Ohne Kind ist wie amputiert

Gestern hatten mein Mann und ich einen Tag Urlaub. Der Plan sah vor, dass wir den Sohn in die Kita bingen, anschließend in unserem Lieblingscafe in der Südstadt, gegenüber unserer alten Wohnung in Ruhe frühstücken, dann ein bißchen durch die Stadt schlendern und später gemeinsam den Sohn abholen.
Wir wollten mal wieder ein bißchen Zeit nur für uns haben. Mal wieder ein Paar sein, nicht immer nur Eltern.
Wenn man so gefangen ist, in der Mühle des Elternseins, dann träumt man von solchen Tagen. Zwischen Unausgeschlafen-Sein, Windeln wechseln und ersten Ausläufern der Trotzphase wünscht man sich einen Tag als Paar. Das Problem ist aber- man ist eben nicht mehr nur ein Paar.
Kaum hatten wir in unserem Lieblingscafe unser Lieblingsfrühstück bestellt, setzt sich ein anderes Paar an den Nebentisch. Im Schlepptau: der Sohn der beiden- kaum älter als unser Sohn.
Der war so süß! Die Eltern packten ein kleines Auto aus, mit dem er sofort hingebungsvoll anfing, die Tischplatte abzufahren. Ich konnte meine Augen nicht abwenden. Anstatt die Zeit für ein gepflegtes Gespräch unter Erwachsenen mit meinem Mann zu nutzen, begann ich, Kontakt mit dem kleinen Jungen aufzunehmen. Wenn der eigenen Sohn im selben Alter ist, weiß man ja, was so ein kleiner Kerl lustig findet. Mein Mann hatte ähnlich viel Spaß mit unserem Tischnachbarn. Die Eltern des Jungen hielten uns offenbar für unglaublich kinderfreundliche Menschen. Sie freuten sich, darüber, dass ihr Sohn die Attraktion war und waren sichtlich stolz. Ich hätte am liebsten zu denen gesagt: „Wir haben auch einen Sohn. Sehen Sie hier auf meinem Schoß diese kahle Stelle? Da gehört eigenlich mein Sohn hin!“ 
Meine Mutter konnte sich auch immer nicht von mir und meinen Schwestern trennen. Sie hat immer gesagt, das fühlt sich an wie eine Amputation. Wie recht sie hat!
Der freie Tag war natürlich trotzdem schön. Aber am allerschönsten war, als wir gemeinsam in die Kita gingen und unseren Sohn abholten.
Heute ist das Sommerfest der Kita. Der von mir dafür zugesagte Kartoffelsalat war schon um 9:00 fertig. Der Sohn war wieder in aller Frühe wach, musste gewickelt werden, hat in die frische Windel sofort sein Geschäft gemacht und musste wieder gewickelt werden, ich habe Kartoffeln gekocht, gepellt, Eier gekocht und geschält usw. und fühle mich jetzt, als wäre mindestens schon nachmittag. Ich könnte mal wieder einen freien Tag nur für mich gebrauchen…
Eure Mia

