Teilzeit ist jetzt cool! Endlich mehr Anerkennung für Mütter?

Mütter, unsere Zeit ist gekommen!
Wir liegen mit Elternzeit, Teilzeit und Home Office Tagen total im Trend!
Die sogenannte Generation Y spielt uns in die Tasche und wird unser mickriges Dasein als belächelte Teilzeitmamis endlich beenden und uns die Anerkennung einbringen, die wir verdienen.
Die Generation Y, das sind in den achtzigern und neunzigern geborene Absolventen, die bestens ausgebildet auf den Arbeitsmarkt schwärmen, denen aber nicht im Traum einfällt, sich für ein gigantisches Gehalt mehr als nur einen Teil ihres Tages abkaufen zu lassen. Karriere? Kann warten! Sie fordern flexible Arbeitszeiten, Sabatticals, Elternzeit, Home-Office und Teilzeittätigkeiten. Die besten unter ihnen haben in puncto Work-Life Balance die höchsten Ansprüche und die dürfen das, denn sie sind gut.
Ist das nicht Musik in Euren Ohren? Wenn Unternehmen sich ein Bein ausreißen, um Top-Kräften eine individuelle Work Life Balance zu ermöglichen, dann können wir Mütter doch wohl nicht mehr belächelt werden, wenn wir uns Nachmittags unserem Nachwuchs widmen! Als erfahrene Elternzeitler und Teilzeitler sind wir dann sozusagen die Pioniere der neuen Work Life Balance Bewegung. Die Erfahrenen unter den Nachwuchsführungskräften. Ja, und endlich sehen es dann alle ein, dass man nicht für Anwesenheitszeiten sondern für Leistungen bezahlt wird. Welch rosige Zukunft!
Mh, irgendwie werde ich den Verdacht nicht los, dass Teilzeit zwar neuerdings cool ist, dass das aber nicht für Mütter gilt. Ach ja richtig, wir Mütter machen das ja nicht, weil wir solche Highperformer sind, wir WOLLEN ja lieber Windeln wechseln. Wie kommen wir jetzt aus unserer „Seit ich ein Kind habe, interessiere ich mich nicht mehr für meinen Beruf“-Schublade in die coole „Ihr wißt ja, wie gut ich bin, aber ihr müsst eine Weile auf mich verzichten“-Schublade??
Und es gibt einen Haken: Die Generation Y verzichtet nicht für immer auf die große Karriere. Schon nach wenigen Jahren Berufstätigkeit lassen sich ihre Mitglieder auch ins Hamsterrad einsperren. Denn ab etwa 30 Jahren besinnen sie sich auf Kind und Familie und plötzlich spielt die Karriere dann doch eine zentrale Rolle, berichtet die „20 Minuten Online“ Ausgabe der Schweiz in diesem Artikel.
Hab ich´s doch gewußt! Die Rede ist wieder nur von Männern. Um die reißt sich der Arbeitsmarkt und ermöglicht ihnen flexible Arbeitsmodelle. Wenn sie dann aber eine Familie gründen, sind Auszeiten plötzlich passe und sie leisten ihren Beitrag zur Familie im Wesentlichen durch die Rolle des „Ernährers“. Die Unternehmen machen sie dann zu Chefs, die es den Teilzeitmamis schwer machen. Teilzeit ist eben doch nicht cool, sondern dient nur dazu, sich nachmittags in die Sonne zu legen.
Kommando zurück, Mütter. Es dauert noch etwas…
Eure Mia

