Welches Kind ist das tollste im Land?

Ein Gespräch mit anderen Eltern kann Gold wert sein. Neulich erzählte ich einer anderen Mutter, dass Autofahrten bei uns im Moment etwa so gemütlich sind wie ein Nachmittag im Indoorspielplatz. Daraufhin erzählte sie mir, dass sie für solche Fälle immer ein paar neue Pixiebücher in ihrer Handtasche hat und so ihr Kind in „Notfällen“ immer mit etwas Neuem und Sinnvollen ablenken kann. Mach ich jetzt auch so- funktioniert prima. Das war nett von der anderen Mutter, dass sie mir zugehört und mir eine passende Antwort gegeben hat.
Wenn Eltern aufeinander treffen, läuft das nicht immer so. Neulich bei einem Geburtstagskaffeeklatsch hörte ich eine Gruppe von drei Müttern reden:
„Der Maddox isst ja nur selbstgekochten Brei, alles andere mag er nicht!“ „Der Kilian ist beim Essen immer total niedlich“, antwortete die andere Mutter, „der will immer von meinem Teller essen:“ „Meine Ronja kann jetzt schon richtig gut alleine mit der Gabel essen“, bemerkte die dritte im Bunde.
Wohlwollend betrachtet könnte man sagen, die drei haben über Essen und Kinder geredet. Im Grunde haben sie aber überhaupt nicht miteinander geredet.
Manche Eltern drehen sich nur um sich und ihr Kind. Wenn mehrere solcher Eltern aufeinander treffen, dann flippen die alle aus. Jeder erzählt Geschichten von seinem Kind und die anderen antworten mit Geschichten von ihrem Kind. Keiner scheint sich dabei wirklich für das zu interessieren, was die jeweils anderen erzählen, aber das System funktioniert deshalb, weil ja jeder jede Menge Geschichten über sein eigenes Kind zum Besten geben kann. Und das ist schließlich das tollste von allen.
Natürlich bin ich froh darüber, dass jeder sein eigenes Kind für die Krone der Schöpfung hält. Sonst müsste ich jeden Tag in Sorge sein, dass vielleicht eine andere Mama meinen Sohn aus der Kita mit nach Hause genommen hat, weil sie den Sohn viel toller findet, als ihr eigenes Kind. Und ich müsste dann sehen, was noch übrig ist. Nee, nee, die sollen mal alle schön ihre eigenen Kinder super finden. Ich will bloß nicht mit dieser Sorte Eltern reden, die anderen Eltern ernsthaft weismachen wollen, ihr Kind sei das tollste, schlaueste, süßeste der Welt, weil ich nämlich andere Kinder wirklich auch süß finde und daher ein leichtes Opfer bin. 
Interessant könnte so ein  Schlagabtausch der besten Geschichten vom tollsten Kind der Welt werden, wenn irgendwann jemand mal auf die Idee käme zu fragen, welche der Mütter denn nun Recht hat. Aber das passiert leider nie, weil die sich ja alle nicht zuhören, sondern nur reden. 
Auf dem Geburtstagskaffee habe ich mich daher auch lieber von den drei Müttern entfernt. Hätte ich mich an dem Gespräch beteiligt, hätte ich natürlich auch ein paar Belege dafür parat gehabt, dass mein Sohn das tollste Kind der Welt ist.  Aber bei mir stimmt das ja auch WIRKLICH!
Eure Mia