Für Mama kein Zutritt! Warum die Frauenquote keine Quote für Mütter ist

In unserem Unternehmen gibt es eine Frauenquote. Ich finde Frauenquoten gut. Ich weiß bloß nicht, wie Mami das helfen soll.
In wenigen Tagen starte ich in meinen neuen Job im Unternehmen. Schon jetzt ist mein Terminkalender komplett voll. Ich habe in meiner ersten Arbeitswoche drei Termine, die bis 16 Uhr dauern. Ich arbeite aber nur  bis 15 Uhr. Was tun?
Entweder: Ich nehme die Termine nur im Rahmen meiner vertraglichen Arbeitszeit wahr und gehe um 15 Uhr, mit dem Egebnis mich wahnsinnig schlecht zu fühlen.
Oder: Ich nehmen den Termin vollumfänglich wahr und lasse den den Sohn eine Stunde länger in der Kita, mit dem Ergebnis, mich wahnsinnig schlecht zu fühlen.
Ich habe die Wahl zwischen der Angst, schon in meiner ersten Arbeitswoche wieder in die Schublade der Teilzeitmami reingepackt zu werden, mit der man leider nicht viel anfangen kann, weil sie ja dauernd mit ihrem Kind beschäftigt ist und der Angst, meinem Kind nicht gerecht zu werden und ihm vielleicht dadurch Schaden zuzufügen.
Was nützt mir da die Frauenquote? Die Frauenquote besagt, dass bis Ende 2015 mindestens 30% der Führungspositionen mit Frauen besetzt sein müssen. Aber wenn ihr ehrlich seid, liebe Arbeitgeber, müsstet ihr das noch einschränken auf Frauen, die keine kleinen Kinder haben und rund um die Uhr zur Verfügung stehen. So eine wie mich wollt ihr doch gar nicht. Aber wisst ihr was? Ich will auch nicht!
Solange Teilzeitarbeit kein selbstverständlich anerkanntes Arbeitsmodell ist kann ich nämlich keine Führungsposition wahrnehmen. Angeblich soll es ja auch möglich sein, dass sich zwei Teilzeitler eine Führungsposition teilen. Mir ist aber in unserem Unternehmen kein einziger Fall bekannt- und ich arbeite in der Personalabteilung! 
Solange ich mich immer schlecht fühlen muss, weil mein Kind krank ist und ich zu Hause bleiben muss,  solange sich Termine nicht danach richten, dass es auch Teilzeitmamis gibt, solange kommen wir nicht zusammen. Wem nützt also Eure Frauenquote? Hauptsächlich kinderlosen Frauen oder solchen, deren Kinder schon groß sind. Die hätten es zwar wahrscheinlich auch ohne Quote geschafft, aber das ist wieder ein anderes Thema.
Ich hingegen  muss mit meinen Ängsten jonglieren. Mir nächtelang Gedanken machen. Grübeln. Abwägen. Unzufrieden sein. Und wie üblich, seit ich eine Mami bin, einen Kompromiss finden, mit dem dann sowohl ich, als auch der Sohn leben müssen. Hier und da den Sohn doch mal länger in der Kita lassen (Hilfe! Schelchtes Gewissen!) hier und da aber vor allem auch im Büro Grenzen setzen (Hilfe! Schlechtes Gewissen!).
Die Frauenquote allein hilft mir überhaupt nicht. Was Mami braucht, ist ein kompletter Kulturwandel. Teilzeittätigkeit muss diesen Makel verlieren, ein Weniger zu sein.
Eigentlich ist es doch ein Segen, Vormittags im Büro und Nachmittags im Sandkasten sitzen zu dürfen. Ich will mir diese Jahre nicht vermiesen lassen. Denn eines Tages wird mein Baby groß sein und ich werde nur noch im Büro sitzen und sehnsüchtig an die Nachmittage im Sandkasten zurückdenken.
Aber dann kommt zumindest die Frauenquote wieder ins Spiel…
Eure Mia
P.S. Falls Ihr Euch fragt, warum Papa nicht mehr unterstützen kann- Papa ist entschuldigt. Papa ist beruflich so erfolgreich und auf einer ganz anderen Ebene unterwegs. Wir haben deshalb die Verabredung getroffen, dass ich diejenige bin, die beruflich zurücksteckt und das ist völlig in Ordnung so. Papa kümmert sich trotzdem um so viel zu Hause und ist immer für uns da. Außerdem übernimmt er die morgendliche Schicht mit dem Sohn (Frühstück, Wickeln, Anziehen und in die Kita bringen), so dass hier keiner zu kurz kommt. 

Wenn man nicht dran denkt wird man schwanger oder was?