Urlaub mit Kind- und schlechtem Gewissen

Ich habe Urlaub! Wir sind am Meer. Der Sohn macht Mittagsschlaf und mein Mann und ich haben noch etwa 30 Minuten Zeit, das zu tun, was wir möchten. Ich nehme mir Zeit für´s Bloggen.
Gleich wird der Sohn aufwachen und wir gehen wieder an den Strand.
Es ist wunderschön, den kleinen Mann am Strand zu beobachten. Er rennt jedes Mal aufs Meer zu, als würde er es zum ersten Mal sehen.
Ich freue mich, den ganzen Tag mit ihm zusammen zu sein. Den ganzen Tag als Familie.
Ich genieße es, morgens noch ganz lange zu dritt im Bett zu liegen und zu kuscheln. Kein Termin wartet im Büro.
Ich liebe es, mit ihm am Wasser zu spielen. Mein Mann und ich haben ewig nicht so im Sandschlamm gespielt. Am Strand haben wir Löcher und Burgen gebaut, als wären auch wir wieder zwei Jahre alt.
Es tut gut, nicht auf die Uhr schauen zu müssen. Der Sohn geht später ins Bett als sonst. Wir leben nach Gefühl.
Die Seeluft tut gut. Sie macht müde. Ich könnte schlafen, schlafen, schlafen.
Ich sehne mich danach, auszuschlafen.
Ich sehne mich danach, den ganzen Tag auf der Terasse des Ferienhauses zu sitzen und ein Buch zu lesen.
Ich möchte am Strand einfach nur aufs Wasser schauen und die Gedanken schweifen lassen. Einfach nur da sitzen. Auf niemanden aufpassen. Mit niemandem spielen.
Ich würde gerne abends nicht auf die Uhr schauen müssen. Ich möchte Aperol Sprizz trinken, so viel ich mag und lange aufbleiben.
Ich möchte mit meinem Mann nach dem Abendessen an den Strand gehen und den Sonnenuntergang ansehen…
Ob ich meinen Mann bitte, den Nachmittag alleine mit dem Sohn am Strand zu verbringen? Dann könnte ich ein bißchen lesen.
Ach, ich weiß nicht. Den wertvollen Familienurlaub wieder im Schichtdienst verbringen, anstatt die Zeit zu nutzen, eine Familie zu sein? Der Sohn hat zu Hause meistens nur entweder Papa ODER Mama. Im Urlaub soll er beides haben.  Für meinen Mann wäre der Nachmittag ja sonst auch doppelt so anstrengend, dabei braucht der auch Urlaub. Außerdem…ach Mann! 
Das schlechte Gewissen hat wohl nie Urlaub!
Eure Mia

Neidisch auf die schwangere Freundin- darf ich das?

Ich freue mich ja über jedes Baby! Je mehr Babys im Freundeskreis, umso besser!
Na gut, ich will ehrlich sein: Ein ganz kleines bißchen Neid mischt sich in letzter Zeit unter meine Freude. Aber Neid ist eine so häßliche Sache, noch häßlicher als Geiz. Deshalb schiebe ich das schnell beiseite.
Ich freue mich über jedes Baby in meinem Umfeld. Nicht nur, weil Babys einfach so süß sind, und ich so gerne diese winzigen Neugeborenen im Arm halte, oder weil ich mich für jede Freundin freue, die dieses große Glück erleben darf. Ich freue mich auch für mich, denn ich habe auch etwas davon.
Für mein Sozialleben ist jedes Baby eine herrliche Bereicherung. Es bedeutet, dass eine weitere Freundin zur Mutter wird. Vermutlich muss ich sie demnächst nicht mehr in einem Club treffen und am nächsten Tag hundemüde sein. Nein, eine Freundin, die ein Baby hat, wird die gemeinsamen Treffen vermutlich wie ich lieber auf einen Brunch am Sonntag verschieben. Sie wird mich auch nicht langweilig finden, und mich zwingen, mir einen Ruck zu geben, wenn ich lieber gemütlich essen gehen möchte, anstatt die Nacht durchzufeiern. Wir werden uns nachmittags auf dem Spielplatz treffen können oder im Garten oder im Cafe und wir werden über unser Leben als Mutter, Ehefrau und Arbeitnehmerin reden können- kurz: Wir werden es sehr nett haben, denn wir werden uns verstehen.
Ja, mehr Gleichgesinnte um mich herum machen mich zufriedener und lassen mich hoffen, eines Tages auch eine Latte Macchiato Mutter werden zu dürfen (natürlich nur im positiven Sinne und ohne Jack Wolfskin Jacke). Dann würde ich mich auch viel fröhlicher aus dem Büro verabschieden können: Pfeif auf das schlechte Gewissen-  ich geh jetzt Milchkaffee trinken!
Am Sonntag war ich bei einer meiner wenigen Freundinnen mit Kind zum Brunch eingeladen. Die Kinder spielten im Hintergrund und ich habe entspannt gefrühstückt. Ich wußte, solange keiner schreit, brauche ich mir keine Sorgen zu machen- Wohnungen von Freundinnen mit Kind sind ja kindersicher. Es war herrlich.
Plötzlich sagt meine Freundin: „Ach, übrigens, ich bin wieder schwanger.“
Ich bin sofort aufgesprungen und war ganz begeistert. Ehrlich! Aber da war er wieder, dieser fiese kleine Stich. 
Natürlich freue ich mich aufrichtig für meine Freundin. Aber kann es sein, dass plötzlich um mich herum ein wahrer Kindersegen auf alle herabregnet- außer auf mich? Klar, ich bin auch gesegnet, ich habe ja mein über alles geliebtes Söhnchen. Aber der Wunsch nach einem zweiten Kind ist so stark- ich fühle mich einfach noch nicht komplett. Und nun kommt eine Freundin nach der anderen und ist plötzlich schwanger. Meine Kollegin auch. Und die Nachbarin von gegenüber auch.
Auf dem Nachhauseweg fiel mir ein, dass das neue Baby meiner Freundin ja schon ihr zweites Kind ist. Sie bekommt jetzt ein Zweites und ich nicht! Da sie ja schon Mutter ist, bringt das Baby mich also auch dem Dasein einer Latte Macchiato Mutter nicht näher.
Ich habe mir daher überlegt, dass ich es mir selber von nun an einfach erlauben werde, auch mal neidisch zu sein. Nur bei zweiten Babys. Nur ein ganz kleines bißchen. Und nur für eine Weile.
Ist doch ok, oder?