Ganz schnell schwanger

„Liebes Dr. Sommer Team, mein Freund hat mir beim Knutschen die Zunge in den Mund gesteckt. Kann es sein, dass ich jetzt schwanger bin?“
Irgendwie schießt mir die Erinnerung an diese Briefe aus der Bravo gerade durch den Kopf.
Meine Eltern waren dagegen, dass ihre Töchter die Bravo lesen, aber meine beste Freundin hatte immer die aktuelle Ausgabe zu Hause, da habe ich natürlich regelmäßig reingeschaut.
Nun hielten meine Eltern die Bravo zwar nicht für die geeignete Lektüre für ihre Töchter, aber verklemmt waren sie nie. Ich war also hinreichend aufgeklärt. Über diese Leserbriefe in der Bravo habe ich mich regelmäßig schlappgelacht.
Heute musste ich also wieder daran denken, und wieder musste ich lachen. Dieses Mal aber aus einem ganz anderen Grund:
Stellt Euch mal vor, eines dieser Mädchen versucht gerade schwanger zu werden. Damals hat sie panisch ans Dr. Sommer Team geschrieben, weil sie Angst hatte, mal eben so schwanger geworden zu sein, und heute, 15 Jahre später, wartet sie sehnsüchtig auf ein Baby. Sie führt einen Zykluskalender, in ihrem Badezimmerschrank türmen sich Ovulationstest, aber nichts passiert.
Wahrscheinlich versteht sie die Welt nicht mehr. Ihre Mutter hat ihr vermutlich immer eingeredet, bloß aufzupassen. Ein Baby vor dem Schulabschluss, das wäre eine Katastrophe. Und danach muss man erstmal eine Ausbildung machen. Pass bloß auf, dass dir kein Baby dazwischen kommt!
Bei mir bestand zwar nie wirklich die Gefahr, vor dem Abitur schwanger zu werden- ich war eher ein Spätzünder. Aber diese Warnung, bloß immer gut aufzupassen, die lief auch bei mir immer schon mit. Irgendwie wurde uns in jungen Jahren immer der Eindruck vermittelt, eine Schwangerschaft sei eine riesengroße Gefahr, vor der man sich (ver)hüten muss, und die einen trotzdem quasi im Vorbeigehen treffen kann. Und dann stellt man fest, dass es weniger eine Gefahr, als vielmehr ein glücklicher Zufall ist, für den schon einiges zusammenkommen muss.
(Wehe, es schreibt jetzt einer einen Kommentar, dass man mit 16 tatsächlich viel schneller schwanger wird! Sowas will ich gar nicht hören!!)
„Liebe Bravo Leserin, mach dir keinen Kopf. So schnell wird man nicht schwanger. Vom Knutschen allein schon gar nicht. Nee, auch nicht mit Zunge!“
Eure Mia

Aber wenn es Dich dann einmal anlächelt…

Kennt Ihr diese Geschichte von Michael Mittermeier? In der ihm die völlig übernächtigten Eltern mit müden Augen und Breiflecken auf der Hose tapfer versichern: „Aber wenn es Dich dann einmal anlächelt, dann bekommst Du alles zurück:“?
Ich erinnere mich noch gut an das erste Lächeln meines Sohnes. Er war etwa sechs Wochen alt. Ein wunderschönes Lächeln, gar keine Frage, aber um sechs Wochen Schlafentzug, schmerzende Brustwarzen und weitere Strapazen der ersten Wochen aufzuwiegen hätte es doch etwas mehr bedurft! 
Ich konnte damals eben noch nicht sehen, was ich heute sehe.
Am letzten Wochenende fand das Sommerfest der Kita statt. Unser Sohn hat mit seiner Gruppe tatsächlich schon eine kleine Choreographie aufgeführt! Mein Mann und ich waren fast zu Tränen gerührt und haben etwa 600 Fotos gemacht.
Da steht unser Söhnchen da, in einem Bärenkostüm, an der linken Hand ein anderes Kind, an der rechten Hand eine Betreuerin und führt etwas auf, das er die letzten Wochen jeden Tag in der Kita geprobt hat und von dem wir keine Ahnung hatten. Das war wieder einer dieser Momente, in denen mir klar wird, dass Mutter-Sein bedeutet, ein eigenständiges Individuum auf seinem Weg zu begleiten. Schon jetzt hat er ein Stück eigenes Leben, an dem Papa und Mama nicht teilnehmen. In einem ganz begrenzten und behüteten Rahmen natürlich, aber es ist eine kleine eigene Welt, in der er sich weitgehend ohne uns behauptet und seinen Weg geht.
Der Sohn hat genau genommen noch nicht richtig mitgemacht. Eigentlich hat er nur da gestanden und mit offenem Mund geschaut, was die anderen Kinder machen und als es ihm langweilig wurde, hat er angefangen, die Deko auseinanderzunehmen. Aber mein Mann und ich standen Arm in Arm dabei und waren von einem so mächtigen Glücksgefühl erfüllt, wie es nur der Sohn in uns auslösen kann.
Ja, das Leben mit Kind ist eines der härtesten. Aber es gibt sie wirklich, diese Momente, in denen ein einziger Blick auf  Dein Kind Dir eine völlig neue Dimension von Glück eröffnet.
Und wenn es Dich dann auch noch anlächelt…
Eure Mia