Irgendwann demnächst- ich weiß gar nicht so genau wann- habe ich meinen Eisprung. Dieses mal will ich einfach nicht daran denken. Ich will nicht fünf Tage lang mit einem blinkenden Leuchtsignal (Eisprung! Eisprung!) im Kopf und einem Phase 2 Monster auf der Schulter durchs Leben gehen.
Druck soll ja so schlecht sein- habe ich gehört. Man soll ja ganz entspannt an die Sache rangehen. Is klaa- ich denk einfach nicht mehr dran und schwupps bin ich schwanger. Aber gut- ich lasse mich gerne mal auf das Expiremt ein.
Wie denkt man nicht mehr dran?  Das ist genausowenig möglich, wie an nichts zu denken. Obwohl- Buddhisten machen das doch, oder? Die Meditieren und denken an nichts. Werden buddistische Frauen dann schneller schwanger? Vielleicht sollte ich mal ´ne Studie dazu aufsetzen. Ach nee, geht ja nicht, weil dann denk ich ja wieder dran!
Egal- ich schaff das schon. Ist ja nicht so, als hätte ich nicht genügend Ablenkung. Der Sohn braucht schon wieder neue Schuhe und das ist ein tagesfüllendes Programm. Ich muss ganz dringend mal den Kleiderschrank vom Sohn ausmisten. Obwohl- dann denke ich wieder dran, was ich vielleicht nochmal für ein Geschwisterchen brauchen kann- das ist also nix. Aber wir haben unseren Sommerurlaub noch nicht geplant. Ach ja, und wir wollten unsere Geburtstage dieses Jahr mal wieder mit einer richtigen Party feiern, das muss alles organisiert werden. Allein die Erstellung der Gästeliste. Das Buffet mache ich am besten selber. Ob wir es wagen können, eine Gartenparty zu planen? Man kann ja auch ein Zelt mieten- nur für den Fall das es regnet…
Oh, mein Handy gibt gerade einen Erinnerungston von sich. „Ab heute bist Du fruchtbar.“ Na super! Jetzt hatte ich´s gerade vergessen!
Ich schaff´das schon…

Eure Mia

Im Büro darf ich alleine aufs Klo gehen- 10 Gründe, warum die Arbeit nicht nur stressig ist

Wiedereinstieg nach Elternzeit

Mama für Deutschland!