Eure Mia

Mein Sohn, schür die Rebellion!

„Da, da, in dem grünen Korb! Haha, das ist doch der Gelbe! Nein, haha, das ist der Rote!“
Mindestens 50 Kinder schreien und lachen sich kringelig, während ein Clown auf der Bühne sich nicht mehr erinnern kann, in welchen Korb er gerade eben seine Hupe gepackt hat.
Wir sind auf dem Sommer-Stadtfest und unser Sohn starrt von meinem Schoß aus gebannt und mit leuchtenden Augen auf den Blödsinn, den der Clown anstellt. Um uns herum überall lachende, aufgeregte Kinder. Alle rufen durcheinander, jeder will dem Clown helfen, seine Hupe zu finden, Wir sitzen mitten im allergrößten Spaß. Mitten in einer ganz und gar begeisterten Kinderschar.
Plötzlich frage ich mich: Wann verliert man eigentlich diese Begeisterung?
Ich denke an vergleichbare Versammlungen von Erwachsenen. Vor meinem geistigen Auge sehe ich Vortragende, Moderatoren, Trainer. Jedem von Ihnen sitzt eine graue Masse gegenüber. Eine schweigsame Masse. Es gibt keine begeisterten Zwischenufe. Wer eine Äußerung des Publikums möchte, der muss schon direkt fragen. Aber- oh je, selbst dann sagt keiner ein Wort. Alle schauen betreten auf den Boden. Jahre zuvor waren die alle mal begeisterte Kinder.
Kann man das Alter festmachen, in denen es mit der ungehemmten Begeisterung vorbei ist?
Schulanfänger haben sie noch nicht verloren, glaube ich. Wenn ich an die Einschulung meines Patenkindes letztes Jahr denke, da haben jedenfalls alle Kinder noch ganz wild durcheinander die Fragen der Rektorin beantwortet.
Verlieren wir die Begeisterung überhaupt? Oder ist die Begeisterung immernoch in uns, aber wir sind zu gehemmt und halten es für angemessen, uns zurückzuhalten?
Wann fangen Kinder an, es vorzuziehen, sich zurückzuhalten? Und vor allem: Warum? 
Vermutlich sind es viele schlechte Erfahrungen, die sie verwandeln. Zum Beispiel die Erfahrung, dass es immer jemanden gibt, der es besser weiß, und der einen auslachen könnte, wenn man etwas sagt. Oder noch schlimmer, die Erfahrung, dass sich eine ganze Gruppe gegen einen verbünden kann, wenn man es wagt, das Falsche zu sagen. 
Ich drücke meinen Sohn, der immernoch staunend mit offenem Mund auf meinem Schoß sitzt, ganz fest an mich. Für einen Moment erdrückt mich die Gewissheit, dass vor diesem kleinen Wesen so viele schlechte Erfahrungen liegen, vor denen ich ihn kaum beschützen kann.
Ach, mein Söhnchen, ich wünsche Dir, dass Du Deine Begeisterung noch ganz, ganz lange behältst. Deine Mama wird dich jedenfalls immer ermuntern, Deine Stimme zu erheben.
Ob ich einfach mal mit den ganzen Kindern dem Clown zurufe? Hab´ich ja verdammt lange nicht gemacht…

Eure Mia

„Mein Sohn, schür die Rebellion, schür Deine Vision
Es muß nicht, bleiben, muß nicht bleiben wie es ist und
Heh, meine Tochter geh, Deinen eigenen Weg
Du mußt nicht bleiben, mußt nicht bleiben, wo Du bist
Und dann: Zeig uns, was Du kannst!
Und nimm diese Welt in Deinen Arm!“