Große Erwartungen

„Was machst Du so?“, fragt meine Freundin mich am Telefon. „Ich WARTE“, würde ich am liebsten antworten. „Und gestern habe ich auch gewartet und letzten Monat und den Monat davor habe ich auch im Wesentlichen gewartet.“
Wer schwanger werden will, braucht eine Menge Geduld, denn man muss viel warten. Man wartet auf den Eisprung, dann wartet man auf den Tag der Fälligkeit der Periode und danach wartet man wieder auf den Eisprung.
Ich warte nicht gerne. Ich lasse lieber ein super Schnäppchen im Laden liegen, als länger als zwei Minuten an der Kasse zu stehen. Ich gehe lieber zu Fuß, als auf den Bus zu warten. Ein Zyklus kann verdammt lang werden, wenn man so ungeduldig ist, wie ich.
Wenn etwas nicht gleich klappt, dann muss man es sofort nochmal versuchen und sich einfach beim nächsten Mal mehr anstrengen. Das ist ein Prinzip, mit dem ich etwas anfangen kann.
Dass ich aber für den Eintritt einer Schwangerschaft so wenig tun kann und zwischendurch immer einfach bloß warten muss, das fällt mir sehr schwer.
Vielleicht ist es gerade für Menschen wir mich gut, wenn wir auch mal gezwungen sind, ein bißchen zu warten. Manche Dinge haben wir eben nicht in der Hand. Dazu gehört das Wunder des Lebens.
Mein Plan, wie groß idealerweise der Altersunterschied zwischen zwei Kindern sein sollte und wann es beruflich zwischen zwei Projekten am Besten passt, dieser Plan zählt einfach nicht. Ich kann ein neues Leben nicht einfach planen. Ich bin machtlos.
„Was machst Du so?“, fragt mich meine Freundin am Telefon. „Hast Du heute Abend Lust auf Kino?“ „Ja klar“ antworte ich, „und vorher was essen?“ Immerhin kann ich mich ablenken. So machtlos bin ich nämlich auch wieder nicht.

Eure Mia

Verdammte Sch.. -ähm: Kannst Du jetzt bitte einschlafen?

Wenn mein Mann auf Geschäftsreise ist und ich nachts alleine in der Dunkelheit liege, kann ich oft nicht einschlafen. Meistens liegt es an Dingen, die ich im Fernsehen gesehen habe. Ich schaue mir deshalb längst keine Thriller mehr an, aber eigentlich ist mir schon der Tatort zu heftig. Das verursacht zu viel Kopfkino bei mir. Alleine im Dunkeln kann dann schonmal die Phantasie mit mir durchgehen.
Wie könnte ich es meinem Sohn da übel nehmen, wenn er nachts nicht schlafen kann? Ich habe nie verstanden, warum „Verdammte Scheiße, schlaf ein!“ ein Bestseller werden konnte. Als meine Schwiegermutter kurz vor Weihnachten sagte, sie suche noch eine Kleinigkeit für meinen Mann und fragte, ob „Verdammte Scheiße, schlaf ein!“ etwas wäre, habe ich ihr geantwortet nee, das wäre nix für uns, wir fänden schon den Titel doof.
Wenn mein Sohn nachts nicht schlafen kann, geht es ihm bestimmt ähnlich wie mir. In seinem Alter erlebt man täglich neue unbekannte Dinge die man erstmal verpacken muss. Neue Erlebnisse, Erfahrungen und Erkenntnisse sprengen immer wieder die Grenzen seiner kleinen Welt. Dazu kommt, dass Kinder ab dem zweiten Lebensjahr unter Albträumen leiden können.
Ich habe Verständnis für meinen Sohn, wenn er nachts weinend aufwacht und nicht wieder einschlafen kann. Ich schlafe ja auch neben meinem Mann viel besser als alleine.
Ich habe auch Verständnis, wenn er abends nicht einschlafen will und lieber herumalbert. Ich komme ja auch manchmal abends schlecht runter.
Vorletzte Nacht durfte ich mein großes Verständnis mal wieder unter Beweis stellen. Ich wollte gerade ins Bett gehen, da wachte der Sohn nach nur zwei Stunden Schlaf plötzlich auf und war ganz aufgelöst. Ich habe gedacht, ich komme vielleicht mit einem schnellen Schnuller-in-den-Mund-Stecken davon, aber als ich das Zimmer verlassen wollte, fing er wieder an zu weinen. Ich musste ihn im Arm halten und nachdem ich ihn wieder hinlegen konnte noch lange auf dem Teppich liegend seine Hand durch die Gitterstäbe hindurch halten, bis er endlich wieder richtig eingeschlafen war. Geflucht habe ich nicht, aber genervt war ich schon. Zwei Stunden später als geplant konnte ich schließlich müde in mein eigenes Bett kriechen.
Gestern war ich dann natürlich müde. Ich habe mich sehr auf mein Bett gefreut. Aber fast auf die Minute zur selben Uhrzeit (wie macht der das?) wacht der Sohn wieder auf.
Mama ist natürlich sofort zur Stelle, aber das große Verständnis ist, naja, sagen wir mal: ein bißchen müde. Der Sohn hingegen ist hellwach während ich langsam ungeduldig werde:
Was kann ich noch tun? Händchen halten? Rumtragen??
Was hat er nur?? Zähne?? Schlecht geträumt??? Ich weiß es nicht!!!
Ich habe wirklich Verständnis. Aber morgen habe ich einen wichtigen Termin. Ich bin müde. Ich muss jetzt SCHLAFEN! Verdammte Scheiße!
Eure Mia