Zum Glück bin ich gerade in Phase 1. Da kann ich unbeschwert die Vorrundenspiele der EM verfolgen.
Unbeschwert? Ach nee- da war ja noch wer. Public Viewing scheidet also schonmal aus. Aber zu Hause ist es ja auch schön!
Mit Kleinkind im Hause erfordert der Genuss eines Fernsehabends allerdings einiges an Vorbereitung.
Es gibt nämlich zwei Dinge, die kann man vor meinem Sohn nicht verbergen: Süßigkeiten und die Abendplanung seiner Eltern. Wenn Mama und Papa abends Gäste erwarten, spürt der Sohn das schon lange vorher. Dann bockt er rum und will nicht ins Bett. Als Mutter muss man daher eine Fähigkeit zur taktischen Planung an den Tag legen, die einen glatt zur Bundestrainerin qualifizieren würden. Um bei dem Vergleich zu bleiben: Hier die wichtigsten Regeln:
– Die Spieleraufstellung bleibt bis kurz vor dem Anpfiff geheim:
Auf keinen Fall dürfen Freunde via Telefon eingeladen werden. Hört der Sohn die Worte „Sarah“ und „bis heute abend“ in Kombination, kann er darauf gezielt reagieren: Das neue Puzzle, für das ich ihn schon seit Wochen vergeblich zu begeistern versuche, ist plötzlich doch soooo interessant- Hauptsache, er muss nicht ins Bett.
– Das Trainig (hier: die Vorbereitung) findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.
Das Bier unbedingt in einem unbeobachteten Moment aus dem Keller holen und in den Kühlschrank stellen. Sollte der Sohn einen dabei erwischen, hat man nur noch die Chance, ihn mit einer Scheibe Wurst abzulenken.
– Mentale Vorbereitung nicht vernachlässigen:
Ruhe bewahren und sich nichts anmekren lassen ist ganz, ganz wichtig! Der Sohn hat ein untrügliches Gespür für Abweichungen vom regelmäßigen Tagesablauf. Er steht ihnen offen entgegen und ist mit Freude jederzeit dabei.
Gestern beim Spiel gegen Dänemark habe ich diese Regeln erfolgreich angewendet. Um 20:00 war der Sohn im Bett. Geschafft.
Da klingelt es an der Haustür. Mist, ich hab ganz vergessen, in die Einladungs- e-Mails zu schreiben, dass sie bitte eine sms schicken sollen, wenn sie vor der Haustür stehen. Sofort meldet sich das Babyfon- zum Glück nur ganz kurz.
Die Stimmung im Wohnzimmer steigt. Wir stoßen an, die Spieler laufen auf den Platz. Die Nationalhymne ertönt und unsere Gäste singen mit. Und zwar ganz schön laut. Kann man ja schlecht verbieten. Mitten in die Schlussakkorde der Nationalhymne mischt sich übers Babyfon ein leises Wimmern, dann ein lautes Weinen. Sohn wach! Ich hab´s befürchtet! Mama geht mal kurz rauf.
Der arme kleine Mann ist total müde, aber die ungewohnten Geräusche haben ihn aus dem Schlaf gerissen. Ich lege ihm die Hand auf den Bauch und sofort beruhigt er sich wieder und schläft ein. Ich schleiche mich aus dem Zimmer. Als ich gerade die Tür hinter mir schließen will, tönt von unten kollektives Gebrüll. Sofort fängt der Sohn wieder an zu weinen. Mist!
Dieses Mal lässt er sich nicht so leicht beruhigen. Ich muss ihn aus dem Bettchen nehmen und eine Weile im Arm halten. Zwischendurch zuckt er immer wieder zusammen, weil von unten Gebrüll ertönt. Ich fühle mich wie eine Bundestrainerin, die das Spiel von der Kabine aus verfolgen muss.
Als ich endlich wieder im Wohnzimmer ankomme, steht es schon 1:1. Mama hat wieder das Beste verpasst.
Bis zum Spiel gegen Griechenland muss ich meine Taktik wohl noch etwas verfeinern!

Eure Mia.

(Wie lange) Stillen?

Das Thema geistert spätestens seit dem Times-Artikel „Are you Mom enough?“ ständig durch die Presse. So zum Beispiel in dieser Sendung des WDR:
 Unabhängig, welche Meinung ihr zu dem Thema habt: Es ist doch erschreckend, mit welcher Vehemenz sich hier die unterschiedlichen Lager regelrecht bekämpfen!

Video: Stillen bis der Schulbus kommt

Muss nicht jede Mami ihren eigenen Weg gehen? Oder gibt es doch zu definierende Grenzen? Wo liegt diese Grenzen dann beim Stillen? Und wer legt das fest? Gibt das anderen Mamis das Recht, darüber zu urteilen?

Ich habe den Sohn übrigens vier Monate voll gestillt und dann einen weiteren Monat abgestillt. Drohbriefe diesbezüglich nehme ich unter mia.sommer1978@googlemail.com entgegen.