                                                      Wolf Maahn, Rebellion

Zeitungsartikel über Mama Mia

Die Südwestpresse hat mich zu meinem Blog interviewt und einen schönen Artikel verfasst.
Hier der Link zur Online-Ausgabe:
Ich möchte den Artikel zum Anlass nehmen, mich mal bei Euch Lesern zu bedanken! So viele Besucherzahlen hat mein Blog, dass ich es kaum fassen kann. Ich hoffe, dass mir meine treuen Leser noch sehr lange erhalten bleiben- vielleicht erzählt ihr mir ja auch mal von Eurer Schwangerschaft, bzw. dem Weg dorthin?! Oder teilt mit mir Eur Erfahrungen als Mutter, Arbeitnehmerin, Freiberuflerin, Ehefrau, Freundin…
Ich würde mich sehr freuen, wenn sich noch mehr Leser hin und wieder zu einem Kommentar hinreißen ließen. Ohne Eure Kommentare bin ich so alleine hier draußen!
Und Euch, die Ihr regelmäßig kommentiert möchte ich sagen: Danke! Ich schreibe nicht nur für mich, sondern immer mehr auch für Euch!
Diejenigen, die sich aus der Anonymität des Internets heraustrauen, sind herzlich eingeladen, sich über Facebook mit mir zu verlinken!
Unglaublich viele Leser kommen über folgende Google-Suche bei mir vorbei: Mein Kind weint, wenn ich aufs Klo gehe/ Als Mutter kann ich nicht alleine aufs Klo gehen (wohl wegen dieses Artikels: http://mamamia-babyblog.blogspot.de/2012/06/im-buro-darf-ich-alleine-aufs-klo-gehen.html)
Euch möchte ich sagen: Nehmt es leicht. Das geht vorbei. Alles nur eine Frage der Zeit 🙂
Eure Mia

Sex nach Kalender. Wie romantisch!

Diesen Monat will ich es ganz genau wissen. Ich habe mir Ovulationstests gekauft und erwarte nun in den nächsten Tagen von einem digitalen Smiley angegrinst zu werden.
Das Problem ist aber: Ich hab gerade überhaupt keine Lust! Der Sohn ist krank (erster Härtetest mit meinem neuen Chef- ich werde noch berichten), meine Freundin hat Liebeskummer, ein Freund hat seinen Job verloren, kurz: Ich habe jetzt keine Muße für ein Rendezvous mit meinem Mann.
Jetzt könnte man einwenden, man müsse ja nicht gleich ein Feuerwerk der Gefühle abfackeln und könne als Ehepaar mit Kinderwunsch einfach schnell mal so in die Kiste hüpfen, dafür bräuchte man keinen freien Kopf. Ja, könnte man. Aber einfach schnell mal so wird mein Kind nicht gezeugt!
Ein bißchen romantisch muss es für mich schon zugehen. Letzten Monat habe ich mich echt ins Zeug gelegt. Ich habe gekocht, mir was Tolles angezogen und als ich meinen Mann in der Einfahrt hörte, schnell die Kerzen angezündet. Nach dem Nachtisch meinte mein Mann: „So, jetzt bist Du fällig!“ Aber bis dahin war es echt romantisch!
Einmal habe ich das Gästezimmer als Liebesnest hergerichtet. Also, eigentlich habe ich nur aus einem zur Rumpelkammer verkommenen Raum wieder ein begehbares Zimmer gemacht, indem ich Staubsauger, Wäschständer etc. enfernt und für schöne Beleuchtung gesorgt habe. Hat aber gereicht, um meinen Mann zu begeistern. Hätte er nicht gesagt: „So, dann wollen wir mal“ hätte es glatt romantisch werden können.
Schön, ich gebe es zu, es bleibt Sex nach Kalender, egal was ich mir ausdenke. Ich bestehe aber trotzdem weiterhin darauf, dass Romantik im Spiel sein muss. Leider gehen mir langsam die Ideen aus. Ich kann ja nicht jeden Monat die Nummer mit dem Candlelight Dinner bringen. Und weitere Zimmer, die ich zum Liebesnest machen kann, haben wir auch nicht. Und diese Woche habe ich sowieso keine Lust. Es wird wohl das Beste sein, wir setzen einfach mal einen Monat aus. Warum nicht?
Andererseits… jetzt habe ich ja diese Packung mit den teuren Ovulationstests schon angebrochen! Und diese liebevoll mit Folsäure, Vitaminen, Bewegung und unter weitgehendem Alkoholverzicht herangezüchete Eizelle einfach so vorbeiziehen lassen?? Niemals!
Romantik darf man jetzt auch nicht überbewerten!
Eure Mia
P.S. Irgendjemand vielleicht noch Ideen?