Doppelbelastung

Es gibt Kaffeetrinker und es gibt Teetrinker. Es gibt Bauch- und Rückenschläfer. Und es gibt Mütter. Mütter kennen kein entweder oder. Mütter machen alles.
Eine aktuelle Studie des Müttergenesungswerkes bringt es nun offiziell an den Tag: Mütter fühlen sich immer öfter überfordert. Der Studie zufolge hängt das damit zusammen, dass viele Mütter zwischen Kind und Karriere unter der Doppelbelastung leiden.
Wen wundert´s? Mütter haben letztlich zwei Vollzeitjobs. Wir versuchen, beide unter einen Hut zu bringen, aber am Ende schleicht sich immer wieder das Gefühl ein, beides nicht richtig zu machen.
Ich habe neun Monate nach der Geburt meines Sohnes wieder angefangen zu arbeiten. Weil mir mein Beruf Spaß macht. Ich mag den Job, das Unternehmen, die Kollegen. Die Arbeit tut mir gut.
Die Nachmittage aber gehören meinem Sohn. Auch der tut mir gut. 
Warum reden wir dann von einer Doppelbelastung, anstatt von einer doppelten Freude? Weil wir sowohl für unser Kind, als auch im Job 100% geben wollen. Wir müssen aber bei beiden Abstriche machen und das führt zu einer inneren Zerissenheit. Ein Gefühl von Unzulänglichkeit stellt sich ein- immer dann, wenn das Kind wieder länger in der Kita bleiben musste oder wenn man ein Meeting früher verlassen musste. Diese Gefühl kann schnell zum ständigen Begleiter werden. 
Was Frauen wie ich wollen, ist 100% Beruf, und 100% Kind. Das werden wir aber niemals erreichen, denn auch der Tag einer Mutter hat nur 24 Stunden. Uns bleibt also nichts anderes übrig, als die 100%, die wir zur Verfügung haben, je nach individuellen Möglichkeiten und Vorlieben aufzuteilen. Die eine arbeitet nur, weil sie am Ball bleiben möchte, und wählt 20%  Beruf und 80 % Kind, die andere muss ihren Lebensunterhalt verdienen und wählt eine 70/30 Verteilung. Zufrieden sind die wenigsten.
Ich frage mich immer öfter, ob der Weg zu mehr Zufriedenheit bei berufstätigen Müttern nur über den Kampf für mehr Kita-Plätze, bessere Betreuungszeiten und flexiblere Arbeitszeiten führt. Vielleicht müssen wir einfach lernen, zu akzeptieren, dass wir als Mütter beruflich ein paar Jahre einen Gang zurückschalten müssen, um bei unseren geliebten Kindern sein zu können. Vielleicht müssen wir lernen, das alls doppelte Freude zu sehen anstatt als Doppelbelastung. Wenn wir es schaffen, für uns die richtige Aufteilung zu finden, ohne den jeweils fehlenden x Prozent hinterherzutrauern, können wir uns vielleicht endlich wieder entspannen und beides genießen. Denn den allergrößten Druck machen wir uns meist selber. Wenn mein Sohn volljährig wird, werde ich noch 17 Berufsjahre vor mir haben- Zeit genug, um nochmal richtig durchzustarten.
Ein Bauchschläfer kann auf dem Rücken nicht schlafen. Er hat keine Wahl- er wird auch auf der Seite nicht glücklich werden. Da haben wir Mütter es doch besser. Wir müssen nur noch rausfinden, wo für uns die richtige Mitte ist.
Eure Mia