Halbtagsjob

„Das können wir ja dann in Ihr Büro stellen. Weil Sie doch Teilzeit sind.“ Bei einer Umzugsaktion im Bürogebäude war haufenweise Kram übriggeblieben, den unser Teamassistent nun in meinem Büro parken wollte. Ich war zu verdutzt, um darauf zu reagieren. War mir aber auch egal. Nach neun Monaten Babypause saß ich zum ersten Mal wieder alleine in einem Raum und genoss die Ruhe. Der kleine Zwischenfall war schnell vergessen.
Bis zum nächsten Morgen. Da begann unser wöchentliches Teammeeting. Mein Chef eröffnete mit etwas Organisatorischem: „Mia, Du wirst zusammen mit B. in ein Doppelbüro umziehen. Weil Du doch Teilzeit bist.“ Hallo?? Begrüßt man so eine liebe alte Kollegin? Da blieb mir doch glatt mein Keks im Hals stecken (war es übrigens ok, dass ich mir einen ganzen Keks genommen hatte? Oder stand mir nur ein halber zu? Ich mein, weil ich doch Teilzeit bin?)!
Seit ich eine Teilzeit-Mami bin, ist im Büro alles anders. Ok, ok, in manchen Dingen mag es ja sogar einleuchten. Hätte man mich wegen des Büros vorher gefragt, hätte ich wahrscheinlich ja gesagt. Aber diesen Automatismus will ich mir einfach nicht gefallen lassen: Die ist Teilzeit, die braucht das nicht. Die ist Teilzeit, die müssen wir nicht fragen. Die ist Teilzeit, die muss sich hinten anstellen. Nur weil ich Teilzeit bin, habe ich doch nicht automatisch weniger Rechte.
Ich fühle mich plötzlich aufs Abstellgleis geschoben. Früher galt ich als Leistungsträgerin im Team. Dann wurde ich schwanger. Aber jetzt bin ich doch wieder da. Ich bin immer noch dieselbe und ich beherrsche meinen Job. Leider passt das Mami-Sein scheinbar nicht zu meinem Job. Unternehmensjuristin und Mutter, das geht wohl imagemäßig nicht zusammen. Ich bin quasi raus.
Es gib ein Incentive zu vergeben? Bekommt die junge, aufstrebende und vor allem kinderlose Kollegin. Es gibt ein spannendes neues Projekt? Der männliche Kollege. Ein Termin bei der Geschäftsführung? Wahlweise die junge, aufstrebende Kinderlose oder die Kinderlose jenseits der 55.
Und ich? Die einzige Frage, deren Beantwortung mir offenbar jeder noch zutraut ist die: „Was macht denn der Kleine?“
Wenn ich um 15 Uhr nach Hause gehe heißt es: „Tschüß, schönen Feierabend. Bei dem Wetter! Du hast es gut!“ Leute, ich leg mich nachmittags nicht in die Sonne! Ich bespaße ein Kleinkind! Das macht mir (meistens) mehr Spaß als Paragraphenreiterei, ist aber auch anstrengender. Und ich habe erst Feierabend, wenn der Sohn im Bett ist, ich danach das Chaos aufgeräumt und alles für den nächsten Morgen vorbereitet habe. Bis dahin liegen die lieben Kollegen längst selber in der Sonne.
Im Übrigen lässt der Arbeitgeber mich nicht aus lauter Menschlichkeit früher nach Hause gehen. Ich bekomme dafür auch weniger Geld. Das ist der Deal!
Das einzig Gute ist, dass ich mir diese ärgerlichen Bemerkungen nicht den ganzen Tag anhören muss. Bin ja nur Teilzeit!
Eure Mia


Glücklich!

Heute esse ich ein riesengroßes Erdbeereis mit Sahne. Mein Sohn bekommt auch ein Eis. Er wird sein Eis  im ganzen Gesicht verschmieren und mich mit strahlenden Kinderaugen ansehen. Ich werde beim Anblick meines Sohnes wieder diese unendliche Liebe empfinden. Manchmal, wenn ich ihn so betrachte, ist dieses Glücksgefühl so überwältigend, dass mir die Tränen kommen. 
Heute essen wir zusammen ein riesengroßes Erdbeereis mit Sahne. Heute genießen wir das Leben!
Und dann werde ich auch nicht mehr enttäuscht darüber sein, dass ich heute morgen Besuch bekommen habe.

