ich wägte mich schon siegessicher: Toll, wie ich mein Kind in den Schlaf erzählen kann! Dann sah ich, dass seine Augen weit aufgerissen waren. Er hörte mir fasziniert und aufmerksam zu. Immerhin war er jetzt ruhig.

Ich legte ihn also in sein Bettchen und er fing an, sein neues Schiff zu streicheln: „Sssöne Sssiff“, sagte er andächtig nickend. „Ja, mein Sohn, jetzt schlaf schön. Gute Nacht“, sagte ich und wollte hinausgehen. Da fing der kleine Mann an zu protestieren: „Nein Mama! Sssifff wegfahren! Neiiin! Hierbleiben!!“ Ich beruhigte ihn: „Ja, Mäuschen, das Schiff bleibt ja hier. Schlaf schön!“ Ich betrachtete mit ihm gemeinsam nochmal sein Schiif und erzählte, was so ein Schiff alles kann. „Sssöne Sssiff! Meiner!“ Er schien beruhigt, ich ging aus dem Zimmer.

Zwei Minuten später: „Maamaaa!“ Ich wieder rein ins Zimmer. Der Sohn völlig aufgelöst:“ Sssifff wegfahren!“ Der kleine Mann war so tief in der Geschichte drin. Sein Bettchen war ein echtes Piratenschiff. Davon war er zwar grundsätzlich sehr angetan, aber so ganz ohne Mama und Papa die ganze Nacht draußen auf hoher See zu verbringen, das schien ihm dann doch nicht ganz geheuer. Ich musste die Geschichte irgendwie zu einem guten Ende bringen. „Die Mama macht das Schiff jetzt hier ganz fest an Deiner Wickelkommode fest, damit es nicht wegfahren kann. Morgen früh macht die Mama es dann wieder los, und dann können wir übers Meer segeln, ok?“ Der Sohn nickt verständig: „Holland fahren!“ Meer ist gleich Holland, schon klar! Er traut dem Braten immer noch nicht so richtig. Ich muss noch x-mal bestätigen, dass ich das Schiff ganz fest angebunden habe. Nach etwa 30 Minuten Händchenhalten ist mein kleiner Pirat endlich eingeschlafen.

Wir haben bislang immer nur Bücher angeschaut, aber eine selbsterfundene Geschichte, die ihn und seine Spielsachen oder Möbel einbezieht, hatten wir bis jetzt noch nicht. Ich habe das deshalb komplett unterschätzt. Mir war gar nicht klar, dass in diesem Alter ja noch alles möglich ist. Wenn Mama sagt, das Bett ist ein Piratenschiff, dann ist das so. Das kann einem im Dunkeln ganz schön Angst machen. Demnächst muss ich mir wohl weniger abenteuerliche Geschichten ausdenken.

Der Sohn wachte gegen 0:00 Uhr weinend wieder auf. Er stotterte im Halbschlaf etwas von „Sssiff, wegfahren!“ Ich entnahm dem, dass das Schiff sich wohl losgemacht hatte und an der Küste vor Somalia in üble Kämpfe verwickelt war. Da blieb mir nichts anderes übrig, als den Sohn mit in unser Bett zu nehmen. Ein kleiner strampelnder Pirat zwischen seinen Eltern auf 1,60 m. Ich habe kaum ein Auge zu bekommen. Tolle Gute-Nacht-Geschichte!

Eure Mia

Das medienkompetente Kind?!

Am Wochenende wechseln mein Mann und ich uns mit dem Ausschlafen ab. Gestern war ich dran und es war herrlich. Ich habe bis 9:00 geschlafen.

Als ich ins Wohnzimmer runterkam, lagen meine beiden Männer  auf dem Sofa und schauten auf dem iPad fern. Seit 7:00 Uhr!!