Überfällig, überreagiert, überhaupt nicht schwanger

Als Frau gibt man ja allerhand Geld für unnötige Dinge aus. Schuhe, Taschen, Klamotten, Telefonrechnungen- alles nach dem Motto „Das Geld ist ja nicht weg, es ist nur woanders!“
Meine neueste Fehlinvenstition: Zwei Schwangerschaftstests! Ja, zwei!
Der erste Test war negativ. Ich war aber bereits zwei Tage überfällig. Außerdem war mir schwindelig. Genau so hatte meine erste Schwangerschaft begonnen.
Überfällig aber Test trotzdem negativ. Googelt das mal! Da gibt es Millionen gute Tips und Ratschläge. Fast alle kommen zu dem Schluss, dass es einfach noch zu früh war, und man den Test in drei Tagen wiederholen soll. 
Das war genau das, was ich hören wollte. Drei Tage konnte ich jetzt allerdings nicht warten, also hab ich gleich am nächsten Tag wieder einen Test gemacht. Ich hatte ja bereits erwähnt, dass ich Schwangerschaftstests nicht wiederstehen kann.
Der zweiteTest war auch negativ.
Ein paar Stunden später bekam ich meine Tage. 
Jetzt bin ich ziemlich wütend auf meinen Körper. Mich so an der Nase herumzuführen! Was sollte das denn bitte? Nicht nur, dass mich mein Körper tagelang hinhält- nein, er gaukelt mir sogar Schwindelgefühle vor! Ich dachte, wir würden zusammenarbeiten! Jetzt weiß ich nicht einmal mehr, wann mein nächster Eisprung ungefähr ist.
Mein Mann war auch enttäuscht. Aber er hat gesagt, wir sind verwöhnt. Weil der Sohn einfach so zu uns gekommen ist (sechs Wochen nach Absetzen der Pille). Er meinte, das geht ja dann auch nicht, dass wir einfach wieder entscheiden, ein Baby zu bekommen und das klappt einfach so. Wir müssten erst noch ein bißchen Demut vor dem Leben lernen.
Manno, der hat auch immer so kluge Sprüche drauf!(Dafür liebe ich ihn)
Ich gehe morgen erstmal Frustshoppen. Es gibt schließlich auch noch andere Firmen, deren Umsatz ich steigern könnte. Muss ja nicht immer Clearblue sein!
Eure Mia

Löwenmutter gegen Partylöwin

Junggesellinnenabschied für eine gute Freundin. Eine Party in der benachbarten Großstadt ist geplant. Mama ist sofort hellauf begeistert. Der Partylöwe in ihr brüllt auf und kann es kaum erwarten. Kurze Absprache mit dem Gatten- ja, klappt, der Sohn ist versorgt, Mama sagt zu.
Kurz vor dem großen Abend dann der Stimmungsumschwung. Ich will nicht. Ich kann nicht. Bedenken türmen sich auf. Erst ganz harmlose, egoistische Gedanken: Das späte Nachhause-Kommen und die Müdigkeit am nächsten morgen, denn der Sohn wacht ja um 7:00 Uhr auf. Dann gerate ich immer tiefer in den Strudel der Bedenken. Was ist, wenn mir unterwegs etwas passiert? Wenn mich ein Betrunkener am Bahnhof auf die Gleise schubst? Wenn auf der Party eine Massenpanik ausbricht? Dann hat mein Sohn keine Mutter mehr! Aus einer harmlosen Abendveranstaltung ist ein existenzbedrohliches Abenteuer geworden.