Schwangerschaftstests sind wie Schokolade

Ich werde keinen Schwangerschaftstest machen, der Badezimmerschrank bleibt geschlossen. Ich werde keinen Schwangerschaftstest machen, der Badezimmerschrank… ach, verdammt, dieses blöde Mantra hilft auch nicht.
Es ist das Ende von Phase 3. Nur noch vier Tage bis zur Mens.
Der Schwangerschaftstest liegt im Badezimmerschrank bereit. Ich kann ihn rufen hören: „Komm, hol mich raus. Du hast doch meine Packungsbeilage gelesen: 53% der Frauen können schon schon vier Tage vor Fälligkeit ein sicheres Ergebnis erhalten. Hol mich raus. Finde es raus“.
Ja warum eigentlich nicht? Es ist ja möglich, dass ich schwanger bin?! Dann ist es doch auch möglich, dass der Test positiv ist. Dann hätte ich Gewissheit und müsste nicht mehr wahnsinnig werden. Aber wenn er negativ ist? Ach, dann mach ich halt in ein paar Tagen noch einen. Ja, ich glaub´ich mach´s!
Oder nein. Ich lass es lieber!  Ich kann ja erstmal abwarten, ob ich meine Periode bekomme.  Auch kann ich morgen früh meine Basaltemperatur messen. Wenn sie abgefallen ist, bekomme ich kurz darauf meine Tage- so weiß ich auch schon ein paar Tage vor Fälligkeit bescheid, und es kostet nichts. Ja, ich warte besser ab.Oh Mann, ich will es aber heute wissen. Jetzt sofort!
Ich schleiche noch eine Runde am Badezimmer vorbei. Ich checke nochmal den Kalender. Schaue nochmal in meine zwei Kinderwunsch Apps (die haben unterschiedliche Angaben zu meinem Eisprung und den fruchtbaren Tagen- ein Grund, sie immer wieder zu öffnen). Ich rechne und rechne und überlege hin und her. Der Badezimmerschrank zieht mich magisch an.
Soll ich, oder soll ich nicht? Wenn er negativ ist, bin ich enttäuscht, und außerdem nicht schlauer als vorher. „Warum machst Du das immer?“, werde ich mich fragen. „Du wußtest doch, dass es eigentlich noch zu früh für den Test war!“
Schwangerschaftstests sind wie Schokolade. Unglaublich reizvoll! Ein süßes Versprechen. Ein toller Moment- und hinterher die große Reue! Nicht gut für mich, aber ich kann nicht widerstehen.
Hat der mich gerade wieder gerufen? „Hol mich raus! 50/50 Chance!“ Verdammt, ist der hartnäckig!
Nee, nee. Heute noch nicht. Vielleicht morgen…
Ich werde keinen Schwangerschaftstest machen, der Badezimmerschrank bleibt geschlossen. Ich werde keinen Schwangerschaftstest machen, der Badezimmerschrank…Eure Mia