In unserem Haus gibt es zwei iPhones, ein iPad, einen Rechner, einen Laptop, drei Telefone und einen Fernseher. Der Sohn kann sie alle bedienen. Es begann in seinen ersten Lebensmonaten damit, dass er mit Vorliebe technische Geräte in den Mund nahm. Mein iPhone zeigte dann immer die Meldung an: „Dieses Zubehör ist nicht für die Verwendung mit Ihrem iPhone zugelassen“ und meinte mit „Zubehör“ Spucke. Sämtliche Versuche, ihm alte, ausrangierte Telefone und Fernbedienungen zum Ablutschen zu geben, scheiterten kläglich. Er ließ sich nicht veräppeln!
Mit nunmehr fast zwei Jahren ist er in der Lage, den Fernseher anzuschalten, iPhone und iPad zu entsperren und sogar auf youtube seine geliebten Folgen Trotro auszuwählen.
Seine Eltern sind in diesem Punkt furchtbar inkonsequent. Was macht man schließlich an einem Sonntagmorgen um 7:00 Uhr, wenn selbst der Bäcker erst um 8:00 öffnet? Der Sohn ist unglaublich unternehmungslustig, mein Mann und ich sind noch nicht einmal wach genug um die Kaffemaschine zu bedienen. In solchen Momenten möchten wir den Machern des Kinderprogramms einen Nobelpreis verleihen.
In anderen Momenten werden wir uns plötzlich unseres Erziehungsauftrages bewußt. Fernsehen? Ein knapp Zweijähriger? Geht gar nicht.
Computerspiele sind aktuell noch kein Thema bei uns, aber wenn der Sohn so weiter macht, wird das auch nicht mehr lange auf sich warten lassen. Wir werden uns also dringend entscheiden müssen, wie wir uns zu dem Thema aufstellen.
Immer wenn ich mein Kind fernsehen lasse (gilt auch für Kinder-Apps auf dem iPhone) habe ich sofort und automatisch ein schlechtes Gewissen. Fernsehen hat den Anstrich, etwas Schlechtes und Verbotenes zu sein. Aber stimmt das wirklich?
Kinder unter drei Jahren sollen nicht fernsehen. Dreijährige dürfen am Tag etwa 20 Minuten fernsehen.
So weit die gängigen Empfehlungen. In der Realität steht der Fernseher aber nunmal unübersehbar und verlockend in unserem Wohnzimmer und eine Folge Pipi Langstrumpf dauert schon 30 Minuten. 
Fernsehen ist passiv. Anstatt sich tolle Spiele einfallen zu lassen oder sich an der frischen Luft zu bewegen, hängt man schlaff vor der Glotze und lässt sich berieseln. Logisch, dass fernsehen somit nicht als besonders empfehlenswert für Kinder gilt, die sollen sich ja entwickeln und kreativ sein.
Ich bin absolut überzeugt davon, dass es für kleine Kinder kaum etwas Sinnvolleres gibt als Freispiel mit anderen Kindern. Mein Sohn hat dazu reichlich Gelegenheit und noch viel mehr: In der Kita gibt es Montags Musikstunde, Dienstags Turnen, Mittwochs Ausflugstag oder wahlweise Kochclub,  Donnerstag Vorleseclub und Freitags aktuelle Projektarbeit. Die Nachmittage mit Mama sind dagegen stinklangweilig, aber man muss ja auch lernen, wie man eine Waschmaschine bedient!  Der Kleine hat so unfassbar viel Input jedenTag, dass ich mir beim besten Willen nicht vorstellen kann, dass Fernsehen ihm irgendwie schaden oder in seiner Entwicklung bremsen könnte. Ich setze natürlich voraus, dass ich das Programm sorgfältig ausgesucht habe und er sich weder den Tatort noch Vampire Diarys ansieht.
Nebenbei bemerkt kann aus dieser kleinen passiven Pause durchaus wieder etwas Kreatives entstehen. Neulich hat der Sohn sonntags morgens eine Folge Bibi Blocksberg angesehen. Anschließend hat er sich seinen kleinen Kinderbesen geschnappt und ist „Hexhex“ rufend auf seinem Besen durchs Haus geritten. Ein Kind, das immer nur alleine vorm Fernseher geparkt wird, kann das vermutlich nicht und so wird man bei der Bewertung der Frage, ob Fernsehen und Co ok sind oder nicht, immer auch nach den sonstigen Lebensumständen eines Kindes differenzieren müssen.


Ich gebe zu, ich bin ein Serien-Junkie. Aus mir ist trotzdem etwas geworden. Ich kann meinem Sohn das Fernsehen daher aus eigener Erfahrung guten Gewissens erlauben. Die Grenzen setze ich nach Gefühl. Am Sonntagmorgen mal ein bißchen mehr, meistens eher weniger und in der Regel an den meisten Tagen gar nicht. Und ich gebe auch zu: Manchmal will ich abends einfach nur in Ruhe die Küche aufräumen und lasse das Sandmännchen in der Zeit Babysitten.


