Doppelbelastung

Es gibt Kaffeetrinker und es gibt Teetrinker. Es gibt Bauch- und Rückenschläfer. Und es gibt Mütter. Mütter kennen kein entweder oder. Mütter machen alles.
Eine aktuelle Studie des Müttergenesungswerkes bringt es nun offiziell an den Tag: Mütter fühlen sich immer öfter überfordert. Der Studie zufolge hängt das damit zusammen, dass viele Mütter zwischen Kind und Karriere unter der Doppelbelastung leiden.
Wen wundert´s? Mütter haben letztlich zwei Vollzeitjobs. Wir versuchen, beide unter einen Hut zu bringen, aber am Ende schleicht sich immer wieder das Gefühl ein, beides nicht richtig zu machen.
Ich habe neun Monate nach der Geburt meines Sohnes wieder angefangen zu arbeiten. Weil mir mein Beruf Spaß macht. Ich mag den Job, das Unternehmen, die Kollegen. Die Arbeit tut mir gut.
Die Nachmittage aber gehören meinem Sohn. Auch der tut mir gut. 
Warum reden wir dann von einer Doppelbelastung, anstatt von einer doppelten Freude? Weil wir sowohl für unser Kind, als auch im Job 100% geben wollen. Wir müssen aber bei beiden Abstriche machen und das führt zu einer inneren Zerissenheit. Ein Gefühl von Unzulänglichkeit stellt sich ein- immer dann, wenn das Kind wieder länger in der Kita bleiben musste oder wenn man ein Meeting früher verlassen musste. Diese Gefühl kann schnell zum ständigen Begleiter werden. 
Was Frauen wie ich wollen, ist 100% Beruf, und 100% Kind. Das werden wir aber niemals erreichen, denn auch der Tag einer Mutter hat nur 24 Stunden. Uns bleibt also nichts anderes übrig, als die 100%, die wir zur Verfügung haben, je nach individuellen Möglichkeiten und Vorlieben aufzuteilen. Die eine arbeitet nur, weil sie am Ball bleiben möchte, und wählt 20%  Beruf und 80 % Kind, die andere muss ihren Lebensunterhalt verdienen und wählt eine 70/30 Verteilung. Zufrieden sind die wenigsten.
Ich frage mich immer öfter, ob der Weg zu mehr Zufriedenheit bei berufstätigen Müttern nur über den Kampf für mehr Kita-Plätze, bessere Betreuungszeiten und flexiblere Arbeitszeiten führt. Vielleicht müssen wir einfach lernen, zu akzeptieren, dass wir als Mütter beruflich ein paar Jahre einen Gang zurückschalten müssen, um bei unseren geliebten Kindern sein zu können. Vielleicht müssen wir lernen, das alls doppelte Freude zu sehen anstatt als Doppelbelastung. Wenn wir es schaffen, für uns die richtige Aufteilung zu finden, ohne den jeweils fehlenden x Prozent hinterherzutrauern, können wir uns vielleicht endlich wieder entspannen und beides genießen. Denn den allergrößten Druck machen wir uns meist selber. Wenn mein Sohn volljährig wird, werde ich noch 17 Berufsjahre vor mir haben- Zeit genug, um nochmal richtig durchzustarten.
Ein Bauchschläfer kann auf dem Rücken nicht schlafen. Er hat keine Wahl- er wird auch auf der Seite nicht glücklich werden. Da haben wir Mütter es doch besser. Wir müssen nur noch rausfinden, wo für uns die richtige Mitte ist.
Eure Mia

0 Gedanken zu “Doppelbelastung

  1. Liebe Mia,da krieg ich einen Kloss im Hals, denn wenn meine Jüngste volljährig ist, bin ich 62. Als akademische Spätgebärende habe ich nach Hinten leider keine Luft mehr, mich beruflich weiterzuentwickeln, wenn ich es nicht jetzt, mit 46 tue.Aber grundsätzlich stimme ich dir zu: der Druck ist enorm, und es liegt vieles im Argen.Herzlich, Christine

  2. Meinst Du denn, sie lassen Dich mit 50 (67-17, ist doch richtig, oder?) noch mal richtig durchstarten? Oder zählst Du dann vielleicht schon zum alten Eisen, nicht mehr so flexibel, nicht mehr so lernfähig, und sei es nur in der Vorstellung der anderen?Und was denkst Du, ist es nicht merkwürdig, dass die Mütter beruflih einen Gang runterfahren (und es sind fast immer die Mütter), das an Vätern aber irgendwie gänzlich vorbeigeht? Ich wunder mich da immer wieder drüber, bin dankbar über jedes Anzeichen, dass es hin und wieder Männer gibt, die auch versuchen, mehr Zeit mit ihren Kindern zu verbringen – aber so richtig zahlreich sind die noch nicht, finde ich.

  3. Nun ja, ich denke, der Sohn wird mich vielleicht schon ein paar Jahre vor seinem 18. Geburtstag soweit entbehren können, dass ich wieder voll arbeiten kann. Und selbst wenn nicht: ich fange ja mit 50 dann nicht nach 18 jähriger Pause bei Null an.Es wäre sicherlich wünschenswert, wenn sich mehr Väter in der gleichen Verantwortung für ihr Kind sehen würden, wie das die Mütter tun. Ich persönlich habe aber bei allem Frust und Ärger für mich entschieden, dass mich kein Job der Welt davon abhalten könnte, die Nachmittage mit meinem Sohn zu verbringen! Vormittags Kämpfe ich dann im Büro für mehr Anerkennung für arbeitende Mütter 🙂

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