Kind und Karriere- wie schafft Papa das bloß?

Letzte Woche erzählte mir mein Mann, dass sein Kollege Alex und dessen Frau ihr erstes Kind erwarten. Ich kenne die beiden schon lange und mag sie sehr gerne, daher habe ich mich total gefreut.
Und dann sagt mein Mann: „Alex und ich wollen uns nächste Woche mal auf ein Bierchen treffen, weil er wissen will, wie man das so mit der Vereinbarung von Beruf und Kind auf die Reihe bekommt.“
Ich stutze. „Äääh, wie jetzt? DER wird ja wohl kaum in Elternzeit oder gar Teilzeit gehen?! Das übernimmt doch sicher Kerstin?!“ „Ja natüüürlich! Aber er hat Angst, dass er zu Hause Streß bekommt, wenn er weiterhin so viel arbeitet, weil Kerstin ja bestimmt von ihm mehr Präsenz zu Hause verlangen wird. Und weil ich ja auch so viel arbeite, will er sich mal austauschen, wie ich das so mache.“
Wie bitte??? Ich glaub´ich hör´nicht gut!! Was müssen die??
Ich baue mich vor meinem Mann auf:
„Ist klar! Ihr arbeitet doch einfach geradeaus weiter. Es ist nicht Euer Leben, das sich grundlegend ändert, sondern das Eurer Frauen! 
Als der Sohn noch ganz klein war habe ICH mir die Nächte um die Ohren geschlagen, während Du im Gästezimmer geschlafen hast. Du musstest ja ausgeschlafen sein, für den Job! Und während ich zu Hause versucht habe, den Babyalltag zu meistern, bist Du wie immer ins Büro gegangen und hast Dich dort mit anderen Eltern ausgetauscht. Du standest mit anderen Eltern vergnügt in der Teeküche, während ich zu Hause dachte, ich wäre ganz alleine auf der Welt!
ICH muss meine Termine verschieben, wenn der Sohn krank ist. Deine Termine sind ja immer so wichtig. ICH kann meine Karriere vergessen, während DU von Deinen Kollegen noch mehr bewundert wirst, seit Du ein Vater bist.
ICH muss jeden Tag Kind und Beruf irgendwie unter einen Hut bekommen. Du kommst erst nach Hause, wenn der Sohn gefüttert, gebadet und gepampert in seinem Bettchen schlummert, die Küche sauber und das Wohnzimmer aufgeräumt ist.
Und jetzt müsst Ihr Euch zusammensetzen und eine Runde jammern, wie schwer ihr es habt??!!
Wenn Du dem Alex bei Eurem Bierchen nicht erzählst, wie toll Deine Frau ist, weil sie zu Hause alles im Griff hat und dabei immer ein Lächeln auf den Lippen trägt, dann flipp! ich! aus!! Du bist es mir schuldig, dass Du dem mal erzählst, wie gut Du es hast, weil ich Dir klaglos den Rücken freihalte. DU hast nämlich überhaupt kein Problem mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf und das verdankst Du MIR! Weil ich ALLES mache und mich nie, Nie, NIE beschwere und dir überhaupt keinen Streß mache!“
„Klar“, grinst der Gatte, „das sagt der kleine Giftzwerg, der sich hier seit fünf Minuten vor mir aufbaut und schimpft!“
Grmpf. 
Ich nehme die Hände aus den Hüften. Ich muss echt noch viel souveräner werden. Aber Recht habe ich trotzdem!
Eure Mia

