Halbtagsjob

„Das können wir ja dann in Ihr Büro stellen. Weil Sie doch Teilzeit sind.“ Bei einer Umzugsaktion im Bürogebäude war haufenweise Kram übriggeblieben, den unser Teamassistent nun in meinem Büro parken wollte. Ich war zu verdutzt, um darauf zu reagieren. War mir aber auch egal. Nach neun Monaten Babypause saß ich zum ersten Mal wieder alleine in einem Raum und genoss die Ruhe. Der kleine Zwischenfall war schnell vergessen.
Bis zum nächsten Morgen. Da begann unser wöchentliches Teammeeting. Mein Chef eröffnete mit etwas Organisatorischem: „Mia, Du wirst zusammen mit B. in ein Doppelbüro umziehen. Weil Du doch Teilzeit bist.“ Hallo?? Begrüßt man so eine liebe alte Kollegin? Da blieb mir doch glatt mein Keks im Hals stecken (war es übrigens ok, dass ich mir einen ganzen Keks genommen hatte? Oder stand mir nur ein halber zu? Ich mein, weil ich doch Teilzeit bin?)!
Seit ich eine Teilzeit-Mami bin, ist im Büro alles anders. Ok, ok, in manchen Dingen mag es ja sogar einleuchten. Hätte man mich wegen des Büros vorher gefragt, hätte ich wahrscheinlich ja gesagt. Aber diesen Automatismus will ich mir einfach nicht gefallen lassen: Die ist Teilzeit, die braucht das nicht. Die ist Teilzeit, die müssen wir nicht fragen. Die ist Teilzeit, die muss sich hinten anstellen. Nur weil ich Teilzeit bin, habe ich doch nicht automatisch weniger Rechte.
Ich fühle mich plötzlich aufs Abstellgleis geschoben. Früher galt ich als Leistungsträgerin im Team. Dann wurde ich schwanger. Aber jetzt bin ich doch wieder da. Ich bin immer noch dieselbe und ich beherrsche meinen Job. Leider passt das Mami-Sein scheinbar nicht zu meinem Job. Unternehmensjuristin und Mutter, das geht wohl imagemäßig nicht zusammen. Ich bin quasi raus.
Es gib ein Incentive zu vergeben? Bekommt die junge, aufstrebende und vor allem kinderlose Kollegin. Es gibt ein spannendes neues Projekt? Der männliche Kollege. Ein Termin bei der Geschäftsführung? Wahlweise die junge, aufstrebende Kinderlose oder die Kinderlose jenseits der 55.
Und ich? Die einzige Frage, deren Beantwortung mir offenbar jeder noch zutraut ist die: „Was macht denn der Kleine?“
Wenn ich um 15 Uhr nach Hause gehe heißt es: „Tschüß, schönen Feierabend. Bei dem Wetter! Du hast es gut!“ Leute, ich leg mich nachmittags nicht in die Sonne! Ich bespaße ein Kleinkind! Das macht mir (meistens) mehr Spaß als Paragraphenreiterei, ist aber auch anstrengender. Und ich habe erst Feierabend, wenn der Sohn im Bett ist, ich danach das Chaos aufgeräumt und alles für den nächsten Morgen vorbereitet habe. Bis dahin liegen die lieben Kollegen längst selber in der Sonne.
Im Übrigen lässt der Arbeitgeber mich nicht aus lauter Menschlichkeit früher nach Hause gehen. Ich bekomme dafür auch weniger Geld. Das ist der Deal!
Das einzig Gute ist, dass ich mir diese ärgerlichen Bemerkungen nicht den ganzen Tag anhören muss. Bin ja nur Teilzeit!
Eure Mia


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