Kinder können auch von Fersehen lernen, heißt es. Wenn die Eltern nämlich daneben sitzen und Erklärungen abgeben. Das ist wieder so eine seltsam weltfremde Idee. Ich will ja auch nicht, dass mein Mann beim Fernsehen dauernd dazwischen quatscht. Außerdem: das Kind sieht doch, was passiert. Soll ich ernsthaft daneben sitzen und sagen: „Guck mal, der Trotro, der hat einen Teddy!“? Tse, da könnten wir ja gleich ein Bilderbuch angucken! 
Eure Mia


Und Papa rockt? Der ist doch heute bestimmt meiner Meinung, oder? Hier nachlesen!

Klappt´s nicht?

Mein Mann muss momentan dauernd auf Geschäftsreise. Letzte Woche Wien, diese Woche Berlin und übernächste Woche wieder Berlin. Wie es der Zufall will wird er dann in unserer Hauptstadt über irgendwelche Strategien beraten, während hunderte Kilometer entfernt einsam und alleine mein Ei springt.
 
Zwei Wochen später stehe ich dann wie jeden Monat mit einem neuen Paket Tampons unterm Arm im Supermarkt an der Kasse und werfe einen Blick auf die Boulevardpresse, von wo aus mir jeden Monat irgendwelche Prominente ihren Babybauch entgegenstrecken.
 
Shakira, Barbara Schönenberger, Jana Ina, Mirja Boes, alle Promis sind schwanger! Nein, eine nicht: Die Herzogin von Cambridge.
 
Arme Kate Middleton! Kaum sind die Hochzeitsglocken verklungen, baut das Königreich erstmal ordentlich Druck auf. Zwei Generationen von Thronfolgern in der Warteschleife sind ja nicht genug! Wann kommt denn endlich ein Baby, Kate?
 
Beim Thema Nachwuchs sind die Erwartungen hoch, da wird für die Frau des zukünftigen Königs von England keine Ausnahme gemacht. Bevor man verheiratet ist, wird erwartet, dass man tunlichst nicht schwanger wird. Kurz nach der Hochzeit wendet sich das Blatt schlagartig: Nun wird geradezu erwartet, dass schnellstmöglich Nachwuchs angekündigt wird. Hat man dann endlich ein Baby in die Welt gesetzt, ist einem nur eine kurze Verschnaufpause gegönnt, denn kaum hat der Nachwuchs den aufrechten Gang erlernt, fragt die Welt nach Nummer 2. Wann kommt denn das Geschwisterchen? Klappt es etwa nicht?
 
Woher kommt eigentlich diese Neugierde?
Es gibt wohl kaum ein privateres Thema als die Familienplanung. Aber in kaum ein Thema mischt sich die Umwelt so sehr mit Bemerkungen ein. Keiner fragt einen, was man verdient, wie viel man wiegt, oder wieviel das Haus gekostet hat, aber die Frage, ob man (noch) ein Kind haben möchte, scheint immer erlaubt zu sein.
 
Vielleicht hängt das damit zusammen, dass Babys etwas so Weltbewegendes sind. Wenn ein paar eine Familie gründet, mutet das immer irgendwie auch romantisch an. Liebe und Babys sind doch irgendwie die ganz großen Themen im Leben. Möglicherweise möchte unsere Umwelt daher rechtzeitig an diesem wunderbaren Ereignis teilhaben. Vielleicht ist es aber auch nur Sensationslust. Um von unserem eigenen Leben anzulenken, schauen wir auf das Leben der Anderen. Oder es ist die pure Langeweile, die uns darauf warten lässt, dass im Leben unserer Freunde und dem der Prominenten geschieht, was der Reihenfolge nach als nächstes geschehen muss. 
 
Über Kate lesen wir in diesen Tagen auch noch, dass es gegebenfalls ein Urlaubsvideo gibt, das sie mit nacktem Hintern zeigt. Lasst Kate doch einfach mal in Ruhe. Sie ist doch sowieso dauernd quasi nackt. Wer möchte schon gerne unter Beobachtung der halben Welt versuchen, ein Kind in die Welt zu setzen? 
Gerade bei der Familienplanung muss man den Menschen doch ihre Privatsphäre lassen. Außer vielleicht denjenigen, die dem Thema einen ganzen Blog widmen. Die sind ja selber schuld.
 
Eure Mia

Zur Mami mutiert!