20 Monate im Leben einer Mutter

Heute vor 20 Monaten ist mein Sohn geboren.
Heute vor 20 Monaten wurde mein Leben ganz kräftig durchgerüttelt, durcheinandergewirbelt und auf den Kopf gestellt.
Ich habe geheult. Viel geheult. Weil ich mir solche Sorgen gemacht habe um dieses kleine Wesen, das in seinen ersten Tagen mit der Gelbsucht kämpfen musste und mir zur Bestrahlung 24 Stunden weggenommen wurde. 
Weil ich so müde war, nach der durchwachten Geburtsnacht und den darauf folgenden ersten zwei Nächten, in denen er nur geschrien hat. 
Weil er auf meinem Arm gebrüllt hat und dann auf Papas Arm einfach eingeschlafen ist.
Kann ich die Verantwortung tragen? Werde ich eine gute Mutter sein?
Die Heultage gingen vorbei, die Müdigkeit blieb. Warum hatte mich keiner darauf vorbereitet? Jeder Knochen tat mir weh. Mein Mann ging wieder zur Arbeit, in die gleiche Firma, in der ich auch bis vor ein paar Wochen gearbeitet hatte. Dieses Leben da draußen hatte mit mir nichts mehr zu tun.
Nach neun Wochen hat mein Sohn zum ersten Mal sechs Stunden am Stück geschlafen. Am nächsten Tag fühlte ich mich zum ersten Mal wieder ein bißchen wie ich selbst. Von diesem Tag an habe ich mir Stück für Stück mein Leben neu geordnet.
Ich habe meinen Sohn vom ersten Tag an geliebt, aber ich musste mich auch erstmal an den Gedanken gewöhnen, dass das mein Sohn ist, der jetzt für immer bleibt. Wie jede Beziehung wächst auch die Beziehung zu einem Kind. Heute bin ich überzeugt, dass man niemanden so sehr liebt, wie sein Kind.
Ich liebe es, wenn er in meinem Arm einschläft. 
Ich liebe es, wenn er mir in die Arme fliegt, wenn ich ihn aus der Kita abhole.
Ich liebe es, wenn er morgens in unserem Bett liegt, seine Flasche trinkt und meine Hand hält.
Ich liebe es, wenn er seine kleinen Ärmchen um meinen Hals schlingt und sagt :“Mama lieb!“
Ich liebe seine Lachanfälle und seine Wutanfälle.
Ich liebe seine Kulleraugen, seine kleinen Händchen, seine kleinen Ärmchen, die entzückenden Füße, den Lockenkopf, den Kussmund.
Ich liebe meinen Sohn.
20 Monate nach seiner Geburt ist er ein vergnügter und lustiger kleiner Kerl, der gern albern ist, aber manchmal auch ganz ernst, und der Menschen und Dinge aufmerksam beobachtet und studiert. Sein Wortschatz ist unglaublich, jeden Tag kommen neue Wörter hinzu. Und ich komme aus dem Staunen nicht raus.
20 Monate nach seiner Geburt ist mein Leben anders als früher. Ich kämpfe mit Problemen, von deren Existenz ich nichts geahnt habe- im Job, im Freundeskreis, in meiner Ehe. Aber ich will mein altes Leben nicht zurück. Wo war der kleine Kerl eigentlich früher? Wie konnten wir bloß ohne ihn leben?
20 Monate nach seiner Geburt weiß ich um die Höhen und Tiefen des Mutterseins. Für die Tiefen kann aber der Sohn nichts. Der Sohn selbst ist nur eine Bereicherung. Jeden Tag erleben wir Dinge, von denen ich nie gedacht hätte, dass sie etwas so besonderes sein können: Eis essen, Bus fahren, Papa im Büro besuchen, einen Kuchen backen, in den Zoo gehen.
20 Monate nach seiner Geburt bin ich überzeugt: Muttersein hat eine gewaltige Dimension. Ein Kind großzuziehen ist keine Kleinigkeit.
Die Verantwortung für ein Kind zu tragen, kann manchmal Angst machen. Ein Kind stellt Dein Leben und Deine Beziehung auf den Kopf. Vor allem aber ist ein Kind das Beste, was das Leben zu bieten hat.
Eure Mia

Erzähl mir nix von urlaubsreif!