Früher bin ich oft erst im Morgengrauen nach hause gekommen. Heute habe ich daran keinen rechten Spaß mehr. Ich bin lieber bei meiner Familie. Aber ist das wirklich „nur“ der Mutterinstinkt? Oder ist es auch Bequemlichkeit? Ist es möglich, dass man zu seinem eigenen inneren Schweinehund mutiert? In den ersten Babymonaten ist Ausgehen ja sowieso nicht wirklich ein Thema. Stillen und schlaflose Nächte lassen Partys in den Hintergrund treten. Und dann hat man es sich abgewöhnt. Oder? Ich gehe schon gelegentlich aus, aber eher um mit Freundinnen schön Essen oder ins Kino zu gehen. So richtig abfeiern mag ich nicht mehr. Kater und Kleinkind? Das geht gar nicht!
Meiner Freundin zuliebe habe ich meine Teilnahme am Junggesellinnenabschied nicht abgesagt, obwohl ich mehrfach kurz davor war. Ich war um 4:00 zu Hause. Ich habe gefeiert. Ich hab getanzt und ich hab auch Spaß gehabt. Aber so wie früher war es nicht. Ich freue mich, dass ich dabei war und dass ich mal wieder richtig feiern war, aber es ist nicht so, dass ich jetzt denke: Bor, war das toll, das muss ich unbedingt bald wieder machen.
Der Sohn war am nächsten Morgen außergewöhnlich früh wach. Mein Mann ist mit ihm aufgestanden und hat den halben Vormittag mit ihm gespielt. Ich wurde gegen 10:30 Uhr wach, als die beiden gerade in Richtung Wildgehege aufbrechen wollten. Ich war todmüde, aber ich wollte unbedingt mit. Wir haben im Wald Steine gesammelt, wir haben Ameisen beobachtet und die Wildschweine bestaunt. Anschließend haben wir uns auf dem Spielplatz ausgetobt. Das war so toll! Das müssen wir unbedingt bald wieder machen!  
Eure Mia


Warten. Warten. Und nochmal Warten.

Kennt Ihr das, wenn man ganz aufgeregt auf etwas wartet?
Ich erinnere mich gerade daran, wie ich nach meinem Examen auf den Briefträger gewartet habe, der die Prüfungsergebnisse bringen sollte. Im Internet konnte man damals unter seiner persönlichen Prüfungsnummer einsehen, an welchem Tag man mit der mündlichen Prüfung dran ist. Auf den Tag genau drei Wochen vorher sollten dann die Ergebnisse der Schriftlichen im Briefkasten liegen, die sogenannten Vorpunkte.
Ich stand an diesem Tag schon morgens früh am Fenster und hielt sehnsüchtig Ausschau nach dem Briefträger.
Ich komme mir gerade wieder vor, wie die Studentin, die am Fenster steht wartet. Ich bin mal wieder in Phase 3 und ganz schön aufgeregt. Ich verspüre keine Schwangerschaftsanzeichen. Keine Übelkeit, spannende Brüste oder sonstiges. Hatte ich in meiner ersten Schwangerschaft aber auch nicht. Das kann alles und nichts bedeuten.
Ich bin ja schon viel ruhiger geworden. Inzwischen warte ich eher nebenbei. Meine Gedanken kreisen nicht mehr nur noch um das Thema. Aber wer sich wirklich ein Baby wünscht, und behauptet, er würde sich keine Gedanken über seinen Eisprung machen und nicht warten, der lügt! Jedenfalls kann ich mir das beim besten Willen nicht vorstellen.
An dem Tag, an dem der Briefträger meine Vorpunkte bringen sollte, sah ich den Briefträger gegen Mittag auf der anderen Straßenseite. Ich lief zu ihm rüber und bat um meine Post. Er weigerte sich, mir diese zu geben und meinte, ich müsse warten, bis er auf der anderen Seite vorbei käme. Ich konnte ihn nicht überreden. Also weiter warten. Etwa zwei Stunden später sah ich ihn von weitem wieder kommen. Ich lief die Treppen runter, riss die Haustür auf, nahm meine Post entgegen und- der Brief war nicht dabei! Vermutlich lag es daran, dass ich kurz vorher umgezogen war. Meine Post kam per Nachsendeantrag, und dadurch dauerte es länger.
Nochmal 24 Stunden warten! Für mich damals eine Ewigkeit. Am nächsten Tag stand ich wieder am Fenster und hielt Ausschau und mittags hielt ich endlich den ersehnten Brief in den Händen.
Manchmal muss man eben länger warten, als gedacht.
Eure Mia