Erzähl mir nix von urlaubsreif!

Meine kinderlose Kollegin stöhnte heute morgen: “ Ich bin sowas von urlaubsreif!“
Klar, denke ich bei mir, die hat wohl am Wochenende zu viel gefeiert und ist jetzt müde.
Gedanklich lasse ich mein eigenes Wochenende Revue passieren:
Wochenende hin oder her: Der Samstag begann wie jeder Tag gegen 07:00  Uhr mit dem Weckruf des Sohnes. Ich sprang sofort auf, eilte in die Küche und stand 60 Sekunden später mit der fertigen Milchflasche neben dem Bett des Sohnes. Ja, beim Fläschchenmachen sitzt jeder Handgriff. Sowas perfektioniert man, wenn man einen Sohn hat, der bei seinem morgendlichen Milchfläschchen keinen Aufschub duldet und ein unfassbares Geschrei veranstaltet, während man selber noch Probleme hat, die Augen zu öffnen. Früher hat mein Mann mir jeden Morgen den ersten Kaffee ans Bett gebracht. Vorher war ich gar nicht in der Lage, aufzustehen. Eigentlich könnten wir das mal wieder einführen. Ich vergesse immer, ihm das zu sagen (Hallo Ehemann, liest Du eigentlich inzwischen meinen Blog? Falls ja, kannst Du morgen dem Sohn die Flasche machen und mir einen Kaffee mitbringen?)!
Nach dem Fläschenritual geht mein Mann mit dem Sohn ins Wohnzimmer während ich noch etwas schlafen darf. Schöner wäre natürlich, ich müsste gar nicht erst aufwachen, aber der Sohn besteht bei seiner Milchflasche darauf, meine Hand zu halten. Wenn mein Mann manchmal als erster neben seinem Bett steht sagt er manchmal: „Mama! Papa weg!“ Klingt grausam, relativiert sich aber dadurch, dass das gelegentlich auch umgekehrt vorkommt. Das Kind hat halt seinen eigenen Kopf und ist damit sehr erfolgreich, weil der jeweils angeforderte Elternteil dahinschmilzt und gerne zur Stelle ist.
Im Laufe des Tages stehen folgende Aufgaben an, die ich alle hasse: Einkaufen, Putzen, Rasenmähen, Besorgungen machen, Waschen und Bügeln. Mit Erholung hat so ein Wochenende nichts zu tun, aber zwischen 30 Stunden Arbeiten und Kinderbetreuung schaffe ich einfach nichts davon während der Woche.
Meistens vergeht der Samstag auf diese Weise im Fluge.
Der Sonntagmorgen begann ebenfalls wie alle anderen Tage der Woche auch. Der Sohn war bereits um 6:30 Uhr wach. Dieses Mal durfte mein Mann ausschlafen und ich ging mit dem Sohn ins Wohnzimmer. Was macht man an einem Sonntagmorgen um 6:30 Uhr?? In den Garten können wir noch nicht- das können wir den Nachbarn nicht antun. Der Bäcker macht erst um 8:00 auf. Zum Glück dürfen wir Papa bald wecken, denn wir sind mit der Kita-Freundin des Sohnes auf einem nahegelegenen Bio-Bauernhof zum Frühstücken verabredet. Vor ein paar Jahren war es eine kaum zu bewältigende Herausforderung für uns, in unserer Lieblingskneipe um die Ecke noch einen Sitzplatz zum Frühstücken zu ergattern, denn dafür hätte man spätestens um 11:00 dort sein müssen. Hätte mir damals jemand gesagt, dass ich einmal um 9:00 morgens auf einem Bio-Bauernhof stehen würde- ich hätte ihn bestenfalls ausgelacht.
So ein Sonntag mit Mann und Kind ist immer herrlich. Er ist allerdings selten geeignet, zur Regeneration von den Strapazen der Woche zwischen Kind und Beruf beizutragen. Eigentlich glaube ich, mein Schlafdefizit wird langsam aber sicher immer größer.
Trotzdem stehe ich am Montag Morgen wieder pünktlich im Büro. Ich frage ich, wie das Wochenende so schnell vorbei gehen konnte und nehme mir vor, am nächsten Wochenende definitiv irgendwie mehr Schlaf abzubekommen.
Ich bin sehr müde, bin aber trotzdem nett anzusehen und top gestylt mit perfekt überschminkten Augenringen. Ich werde nie wieder den Fehler machen, meinen Kollegen zu erzählen, wie müde ich dank Kind bin.
Und da erzählt mir die kinderlose Kollegin, wie urlaubsreif sie ist. Ich lächle müde und will sagen: „Wo ist dein Problem? Dann schläfst Du Dich halt nächstes Wochenende mal richtig aus. Gehst am Freitagabend mit Deinem Freund schön essen und schläfst bis in die Puppen um danach von 12-15 Uhr gemütlich zu frühstücken. Anschließend verbringt ihr den Rest des Tages im Liegestuhl auf dem Balkon bei einem guten Buch!“
Wenn ich alle fünf Tage zwei solche Tage hätte, bräuchte ich nie wieder Urlaub. Aber die Kollegin denkt ja, ich hätte es so gut, weil ich mich jeden Nachmittag in die Sonne legen kann. Oder was macht eine Teilzeitlerin wohl sonst nachmittags?
Wenn die wüßte, wie urlaubsreif man sein kann. Aber das erkläre ich ihr jetzt nicht. Dafür bin ich viel zu müde!
Eure Mia

0 Gedanken zu “Erzähl mir nix von urlaubsreif!

  1. Na das sind ja Aussichten. Stell ich mir irgendwie witzig vor, wenn der Kleine neben unserem Bett steht und mal guckt, ob wir schon wach sind. Können die echt alleine spielen, wenn die Eltern noch schlafen? Das wär natürlich cool! LG Mia

  2. Sehr schön beschrieben! Ein bisschen urlaubsreif sind doch alle Mamas irgendwie. und falls es dich tröstet – spätestens wenn die Kollegin Kinder hat, wird sie an die zeit jetzt zurückdenken und sich fragen, warum genau sie sich damals urlaubsreif gefühlt hat ^^ Liebe Grüße

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