Meine kinderlose Kollegin stöhnte heute morgen: “ Ich bin sowas von urlaubsreif!“
Klar, denke ich bei mir, die hat wohl am Wochenende zu viel gefeiert und ist jetzt müde.
Gedanklich lasse ich mein eigenes Wochenende Revue passieren:
Wochenende hin oder her: Der Samstag begann wie jeder Tag gegen 07:00  Uhr mit dem Weckruf des Sohnes. Ich sprang sofort auf, eilte in die Küche und stand 60 Sekunden später mit der fertigen Milchflasche neben dem Bett des Sohnes. Ja, beim Fläschchenmachen sitzt jeder Handgriff. Sowas perfektioniert man, wenn man einen Sohn hat, der bei seinem morgendlichen Milchfläschchen keinen Aufschub duldet und ein unfassbares Geschrei veranstaltet, während man selber noch Probleme hat, die Augen zu öffnen. Früher hat mein Mann mir jeden Morgen den ersten Kaffee ans Bett gebracht. Vorher war ich gar nicht in der Lage, aufzustehen. Eigentlich könnten wir das mal wieder einführen. Ich vergesse immer, ihm das zu sagen (Hallo Ehemann, liest Du eigentlich inzwischen meinen Blog? Falls ja, kannst Du morgen dem Sohn die Flasche machen und mir einen Kaffee mitbringen?)!
Nach dem Fläschenritual geht mein Mann mit dem Sohn ins Wohnzimmer während ich noch etwas schlafen darf. Schöner wäre natürlich, ich müsste gar nicht erst aufwachen, aber der Sohn besteht bei seiner Milchflasche darauf, meine Hand zu halten. Wenn mein Mann manchmal als erster neben seinem Bett steht sagt er manchmal: „Mama! Papa weg!“ Klingt grausam, relativiert sich aber dadurch, dass das gelegentlich auch umgekehrt vorkommt. Das Kind hat halt seinen eigenen Kopf und ist damit sehr erfolgreich, weil der jeweils angeforderte Elternteil dahinschmilzt und gerne zur Stelle ist.
Im Laufe des Tages stehen folgende Aufgaben an, die ich alle hasse: Einkaufen, Putzen, Rasenmähen, Besorgungen machen, Waschen und Bügeln. Mit Erholung hat so ein Wochenende nichts zu tun, aber zwischen 30 Stunden Arbeiten und Kinderbetreuung schaffe ich einfach nichts davon während der Woche.
Meistens vergeht der Samstag auf diese Weise im Fluge.
Der Sonntagmorgen begann ebenfalls wie alle anderen Tage der Woche auch. Der Sohn war bereits um 6:30 Uhr wach. Dieses Mal durfte mein Mann ausschlafen und ich ging mit dem Sohn ins Wohnzimmer. Was macht man an einem Sonntagmorgen um 6:30 Uhr?? In den Garten können wir noch nicht- das können wir den Nachbarn nicht antun. Der Bäcker macht erst um 8:00 auf. Zum Glück dürfen wir Papa bald wecken, denn wir sind mit der Kita-Freundin des Sohnes auf einem nahegelegenen Bio-Bauernhof zum Frühstücken verabredet. Vor ein paar Jahren war es eine kaum zu bewältigende Herausforderung für uns, in unserer Lieblingskneipe um die Ecke noch einen Sitzplatz zum Frühstücken zu ergattern, denn dafür hätte man spätestens um 11:00 dort sein müssen. Hätte mir damals jemand gesagt, dass ich einmal um 9:00 morgens auf einem Bio-Bauernhof stehen würde- ich hätte ihn bestenfalls ausgelacht.
So ein Sonntag mit Mann und Kind ist immer herrlich. Er ist allerdings selten geeignet, zur Regeneration von den Strapazen der Woche zwischen Kind und Beruf beizutragen. Eigentlich glaube ich, mein Schlafdefizit wird langsam aber sicher immer größer.
Trotzdem stehe ich am Montag Morgen wieder pünktlich im Büro. Ich frage ich, wie das Wochenende so schnell vorbei gehen konnte und nehme mir vor, am nächsten Wochenende definitiv irgendwie mehr Schlaf abzubekommen.
Ich bin sehr müde, bin aber trotzdem nett anzusehen und top gestylt mit perfekt überschminkten Augenringen. Ich werde nie wieder den Fehler machen, meinen Kollegen zu erzählen, wie müde ich dank Kind bin.
Und da erzählt mir die kinderlose Kollegin, wie urlaubsreif sie ist. Ich lächle müde und will sagen: „Wo ist dein Problem? Dann schläfst Du Dich halt nächstes Wochenende mal richtig aus. Gehst am Freitagabend mit Deinem Freund schön essen und schläfst bis in die Puppen um danach von 12-15 Uhr gemütlich zu frühstücken. Anschließend verbringt ihr den Rest des Tages im Liegestuhl auf dem Balkon bei einem guten Buch!“
Wenn ich alle fünf Tage zwei solche Tage hätte, bräuchte ich nie wieder Urlaub. Aber die Kollegin denkt ja, ich hätte es so gut, weil ich mich jeden Nachmittag in die Sonne legen kann. Oder was macht eine Teilzeitlerin wohl sonst nachmittags?
Wenn die wüßte, wie urlaubsreif man sein kann. Aber das erkläre ich ihr jetzt nicht. Dafür bin ich viel zu müde!
Eure Mia

Kleine Kinder- große Sorgen.