„Wenn ich irgendwann nur noch Mutter bin, sagst Du mir aber bescheid, ja?“ Während meiner Schwangerschaft hatte ich meine Freundin gebeten, nicht zuzulassen, dass ich eines Tages nur noch in praktischen Klamotten mit praktischen Schuhen über die Konsistenz von Babykacke referieren würde.

 
Ich wollte so bleiben, wie ich bin. Mütter waren für mich Frauen, die einst gut ausgebildet im Berufsleben der Männerwelt die Stirn boten, die sich aber mit der Geburt ihres Kindes dafür entschieden, fortan mit ungewaschenen Haaren und im Schlafanzug zu Hause zu sitzen und sich die Augenbrauen zuwachsen zu lassen. Keine Zeit für Kaffee, Kino, Freundinnen. So würde ich nicht werden! Ich nicht! Ich nahm mir vor, ganz normal weiterzuleben.


Wenn ich heute nach knap zwei Jahren als Mutter Bilanz ziehe muss ich zugeben, dass es Zeiten gab, in denen man mich meistens zu Hause und meistens in Trainingshose antraf, und in denen ich außer Babythemen nicht wirklich Interessantes zu berichten hatte. Über meinen Plan „ganz normal weiterzuleben“ könnte ich mich heute kaputtlachen (süß, haha!), aber insgesamt ist doch einiges von der alten Mia übriggeblieben. Meine Freundin ist da wohl anderer Meinung und kommt nun meiner damaligen Bitte nach. Sie erklärte mir kürzlich, sie sei wirklich enttäuscht, denn von mir hätte sie nicht gedacht, dass ich zu einem solchen Muttertier mutieren würde. Seufz, ich muss ja bloß schon Chef, Mann und Sohn gerecht werden. Jetzt hab ich auch noch meine Freundin enttäuscht.

 
Meine Freundin ist Single ohne Kind. Sie vermisst die Zeiten, in denen wir beide auf einer Party noch einen letzten Drink im Sonnenaufgang genommen haben, bevor wir nach Hause gingen um uns den ganzen Sonntag über gründlich auszuschlafen. Sie macht das immernoch, allerdings jetzt mit anderen Freundinnen und nicht mehr mit mir. Früher hatte ich Spaß daran, am nächsten Tag die Vor- und Nachteile der jeweiligen Abendbegleitung ausführlich zu bequatschen. Heute finde ich das total langweilig. Da sitze ich mit meinem Sohn in einem Berg von Legosteinen auf dem Fußboden, während ich mir am Telefon Geschichten über einen One-Night-Stand anhöre. Das kommt mir so unwirklich vor.

 
Ist es spießig von mir, dass ich mir wünsche, meine Freundin hätte auch Mann und Kind?

Sie ist meine Freundin. Irgendwie habe ich das Gefühl, ich bin es ihr schuldig, dass ich hin und wieder zu Besuch in ihr Leben komme. Andererseits: Muss ich, um eine gute Freundin zu sein alle paar Wochen mit ihr eine Nacht durchfeiern auch wenn ich darauf überhaupt keine Lust habe, ? Oder muss sie sich vielleicht nach mir richten, weil das für sie viel einfacher ist, denn sie muss sich nicht mit ihrem Mann absprechen, ggf. einen Babysitter organisieren und am nächsten Morgen trotzdem um 7: 00 Uhr aufstehen.

 
Einmal mehr seit ich eine Mutter bin, muss ich einen Kompromiss finden. Bloß: Wo liegt die goldene Mitte zwischen Partynächten und Spielplatznachmittagen? Müssen wir beide im Wechsel Dinge tun, auf die wir keine Lust haben, oder gibt es einen Kompromiss, der für uns beide in Ordnung ist?


Gelegentlich treffen wir uns zum abendessen bei uns zu Hause, wenn der Sohn schon im Bett ist. Manchmal sitzen wir dort bis spät in der Nacht. Diese Abende finde ich super. Sie scheint damit nicht zufrieden zu sein. Wenn sie mit mir ausgehen will, dann will sie von Mann und Kind nichts hören. Sie will das ganz beiseite schieben. Sie will mich für sich alleine haben.

 
Der Punkt ist: ich bin glücklich in meiner Vater- Mutter-Kind-Welt. Mir fehlt nichts. Nur meine Freundin manchmal…


Kennt Ihr das auch? Oder kennt ihr vielleicht die andere Perspektive?