Wie man das Geschlecht beeinflussen kann

Es gibt Tage, da ist mir einfach zu viel Testosteron im Haus. Die Männer sind bei uns zu Hause seit der Geburt des Sohnes in der Überzahl, und das macht sich bemerkbar. Mein Sohn zeigt mit seinen knapp 18 Monaten typisch männliche Eigenschaften: Er verwandelt jeden Gegenstand in ein Schwert. Er kann stundenlang am Fenster stehen und bei jedem vorbeifahrenden Auto in Begeisterungsschreie ausbrechen. Und er steht mehrmals täglich am Kühlschrank und verlangt nach einer Scheibe Wurst. Letzteres hat er sich bei Papa abgeguckt, die beiden ersten Punkte sind mir ein Rätsel.
Ein bisschen weibliche Verstärkung könnte also nicht schaden. Es gäbe da ja eine einfache Methode, ein bisschen nachzuhelfen:
Wenn man ein paar Tage vor dem Eisprung Sex hat, soll die Wahrscheinlichkeit höher sein, ein Mädchen zu bekommen. Hat man sehr nahe am Zeitpunkt des Eisprungs Sex, soll es eher ein Junge werden. Man muss also nur ermitteln, an welchem Zyklustag man seinen Eisprung hat (z.B. mittels Basaltemperatur oder Ovulationstest) und schon ist die geschlechterspezifische Familienplanung perfekt.Diese Methode nennt sich Shettles- Methode, nach deren Erfinder, dem US-amerikanischen Gynäkologen Landrum Shettles. Der hat nämlich in den 70er Jahren herausgefunden, dass weibliche Samenzellen schwerer und widerstandsfähiger sind. Sie überleben daher länger im weiblichen Körper- in der Gebärmutter sogar etwa 5 Tage. Männliche Samenzellen erreichen ihr Ziel vor allem durch eine im Vergleich zu den weiblichen Samenzellen höhere Geschwindigkeit. Kann man sich super merken- ist im Prinzip wie beim Autofahren: Die Männer sind schneller am Ziel, die Frauen zuverlässiger.
Klingt jedenfalls irgendwie super logisch und wissenschaftlich fundiert.
Aaaaber: Es gibt eine Theorie, die genau das Gegenteil behauptet: Sex nahe am Eisprung erhöht die Wahrscheinlichkeit für ein Mädchen. Diese Methode geht zurück auf Elizabeth Whelan. Die Dame hat einen Doktortitel von der Harvard School of Public Health und kommt daher nicht weniger vertrauenswürdig daher.
Na super. Wie machen wir´s denn jetzt?
Auf Dr. Shettles vertrauen?
Auf Dr. Whelan vertrauen? ?
Warten, bis Dr. Shettles und Dr. Whelan sich geeinigt haben??? (Schwierig, Dr. Shettles ist 2003 verstorben)
Hier ist meine Methode: Dr. Shettles und Dr. Whelan sind mir egal!
Denn ob Junge oder Mädchen, eines steht fest: Diese neue Wesen, auf das ich warte, wird mir wieder neue Welten eröffnen. Es wird ein kleiner, einzigartiger Mensch sein, bestimmt ähnlich, aber doch ganz anders als sein großer Bruder. Ich glaube daher nicht, dass ich mir nun ein Mädchen wünschen muss, weil ich einen Jungen schon habe.
Naja, ich würde schon gerne auch mal Mädchenkleider kaufen können und es wäre auch jammerschade, wenn ich mein Wissen über Fashion und Styling nicht an mein Kind weitergeben könnte, aber mir kommt schon der Gedanke seltsam vor, sich ein bestimmtes Geschlecht zu wünschen. Und wenn es ein anderes Geschlecht hat, ist Mama enttäuscht? Anders gesagt: Das Baby ist schon im Mutterleib eine Enttäuschung??Ob die Methoden überhaupt funktionieren ist übrigens zweifelhaft. Dr. Shettles behauptete, wer sich an seine Studien hält, erwartet 70-80% Treffsicherheit für ein Mädchen, 80-90% für einen Jungen.Dr. Whelan kann etwas weniger Treffsicherheit versprechen, als Dr, Shettles: 68% für Jungs und 57% für Mädchen.

Hält man im Hinterkopf, dass nach natrürlicher Verteilung auf 100 Mädchen 106 Jungen kommen, kann das Ergebnis wenig beeindrucken.

Es gibt vielleicht nachvollziehbare Gründe, das Geschlecht auf natürliche Weise beeinflussen zu wollen, aber mir fällt keiner ein. Also bleibe ich bei dem Motto: „Hauptsache gesund!“ Die Wahrscheinlichkeit, damit glücklich zu werden, liegt bei 100%. Ein Wert, von dem Shettles und Whelan nur träumen können!Eure Mia