Ich mache mir mal wieder Sorgen.
Das neue Kindergartenjahr hat angefangen und mein Sohn ist plötzlich nicht mehr der Kleinste in seiner Gruppe. Fünf Babies unter einem Jahr sind hinzugekommen. Die absolute Lieblingserzieherin meines Sohnes, mit der er bislang den halben Vormittag gekuschelt hat, hat jetzt immer ein Baby auf dem Arm. Ob mein Sohn damit klar kommt?
Als Mutter macht man sich ja dauernd Sorgen. Das geht in dem Moment los, in dem man einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand hält („Oh Gott, aber ich habe letztes Wochenende drei Gläser Wein getrunken!“), steigert sich im Laufe der Schwangerschaft („Ist dieses Ziehen normal?“, „Warum bewegt er sich heute so wenig?“) und wächst ab der Geburt ins Unendliche („Ist ihm zu warm? Zu kalt? Isst er genug? Trinkt er genug? Nimmt er gut zu?  Wächst er? Warum läuft er noch nicht…“)
Anfangs ist dabei noch alles relativ einfach, denn man kann sich auf sein Gefühl verlassen. „Normale“ Geburt oder Kaiserschnitt? Stillen? Wie lange? Wann mit Breikost beginnen? Wie lange im Elternschlafzimmer schlafen?  Alle diese Entscheidungen und noch viel mehr habe ich nach Gefühl entschieden. Ich war mir in den ersten Monaten immer sicher, dass ich das Beste für mein Kind tue. 
Die ersten Zweifel, ob ich alles richtig mache, kamen mit dem Eintritt in die Kita. Ich hielt den Sohn plötzlich für noch viel zu klein für eine Kita. Die letzten zwei Wochen vor dem großen Tag hatte ich schlaflose Nächte. Aber die Entscheidung, wann ich zurück in den Job gehe, hatte ich nunmal getroffen, bevor ich eine Ahnung vom Muttersein hatte und jetzt gab es kein zurück. Zum Glück war der Sohn vom ersten Tag an begeistert. Meine Sorgen waren schnell verflogen.
Mit den Sorgen ist es aber wie mit der Bügelwäsche. Es kommen immer neue nach.
Seit der Sohn in der Kita ist, hilft mir mein Bauchgefühl nicht weiter. Zum einen KANN ich gar nicht immer auf mein Bauchgefühl hören, denn der Sohn muss eben jeden Tag in die Kita und ich zur Arbeit. Jeden Mittwoch ist Ausflugstag. Wenn ich daran denke, dass mein quirliges Kind mit neun anderen Kindern und drei Erzieherinnen durch den Straßenverkehr hüpft, dann wird mir ganz anders. Manchmal habe ich dabei ein ganz mulmiges Gefühl, aber es gibt keine Alternative.
Zum anderen kann ich oft den Grund für ein ungutes Gefühl gar nicht greifen, weil der Sohn alleine in die Kita muss. Und er erzählt ja zu Hause nichts! Wenn ich ein verdrehtes Kind aus der Kita hole, weiß ich nie, ob bloß der Mittagsschlaf zu kurz war, oder ob etwas vorgefallen ist. Vorsichtshalber mache ich mir bis zum nächsten Tag Sorgen und befrage dann die Erzieherinnen.
Gelegentlich mache ich mir auch einfach nur so Sorgen. So ganz allgemein. Was ist, wenn er eine schlimme Krankheit bekommt? Was soll ich tun, wenn er ein Außenseiter wird?
Hin und wieder schleichen sich auch Gedanken über ganz schlimme Dinge in meinen Kopf. Es kann ja so viel passieren. An dem Punkt muss ich immer ganz schnell mit dem Denken aufhören, sonst werde ich verrückt.
Manchmal möchte ich mein Kind in Watte packen. Ganz dick und mit einer Extraschicht Luftpolsterfolie darüber (und wenn noch etwas übrig ist, packe ich meinen Mann, meine Eltern und meine Schwestern auch noch mit ein)!
Ich kann mich ins Sorgen-Machen ganz toll reinsteigern, aber aus irgendwelchen Gründen endet die Sogwirkung der Sorgen immer wieder von alleine. Wahrscheinlich eine körpereigene Schutzfunktion für Mütter, damit sie nicht krank vor Sorgen werden. Plötzlich bin ich wieder am Anfang meiner Überlegungen angekommen. Und plötzlich ist das Problem gar nicht mehr so groß. Für heute haben wir es bloß mit ein paar Babys zu tun, mit denen er seine Lieblingserzieherin teilen muss.
Das schafft der! Keine Sorge, Mama!
Eure Mia