Welches Kind ist das tollste im Land?

Ein Gespräch mit anderen Eltern kann Gold wert sein. Neulich erzählte ich einer anderen Mutter, dass Autofahrten bei uns im Moment etwa so gemütlich sind wie ein Nachmittag im Indoorspielplatz. Daraufhin erzählte sie mir, dass sie für solche Fälle immer ein paar neue Pixiebücher in ihrer Handtasche hat und so ihr Kind in „Notfällen“ immer mit etwas Neuem und Sinnvollen ablenken kann. Mach ich jetzt auch so- funktioniert prima. Das war nett von der anderen Mutter, dass sie mir zugehört und mir eine passende Antwort gegeben hat.
Wenn Eltern aufeinander treffen, läuft das nicht immer so. Neulich bei einem Geburtstagskaffeeklatsch hörte ich eine Gruppe von drei Müttern reden:
„Der Maddox isst ja nur selbstgekochten Brei, alles andere mag er nicht!“ „Der Kilian ist beim Essen immer total niedlich“, antwortete die andere Mutter, „der will immer von meinem Teller essen:“ „Meine Ronja kann jetzt schon richtig gut alleine mit der Gabel essen“, bemerkte die dritte im Bunde.
Wohlwollend betrachtet könnte man sagen, die drei haben über Essen und Kinder geredet. Im Grunde haben sie aber überhaupt nicht miteinander geredet.
Manche Eltern drehen sich nur um sich und ihr Kind. Wenn mehrere solcher Eltern aufeinander treffen, dann flippen die alle aus. Jeder erzählt Geschichten von seinem Kind und die anderen antworten mit Geschichten von ihrem Kind. Keiner scheint sich dabei wirklich für das zu interessieren, was die jeweils anderen erzählen, aber das System funktioniert deshalb, weil ja jeder jede Menge Geschichten über sein eigenes Kind zum Besten geben kann. Und das ist schließlich das tollste von allen.
Natürlich bin ich froh darüber, dass jeder sein eigenes Kind für die Krone der Schöpfung hält. Sonst müsste ich jeden Tag in Sorge sein, dass vielleicht eine andere Mama meinen Sohn aus der Kita mit nach Hause genommen hat, weil sie den Sohn viel toller findet, als ihr eigenes Kind. Und ich müsste dann sehen, was noch übrig ist. Nee, nee, die sollen mal alle schön ihre eigenen Kinder super finden. Ich will bloß nicht mit dieser Sorte Eltern reden, die anderen Eltern ernsthaft weismachen wollen, ihr Kind sei das tollste, schlaueste, süßeste der Welt, weil ich nämlich andere Kinder wirklich auch süß finde und daher ein leichtes Opfer bin. 
Interessant könnte so ein  Schlagabtausch der besten Geschichten vom tollsten Kind der Welt werden, wenn irgendwann jemand mal auf die Idee käme zu fragen, welche der Mütter denn nun Recht hat. Aber das passiert leider nie, weil die sich ja alle nicht zuhören, sondern nur reden. 
Auf dem Geburtstagskaffee habe ich mich daher auch lieber von den drei Müttern entfernt. Hätte ich mich an dem Gespräch beteiligt, hätte ich natürlich auch ein paar Belege dafür parat gehabt, dass mein Sohn das tollste Kind der Welt ist.  Aber bei mir stimmt das ja auch WIRKLICH!
Eure Mia

0 Gedanken zu “Welches Kind ist das tollste im Land?

  1. Ich werde beim nächsten Kaffeeklatsch an Deine Worte denken. Liegt ja ganz schön viel Wahrheit im Text. Andere Kinder sind auch toll und meine beiden sind die tollsten, aber anderen Müttern bewußt zu zuhören kann ja nicht schaden.

  2. Puh … das stimmt. Ich meine, dass es sich bei solchen Gesprächen oft nur um Monologe über das eigene Kind handelt. Aber ich denke, diese Monologe erfüllen für viele eine wichtige Funktion. Das klingt jetzt irgendwie blöd, aber ich schließe mich da gar nicht aus. Aber vermutlich ist das einer der Gründe, warum Gespräche mit manchen Eltern einfach wenig erfüllen sind.

  3. Wahrscheinlich hast du Recht und für viele haben die Monologe eine wichtige Funktion. Ich selber tue mich schwer damit, bei anderen Eltern mein Kind anzupreisen. Ich halte allerdings fast täglich meiner Mutter einen Monolog über ihren Enkel. Vielleicht brauchen wir das wirklich alle mal?

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