Eure Mia

Vergiss die Mütze nicht!! Sonnencreme, Mütze, Schuhe- ist das immer nötig?

Mama Mia und Papa rockt: Zwei Blogs-zwei Meinungen?
Bei diesem Wetter braucht mein Sohn eine Mütze! Das ist doch selbstverständlich. Jedenfalls für mich, aber ich wohne ja nicht alleine.

In unserem Haus wohnen drei Personen: Ein Kind, ein großer Spaßmacher und eine Gouvernante. Ich bin- genau! Richtig geraten!

Ich habe keine Ahnung, wie ich zu dieser Rolle gekommen bin. Ausgerechnet ich, die ich früher in der großen Pause immer ohne Jacke rausgegangen bin, weil Jacken auch bei Minusgraden viel zu uncool waren. Ich, die ich meine Mütze höchstens so lange auf dem Kopf behielt, wie meine Mutter mich noch im Blick hatte. Ausgerechnet ich laufe in den letzten Tagen jeden Morgen meinem Mann und meinem Sohn hinterher und schimpfe, weil das Kind keine Mütze auf dem Kopf hat. Und das ist noch längst nicht alles, was die Gouvernante zu bemängeln hat. Die fehlende Mütze war im Sommer der fehlende Sonnenhut. Und die fehlende Sonnencreme. Ich schalte mich auch regulierend bei zuvielen Süßigkeiten ein, bei zu viel Fernsehen und bei zu wenig Trinken. Ich mahne zum Ins-Bett-Gehen und bestehe aufs Zähneputzen. Ich bin zuständig für die Einhaltung einer Menge von Regeln. Regeln müssen schließlich sein, oder?

„Wenn man sich stur auf Regeln beruft, dann erlangt man nie eine persönliche Art der Autorität“, sagt Jesper Juul. „Man ist nichts weiter als ein Polizist, der die Einhaltung der Regeln kontrolliert.“ Oder eben eine Gouvernante. Sag ich doch.

Es kommt also darauf an, wie ich die Regeln meinem Sohn (und meinem Mann) gegenüber verkaufe?

Jesper Juul sagt nämlich auch: „Kinder brauchen Führung. Sie sind gleichwertig, aber nicht gleichberechtigt.“

Meine Regeln sind also grundsätzlich ok, aber ich darf mich nicht stur auf die Regeln berufen, sondern muss auch rüberbringen, warum die Regeln wichtig sind. Ja, warum denn? Warum muss die Mütze sein? Und der Sonnenhut? Und die Sonnencreme?

Regeln sind nicht gleich Regeln. Kinder müssen spielen, entdecken, erforschen. Dazu gehört auch mal ein blutiges Knie, auch wenn es für Mama schwer zu ertragen ist. Der Spaß hört auf, wenn es gefährlich für das Kind und/oder andere wird. Da werden Regeln zu Schutzvorschriften und sind nicht verhandelbar.

Gehört also nun das Tragen einer Mütze, die Zu-Bett-Geh-Zeit und das Zähneputzen zur Gruppe der Schutzregeln? Oder übertreibe ich es und stelle viele Regeln doch nur um der Regeln willen auf, oder weil die Übermutter in mir sich so schrecklich ängstigt? Muss ich mich einfach mal locker machen und hier und da fünfe gerade sein lassen?

Mein Mann (der große Spaßmacher) sieht die Dinge lockerer. Mütze? Ach, wir sind doch bloß ganz kurz draußen. Es ist aber auch einfach, die Dinge nicht so genau zu nehmen, wenn man nicht derjenige ist, der mit den Konsequenzen leben muss. Fiebert der Sohn am nächsten Tag, weil er nicht warm genug angezogen war, dann bin ich diejenige, die statt ins Büro zu gehen am nächsten Tag am Krankenbett sitzen muss. Und ist der Sohn zu spät im Bett gewesen, sind es meine Nerven, an denen den ganzen nächsten Nachmittag ein unausgeschlafener Knatschibald zerrt. Wenn ich daran denke, kann ich einfach nicht anders. Manche Dinge sind banal, aber wichtig.

Regeln sind anstrengend für alle Beteiligten. Eine Mittelohrentzündung aber auch. Grund genug, Mütze &Co. für absolut notwendig zu erklären. Mag man mich auch für eine Gouvernante halten…

Eure Mia

Und was sagt Papa rockt? Hier nachlesen!